Glamping: Camping de luxe in Frankreich

Glamping: Le Brasilia in Canet-Plage. Der Eingang. Foto: Hilke Maunder
Glamping: Le Brasilia in Canet-Plage. Der Eingang. Foto: Hilke Maunder

Mein letztes Mal Camping war … 1984. Ein Platz gleich hinter der hohen Dünen der Silberküste von Neu-Aquitanien. Hohe Pinien, Waldboden, ein Zelt, Schlafsack, Isomatte. Gemütlich eng, mein italienischer Freund gleich neben mir. Die Rucksäcke draußen auf dem Gras, denn drinnen war kein Platz. Wir konnten kaum die Köpfe heben, ohne die Plane zu berühren.

Neben dem Kopf lag griffbereit eine Taschenlampe. Falls man nächtlich mal raus musste… Schlaftrunken  stolperte ich zum Sanitärtrakt über Taue, Wurzeln, Taschen, prüfte ängstlich alle WC-Kabinen, ob da vielleicht jemand wäre, der da nicht hingehörte, und kroch dann wieder ins Zelt, bis die ersten Sonnenstrahlen unter dem Reißverschluss hervor blinzelten.. Das war für mich Camping.

Glamping im Test: Le Brasilia

35 Jahre später stehe ich erstaunt bei Canet-Plage in den Pyrénées-Orientales vor einer imposanten Einfahrt mit Kreisel. Le Brasilia* verkündet der helle Schriftzug auf trendigem Stahl im Rostlook. Zwei Damen in weißen Uniformen passen auf, dass nur Gäste den Platz betreten. Jenseits der schicken, modernen Rezeption findet ihr ein den Dorfplatz. 2018 wurde er im typisch nordkatalanischen Stil errichtet.

Das Shopping-Dorf

Rund um einen offenen Glockenturm säumen mehrere Geschäfte den kleinen Arkadenplatz mit akkurat geschnittenen Olivenbäumen.  Im Sommer findet dort regelmäßig ein Wochenmarkt mit lokalen Produkten statt! Vor der Bäckerei, aus der es verführerisch duftet, hat seine kleine Schlange gebildet. Frisches Obst und Gemüse, fast alles aus der Region und meist bio, findet ihr bei Radouane.

Vereint in einem katalanischen Dorf: das Service- und Shoppingangebot von Le Brasilia. Foto: Hilke Maunder

Süßweine wie Muscat de Rivesaltes, Banyuls und Maury birgt der Weinkeller von Gilles. Einmal pro Woche lädt er zur Verkostung. Dann entkorkt er auch die trockenen Tropfen der AOC Collioure.  Die schweren Roten der AOC Côtes du Roussillon und Côtes du Roussillon village sind süffige Träume aus Grenache.

Christine und Eric versorgen euch in ihrer Boutique mit den gängigsten französischen und europäischen Zeitungen und Zeitschriften, Postkarten und Rauchwaren. In einer Gasse findet ihr weitere Geschäfte – eine Modeboutique, einen Deko-Shop und einen Friseur.

Ebenfalls im katalanischen Dorf zu finden: der Münzwasch. Foto: Hilke Maunder

Verwöhnen oder aktiv? Die Angebote

Die Straße führt hin einem architektonischen Hingucker. Seine Bögen aus Stahl erinnen mit ihren filigranen Mustern an typisch arabische Moucharabieh. Wie Kunstwerke rahmt der graue Beton die skurrilen Wuchsformen der exotischen Pflanzen ein.

Drinnen findet ihr im Papillon Spa auf 250 m² mehrere Kabinen für Massage- und Kosmetikanwendungen, ein Teehaus, ein Solarium, ein Dampfbad und einen großen Whirlpool, der ausschließlich den Spa-Besuchern vorbehalten ist.

Das Papillon-Spa von Le Brasilia. Foto: Hilke Maunder

Jenseits des Spas drängen sich viele weitere Aktiv- und Animationsangebote. Das 6000 qm große Open-Air-Erlebnisbad L’Archipel weckt tropisches Ferienfeeling mit großen Felsen, sanft abfallenden Lagunenbecken mit kristallklarem Wasser, Wasserfällen, Sprudelliegen, Kokospalmen und Tropenblüten: Brasilien zum Baden!

Damit auch der Nachwuchs seinen Spaß hat, gibt es im Wasserpark auch ein beheiztes Planschbecken mit Wasserspielen und ein Spaßbecken mit Wasserrutsche und Wasserrohr.

Der Pool von Le Brasilia und das Papillon-Spa. Foto: Hilke Maunder

Eher an Erwachsene wendet sich der zweite, minimalistisch  im cool contemporary-Look gestylte Badebereich mit seinen beiden Überlaufbecken: das eine zum Bahnenschwimmen, das zweite für Aquacycling und Aquagym.

Zum Angebot an Aktive gehören fernen ein Fußballplatz mit Naturrasen, ein Beachvolleyballfeld, eine Anlage zum Bogenschießen, ein riesiges Pétanque-Gelände sowie Geräte für Cardiofitness im Indoor-Sportraum.

Der Pool von Le Brasilia. Dahinter: das Erlebnisbad mit Wasserrutsche und Sprudelliegen. Foto: Hilke Maunder

Wenn ich da an 1984 denke, erinnere ich mich nur an ein Seil, die wir fürs Volleyball-Spielen zwischen zwei Kiefern aufgespannt hatten. Auch das Zelten hat sich mächtig verändert.  705 Stellplätze bietet Le Brasilia, davon 287 zur Miete.

Geschützte Oasen für Zelt und Camper

Alle Unterkünfte erstrecken sich in einem 17 ha großen Kiefernwald. In der Wärme duftet er herrlich – und spendet Schatten. Hecken aus Pfaffenhütchen, Pittosporum und Ölweide umgeben die  80-100 qm großen Stellplätzen für Zelt, Caravan oder Womo.

Sie verwandeln das Zuhause unter freiem Himmel in gemütliche private Oasen. So seid ihr geschützt vor den Blicken von Gästen oder anderen Besuchern. Wir lagen damals noch allesamt auf dem Präsentierteller. Jeder sah, hörte und erlebte, was der anderen gerade machte…

Glamping in Frankreich: das Okavango-Dorf von Le Brasilia. Foto: Hilke Maunder

Urwald-Hütte oder Kreolen-Chalet?

Noch etwas gab es damals gar nicht auf unserem Platz: Hütten oder Villen zum Mieten Hier jedoch wandle ich zwischen den verschiedensten Hüttendörfern umher. Im Okavango Village entdecke ich auf den dunklen Fassaden seiner 27 komfortablen Hütte  geschnitzte Masken zwischen dichtem Grün.

Glamping in Frankreich: Chalets im Kreolen-Stil von Le Brasilia. Foto: Hilke Maunder

Die 22 Cottages Créoles wecken Erinnerungen an die weißen Villen der Karibik. Ganz neu hinzu gekommen sind die 12 Ferien-Cottage der „Îles Marquises“, die euch mit  polynesischem Ambiente in den Südpazifik einladen. In Sonnengelb oder Ockertönen sind die 12 Häuser des Brasilia Village gehalten. Mit den Cottages Pem bietet Le Brasilia schließlich auch drei barrierefreie und rollstuhlgerechte Glamping-Hütten.

Le Créoles-Ferienvillen von Le Brasilia. Foto: Hilke Maunder

Sämtliche Unterkünfte erstrecken sich zu beiden Seiten einer blumengeschmückten „Allée de l’histoire“. An ihrem Anfang erinnert ein  ein Granitstein inmitten von tropischen Pflanzen an die Gründer der Anlage.  Simone und René Pla waren dem Aufruf des damaligen Staatspräsidenten Charles de Gaulle gefolgt.

Mission Racine: das Mega-Projekt am Meer

Er hatte im Juni 1963 mit der Mission Racine (Mission Interministérielle d’Aménagement Touristique du Littoral du Languedoc-Roussillon) die touristische Entwicklung der Küste gestartet. Sie sollte das Languedoc-Roussillon zur Nouvelle Floride, zu Frankreichs Antwort auf  Florida, machen.

Gedenkstein für die Gründer von Le Brasilia, Simone und René Pla. Foto: Hilke Maunder

In der Nähe der wichtigsten Städte der Region – Nîmes, Montpellier, Béziers, Narbonne und  Perpignan – entwickelten renommierte französische Architekten sieben Badeorte auf dem Reißbrett: Port-Camargue, La Grande-Motte, Cap d’Agde, Gruissan, Port-Leucate, Port-Barcarès und Saint-Cyprien.

Ein achter Badeort war an der Mündung der Aude geplant. Er wurde aber wegen fehlender Gelder aufgrund der Ölkrise aufgegeben. An der Mündung der Têt erhielt das Ehepaar Pla das Recht, einen Campingplatz zu eröffnen. Im Juni 1964 war Einweihung. Ihr Sohn Robert Pla führt heute ihr Lebenswerk fort.

Wiege der Yelloh! Villages

Er hat den Platz in einen Fünfsterneanlage verwandelt, die zu den besten Glamping-Plätzen Europas gehört. Zusammen mit Bernard Sauvaire (Yelloh! Village la Petite Camargue et Yelloh! Village les Petits Camarguais) und Robert Giner (Yelloh! Village le Club Farret et Yelloh! Village Domaine de Sainte Cécile) vermarket er sie seit dem Jahr 2000 erfolgreich unter dem Dach der Yelloh! Village-Gruppe. 86 Plätze in Frankreich, Spanien und Portugal gehören mittlerweile dazu.

Direkt an der Mündung der Têt ins Mittelmeer liegt der 5-Sterne-Platz Le Brasilia. Im Hintergrund erhebt sich der Canigou. Foto: Hilke Maunder

Glamping in Frankreich: noch mehr Plätze

Es gibt rund zwei Dutzend weitere Glamping-Plätze in Frankreich. Zu den schönsten Anlagen gehören:

Les Alicourts* in der Region Centre

Camping Nature Parc L’Ardéchois* in Auverne-Rhône-Alpes

Le Paradis* in Nouvelle-Aquitaine

• Le Ty Nadan* in der Bretagne und

• Castel Camping Domaine de la Bergerie* in der Provence

Glamping in Schlafkugeln

Sehr ungewöhnlich ist eine Nacht in transparenten Zelt-Kugeln. Hier habe ich euch dieses camping à bulles vorgestellt.

Der Strand von Le Brasilia in Canet-Plage. Foto: Hilke Maunder

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Zur Einstimmung: DuMont Bildatlas Frankreich Süden (Okzitanien)*

Der Bildatlas "Frankreich Süden" von Hilke Maunder - die fünfte AuflageMein DuMont Bildatals Frankreich Süden (Okzitanien)* fängt zwischen Rhône und Garonne, Cevennen und Pyrenäen in sieben Kapiteln die Faszination der alten Region Languedoc-Roussillon in Wort und Bild ein – auch als eBook!

Von Montpellier, der Boomtown am Mittelmeer, bis zum römisch-romantischen Nîmes, von den Étangs bei Narbonne bis zur katalanischen Kapitale Perpinyá. Und noch ein Schlenker nach Carcassonne und Toulouse: voilà meine Herzensheimat! Wer mag, kann den Band hierdirekt bestellen.

MARCO POLO Languedoc-Roussillon: die Hommage von Hilke Maunder an ihre WahlheimatKompakt & inspirierend: MARCO POLO Languedoc-Roussillon/Cevennen*

Den MARCO POLO Languedoc-Roussillon/Cevennenhabe ich nach Axel Patitz und Peter Bausch inzwischen mehrfach umfangreich erweitert und aktualisiert.

Von den Cevennen über das Languedoc bis hin zum Roussillon findet ihr dort Highlights und Kleinode, Tipps für Entdecken und Sparfüchse – und Adressen, die ich in meinem Frankreichjahr neu entdeckt und getestet habe.  Beide MARCO POLO-Bände hält ein Online-Update-Service aktuell, der euch über Events, Neueröffnungen und Schließungen informiert. Wer mag, kann ihn hier* direkt bestellen.

Der Reisebegleiter vor Ort: Ralf Nestmeyer, Languedoc-Roussillon*

Zwischen dem Delta der Camargue und den Gipfeln der Pyrenäen hat Ralf Nestmeyer nahezu jeden Strand gesehen, jeden Stadt besucht, jedes Wehrdorf besichtigt – im Languedoc etwas intensiver, im Roussillon fokussiert er auf bekannten Highlights.

Dennoch: Das gut 560 Seiten dicke Werk ist der beste Führer für Individualreisende, die diese Region entdecken möchten und des Französischen nicht mächtig sind. Wer möchte, kann den Band hier* direkt bestellen.

Das ganze Land: MARCO POLO Frankreich*

MARCO POLO Frankreich: praktisch und kompakt, bearbeitet von Hilke Maunder.Einfach aus dem Besten auswählen und Neues ausprobieren, ist das Motto der Marco Polo-Reiseführer. Den MARCO POLO Frankreichhabe ich gemeinsam mit Barbara Markert verfasst. Gleich zu Beginn geben wir unsere  Insider-Tipps für Frankreich preis: vom größten Flohmarkt Europas in Lille bis zur Schwimmen in der Piscine Olympique in Montpellier.

Das Kapitel „Im Trend“ verrät, was es Neues zu erleben gibt im Hexagon: vom Skijöring in den Skigebieten bis zum Übernachten im Baumhaushotel. Alle Hintergrundinformationen zu Frankreich und seinen Menschen findet ihr unter Fakten, Menschen & News. Es folgen: Tipps für Bars und Boutiquen, Erlebnissen für  Familien, Paare oder Alleinreisende. Wer mag, kann ihn hier direkt bestellen.

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Glamping in Frankreich: Morgens am Strand von Canet-Plage. Foto: Hilke Maunder 

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