Bettentest: Hôtel Arcé in St-Étienne-de-Baïgorry

Saint-Étienne-de-Baïgorry. Hotel Arcé. Foto: Hilke Maunder
Das Hôtel Arcé in Saint-Étienne-de-Baïgorry. Foto: Hilke Maunder

„Il suffit de passer le pont…“ Das alte französische Kinderlied weist den Weg. Überquert einfach die Brücke, und dann seht ihr es schon, das rot-weiße Schild im grünen Efeu. Hôtel Arcé weist die verwitterte Schrift den Weg vorbei an alten Platanen und einem Fronton.

Generationen von Basken haben dort mit nackter Hand, Lederhandschuh oder Chistura den Ball gegen die Mauer geschmettert. Säuberlich aufgereiht werden sie euch später wieder begegnen, als Deko im Kaminzimmer.

Stellt den Wagen auf dem privaten Platanen ab, packt das Gepäck in die Handkarre und lauft die wenigen Meter zum Hotel. Der Kies knirscht, das Laub raschelt, die Nive des Aldudes rauscht über glatt polierten Fels. Dann übertönt das Glockenläuten der Église Saint-Étienne das Spiel des Wassers, schlägt drei Mal und verstummt.

Die Pfarrkirche von St-Etienne-de-Baigorry_Kirche mit dem Pont Roman über Nive des Aldudes. Foto: Hilke Maunder

Bis an den Fluss reichen die Tische der Terrasse, auf der bei warmem Wetter vom Frühstück bis zum Dîner unter mehr als 100 Jahre alten Platanen geschlemmt wird.

Jetzt ist es Herbst, und immer weniger verdeckt das Laub die rote und weiße Fassade des alten baskischen Anwesens, das sich in Saint-Étienne-de-Baïgorry an den  Fuße des Col d’Ispéguy schmiegt.

Vor dem Burgschloss Château d’Etchaux weiden Schafe. Foto: Hilke Maunder

Seit sechs Generationen heißt Familie Arcé hier in der Basse-Navarre ihre Gäste willkommen. Einige sind Wanderer, andere lockt die Ruhe und Weite der Landschaft ringsum.

Und immer mehr Gäste fahren ins baskische Hinterland, um bei Christine, Coline und Pascal ein paar Tage lang baskische Gastfreundschaft und gute Küche zu genießen. Was euch erwartet? Voilà mein Bettentest!

Mein Gastgeschenk für Christine und Pascal: ein selbst gebackener Gâteau Basque. Foto: Hilke Maunder

Die Anlage

Das Hôtel Arcé ist ein Institution und gehört zu jenen Traditionshotel, in denen die Franzosen mit der Familie den Sommer verbringen.  2012 erhielt es seinen vierten Stern. In der Hauptsaison unterstützen gut 20 Mitarbeiter das Familientrio. Das Anwesen erstreckt sich auf beiden Ufern der Nive.

Rot, weiß, grün: die Farben der Basken. Foto: Hilke Maunder

Auf dem linken Ufer findet ihr das Haupthaus mit dem Restaurant und einigen Zimmern, den Anbau, den Frühstückspavillon und den Parkplatz. Eine Holzbrücke, die nach Regen arg rutschig ist, bringt euch hinüber zum Swimmingpool und Tennisplatz. Von Dezember bis März ist das Hotel geschlossen.

Der Frühstückspavillon am Ufer der Nive. Foto: Hilke Maunder

Die Zimmer

Jedes der 22 Zimmer besitzt seine eigene persönliche Note. Mal ist das Interieur eher nostalgisch. Dann flirtet es mit den Fifties – oder gleicht einer grünen, gemütlichen Höhle wie Nummer 24. Die Zimmer zur Gartenseite besitzen allesamt einen schmalen Balkon mit Blick auf den Fluss. Die beiden Suiten sind seit der Renovierung behindertengerecht. Die Betten, Bettwäsche und sonstiger Komfort sind top.

Was ist vermisst habe, ist ein kleiner Wasserkocher und/oder eine kleine Kaffeemaschine, wie sie gerade in gehobenen Hotels heute international Standard sind. Es hätte mich gefreut. Und wenn die Kirchenglocken nachts nicht jede Viertelstunde geläutet hätten… ihr Glockenklang war stärker als die isolierten Fenster. Wer so leicht schläft wie ich, sollte ein Zimmer zur Berg- statt zur Flussseite nehmen.

Zimmer 24 im zweiten Stock. Foto: Hilke Maunder
Das Bad von Zimmer 24 liebt es nostalgisch. Kalt- und Warmwasser sind an separaten Hähnen wie einst per Hand zu mischen, Foto: Hilke Maunder
Das kleinste der 22 Zimmer. Foto: Hilke Maunder
Biedermeier, Rattan und Boutisstickerei. Foto: Hilke Maunder
Spanisch inspirierte Bilder schmücken jedes Zimmer. Foto: Hilke Maunder
Gediegen und geräumig: die erste Suite. Foto: Hilke Maunder
Die zweite Suite birgt ein Tagesbett, das maritime Erinnerungen weckt. Foto: Hilke Maunder

Die Küche

1962 verwandelten Pascals Eltern, Émile und Nicole, den einstigen Trinquet in einen Speisesaal. Der einstige Indoor-Sportplatz für das baskische Ballspiel Pelote wirkt mit seinen 60 Plätzen ein wenig hallig und leer, wenn nicht alle Tische besetzt sind.

Die Kunst im Speisesaal erinnert an die einstige Funktion des Raumes als Sporthalle für Pelote. Foto: Hilke Maunder

Ungleich gemütlicher ist der Frühstücksraum, den ein weiß gestrichener Pavillon am Ufer der Nive des Aldudes birgt. Ab acht Uhr beginnt dort unter der Woche der Frühstücksservice, am Wochenende meist später.

Der Frühstückspavillon. Foto: Hilke Maunder
Zeitung lesen und ganz entspannt frühstücken: Eile hat hier niemand. Foto. Hilke Maunder

Der Star der Speisekarte kommt direkt aus dem Fluss: die Forelle. Pascal Arcé hat bereits von den Großeltern und Eltern gelernt, wie sie perfekt zubereitet wird. Seit mehr als 100 Jahre ist „La Truite Bleue“ der Klassiker der Küche.

„Ihre blaue Farbe vom Weinessig, den ich vor dem Kochen hinzu geben“ verrät Pascal, verteilt eine sahnige Senfsoße aus der Goicoechea-Keramik und drapiert den Fisch darauf: wild, mit weit aufgerissenem Maul und Schwanz, der im Sud zu schlagen scheint. Nach diesem visuellen Schock zaudere ich etwas. Doch Christine redet mir zu gut. Nach dem ersten Bissen bin ich verzaubert: frisch und zart schmilzt das rosa Fleisch im Mund.

„La Truite Bleue“ ist das kulinarische Markenzeichen des Hotels. Foto: Hilke Maunder

Tief verwurzelt im Baskenland und seinen kulinarischen Traditionen ist die gesamte Kochkunst von Pascal. Aus dem Vallée des Aldudes holt der schlaksige Küchenchef die Banka-Forelle. Im Herbst zieht der begeisterte Jäger hinaus, sammelt Pilze und jagt wie einst seine Vorfahren die Palombe-Taube mit Wurfscheibe und Netz.

Und ist er nicht erfolgreich, gibt es keine Wildtaube auf dem Menü. Sondern Klassiker der französischen Küche, die anderenorts selten finden sind: Schweinefüße und Kalbskopf.

Crême Brûlée als Vorspeise – pikant gewürzt mit dem baskischen Piment d’Espelette. Foto: Hilke Maunder
Zartes Lamm mit Steinpilz und Polenta. Foto: Hilke Maunder

Sehr schön finde ich eine Sitte, die aus England übernommen wurde – und daher fast nur den britischen und US-amerikanischen Gästen angeboten wird. Sie sind es gewohnt, beim Aperitif in einem Vorraum eines Restaurants die Karte zu studieren und die Speisen zu bestellen. Und erst zum Platz gebeten zu werden, wenn serviert wird.

Diese Sitte hat einen ganz charmanten Vorteil: Ihr könnt euch so lange lässig in die gemütlichen Sofas vor dem Kamin kuscheln, Olivern knabbern und einen Pineau de Charente oder baskischen Wein genießen, ehe Christine euch abholt uns sagt: Bon appétit!

Apéro am Kamin… urgemütlich! Foto: Hilke Maunder

Info

Hôtel Arcé*

Route du Col-d’Ispeguy, 64430 Saint-Etienne-de-Baigorry, Tel. 05 59 37 40 14, www.hotel-arce.com

Weiterreisen

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Offenlegung

Ich entdeckte das französische Baskenland auf Einladung auf einer individuellen Pressereise der Agence d’attractivité et de Développement Touristiques Béarn Pays Basque. Vor Ort unterstützten mich unglaublich kundige wie herzliche Mitarbeiter der Office de Tourisme, Geschäfte Hotels und Restaurants, Ihnen allen sage ich „merci“ und ganz dicken Dank. Einfluss auf meine Blogberichte hat dies nicht. Ich berichte subjektiv, wie ich es erlebt habe, mache kein Merchandising und werde erst recht nicht für meine Posts bezahlt.

Merci für's Teilen!

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