Die hängenden Gärten von Marqueyssac
Die hängenden Gärten von Marqueyssac sind ein Meisterwerk der grünen Kunst, das sich filigran an die steilen Kalkklippen über der Dordogne schmiegt. Mit mehr als 150.000 handgeschnittenen Buchsbäumen und anderen Laubbäumen entfalten die Gärten, die völlig auf Blüten verzichten, eine faszinierende Landschaft aus Formen und Schatten, die immer wieder neue Aus- und Einblicke eröffnet.
Auf einer der Klippen, die sich 130 Meter hoch über der Dordogne erheben, krallt sich tiefgrün der Buchsbaum in Kugeln, Kreisen, Quadraten und Kegeln an den Kalk . Statt Blumen setzen die hängenden Gärten von Marquessac auf Schattierungen und Strukturen in Grün – im formellen Garten wie auch im Landschaftspark des Anwesens.
Sie bewahren das Erbe eines Gartens, den Bertrand Vernet 1692 in Terrassen anlegen ließ. Doch erst mit Julien de Cerval erhielt er sein heutiges Gesicht. 1861 hatte jener in Italien seine Liebe für Gärten entdeckt.
Er ließ 150.000 Buchsbäume und schlanke Zypressen pflanzen, Pinien und Alpenveilchen. Als Kléber Rossillon 1996 den Landsitz erwarb, waren die Gärten verwahrlost. Die einheimische Vegetation hatte die einstige Gartenanlage völlig überwuchert.
Die Jardins de Marqueyssas wurden originalgetreu so wieder angelegt, wie Julien de Cerval sie geplant hatte. Neu hinzu kam ein Wasserlauf.
Vom Belvédère fließt er hinab. 40 Meter bildet er einen kleinen Wasserfall, ehe er sich im „Kessel der Riesen“ ergießt. Früher wurde das Regenwasser in zwei Zisternen gesammelt, die mühsam in den Fels geschlagen worden waren,
Das Lustschlösschen

Das Herrenhaus ist eine schlichte chartreuse, ein Lustschlösschen in U-Form. Es wurde Anfang des 19. Jahrhunderts erbaut. Sein zentraler Treppenturm ist das letzte Überbleibsel des Vorgängerbaus.
Drinnen birgt es einen Speisesaal mit einem Kachelofen im flämischen Stil. Den Salon schmücken Möbel im Empire-Stil. Hingucker im Schlafzimmer ist das Himmelbett aus dem späten 19. Jahrhundert.
Das Dach ist mit den für die Region typischen Flachsteinziegeln aus Kalkstein gedeckt. Diese lauzes genannten Schindeln sind insgesamt 500 Tonnen schwer. Ursprünglich waren sie hell. Doch mit der Zeit erobern Flechten den Stein und versiegen ihn so, dass er ganz dunkel und schwarz wirkt.
Tierische Schau
Ganz im Stil der Gartentradition des 19. Jahrhunderts, wo Menagerien fremdartige Tiere und Menschen dem staunenden Volk zeigten, präsentieren auch die Jardins de Marqueyssac Ungewöhnliches aus der Fauna.
Den Auftakt machen exotische Taubenarten in der Volière. Dutzende Pfauen stolzieren frei zwischen dem Grün umher. Sie hüpfen auf Fenstersimse und schlagen ein Rad, sobald man sich ihnen nähert. Überall stolzieren sie in den Gärten umher.
Der Pavillon de la Nature birgt einen 150.000 Jahre alten Dinosaurier, den Kléber Rossillon 2016 für die Jardins de Marqueyssac erwarb. Solch ein 7,5 Meter langer Carnosaurier lebte während der Jurazeit in Europa. Dieses Exemplar allerdings wurde 2013 in den Vereinigten Staaten entdeckt und von dort nach Frankreich verfrachtet.
Gestaltete und „wilde“ Natur
Mit ihren gewundenen Alleen sind die Jardins de Marquessac typisch für die Lustgärten, die zur Regierungszeit von Napoleon III. in Frankreich entstanden.
Die Formen der Buchsbäume greifen die sanften Hügel und der kantigen Felsen der Dordogne auf und sorgen für Harmonie zwischen der ursprünglichen und der gestalteten Natur.

Beim buis handelt es sich meist um den Gemeinen Buchsbaum. Er kann nicht nur gut auf Kalkböden gedeihen, sondern auch Trockenheit und Hitze aushalten.

Zweimal jährlich, im Frühling und Herbst, schneiden ihn die fünf Gärtner des Parks in Form. Die Hecken indes erhalten nur einmal jährlich einen Schnitt. Das alles erfolgt per Hand. Eine elektrische Heckenschere quetscht zu sehr und lässt die Blätter vergilben.
2003 entstand hinter dem Landschlösschen das chaos de buis. Für diese Buchsbaumwildnis wurden 1996 50 Steineichen abgeholzt, um die großen alten Buchsbäume freizustellen.
Zunächst erhielten sie als Grundschnitt die Teppichform. Dann wurden sie mit Schablonen so modelliert, dass sie großen Steinblöcken ähneln – wunderschön!
Wie viele verschiedene Buchsbaumarten es weltweit gibt, verrät seit 2007 die Grande Allée, die insgesamt 50 verschiedene Buchsbaumarten säumen.
Mediterraner Süden, atlantischer Norden
Die nach Süden ausgerichtete Felswand steht unter starker Sonneneinstrahlung. Ihr Kalk speichert die Wärme und sorgt für ein besonderes Mikroklima.
Im Herbst und Winter hüllen die Nebelschwaden der Dordogne die Pflanzen ein und schützen sie vor Frost. Dadurch fühlen sich dort auch Pflanzen wohl, die sonst im Mittelmeerraum heimisch sind wie die Steineichen. Auch Sanddorn und Felsahorn krallen sich dort ans Gestein.
Deutlich feuchter ist die Nordseite der Kalkklippe. Dort herrscht atlantisches Klima. Feldahorn, Weißbuchen und Robinien fühlen sich dort wohl.

Judasbaum und Alpenveilchen
Julien de Cerval führte zahlreiche Zierbaumarten in den Park ein: Linden, Judasbäume, Platanen und Ulmen. Als Italienliebhaber pflanzte er auch Zypressen und Pinien.
Die neapolitanischen Alpenveilchen, die er ebenfalls in die Erde setzte, bilden von Ende August bis Oktober einen farbigen Blütenteppich.
Ganz im Stil seiner Zeit romantisierte er zudem seinen Park. Er setzte dazu Treppchen, Steinhüttchen und künstlichen Felsen, Kreuzweg und in Stein gehauenen Bänke ins Grün.

Weitblicke über die Dordogne
Wahrhaft einzigartig wird die Anlage durch die spektakulären Ausblicke. Von Aussichtskanzeln, Kuppen und Wegen schweift der Blick hin zu den Burgschlössern von Castelnaud und Beynac.
Er gleitet über die Mäander der Dordogne, verliert sich zwischen Nusshainen und Viehweiden, bleibt an einem Gehöft hängen. Und erblickt vom höchsten Punkt des Grates tief unten La Roque-Gageac.
Die hängenden Gärten von Marquessac: die Infos
Anschrift
Jardins de Marquessac, 24220 Vézac (9 km von Sarlat), Tel. 05 53 31 36 36, www.marqueyssac.com; ganzjährig geöffnet.
Genießen
Teesalon mit Aussichtsterrasse am Herrenhaus; Crêperie mit Freilufttischen im Wald.
Aktiv
Spazierengehen
Drei verschiedene Spaziergänge verführen zum Lustwandeln im Grünen. Sie führen allesamt hin zum 800 Meter vom Schloss entfernten Belvédère, einem Balkon mit Paradeblicken über das Périgord.

Via Ferrata des Rapaces
Schwindelfrei solltet ihr sein für die 200 Meter lange Seilstrecke am Fels. Mindestalter: 8 Jahre, Mindestgröße: 1,30 Meter. Die wagemutige Erkundung des Dordognetales – von Mitte April bis Mitte November.
Schöne Veranstaltungen
Rendez-vous aux jardins
Beim landesweiten Gartenfest am ersten Wochenende im Juni machen auch die Jardins de Marqueyssac mit – mit Ausstellungen, Workshops und anderen Angeboten.
Marqueyssac aux chandelles
Im Sommer setzen 2000 Kerzen romantische Akzente, wenn zum Sonnenuntergang Pianisten und Saxophonisten, Gitarrenduos und Jazz-Ensemble aufspielen und die lauen Abende verzaubern. Am 1. Samstag im Juni sowie donnerstags im Juli und August ab 19 Uhr.

Hier könnt ihr schlafen*
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Im Blog
Vom Zauber der Beschaulichkeit
Die Dordogne prägt das Périgord. Entdeckt den wunderschönen Fluss mit diesem Beitrag.
Domme: Balkon der Dordogne
Ganz in der Nähe der Gärten versteckt sich im Périgord Noir eine der schönsten Bastiden des Südwestens: Domme.
Milandes: Das Schloss von Josephine Baker
Als erste schwarze Frau zog die Sängerin und Schauspielerin Josephine Baker ins Pariser Panthéon ein. Sie hat ganz in der Nähe der Gärten von Marquessac in einem Schloss gelebt, in dem heute ein Museum ihr Andenken wachhält – auch an die Zeiten als Widerstandskämpferin.
Grüne Träume: die Gärten von Eyrinac
22 Generationen lang hat die Familie Sermadira um ihren Landsitz ein traumhaftes Gartenparadies gestaltet und geformt. Mehr zu den Jardins de la Manoir d’Eyrignac erfahrt ihr hier.
Im Buch
Stéphane Marie, Die schönsten Gärten Frankreichs*

Stéphane Marie, seit 1998 Moderator der TV-Sendung „Silence, ça pousse“ auf France 5, hat mit Ma France des Jardins* einen großformatigen Führer zu 27 außergewöhnlichen Gärten und Parks in Frankreich verfasst. Im Mai 2025 bei Flammarion veröffentlicht, ist sein bildreiches coffee table book nun in der deutschen Übersetzung von Carmen Hindemith und Rosa Kratz im Gerstenberg-Verlag erschienen.
Auf 264 Seiten bietet das Werk eine persönliche Auswahl von Maries Lieblingsgärten im Land, reich bebildert und ergänzt mit den wichtigsten Besucher-Informationen.
Stéphane Marie, 1960 in der Normandie geboren, hat in Saint-Pierre-d’Arthéglise gemeinsam mit seinem britischen Mann eine Scheune ins gemeinsame Heim verwandelt und bei der Anlage des Gartens seine Leidenschaft fürs Gärtnern entdeckt. Diese Begeisterung für gestaltetes Grün prägt jeden Beitrag im Buch. Neben detaillierten Beschreibungen zur Geschichte, Anlage und Flora der Gärten gehören auch persönliche Einblicke dazu. Die Vielfalt der vorgestellten Gärten reicht von bekannten Klassikern bis hin zu weniger bekannten Juwelen wie dem Jardin Plume im normannischen Auzouville-sur-Ry oder dem Jardin des Martels in Giroussens (Tarn).
Die Zusammenstellung folgt dabei bewusst einem subjektiven Blick. Der Schwerpunkt liegt deutlich im Norden und Westen Frankreichs: Sechs Gärten der Normandie sind darin vertreten, ebenfalls sechs befinden sich in den Pays de la Loire. Hinzu kommen jeweils drei Gärten in der Bretagne und in den Hauts-de-France. Andere Regionen treten dagegen nur punktuell in Erscheinung, etwa Okzitanien und Provence-Alpes-Côte d’Azur mit jeweils einem Garten, Nouvelle-Aquitaine mit zwei. Regionen wie Auvergne-Rhône-Alpes bleiben ganz außen vor. Eine Übersichtskarte hätte hier zusätzlich Orientierung geboten und den geografischen Rahmen der Auswahl anschaulich ergänzt. Auch die Bildqualität ist nicht durchgängig auf gleichem Niveau; einzelne Aufnahmen bleiben hinter dem ansonsten hohen visuellen Anspruch zurück und schmälern stellenweise den Eindruck.
Ungeachtet dieser Details überzeugt das Buch als inspirierende Einladung, Frankreichs Gartenlandschaften neu zu entdecken. Stéphane Marie gelingt es, seine Leidenschaft für Gärten an die Leser weiterzugeben und einen sehr persönlichen Zugang zur Vielfalt französischer Gartenkunst zu eröffnen – ein Band, der Lust auf Reisen, Staunen und eigenes Gestalten macht. Weg mag, kann den Gartenführer hier* online bestellen.
Marcus X. Schmid, Südwestfrankreich*
Der freie Reisejournalist Marcus X. Schmid hat für alle, die gerne auf eigene Faust unterwegs sind, den besten Reisebegleiter verfasst: sachlich, mit viel Hintergrund, Insiderwissen und Tipps, und dennoch sehr unterhaltsam und humorvoll.
Ich kann ihn aus ganzem Herzen empfehlen, denn auch in diesem Band zu Südwestfrankreich sind tolle Tipps enthalten. Auch kritische Anmerkungen fehlen nicht. Kurzum: ein Reiseführer, der grundehrlich das Reisegebiet vorstellt – ohne versteckte Promotions.
Der gebürtige Schweizer, Jahrgang 1950, lebt heute als Autor und Übersetzer in der französischsprachigen Schweiz. Wer mag, kann ihn hier* direkt beim Verlag bestellen.
Klaus Simon, Hilke Maunder, Secret Citys Frankreich*
Gemeinsam mit meinem geschätzten Kollegen Klaus Simon stelle ich in diesem Band 60 Orte in Frankreich vor, die echte Perlen abseits des touristischen Mainstreams sind. Le Malzieu in der Lozère, Langogne im Massif Central, aber auch Dax, das den meisten wohl nur als Kurort bekannt ist.
Mit dabei sind auch Senlis, eine filmreife Stadt im Norden von Frankreich, und viele andere tolle Destinationen. Frankreich für Kenner – und Neugierige!
Lasst euch zu neuen Entdeckungen inspirieren… oder träumt euch dorthin beim Blättern im Sessel oder am Kamin. Wer mag, kann das Lesebuch mit schönen Bildern hier* bestellen.
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