Le Cotentin: Europas Kap Hoorn

Der Leuchtturm von Gatteville. 365 Stufen und 52 Fenster - für jeden Tag bzw. jede Woche einmal.
Der Leuchtturm von Gatteville. 365 Stufen und 52 Fenster - für jeden Tag bzw. jede Woche einmal. Foto. Hilke Maunder

Mehr als 300 Kilometer Küste säumen die Halbinsel des Cotentin. Ihr Name erinnert an Kaiser Konstantin, der von Trier aus zu Beginn des 4. Jahrhunderts über Gallien herrschte. Weitaus mehr über den Charakter der weit in den Ärmelkanal ragende Spitze verrät ihr Beiname: normannisches Finis Terrae.

Cotentin: Cap Jobourg. Foto: Hilke Maunder
Cap Jobourg. Foto: Hilke Maunder
Am Cap Jobourg könnt ihr auf dem Zöllnerpflad wandern, der die gesamte Küste des Cotentin umrundet. Foto: Hilke Maunder
Am Cap Jobourg könnt ihr auf dem Zöllnerpfad wandern, der die gesamte Küste des Cotentin umrundet. Foto: Hilke Maunder

Zerklüftete Felskaps fallen steil ins Meer. Mehr als 14 Meter erreicht der Tidenhub der Gezeiten auf den Îles Chausey vor Granville.

Im äußersten Norden des Cotentin, auf der Halbinsel La Hague, wechseln malerische Granitdörfer mit einsamen Heideflächen und weiten Dünen.

Und auch hier schützen imposante Felskaps idyllische Buchten vor der Meeresströmung, während in Frankreichs kleinstem Hafen, Port Racine, die Fischer Hummer an Land holen.

ekoratives Element dient.Titel F_Cotentin_Cap Jobourg_Ausflugslokal_credits_Hilke Maunder Beschriftung Am Cap Jobourg lädt dieses aussichtsreiche Lokal zur Pause drinnen und draußen. Foto: Hilke Maunder Beschreibung Datei-URL: https://meinfrankreich.com/wp-content/uploads/2018/07/F_Cotentin_Cap-Jobourg_Ausflugslokal_credits_Hilke-Maunder.jpg URL kopieren Erforderliche Felder sind mit * markiert. Vorschaubilder regenerieren ANZEIGE-EINSTELLUNGEN FÜR ANHÄNGE Ausrichtung Zentriert Link zur Mediendatei URL https://meinfrankreich.com/wp-content/uploads/2018/07/F_Cotentin_Cap-Jobourg_Ausflugslokal_credits_Hilke-Maunder.jpg Größe Vollständige Größe – 1600 × 900 Ausgewählte Medien-Aktionen
Am Cap Jobourg lädt dieses aussichtsreiche Lokal zur Pause drinnen und draußen. Foto: Hilke Maunder

An der äußersten Nordspitze des westlichsten Départements der Normandie verwandelt die Meeresströmung Raz Blanchard selbst bei Windstille das Meer in eine tosende See.

“Europas Kap Hoorn” heißt das Cap de la Hague unter Seefahrern daher auch bis heute. Riffe dicht unter der Wasseroberfläche tun ein Übriges – und spielen bei zahlreichen legendenhaft ausgeschmückten Geschichten, in denen es um spektakuläre oder tragische Unglücke geht, eine verhängnisvolle Rolle.

Am Cap de la Hague bei Ebbe. Foto: Hilke Maunder
Am Cap de la Hague bei Ebbe. Foto: Hilke Maunder

Überliefert ist beispielsweise das bittere Schicksal eines Enkels von Wilhelm dem Eroberer. Jenen brauchte der wilde Raz de Barfleur um seinen englischen Thron. Und so verwundert es den erfahrenen Küstenwanderer nicht, wenn das ablaufende Wasser bei Ebbe vielerorts Wracks ans Tageslicht bringt.

Die Gefahr für die Schifffahrt wurde immerhin als so groß eingeschätzt, dass zu Napoleons Zeiten ernsthaft die Möglichkeit angedacht wurde, die sumpfigen Niederungen zwischen Lessay oder auch Portbail und Carentan mit einer Wasserstraße zu durchstechen und den Cotentin zu einer echten Insel zu machen.

Abend bei Ebbe am Cap de la Hague. Foto: Hilke Muander
Abends bei Ebbe am Cap de la Hague. Foto: Hilke Maunder

Fruits de Mer und frische Brise

Der Fischerort Saint-Vaast-la-Hougue zieht nicht nur Wassersport- und Jachtfreunde an, sondern auch Gourmets.

Der Feinkostladen Maison Gosselin in der Hauptgeschäftsstraße des Ortes. Foto: Hilke Maunder
Der Feinkostladen Maison Gosselin in der Hauptgeschäftsstraße des Ortes. Foto: Hilke Maunder

Direkt an der Marktstraße gleicht der Tante-Emma-Laden der Épicerie Gosselin einem Schlaraffenland. Suppen, Soßen, Pasteten, Marmeladen, Weine, Spirituosen und selten Spezialitäten, seit 1889 aus aller Welt importiert, findet ihr dort.

tives Element dient.Titel F_St-Vaast_Fischereihafen_credits_Hilke Maunder Beschriftung In Saint-Vaast-la-Hougue ist noch eine große Fischfangflotte daheim. Foto: Hilke Maunder Beschreibung Datei-URL: https://meinfrankreich.com/wp-content/uploads/2018/07/F_St-Vaast_Fischereihafen_credits_Hilke-Maunder.jpg URL kopieren Erforderliche Felder sind mit * markiert. Vorschaubilder regenerieren
In Saint-Vaast-la-Hougue ist noch eine große Fischfangflotte daheim. Foto: Hilke Maunder

Heute stehen Hédiard und Françoise in vierter Generation im Geschäft und verwöhnen mit Köstlichkeiten für Leib und Seele.

Ein Fischer hat den Barsch aus den Netzen befreit und verkauft ihn jetzt ab Kutter in Saint-Vaast-la-Hougue
Ein Fischer hat den Barsch aus den Netzen befreit und verkauft ihn jetzt ab Kutter in Saint-Vaast-la-Hougue. Foto: Hilke Maunder

Ein Muss ist auch eine Fruits de Mer-Platte mit Miesmuscheln (moules), Wellhornschnecken (bulots), Strandschnecken (bigorneaux), Jakobsmuscheln (coquilles Saint-Jacques), Venusmuscheln (palourdes), Garnelen und einem Krebs oder Hummer als Krönung.

Laisse les dire, lass sie nur reden… so heißt dieses Fischerboot. Foto: Hilke Maunder
Laisse les dire, lass sie reden: So heißt dieses Fischerboot. Foto: Hilke Maunder

Und natürlich Austern ( huîtres ). Sie werden hier in riesigen Austernparks gezüchtet. In diesen durch Gitter geschützten Parzellen in der Gezeitenzone legen die ostréiculteurs ihre Austernlarven in Drahtkästen oder Plastiknetzen rund 50 Zentimeter über dem Meeresboden aus.

Auch die verschiedensten Seetier-Fallen der Fischer stapeln sich am Kai. Foto: Hilke Maunder
Auch die verschiedensten Seetier-Fallen der Fischer stapeln sich am Kai. Foto: Hilke Maunder

Dort wachsen sie heran, werden, immer wieder umgesetzt und wandern schließlich zur Schlussmast in ein weniger salzhaltiges, dafür aber planktonreiches Klärbecken, bis sie die gewünschte Größe und Reife erreicht haben.

Reifekörbe für Austern, gestapelt am Kai von Saint-Vaast-la-Hougue. Foto:
Reifekörbe für Austern, gestapelt am Kai von Saint-Vaast-la-Hougue. Foto: Hilke Maunder

Nach der Ernte werden die Austern in bourriches, längliche Holzkisten, verpackt. Wie sie geerntet werden, könnt ihr vom Amphibienfahrzeug sehen, das bei Ebbe zur Insel Tatihou fährt.

Die Insel Tatihou. Foto: Hilke Maunder
Blick vom Hafen auf die Île Tatihou. Münzfernrohr stehen bereit! Foto: Hilke Maunder

Das kleine Eiland ist seit 1992 ein Ökomuseum, in dem Schüler während der Ferien Naturwochen verbringen und im Insellabor untersuchen, was sie bei Ebbe gesammelt haben.

Auf der Insel versteckt sich auch der Jardin Maritim. Hin zum Meeresgarten geht es stilecht in einem Amphibienfahrzeug.

Cotentin: Barfleur. Foto: Hilke Maunder
Der Hafen von Barfleur. Foto: Hilke Maunder

Das malerische Barfleur an der Nordostspitze des Cotentin gehört zu den schönsten Dörfern Frankreichs. Im Hafen werden nicht nur Austern, sondern auch säckeweise Miesmuscheln vom Kutter geladen.

Kostet die Blonde de Barfleur topfrisch in einem der Terrassenlokale direkt am Hafen! Die besten moules à la normande, Miesmuscheln mit crème fraîche und Cidre, gibt es für mich Café de France (12, quai Henri Chardon, Tel. 02 33 54 00 38).

Cotentin, Barfleur. Der Kantor übt für eine Hochzeitsmesse die Musik. Foto: Hilke Maunder
Der Organist der Église Saint-Nicolas von Barfleur übt für eine Hochzeitsmesse die Musik. Foto: Hilke Maunder

Direkt am Aufgang zur Mole erhebt sich die Pfarrkirche Saint-Nicolas aus grauem Granit.

Cotentin, Barfleur: Der Lettner der Pfarrkirche. Foto: Hilke Maunder
Der Lettner der Pfarrkirche von Barfleur. Foto: Hilke Maunder

Drinnen besitzt sie noch einen Lettner, wie er typisch für bretonische Gotteshäuser ist. Direkt am Kirchhof liegt auch der kleine Friedhof mit Blick über das Meer. Ein Kleinod ist der Cours Saint-Cathérine. Hinter einem Torbogen öffnet sich ein Innenhof mit Häusern aus dem 16. und 17. Jahrhundert.

Der Friedhof von Barfleur. Foto: Hilke Maunder
Der Friedhof von Barfleur zwischen den beiden Buchten des Ortes. Foto: Hilke Maunder

Besonders stolz ist Barfleur bis heute darauf, einst Lieblingshafen der anglo-normannischen Könige gewesen zu sein.

Die Kirche von Barfleur. Foto: Hilke Maunder
Die Kirche von Barfleur. Foto: Hilke Maunder

Ob Wilhelm der Eroberer tatsächlich, wie ein Gedenkstein in den Wellen verkündet, von Barfleur nach England im Jahr 1066 aufgebrochen ist, ist unter Historikern mehr als umstritten.

Cotentin, Barfleur, Erinnerung an 1066. Foto: Hilke Maunder
Ist Wilhelm der Eroberer wirklich von Barfleur im Jahr 1066 zur Eroberung Englands aufgebrochen, wie es der Stein behauptet? Die Historiker halten eher von Hafen von Le Crotoy für wahrscheinlich Foto: Hilke Maunder

Das Versailles der Normandie

Zu den schillerndsten Figuren des Cotentin gehört der Schriftsteller Jules Amédée Barbey d’Aurevilly (1808 – 1889). Der aristokratische Dandy hegte eine besondere Schwäche für Valognes.

„Normannisches Versailles“ wurde die Kleinstadt Valognes einst genannt – wegen der prachtvollen Palais, die der örtliche Adel und reich gewordene Tuchmacher, Färber und Gerber hier errichtet hatten.

Jedoch sind nur wenige Stadtresidenzen dem Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs entgangen – etwa das Hôtel de Beaumont aus dem 18. Jahrhundert und das Hôtel Grandval-Caligny in der Rue des Religieuses.

Stadt der Seefahrt: Cherbourg

Der Hafen von Cherbourg. Foto: Hilke Maunder
Der Hafen von Cherbourg. Foto: Hilke Maunder

Größte Stadt des Cotentin ist Cherbourg. Die Hafenstadt ist heute drittgrößter Standort von Frankreichs Marine, Fährhafen nach Großbritannien und Umschlagplatz für Kernkraftabfälle aus La Hague. Im Jahr 2000 wurde Octeville eingemeindet.

Cotentin: Der Hafen von Cherbourg. Foto: Hilke Maunder
Der Hafen von Cherbourg. Foto: Hilke Maunder

Den besten Überblick über die gewaltigen Hafenanlagen hinter der 3,5 Kilometer langen Mole bietet der 112 Meter hohe Hügel Roule mit der Festung Fort du Roule aus dem 19. Jahrhundert. Im Innern des Fort du Roule erinnert das Musée de la Libération an die Befreiung von der Naziherrschaft 1944.

Nicht verpassen solltet ihr dort die Cité de la Mer. Und die Regenschirmmanufaktur der Parapluies de Cherbourg mit ihrer gläsernen Werkstatt (s. Reisetipps). Eine Alternative für Kunstfreunde liegt 16 km westwärts: das Geburtshaus des Malers Jean-François Millet (1814 – 1875) in Gréville-Hague.

Strandvergnügen am Atlantik

Cotentin: Der Strand von Barneville-Carteret. Foto: Hilke Maunder
Der Strand von Barneville-Carteret. Foto: Hilke Maunder
Die Badehäuschen von Carteret-plage an der Atlantikküste des Cotentin. Foto: Hilke Maunder

Die Westküste des Cotentin säumen lange Sandstrände. Größter Badeort ist Barneville-Carteret. Mit Bahnverbindung nach Paris, Jachthafen, Kasino und fast 20 km Badestränden in der Umgebung rühmt sich das Seebad Granville als Monte Carlo des Nordens.

Eine Ringmauer schützt seit 1440 die Altstadt Haute Ville auf einem Felssporn, die großartige Ausblicke über Stadt, Hafen und Strände bis zu den Îles Chausey bietet.

Der kleine Hafen von Barneville-Carteret. Foto: Hilke Maunder
Der kleine Hafen von Barneville-Carteret. Foto: Hilke Maunder

Ganz besondere Gärten

Hoch über der Steilküste von Granville verbrachte  Christian Dior (1905–1957) in der Villa Les Rhumbs seine Jugend. Heute erinnert dort ein Museum an den Modeschöpfer. Wunderschön ist auch der Garten der Familie Dior.

Der Dichter Jacques Prévert schuf sich sein grünes Idyll in Saint-Germain-des-Vaux bei Cherbourg. Der Jardin d’Elle nördlich von Saint-Lô vereint mehrere Einzelgärten in einem Labyrinth. Ganz exotisch gibt sich der nördlichste Zipfel der Halbinsel Cotentin.

Dort gedeihen Pflanzen, die ihre Wurzeln sonst eher in warmer afrikanischer oder australischer Erde ausbreiten. Palmenhaine vermitteln Karibik-Feeling. Der Park um das Château de Vauville ist das beste Beispiel dafür.

Vor fast 60 Jahren wurde sein Tropengarten angelegt. Mittlerweile breitet er sich auf mehr als 40.000 Quadratmeter aus. Mehr als 700 exotische Spezies, darunter Eukalyptus, Bambus und Aloe Vera, gedeihen dort im warmen Klima des Golfstroms. 

Renaissance der Bocage

Bocage in der Mitte des Cotentin. Foto: Hilke Maunder
Bocage in der Mitte des Cotentin. Foto: Hilke Maunder

Im Hinterland der normannischen Küste schützen auf Wällen angelegte Hecken, ähnlich den norddeutschen Knicks, die Felder, Wiesen und Weiden vor den Widrigkeiten von Wind und Wetter.

Die bocage war jahrhundertelang typisch für die normannische Landschaft. Sie wurde im 20. Jahrhundert im Zuge der Flurbereinigung vielerorts abgeholzt, um große, durchgehend zu bearbeitende Flächen für die Landwirtschaft zu schaffen.

Cotentin: Die sandigen Böden des Saire-Tales werden für den Gemüseanbau genutzt. Neben Kohl in vielen Arten werden auch Zwiebeln dort gezogen. Foto: Hilke Maunder
Die sandigen Böden des Saire-Tales werden für den Gemüseanbau genutzt. Neben Kohl in vielen Arten werden auch Zwiebeln dort gezogen. Foto: Hilke Maunder

Seit einigen Jahren jedoch hat ein Umdenken und eine Abkehr von diesem Irrweg eingesetzt. Staatliche Programme unterstützen heute die Renaturierung und Erweiterung der Heckenlandschaft. Denn längst hat sie auch ihren ökonomischen Nutzen bewiesen.

Bocage am Cap Jobourg. Foto: Hilke Muander
Bocage am Cap Jobourg. Foto: Hilke Maunder

Sie schützt die Böden vor Erosion und bietet vielen Tieren Schutz. Wer mehr wissen will: In Saint-Lô eröffnete 2004 das Musée du Bocage Normand!

ekoratives Element dient.Titel F_Cotentin_Cap Jobourg_Rind_credits_Hilke Maunder Beschriftung Am Cap Jobourg weiden Rinder und Schafen auf Weiden, die Steinmauern einfassen. Foto: Hilke Maunder
Am Cap Jobourg grasen Rinder und Schafen auf Weiden, die Steinmauern einfassen. Foto: Hilke Maunder

Let’s swing unter Sternen

Laut und lebhaft geht es im Frühsommer in Coutances zu, bis 1790Hauptstadt des Cotentin. Alljährlich im Mai feiert das 15.000-Einwohner-Städtchen das einwöchige Festival Jazz sous les pommiers, das sich in den 20 Jahren seines Bestehens zu einem der bedeutendsten Jazz-Events in Frankreich entwickelt hat.

An die glorreiche Zeit erinnert die Cathédrale Notre-Dame auf dem höchsten Punkt der Ortes mit ihrer berühmten Laterne der Vierung. Der Jardin des Plantes von Coutances, 1852–1855 angelegt, gehört zu den ältesten der Normandie und wird im Juli und August allabendlich zu Musik illuminiert.

Die Stadt der Pferde

Hauptstadt des Départements Manche, das den gesamten Cotentin umfasst, ist Saint-Lô am Ufer der Vire. Bombenangriffe zerstörten die Stadt  als “Schlüsselstellung der Deutschen” im Juni 1944 zu 95 Prozent. Capital of Ruins nannte sie Samuel Beckett in einer Reportage für die BBC damals.

Kriegsgefangene halfen beim Wiederaufbau. Durch die Bombardierung zerstört wurde damals auch ein mehr als 200 Jahre altes Gestüt.Auf Basis der alten Baupläne erfolgte die Rekonstruktion so originalgetreu wie möglich. Heute gilt der Haras de Saint-Lô als bedeutendstes Nationalgestüt Frankreichs. Seit 1806 wird hier das französische Reitpferd Selle Français gezüchtet.

Anglo-arabische Vollblüter, stämmige Percheron-Kaltblüter und Cob Normand, französische Kutschpferde, züchtet hingegen der Haras National du Pin bei Argentan. Es ist das zweite berühmte normannische Gestüt der insgesamt 23 staatlichen Gestüte Frankreichs.

Die Schluchten der Vire

Südlich von St-Lô durchfließt die Vire ausgedehnte Wälder und imposante Schluchten. Entlang der 30 Kilometer lange Route Gorges de la Vire treten die Granit- und Schieferplatten des Amorikanischen Massivs an den Hängen der erodierten Täler offen zutage.

Herrliche Aussichten auf die Flusslandschaft bieten sich bei Pont-Bellanger mit dem Aussichtspunkt Planches d’Avenel und vom 203 Meter hohen Croix Julien.

Wenig weiter säumen Weiden den Flusslauf.  Vire ist nicht nur Heimat der Andouille de Vire, einer deftigen Räucherwurst  aus Innereien vom Schwein, sondern als Zentrum der französischen Milchwirtschaft seit 1950 offiziell auch die französische Hauptstadt der Butter. Unter dem Markennamen Elle et Vire verkauft die Genossenschaft ihre Molkereiprodukte weltweit.

Ganz besondere Lämmer

Zur Heimat der berühmten Grevin-Lämmer führt von Vire aus eine voie verte. Die 90 km lange grüne Route für Wanderer, Reiter und Radfahrer leitet auf einem einstigen Gleisbett mitten durch die Natur zur weiten Bucht des Mont-Saint-Michel.

77 Pflanzenarten wachsen dort auf den salzigen, sandigen Böden und verleihen dem berühmten Agneau de Pré Salé seinen einzigartigen Geschmack.Die Mutterschafe weiden mindestens 230 Tage in einem geografisch begrenzten Bereich. Die Lämmer werden exakt nach 90 Tagen der Aufzucht geschlachtet.

Ihr zartes Fleisch lässt Feinschmecker im Manoir de la Roche Torin von Courtils schwärmen. Für daheim verkauft die Schlachterei Simon in Caen das delikate Salzwiesenlamm.

Cotentin: England lässt grüßen. Foto: Hilke Maunder
Britannia lässt grüßen in Cherbourg. Fähren schippern hinüber. Foto: Hilke Maunder

Cotentin: Meine Reisetipps

Erleben & entdecken

Cité de la Mer

Cotentin: die Cité de la Mer in Cherbourg. Foto: Hilke Maunder
Die Cité de la Mer in Cherbourg. Foto: Hilke Maunder

Wo einst die Passagiere des MS Queen Elizabeth und anderer Atlantikliner abgefertigt wurden, präsentiert die Cité de la Mer das Atom-U-Boot Le Redoutable, das Aquarium Abyssal und einen Spaziergang auf dem Meeresboden.
• Gare Maritime Transatlantique, Cherbourg, www.citedelamer.com

Cherbourg, Cité de la Mer. Foto: Hilke Maunder
Die Cité de la Mer entführt bereits vor der Zugangsschranke zum Ausstellungsbereich in die Meereswelten und zeigt mehrere Tauchfahrzeuge. Foto: Hilke Maunder

Musée Dior

In der Villa Les Rhumbs (19. Jh.) verbrachte Christian Dior (1905–1957) seine Jugend. Heute erinnert ein Museum an den Modeschöpfer.
• Rue d’Estouteville, Granville, www.musee-dior-granville.com

Haras National

1806 ließ Napoleon im Osten von Saint-Lô den Haras National anlegen. Seine Vollbluthengste stellen Pfleger in historischen Uniformen vor.
• Avenue du Maréchal Juin, Saint-Lô, www.haras-nationaux.fr

Cotentin: Die Baie d’Écalgrain am frühen Abend. Foto: Hilke Maunder
Die Baie d’Écalgrain am frühen Abend. Foto: Hilke Maunder

Sentiers des Douaniers

Von der Baie des Veys bei Isigny-sur-Mer bis zum Mont-Saint-Michel umrundet der Fernwanderweg Grande Randonnée (GR) 223 den Cotentin. Die Strecke folgt den alten Saumpfaden der Zöllner, die auf ihnen die Küste entlang patrouillierten, immer auf der Suche nach Schmugglern und anderen dunklen Gestalten.

Schlemmen

Le Panoramique

In 123 Meter Höhe kreiert Meisterkoch Arnaud Feron aus den besten Erzeugnisse von Land und Meer aussichtsreiche Hochgenüsse. Gleich nebenan und ebenfalls sehr aussichtsreich: das Kirchlein auf der Land-Klippe. Sowie das kleinste und schönste Rathaus Frankreichs, Sieger im concours national 2015!
• 1, village de l’église, La Pernelle, Tel. 02 33 54 13 79, www.le-panoramique.fr

Maison du Biscuit

Neu gemacht auf alt: die Fassade der Maison du Biscuit. Foto: Hilke Maunder
Neu gemacht auf alt: die Fassade der Maison du Biscuit. Foto: Hilke Maunder

Seit fünf Generationen fertigt die Keksfabrik ganz handwerklich köstliches Naschwerk und verkauft es ab Werk in einem Geschäft, das mit viele Liebe zum Detail einen nostalgischen Feinkosttempel nachinszeniert.

Genuss-Reich: La Maison du Biscuit. Foto: Hilke Maunder
Genuss-Reich: La Maison du Biscuit. Foto: Hilke Maunder

Denn die vermeintlichen alten Fassaden der Häuser sind allesamt nachgebaut, ebenso wie das wunderschön verwinkelte Interieur. In seinen Gänge und Kammern werden längst nicht mehr nur Kekse angeboten. Sondern auch beste regionale Feinkost von Konfitüren bis zur Konserserven mit Sardinen, Cidrehuhn oder anderen lokalen Spezialitäten.
• Le Hameau Costard, 50270 Sortosville-en-Beaumont, Tel. 02 33 04 09 04, www.maisondubiscuit.fr

Shopping

Schirme aus Cherbourg

Die Schirme von Cherbourg schmücken die Ausstellung der Manufaktur. Foto: Hilke Maunder
Im Obergeschoss der Manufaktur erzählt ein kleines Museum Herstellung und Geschichte. Foto: Hilke Maunder

1963 begeisterte Cathérine Deneuve als verliebte Geneviève Emery in Les parapluies de Cherbourg* die Kinogänger. Die Musikromanze von Jacques Demy verschaffte der französischen Diva den Durchbruch und machte Cherbourg in aller Welt bekannt.

Cotentin, Cherbourg: Regenschirm-Herstellung einst. Foto: Hilke Maunder
Regenschirm-Fertigung einst. Foto: Hilke Maunder

Unter den Zuschauern war Jean-Pierre Yvon, der beschloss: Cherbourg, eine der regenreichsten Städte Frankreichs, sollte zum Markenzeichen für sturmsichere, erstklassige Regenschirme werden.

Cotentin: Cherbourg, Regenschirmfertigung heute. Foto: Hilke Maunder
Die gläserne Manufaktur der Regenschirmfabrik. Hautnah könnt ihr an Wochentagen zusehen, wie die Schirme entstehen. Bis zum Feierabend um 17 Uhr. Foto: Hilke Maunder

Noch heute wird Le Véritable Cherbourg vor Ort hergestellt – von den handgeformten Stöcken aus Ahornholz über das eingenähte Wappen bis hin zu den Verstrebungen aus Stahl.
• Le Véritable Cherbourg, 22, quai Alexandre III, Tel. 02 33 93 66 60, www.parapluiedecherbourg.com

Schlummern

Hôtel Chimène*

Sympathisches Stadthotel mit zehn frisch renovierten Zimmern (zwei davon sind Familienzimmer), zentraler Lage, aufmerksamen Mitarbeitern,  leckerem Frühstück und vernünftigen Preisen.
• 131, rue du Val de Saire, 50100 Cherbourg, Tel. 02 33 43 12 23, www.hotel-chimene.com

La Ferme des Mares*

An der Westküste versteckt sich in einem ausgedehnten Park dieses ländliche Oase mit großen, komfortablen Zimmern, bester Regionalküche und Ruhe ringsum. Perfekt zum Ausspannen, Auftanken, Lesen, für Ausritte und lange Spaziergänge!
• 26, Rue des Mares, 50430 Saint-Germain-sur-Ay, Tel. 02 33 17 01 02, www.la-ferme-des-mares.com

Noch mehr Betten*
Booking.com

Cotentin: Im Hafen von Cherbourg. Foto: Hilke Maunder
Im Hafen von Cherbourg. Foto: Hilke Maunder

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Cotentin: Gatteville. Foto: Hilke Maunder
Zwischen Leuchtturmklippe und Kohlfeldern liegt das alte Dorf Gatteville im Nordosten des Cotentin. Foto: Hilke Maunder

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Das ganze Land

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Cotentin: die Kirche von Saint-Pierre. Foto: Hilke Maunder
Die Kirche von Saint-Pierre. Foto: Hilke Maunder
Cotentin: das Innere der Kirche von Saint-Pierre. Foto: Hilke Maunder
Die Kirche von Saint-Pierre. Foto: Hilke Maunder
Dorfidyll in Barfleur. Foto: Hilke Maunder
Cap de la Hague. Foto: Hilke Maunder
Cap de la Hague. Foto: Hilke Maunder

 

Merci fürs Teilen!

2 Kommentare

  1. Hallo Hilke,
    wiederum ein ganz ausgezeichneter Bericht, der mehr Appetit auf Frankreich macht.
    Am 25.6.21 brechen wir in die Bretagne auf und hoffen auf gutes Wetter! natürlich brauchen wir auf dem Hausboot nicht so viel Wasser von oben!
    Beste Grüße
    HOratio

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