Klimt, Picasso & Co. ganz multimedial

Zur Eröffnung zeigt das Pariser Atelier des Lumières Meisterwerke von Klimt.

Der Kuss von Gustav Klimt. 180 x 180 Zentimeter misst die Ikone, die ursprünglich „Das Liebespaar“ hießt. Der Österreicher Gustav Klimt malte das Bild 1908/9 in seiner „goldenen Phase“. Aus Mosaiken komponierte er die Bekleidung – eckig beim Mann, rund bei der Frau.

Details überhöhte Klimt, Hauptvertreter des Wiener Sezessionsstil, gerne mit Gold- und Silberauflagen. Eng umschlungen zeigt sich der Maler Gustav Klimt beim Kuss mit seiner Partnerin Emilie Flögge, mit der er viele Jahre am Attersee im Salzkammergut gelebt hat.

Der Kuss 2.0

Was für eine Sinnlichkeit in Zeiten der Prüderie! Wien war entsetzt, tuschelte über den wortkargen Frauenversteher. Und doch ließ, wer Geld dazu hatte, seine Frauen gerne auch freizügig von Klimt malen. 56-jährig verstarb Klimt nach einem Schlaganschlag mit anschließender Lungenentzündung neun Monate vor Ende des Ersten Weltkriegs. Seine Bilder wurden weltberühmt.

Gut 100 Jahre später erlebt Klimt seine digitale Wiederentdeckung. Und das bei einer multimedialen Inszenierung, die alle Sinne berauscht und berührt. Das Original von Klimts Kuss hängt im Belvedere-Museum heute hinter Panzerglas.

Mt 24 Gemälden  besitzt das Wiener Museum die weltweit größte Klimt-Sammlung. Seine Version 2.0 gehört zu den Highlights von Multimedia-Kunstmuseen, die Culturespaces bereits an drei Orten in Frankreich und einer Dépendance in Südkorea mit großem Erfolg betreibt.

Der Eingang zu den Carrières de Lumières. Foto: Hilke Maunder

Les Carrières de Lumières

Das erste digitale Kunstzentrum eröffnete culturespaces 2012 an einem Ort voller Geheimnisse: dem Val d’Enfer. Im Innern des Berges leuchtete damals Klimts Kuss riesengroß auf dem Fels.

In den einstigen Kalksteinbrüchen der Alpilles bei Les-Baux-de-Provence könnt ihr seitdem bei wechselnden digitalen Ausstellungen hautnah in die Bildwelt der größten Künstler eintauchen. Die Projektionsfläche ist eindrucksvoll: 7.000 Quadratmeter behauener Stein vom Boden bis zur Decke – und bis zu einer Höhe von bis zu sechzehn Metern.

Gianfranco Iannuzzi, Renato Gatto und Massimiliano Siccardi entwarfen die Klimt-Präsentation, die seitdem auch in den anderen digitalen Kunstzentren von Culturespaces zu sehen ist. Im Picassojahr 2018 veränderten sich Picassos kubistisch verzerrte Frauen mit der Struktur der Steins. Musik und Multimedia verwandelten weitere Meisterwerke. Monet, van Gogh und viele weitere Maler, die Frankreich inspirierten.

239.000 Besucher erlebten im Eröffnungsjahr die Carrières de Lumières. Inzwischen kommen jährlich fast 600.000 Besucher. Besonders im Sommer lockt das Kunsterlebnis,  ist es doch im Steinbruch deutlich kühler als draußen.

2017 zeichnete die Non-Profit-Organisation Themed Entertainment Association die Carrières de Lumières mit dem THEA Award aus und ehrte damit Culturespaces und die Kommune Les Baux mit dem Preis für die beste immersive Produktion.

Die Carrières de Lumière bei Les Baux-de-Provence. Foto: Hilke Maunder

L’Atelier des Lumières

2o17 eröffnete in Paris in einer ehemaligen Gießer des 11. Arrondissements das Atelier des Lumières. Im Eröffnungsjahr 2017 konntet ihr auch dort Klimts Meisterwerke in XXL erleben – samt satter Multimedia-Effekte. 2018 folgte Picasso. 2019 war mit Vincent van Gogh ein weiterer berühmter Maler zu sehen.

2020/2021 heißt es „Monet, Renoir… Chagall. Voyages en Méditerranée“. Aufgrund der Corona-Krise wurde ein völlig neue Präsentation gewählt. „Ein Tag, ein Werk“ ist das Motto. Jeden Tag könnt ihr dort ein Bild der multimedialen Show erleben.

Renoir, Monet, Pissarro, Matisse, Signac, Derain, Vlaminck, Dufy, and Chagall gehören zu den insgesamt 20 Malern, die dort online präsentiert werden. Und, nach Corona, in sieben Sequenzen à 40 Minuten im Atelier des Lumières.

Kunst erleben mit allen Sinnen

Vom Boden bis zur Decke, acht Meter hoch, werden die weltberühmten Meisterwerke in Paris an die Wand geworden. AMIEX® (Art & Music Immersive Experience) nennt Culturespaces seine digital immersive Videoprojektion, die ein erstklassiges Sound-System musikalisch untermalt.

Auch in Paris treten die Elemente der Örtlichkeit in einen spannenden Dialog mit der digitalen Kunst. Im Atelier des Lumières ist es die Industriearchitektur. Die Bilder leuchten auf der ursprüngliche Metallstruktur des Gebäudes und heben Elemente hervor, die typisch sind für die alte Gießerei: ein hoher gemauerter Schornstein, ein Wasserbecken, ein Tank und ein Lagerraum.

3.300 Quadratmeter groß ist die Projektionsfläche, auf der ihr täglich von 10 und 18 Uhr 35 Minuten lang multimedial Meisterwerke entdecken könnt.

Die Angst der Anwohner vor Lärm konnte Culturespaces zunächst wenig verstehen. Doch war bereits zu Zugeständnisse machen. 2,5 Millionen Euro investierte Culturespaces in sein Soundsystem. Fast genauso viel Geld floss in den Schallschutz. Selbst sämtliche Luftfilter wurden isoliert. Busse können nicht vor dem Museum halten.

Simulation « Klimt, d’or et de couleurs » – Bassins de Lumières
Culturespaces- Nuit de Chine ; © akg-images / Erich Lessing ; © akg-images ; © Bridgeman Images

Neu in 2020: die Bassins de Lumières

Am 10. Juni 2020 hat  Culturespace in Bordeaux das weltgrößte digitale Kunstzentrum eröffnet: die Bassins de Lumières. Auch in der  ehemaligen U-Boot-Basis sind seitdem monumentale digitale Ausstellungen zu sehen, die große Künstler der Kunstgeschichte vorstellen: Klimt, Picasso, van Gogh und viele andere.

In Bordeaux jedoch ist alles noch viel gigantischer. Die Ausstellungsfläche umfasst dort 14.500 Quadratmeter und ist damit drei bzw. fünf Mal so groß wie an den bisherigen Standorten.

Erstmals wird die digitale Kunst im Wasser gespiegelt. Vier Becken, 110 m lang, 22 breit und 12 m tief, sind Projektionsflächen der Kunst und Musik. Auf Stegen über dem Wasser und entlang der Kais die Werke bestaunt ihr die Werke, die 90 Videoprojektoren und 80 Lautsprecher inszenieren.

Das Programm 2020 zeigt Schauen, die bereits in Paris und Les Baux Besucher begeistert haben. „Gold und Farben“ stellt den Wiener Maler Gustav Klimt (1862-1918) vor. „Musikmalereien“ nennt sich eine kleinere Schau zu Paul Klee (1879-1940). In einem  220 Quadratmeter großen Würfel könnt ihr aktuelle Digitalkunst entdecken. Im Eröffnungsjahr ist es das türkische Kollektiv OUCHHH mit seinen „Ozeandaten“.  Die 155 Quadratmeter große Zisterne zeigt Originalgemälde von Künstlern.

Hintergrund: Culturespaces

Bruno Monnier gründete 1990 Frankreichs erstes Unternehmen für das globale Management von Kultureinrichtungen. 30 Jahre später betreibt Culturespaces 14 Kultureinrichtungen in Frankreich. Dabei verwaltet das für mit eigenem Personal direkt alle Dienstleistungen, die für die jährlich 4,5 Millionen Besucher vorgehalten werden: vom Kartenverkauf über dieKulturprogramme bis hin zu Catering, Cafés und Gartenpflege.

Culturespaces betreibt in Frankreich:

– Museen und Kunstzentren, wie das die Pariser Museen Jacquemart-André und Maillol, Hôtel de Caumont in Aix-en-Provence und die Cité de l’Automobile in Carcassonne.
– prestigeträchtige historische Monumente wie das Amphitheater von Nîmes, das Römische Theater in Orange und die Burg von Les Baux-de-Provence.
– bemerkenswerte Gärten und Sammlungen, wie die der Villa Ephrussi de Rothschild.
– Zentren für digitale Kunst, wie die Carrières de Lumières, das Atelier des Lumières und die Bassins de Lumières..

2018 hat Culturespace in Partnerschaft mit dem koreanischen Unternehmen TMONETerstmals eine Einrichtung in Übersee eröffnet. Der Bunker de Lumières ist ein digitales Kunstzentrum, das dem des Atelier des Lumières ähnelt. Auf der  Jeju, einer beliebten Insel im Pazifik, präsentiert die immersive Ausstellung von culturespaces die Hauptfiguren der Wiener Kunstszene mit Gustav Klimt.

Im Bunker des Lumières durchschreitet ihr dort immer größere Räume, um in einen Hauptraum zu gelangen. 90 Laser-Videoprojektionen und Spiegel inszenieren dabei auf insgesamt 3.350 Quadratmetern die Meisterwerk nicht nur multimedial, sondern auch noch mit Nachhall und neuer Perspektiven. Südkorea ist der erste Standort der bei der angestrebten weltweiten Ansiedlung von AMIEX®-Kunstzentren.

Info: Multimediale Lichterkunst

L‘ Atelier des Lumières

• 38/40, rue Saint-Maur, 75011 Paris, www.atelier-lumieres.com

Carrières de Lumières

• Route de Maillane, 13520 Les Baux-de-Provence, Tel. 04 90 49 20 02, www.carrieres-lumieres.com 

Bassins de Lumières

• Impasse Brown de Colstoun, 33000 Bordeaux, Tel. 05 35 00 00 90www.bassins-lumieres.com

Mo.Co La Panacée

Nicht von Culturespaces betrieben wird La Panacée. 2013 in Montpellier eröffnet, ist das moderne Kulturzentrum ein faszinierendes Labor für experimentelle bildende Kunst, Digitaltechnik und Modern Writing. Seit 2019 gehört es zum Trio des Mo.Co. Montpellier Contemporain, das aktuelles Kunstschaffen zeigt und fördert von der Ausbildung bis zur Ausstellung.
• 4, rue de l’École de Pharmacie, 34000 Montpellier, www.moco.art

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Mein Reiseführer: Baedeker Paris*

Baedeker Paris 2018
Monatelang habe ich recherchiert und gewühlt, ehe ich zur Feder griff.  Und danach mit Dr. Madeleine Reincke als Redakteurin im Verlag an ihm feilte. Bis mein Baedeker „Paris“* in der ersten Staffel des völlig neu konzipierten Reiseführer-Klassikers erschienen.
„Tango unter freiem Himmel: Die Stadt der Liebe: Der neue Reiseführer ‚Paris‘ zeigt – neben Sehenswürdigkeiten – besondere Orte für Höhenflüge, romantische Momente wie ‚Tango unter freiem Himmel‘ und unvergessliche Dinners. Dazu gibt’s viele Kulturtipps…“  schrieb die Hamburger Morgenpost über meinen Paris-Führer, der viele neue Elemente im enthält.

Zu den Fakten, neu und unterhaltsamer präsentiert, gibt es jetzt auch Anekdoten und Ungewöhnliches, was ihr nur im Baedeker findet. Und natürlich ganz besondere Augenblicke und Erlebnisse, die euren Paris-Aufenthalt einzigartig und unvergesslich machen. Wer mag, kann meinen Paris-Reiseführer hier* bestellen.

Das ganze Land: MARCO POLO Frankreich*

MARCO POLO Frankreich: praktisch und kompakt, bearbeitet von Hilke Maunder.Einfach aus dem Besten auswählen und Neues ausprobieren, ist das Motto der Marco Polo-Reiseführer. Den MARCO POLO Frankreichhabe ich gemeinsam mit Barbara Markert verfasst. Gleich zu Beginn geben wir unsere Insider-Tipps für Frankreich preis: vom größten Flohmarkt Europas in Lille bis zur Schwimmen in der Piscine Olympique in Montpellier.

Das Kapitel „Im Trend“ verrät, was es Neues zu erleben gibt im Hexagon: vom Skijöring in den Skigebieten bis zum Übernachten im Baumhaushotel. Alle Hintergrundinformationen zu Frankreich und seinen Menschen findet ihr unter Fakten, Menschen & News. Es folgen: Tipps für Bars und Boutiquen, Erlebnissen für  Familien, Paare oder Alleinreisende. Wer mag, kann ihn hier* direkt bestellen.

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2 Kommentare

  1. Oh, klasse, dass du dieses Thema aufgegriffen hast. Die Kalksteinbrüche in der Provence stehen schon lange auf meiner Reiseliste. Die möchte ich unbedingt ansehen. Und natürlich am liebsten mit den Motiven von Klimt.

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