Céret: Kirschen und Kubisten

Céret: schönster Boulevarc der Stadt: die Aveneue Michel Aribaud. Foto: Hilke Maunder
Schönster Boulevard der Stadt: die Aveneue Michel Aribaud. Foto: Hilke Maunder

Nun also Céret. Zwei Pässe und zwei Täler habe ich passiert. Dann war ich endlich in der „Kirschenstadt“ am Fuß des Pic de Canigou angekommen. Angelockt wie einst Picasso.

Omnipräsent in der Street Art von Céret: Picasso. Foto: Hilke Maunder

Das milde Mikroklima lässt im südlichsten Tal der Pyrénées-Orientales die roten Früchte früher als überall sonst in Frankreich reifen. Das erste Körbchen erhält, oft schon Mitte April, traditionell der französische Staatspräsident.

Kirschen aus Céret: köstlich! Foto: Hilke Maunder

Teuflisch, diese Brücke!

Nicht nur das Klima im Tal des Tech lassen staunen. Sondern auch die Begrüßung bei der Anfang. Nicht eine, sondern gleich drei Brücken überqueren den Tech.

Blick auf Céret von der Teufelsbrücke. Foto: Hilke Maunder

Eisenbahn, Straße und die weltälteste Bogenbrücke, die seit Mitte des 14. Jahrhunderts 22 m hoch und 45 m breit den Fluss überspannt: Le Pont de Diable, die Teufelsbrücke.

Céret: Jenseits der Brücken über den Tech grüßt der Canigou. Foto: Hilke Maunder

Das Auto auf dem Großparkplatz des Boulevards zum Museum abgestellt, begrüßte mich das Bergstädtchen zudem nicht nur in der typischen Architektur des Roussillon, sondern auch mit einem Flair, das mich eher an die Provence erinnerte…

„Les ponts de Ceret“ von Vincent Bioules – zu sehen im Kunstmuseum von Céret

Malerisch: die Altstadt

Denn hinter den kümmerlichen Resten der einstigen Stadtmauer, die an den offiziellen Parkplatz der Altstadt angrenzte, erblickte ich Boulevards mit hohen Bürgerhäusern, die mächtige Platanen beschatten.

Céret: Stattliche Bürgerhäuser säumen den Boulevard. Foto: Hilke Maunder

Cafés, Bistros, Bars und Restaurants hatten ihre Tisch auf das Kopfstein gestellt. Stimmengewirr aus aller Herren Länder lag in der Luft.

Von Mitte Juli bis Mitte August musiziert mittwochs ab 21 Uhr in Céret eine Cobla auf einem der Boulevards. Das traditionelle Tanzorchester spielt altbekannte Melodien: Sardane.

Als „Céretane“ war der katalanische Reigentanz hier einst erfunden worden. Daran erinnert alljährlich seit mehr als 60 Jahren jeden Juli ein Festival.

Doch nicht nur dann ist die Sardane in Céret noch ein echter Volkstanz, bei dem sich siebzigjährige Frauen, dreißigjährige Männer und zehnjährige Kinder die Hand reichen.

Céret: Picasso ist allgegenwärtig ist der Street Art. Foto: Hilke Maunder

Auch Pablo Picasso war von der Sardane fasziniert. Mit schwarzen, schnellen Strichen bannte er den Tanz auf weißen Papier und schenkte sein Werk Pierre Brune, dem Gründer des Kunstmuseums von Céret.

In Metall gefasst, ziert Picassos Bild auch einen Brunnen, der auf der Place Pablo Picasso plätschert.

Der Picasso-Brunnen. Foto: Hilke Maunder

Auch in den Seitenstraßen und Gassen rauscht und gurgelt es. Ähnlich wie in Freiburg im Breisgau waren auch in Céret noch die alten Bächlein erhalten, in denen das Wasser bis heute noch der Straßenreinigung dient. Im Sommer kühlt es die Stadt.

Ein mächtiges Torhaus gewährt am Boulevard Eingang zum Herz der Altstadt. Foto: Hilke Maunder

Das Künstler-Trio

Die besondere Atmosphäre des Städtchens war es auch, die es ab Winter 1909 zu einem besonderen touristischen Anziehungspunkt werden ließ.

Damals machten drei Künstler auf dem Weg nach Banyuls, wo sie Aristide Maillol besuchen wollten, in Céret Station: der katalanische Bildhauer Manolo Martínez Hugué, der Maler Frank Burty Haviland und der Komponist Déodat de Séverac.

Treffpunkt der Künstler: das Grand Café. Foto. Hilke Maunder

Der eisige, stürmische Tramontane hinderte sie aber an der Weiterreise.

Da ihre Zimmer und Wohnungen ungemütlich kalt waren, setzten sie sich ins Grand Café, lasen, diskutieren, und schwärmten in Briefen an Freunde und Kollegen von der Schönheit Cérets.

uch solch stattliche Bauten findet ihr zwischen den schmalen, hohen Häusern der Altstadt. Foto: Hilke Maunder

Die Kubisten kommen!

Angelockt von den Worten des Bildhauers Manolo Martínez Hugué kam auch ein Katalane. 1911 verbrachte Pablo Picasso mit Fernande den ersten Sommer in Céret. Im Frühling 1912 kehrte er mit Eve Gouël (verheiratet: Humbert) nach Céret zurück, 1913 nach dem Tod seines Vaters (Mai) erneut mit Eva und Max Jacob.

Céret: Glaubenshochburg im Herzen der Altstadt: die église Saint-Pierre. Foto: Hilke Maunder

Er experimentierte mit seinen Malerkollegen Georges Braque, Max Jakob, Juan Gris und Auguste Herbin mit Buchstaben, ovalen Formen und Papierschnitzeln – und machte das Bergstädtchen zum Mekka des Kubismus.

So beschrieb es der französische Kunstkritiker und Dichter André Salomon, der zu den frühen Verfechtern des Kubismus gehörte.

Céret: Altstadtgasse mit Weinhandlung. Foto: Hilke Maunder

Die Künstler lebten und arbeiteten in der Maison Delcros, einem stattlichen Bau mit Blick auf einen großen Park in der Rue des Évadées de France 3.

Pablo Picasso wohnte im ersten, Georges Braque im zweiten Stock. Heute erinnert nur das Klingelschild daran, dass hier Kunstgeschichte geschrieben wurde.

Noch immer sind die Namen an der Tür zu lesen. Braque. Picasso. Die letzten Zeugnisse an die aufregende Zeit eines Haus, das noch immer seine Wohnungen vermietet.

Auf den Spuren der Maler

Zu Picassos und Braques Freunden gehörte auch Pierre Brune. Er bat seine Freunde um Bilder – und legte damit den Grundstein einem großartigen Museum der modernen Malerei. Viele Künstler schenkten ihm ihre Werke  Heute besitzt das Musée d’Art Moderne mehr als 50 Werke von Picasso.

Schönster Platz der Altstadt – die place des neuf jets. Foto: Hilke Maunder.

Darunter findet ihr auch 28 rot-braun-gelbe Tonschalen mit Stierkampf-Szenen, die Picasso extra für den Ort gemalt und dem Museum 1953 geschenkt hat.

Ebenfalls von Picasso stammt die Zeichnung, La Sardane à la Colombe. Marc Chagalls berühmte Gouache „Die Kuh unter dem Regenschirm“ ist ebenfalls im Museum ausgestellt.

Altstadtgrün… Foto: Hilke Maunder

Den Spuren der Maler folgen zwei Rundwege, die ein Faltblatt vorstellt. Online könnt ihr den Spuren von Déodat de Severac (* 1872 in Saint-Felix Lauragais, gest. 1921 in Céret) bei diesem Stadtspaziergang  folgen.

Doch da hatte ich schon am Rande der Arcades, ebenfalls Überrest des Stadtmauerringes, eine Skulptur entdeckt, die mich mehr interessiert. Weiß, hölzern, beschriftet mit sinnigen, verrückten, ausgefallenen Worten.

Die Plastik der Worte und Wünsche. Foto: Hilke Maunder

Ich beschloss, mich treiben zu lassen. Vom Rinnen des Wassers, den Wortfetzen der Gassen, dem Schmuck der Türen und den Blumen der Fenster.

Patina mit Flair – die verblichene Reklame für Schokolade. IHr findet sie auf der Porte de France, auf einem der beiden erhaltenen Stadttore. Foto: Hilke Maunder

Und kam beim Bummeln und Schauen in den Straßen außerhalb des alten Zentrum zu einem Werk von Aristide Maillol. Der „Cézanne der Bildhauer“ hat für Céret ein in ganz Frankreich einmaliges Kriegerdenkmal geschaffen. Es stellt keinen Soldaten dar, sondern eine trauernde Frau.

Auf dem kleinen Platz hat ein Café-Restaurant Stühle hinaus gestellt: La Galérie. Mehr dazu in meinen Reisetipps!

Céret: meine Reisetipps

Schlemmen

Le Pied dans le Plat

Hausmannskost und frische, lokale Küche an einem der schönsten Plätze der Altstadt.
• Place des 9 Jets, Tel. 04 68 87 17 65, www.facebook.com/RestaurantCeret

Das Grand Café war der Treff der Kubisten. Foto: Hilke Maunder

Grand Café

Der Treffpunkt der Kubisten ist bis heute ein grundehrliches, günstiges Café geblieben, obgleich es direkt an der Ecke bei der Hauptroute zum Museum liegt.
• 2, rue Saint-Ferréol, Tel. 04 68  87 60 50

La Galérie

Stylisch und modern haben die beiden jungen Männer ihr Lokal im Sommer 2018 an einem kleinen Eckplatz eröffnet – und längst mit raffiniert-frischer Marktküche von lokalen Produzenten überzeugt.

Vom Schwertfisch bis zum iberischen Schwein, vom Rind bis zur Charlotte: Diese Küche gefällt Gaumen und Auge gleichermaßen, und auch Service, Location und Ambiente sind perfekt.
• 95, rue Saint-Ferréol, Tel. 04 68 09 71 33 , https://restaurant-la-galerie.business.site, www.facebook.com, Mo. Ruhetag

Can Puig

Mittags gibt es in dem belebten wie beliebten Lokal gut und günstig Menüs und Tagesgerichte, abends treffen sich hier die Einheimischen zu Tapas und Wein, im Sommer auch auf einigen Stühlen draußen auf der Straße.
• 47, rue Saint-Ferréol, Tel. 06 52 04 00 09, https://canpuig.business.site

Tapas, Wein und guter Mittagstisch. Foto: Hilke Maunder

Pâtissserie Duclos

Ein Paradies für Naschkatzen
• 6, av Georges Clemenceau, Tel. 04 68 87 49 58

Fougasses Catalanes

Fougasse gibt es nicht nur herzhaft, sondern bei den Katalanen auch süß – als längliche Kuchen aus Briocheteig, die mit Obst und Crème belegt oder mit Nüssen, Marzipan oder Schokoladen gefüllt werden.
• 8, place de la République, Tel. 04 68 81 09 16

La Maison de Dionysos

Julien Brière war 2018 der elfbeste Sommeliers Frankreichs – und verkauft in seiner Weinfachhandlung ausgezeichnete Weine von Winzern der Region sowie den führenden Weinregionen Frankreichs.
Tipp: Le Tourbillon de la Vie und Le Ciel qui Tombe von Jean-Philippe Padié aus Calce.
• 30, boulevard du Maréchal Joffre, Tel. 09 5086 20, www.facebook.com

Er war der elfbeste Sommelier Frankreichs: Julien

Shopping

La Sabotine: Sandalen nach Wunsch

Bis zur Schuhgröße 43 fertigt Nathalie in ihrem kleinen Altstadtladen ihre Sandalen nach euren Wünschen. Wählt als erstes zwischen den Absatz-Modellen die richtige Höhe für euren Holzschuh: 3.5, 4.5, 6.5 oder 8.5 Zentimeter?

Sucht danach für das Oberteil euch farbiges Leder oder ein Muster der Toiles du Soleil aus, der Sonnenstoffe der Katalanen (oder kombiniert beides) und entdeckt einen halben Tag Céret, bis die maßgeschneiderten Schuhe fertig sind.
• Rue du Vieux Céret, Tel. 09 82 49 15 53, www.facebook.com

Nicht verpassen!

MúSIC Musée des Instruments Céret

Kaum bekannt ist dieses Kleinod der Klänge: das MúSIC.  Auf der Fassade hängen Schwarzweißfotos, im Innern sind im einstigen Hôpital Saint-Pierre von 1649 seit 2013 470 Musikinstrumente aus aller Welt auf drei Etagen ausgestellt. Mit dabei: die renommierte Oboensammlung Herzka Nil.
• 4, rue Pierre Rameil, Tel. 04 68 87 40 40, www.music-ceret.com

Schlafen

Hôtel Le Cérétan*

Zentral, sauber, modern – was braucht man mehr, wenn man den ganzen Tag draußen unterwegs ist? Schön: der Innenhof, zwar nur ein schmaler Schlauch, aber sonnig – da wird beim gutem Wetter das Frühstück serviert!
• 7, rue de la République, 66400 Céret, Tel. 04 68 87 11 02, Le Ceretan*

L’Escalivade: schon von außen schön. Foto: Hilke Maunder

L’Escalivade*

Gästezimmer mit Charme und Stil, ein Außenpool und nette Wirte, die Hausgemachtes zum Frühstück servieren: Chambres d’hôte sind oft netter als Hotels!
• 94, Rue Saint-Ferréol, Tel. 04 68 68 08 10,

Noch mehr Betten*
Booking.com

Nicht verpassen!

Ermitage Saint-Ferréol de Céret

Aussichtskapelle: die Ermitage Saint-Ferréol de Céret. Foto: Hilke Maunder

Fünf Kilometer nordöstlich von Céret erhebt sich die Ermitage Saint-Ferréol de Céret auf einer Felsnase, die sich in das Tal des Tech schiebt.

Ermitage Saint-Ferréol de Céret: Aussicht auf das Massiv der Albères. Foto: Hilke Maunder

Aus 300 m Höhe eröffnet sich herrliche Ausblicke auf die Massive von Canigou und Albères und das Tal des Tech im Bas-Vallespir.

Ermitage Saint-Ferréol de Céret: Der Ausblick auf den Canigou und den Bas-Vallespir. Foto: Hilke Maunder

Weiterlesen

Zur Einstimmung: DuMont Bildatlas Frankreich Süden (Okzitanien)*

Der Bildatlas "Frankreich Süden" von Hilke Maunder - die fünfte AuflageMein DuMont Bildatals Frankreich Süden (Okzitanien)* fängt zwischen Rhône und Garonne, Cevennen und Pyrenäen in sieben Kapiteln die Faszination der alten Region Languedoc-Roussillon in Wort und Bild ein – auch als eBook!

Von Montpellier, der Boomtown am Mittelmeer, bis zum römisch-romantischen Nîmes, von den Étangs bei Narbonne bis zur katalanischen Kapitale Perpinyá. Und noch ein Schlenker nach Carcassonne und Toulouse: voilà meine Herzensheimat! Wer mag, kann den Band hierdirekt bestellen.

MARCO POLO Languedoc-Roussillon: die Hommage von Hilke Maunder an ihre WahlheimatKompakt & inspirierend: MARCO POLO Languedoc-Roussillon/Cevennen*

Den MARCO POLO Languedoc-Roussillon/Cevennenhabe ich nach Axel Patitz und Peter Bausch inzwischen mehrfach umfangreich erweitert und aktualisiert.

Von den Cevennen über das Languedoc bis hin zum Roussillon findet ihr dort Highlights und Kleinode, Tipps für Entdecken und Sparfüchse – und Adressen, die ich in meinem Frankreichjahr neu entdeckt und getestet habe.  Beide MARCO POLO-Bände hält ein Online-Update-Service aktuell, der euch über Events, Neueröffnungen und Schließungen informiert. Wer mag, kann ihn hier* direkt bestellen.

Der Reisebegleiter vor Ort: Ralf Nestmeyer, Languedoc-Roussillon*

Zwischen dem Delta der Camargue und den Gipfeln der Pyrenäen hat Ralf Nestmeyer nahezu jeden Strand gesehen, jeden Stadt besucht, jedes Wehrdorf besichtigt – im Languedoc etwas intensiver, im Roussillon fokussiert er auf bekannten Highlights.

Dennoch: Das gut 560 Seiten dicke Werk ist der beste Führer für Individualreisende, die diese Region entdecken möchten und des Französischen nicht mächtig sind. Wer möchte, kann den Band hier* direkt bestellen.

Das ganze Land: MARCO POLO Frankreich*

MARCO POLO Frankreich: praktisch und kompakt, bearbeitet von Hilke Maunder.Einfach aus dem Besten auswählen und Neues ausprobieren, ist das Motto der Marco Polo-Reiseführer. Den MARCO POLO Frankreichhabe ich gemeinsam mit Barbara Markert verfasst. Gleich zu Beginn geben wir unsere  Insider-Tipps für Frankreich preis: vom größten Flohmarkt Europas in Lille bis zur Schwimmen in der Piscine Olympique in Montpellier.

Das Kapitel „Im Trend“ verrät, was es Neues zu erleben gibt im Hexagon: vom Skijöring in den Skigebieten bis zum Übernachten im Baumhaushotel. Alle Hintergrundinformationen zu Frankreich und seinen Menschen findet ihr unter Fakten, Menschen & News. Es folgen: Tipps für Bars und Boutiquen, Erlebnissen für  Familien, Paare oder Alleinreisende. Wer mag, kann ihn hier direkt bestellen.

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6 Kommentare

  1. Liebe Frankreichfreunde,

    herzlichen Dank für den wunderschönen Artikel von Ceret. Wir waren schon zwei mal dort. Auch Nyons und Umgebung, sowie viele andere schöne Orte sind sehenswert. Gerne wäre ich weiter informiert über charmante Orte in Frankreich.

    Herzlichen Dank und freundliche Grüße

    Bettina Anger

  2. Dieser Beitrag hat mich heute – am Ostersonntag – ganz besonders gefreut! Vielen Dank! Ich mag Ceret, war schon oft dort, zuletzt im September 2015, und kann nur bestätigen, dass sich ein Besuch in dieser charmanten kleinen Stadt lohnt!

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