Curemonte in der Corrèze. Foto: Hilke Maunder
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Curemonte: Mini-Dorf mit drei Burgen

Am südlichen Ende des Départements Corrèze erstreckt sich Curemonte auf einem Bergrücken über den Tälern von Sourdoire und Maumont. Schon von weitem zeigt es seine Stadtmauer, drei Burgschlösser, drei Kirchen und viele noble Palais.

Die Lage ist äußerst malerisch – und geografisch besonders. Curemonte liegt exakt auf dem 45. Breitengrad. Es befindet sich damit genau auf halbem Weg zwischen Äquator und Nordpol.

Mitten durch den Ort verläuft der 45. Breitengrad. Foto: Hilke Maunder
Mitten durch den Ort verläuft der 45. Breitengrad. Foto: Hilke Maunder

Raymond de Curemonte war Vasall des Vicomte de Turenne. 1096 begleitete er den Vize-Grafen von Turenne im Ersten Kreuzzug. Für seine Dienste erhielt er das Recht auf eine eigene Burg. Im Laufe der Jahre kamen zwei weiteren Burgen hinzu.

In Curemonte gab es nicht – wie sonst allerorten – einen Seigneur, sondern eine gemeinsame Herrschaft von zwei Familien. Das ist wirklich ungewöhnlich! In dieser „Ganerbenburg“ teilte man sich die Ringmauer – und baute für jede Familie eigene Häuser.

Unterscheiden könnt ihr sie an ihren Türmen. Die quadratischen Türme gehören zum Château de Saint-Hilaire, die runden Türme zum Château de Plas.

Ab 1972 begann die Wiedergeburt der nachmals arg in Mitleidenschaft gezogenen Schlösser. Als neue Herren von Curemonte leitete die Familie Cantegreil umfangreiche Restaurierungsarbeiten ein. Seit 1992 stehen die Schlösser unter Denkmalschutz. Heute könnte ihr die beiden privaten Anwesen im Sommer Veranstaltungen besichtigen.

Das Château de Saint-Hilaire

Château Saint-Hilaire. Foto: Hilke Maunder
Das Château Saint-Hilaire. Foto: Hilke Maunder

Das Château de Saint-Hilaire steht im Zentrum der Burgmauer. Es geht auf das 13. Jahrhundert zurück. Den rechteckigen, viergeschossigen Bau flankieren drei Türme aus dem 15. Jahrhundert. Sie sind mit Maschikulis gekrönt und mit Biberschwanzziegeln bedeckt. Auf einem der Türme ist ein Löwe, das Wappen der Dynastie Lostanges, zu sehen.  

Im 16. Jahrhundert ging die Burg an Gabriel de Cardaillac über, der Anne de Plas geheiratete. Die Familie de Cardaillac stammte aus dem Quercy.

Das Familienschloss von Colette

Colette war die erste Frau, die in Frankreich ein Staatsbegräbnis erhielt. Als Schriftstellerin wurde sie weltberühmt. Weniger bekannt ist ihre Arbeit als Journalistin. Im Feuilleton der Pariser Tageszeitung Le Matin füllte sie eine eigene Rubrik.

Ab 1911 lebte sie zusammen mit dem Chefredakteur des Blattes, dem ebenfalls geschiedenen Baron Henry de Jouvenel des Ursins. Ende 1912 heiratete sie den Senator des Departements Corrèze und Minister. In Curemonte verfasste sie während ihres Aufenthalts einen Teil ihres Journal à rebours (Tagebuch im Rückwärtsgang).

Ein Jahr nach der Trauung wurde die einzige Tochter des Paares geboren, Colette Renée de Jouvenel.  Als der Erste Weltkrieg Paris begann, schickten die Eltern Colette Renée in die Corrèze. Auf dem Familienschloss Castel-Novel in Varetz betreute eine englische Nanny, Miss Draper, das junge Mädchen. Als Jugendliche geht sie zurück nach Paris.

Aktiv im Widerstand: Colettes Tochter

Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

1940 kehrte Colette de Jouvenel zurück in die Corrèze zurück. In Curemonte, „ihrer limousinische Toskana“, ließ sie sich im Familienschloss nieder. Gemeinsam mit dem Lehrerpaar des Dorfes, den Videaus, und Berthe Vayssié, der Besitzerin des Café-Tabak-Krämerladens La Providence, organisierte die 27-Jährige die Résistance.

Sie lebte im Nebengebäude des Schlosses, legt einen Gemüsegarten und sorgte dafür, dass ein Arzt ins Dorf kam. 1943 engagierte sie sich in der OSE Organisation de Secours aux Enfants de parents déportés (Hilfsorganisation für Kinder deportierter Eltern).

Sie versteckte  jüdische Kinder und Erwachsene im Nebengebäude des Schlosses, in renovierten Häusern im Dorf und bei Razzien in einem Versteck in den Ruinen des Schlosses von Curemonte. Der Lehrer versorgte die Familien mit falschen Papieren.

Politische Karriere

1944 wurde die damals 30-jährige Colette de Jouvenel  zur ersten Stellvertreterin ihrer Gemeinde gewählt – damals äußerst ungewöhnlich. Colette de Jouvenel träumte von einer neuen Welt, in der der Reichtum besser verteilt und die soziale Ungerechtigkeit wirklich besiegt würde. Von General de Gaulle für ihre Politik gelobt, stieg sie zur  Vorsitzenden des Sozial- und Gesundheitskomitees der Corrèze auf.

Die Umstrukturierung aller von Vichy aufgegebenen oder veränderten öffentlichen Dienste wie Krankenhäuser, Schulen usw. gelang ihr so gut, dass Staatschef de Gaulle sie bat, sich darum in vier Regionen zu kümmern, Colette de Jouvenal lehnte ab. Sie wollte lieber konkret bei ihren  kommunalen Aufgaben bleiben. Bis heute ist ihr Wirken in Curemonte und der Corrèze nicht vergessen.

Das Château des Plats

Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Ende des 15. Jahrhunderts begannen die Arbeiten am Château des Plas. Das Schloss wurde um drei identische Rundtürme mit Maschikulis, einem Satteldach und einem prächtigen Kamin gebaut, die einen massiven Hauptbau umgaben.
Es gab sicherlich ein heute eingestürztes Hauptgebäude, das die beiden Schlösser im 17. und 18. Jahrhundert miteinander verband.

Im 17. Jahrhundert wurde ein rechteckiger Trakt angefügt. Über dessen Eingangstor prangt eine von zwei Bossen-Pilastern flankierte Kartusche. Sie präsentiert das Wappen der Familie von Plas. Aus demselben Jahrhundert stammt ein weiterer Anbau. Mit dem Weggang der Plas wechselte das Schloss über ein Jahrhundert lang nacheinander die Besitzer.

Das Château de la Johannie

Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Im 13. Jahrhundert ließ sich eine weitere noble Familie in Curemonte nieder: les Jean. Jean ist Johannes auf Französisch. Ihr Stammsitz erhielt daher den Namen Château de la Johannie.

Im 15. Jahrhundert errichtete die Familie ihre Burg aus zwei hohen, gegeneinander verschobenen Quadern. Den Zugang zu den beiden Gebäudeteilen gewährt bis heute eine Wendeltreppe. Vier Schornsteine schmücken das Dach. 

Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Die Kirchen von Curemonte

Die Chapelle Sainte-Hilaire

Wie die älteste Burg des Ortes, so trägt auch die älteste Kirche vor Ort den Namen Saint-Hilaire. Das Gotteshaus im Weiler La Combe gehört zu den ältesten Kirchen der Corrèze. In reinster Romanik ruht der Sakralbau auf einem Fundament der Merowinger.

Lange vernachlässigt, wurde er 2015-2017 zwei Jahre lang saniert. Seitdem könnt ihr wieder die Malereien vom 12. bis zum 18. Jahrhundert bewundern. Die zeitgenössischen Fenster schuf die japanische Glaskünstlerin Michiyo Durt-Morimoto.

Die Kirche Saint-Barthélemy. Foto: Hilke Maunder
Saint-Barthélemy du Bourg . Foto: Hilke Maunder

Saint-Barthélemy du Bourg

Ursprünglich romanisch war auch die Kirche Saint-Barthélemy du Bourg mit ihrem Glockengiebel. Eine kleine Tür an der Südseite führt hinein. Drinnen schmücken drei Altarbilder das Kirchenschiff, darunter ein barockes Meisterwerk aus dem Jahr 1672. Das zentrale Altarbild aus bemaltem und vergoldetem Holz zeigt eine Kreuzigung, umgeben von vier Heiligenreliefs, die in die Tür des Tabernakels geschnitzt sind.

Der Mittelteil des Gebäudes stammt aus dem 12. Jahrhundert. Die Vierung und die Gewölbe des Chors sind gotisch. Die letzte Restaurierung bracht die ursprüngliche Polychromie zurück.

Saint-Genest

Als Pfarrkirche diente jedoch bis zur Französischen Revolution die Kirche Saint-Genest im Weiler Les Granges. Benediktiner hatten sie im 12. Jahrhundert errichtet. Heute birgt sie ein Museum für sakrale Kunst.

Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Die Markthalle

Gleich neben der Église Saint-Barthélemy du Bourg erhebt sich seit dem späten18. Jahrhundert die Markthalle. Unter dem  originalen Eichendachstuhl findet ihr ein Kreuz aus weißem Kalkstein aus dem 15. Jahrhundert. Die Markthalle heißt seit 2006 Halle Jean Lalé zu Ehren des Gründers des Vereins Les Amis de Curemonte.

Feldstein ganz nobel

Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Typisch für Curemonte sind auch sechs stattliche Adelshäuser, die die Gassen auf dem Hügelkamm säumen. Eine Markthalle erhielt Curemonte erst im frühen 19. Jahrhundert. Errichtet wurde sie nicht aus Stein, sondern aus Eichenfachwerk. Ursprünglich diente die Halle als Getreidemarkt.

Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Erst spät entdeckten die Künstler den Charme von Curemonte. 1940 kam die Schriftstellerin Colette, die zeitweise in der Corrèze gelebt hat, nach Curemonte und verfasst dort ihren Roman Journal à rebours.

Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Curemonte: meine Reisetipps

Paradeblick

Einen sehr schönen Ausblick auf Curemonte bietet die Straße nach Branceilles.

Erleben

Terra Aventura le village des trois

Holt euch für diese digitale Schatzsuche die Infos am Office de Tourisme oder ladet euch die App fürs Geocaching von Curemonte aufs Handy.
www.terra-aventura.fr

Geführte Besichtigungen

Im Sommer führen die Mitglieder des Vereins Amis de Curemonte täglich um 17 Uhr durch das Dorf.

Wandern

Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Autour des Châteaux

Immer neue Ausblicke auf die Schlösser von Curemonte eröffnet dieser Rundweg, der immer neue Aussichten auf die Burgschlösser eröffnet. Unterwegs kommt ihr an der Kapelle Saint-Hilaire-de-la-Combe vorbei, deren älteste Teile aus dem 11. Jahrhundert zurückgehen.

• 7 km

Curemonte liegt langgestreckt auf einem Hügelkamm im Süden der Corrèze. Foto: Hilke Maunder
Curemonte liegt langgestreckt auf einem Hügelkamm im Süden der Corrèze. Foto: Hilke Maunder

Autour du Puy Turlau

Der Kreuzweg, der auf den Puy Turlau (279 m) führt, wird am Karfreitag von einer Prozession begangen und bietet schöne Aussichten. Anschließend bietet ein Abstecher nach Végennes den besten Blick auf Curemonte.
• 6, 1 km

Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Schlemmen und genießen

Lou Pé Dé Gril

Löwenzahn heißt auf Französisch pissenlit. Francine und Maurice Guionie pflücken seine jungen Blüten alljährlich im Frühjahr per Hand. Sie legen sie in Essig wie Kapern ein oder lassen sie mit Zucker, Zitronen, Rosinen und Wasser zu Fruchtwein fermentieren. Auch Gelee und Chutney aus Löwenzahn gibt es bei diesem Familienbetrieb am Ortseingang von Curemonte.
• La Fontaine du Chassan, 19500 Curemonte, Tel. 05 55 25 45 53, www.loupedegril.com

Auch eingelegte Löwenzahn-Blüten gehören zum Sortiment. Foto: Hilke Maunder
Auch eingelegte Löwenzahn-Blüten gehören zum Sortiment. Foto: Hilke Maunder

Schlafen

Le Moulin de Lassalle*

Bernadette Gironde und ihr Mann haben ihre Hofstelle für Gäste hergerichtet. Ihre fünf geräumige wie modern-komfortable Gästezimmer liegen mitten in der Natur. Und doch nur drei Kilometer entfernt von Curemonte.
• D106, 19500 Puy-d’Arnac, Tel. mobil 06 81 16 24 01, www.lemoulindelasalle.fr

Noch mehr Betten*

 

Wehrhaft: Curemonte. Foto: Hilke Maunder
Wehrhaft: Curemonte. Foto: Hilke Maunder

Weiterlesen

Im Blog

Collonges-la-Rouge

Auch Collonges-la-Rouge gehört zu den schönsten Dörfern Frankreichs. Seine Besonderheit? Es ist komplett aus rotem Sandstein erbaut – ein ungewöhnlicher Anblick! Entdeckt das Bilderbuchdorf hier.

Collonges-la-Rouge. Foto: Hilke Maunder
Collonges-la-Rouge in der Corrèze. Foto: Hilke Maunder

Meyssac

Ebenfalls an der Verwerfung, die den roten Sandstein für den Bau von Collonges-la-Rouge liefert, liegt das malerische Dorf Meyssac. Hier könnt ihr es im Blog entdecken.

Foto: Hilke Maunder
Collonges-la-Rouge. Foto: Hilke Maunder

Turenne

Ebenfalls zum prestigeträchtigen Kreis der plus beaux villages de France gehört das Burgdorf Turenne in der Corrèze. Entdeckt es hier!

Die Burg Die Burg von Turenne und ihr Dorf. Foto: Hilke Maunder ihr Dorf. Foto: Hilke Maunder
Die Burg von Turenne und ihr Dorf. Foto: Hilke Maunder

Brive-la-Gaillarde

Nur 20 Autominuten von Curemonte entfernt ist die größte Stadt der Corrèze, Brive-la-Gaillarde. Wie ihr die Stadt am Kreuzungspunkt zweier wichtiger Autobahnrouten richtig genießen könnt, erfahrt ihr hier.

Alte Fassaden an der Place Charles de Gaulle. Foto: Hilke Maunder
Alte Fassaden schmücken die Place Charles de Gaulle in Brive-la-Gaillarde. Foto: Hilke Maunder

Im Buch

Klaus Simon, Hilke Maunder. Secret Citys Frankreich*

Gemeinsam mit meinem geschätzten Kollegen Klaus Simon stelle ich in diesem Band 60 Orte in Frankreich vor, die echte Perlen abseits des touristischen Mainstreams sind. Le Malzieu in der Lozère, Langogne im Massif Central, aber auch Dax, das den meisten wohl nur als Kurort bekannt ist.

Mit dabei sind auch Senlis, eine filmreife Stadt im Norden von Frankreich, und viele andere tolle Destinationen. Frankreich für Kenner  – und Neugierige!

Lasst euch zu neuen Entdeckungen inspirieren … oder träumt euch dorthin beim Blättern im Sessel oder am Kamin. Wer mag, kann das Lesebuch mit schönen Bildern hier* bestellen.

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