Neues Leben dank Kunst: drei Beispiele

Der Blick über den Hafen auf den FRAC von Dunkerque. Das Trockendock links soll sich in ein Hotel oder in Eigentumswohnungen wandeln. Foto: Hilke Maunder
Der Blick über den Hafen auf den FRAC von Dunkerque. Das Trockendock links soll sich in ein Hotel oder in Eigentumswohnungen wandeln. Foto: Hilke Maunder

Für Kunst findet Frankreich immer wieder ungewöhnliche Orte. Kultur und Kunst von heute verleihen altem Erbe neues Leben. Voilà drei Beispiele – einmal aus dem Norden, zweimal aus dem Süden des Hexagons.

Dunkerque: Kunst auf der Werft

Eine Fußgängerbrücke verbindet die Strandpromenade am Ärmelkanal mit dem Hort der Kunst im Hafen. Foto: Hilke Maunder
Eine Fußgängerbrücke verbindet die Strandpromenade am Ärmelkanal mit dem Hort der Kunst im Hafen. Foto: Hilke Maunder
Blick vom Belvédère im 6. Stock auf die Fußgängerbrücke. Foto: Hilke Maunder
Blick vom Belvédère im 6. Stock auf die Fußgängerbrücke. Foto: Hilke Maunder

In Dunkerque ist zum Ende des Kulturhauptstadtjahres 2013 der Fonds zur Förderung zeitgenössischer Kunst (Fonds régionaux d’art contemporain – FRAC)  des Départements Pas de Calais in die ehemalige Schiffbauhalle AP2 gezogen. Seitdem fungiert sie als Schaufenster regionaler Kunst und Kultur.

Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Das Pariser Architektenbüro Lacaton & Vassal hat mit viel Pfiff und Respekt dafür die frühere Werft fast unberührt belassen. Ihr zur Seite stellte sie einen sechsstöckigen, transparent wirkenden Neubau.

Die Verbindung von Alt- und Neubau. Foto: Hilke Maunder
Die Verbindung von Alt- und Neubau. Foto: Hilke Maunder

Er ist der eigentliche Schauplatz. Mitten im ehemaligen Industriegebiet finden auf der revitalisierten Werft seitdem Performances, Konzerte und Workshops statt.

Hinzu kommen spannende Ausstellungen zur aktuellen Kunst. Sie verleihen dem regen kulturellen Leben der Region Ausdruck.

Die große Ausstellungshalle. Foto: Hilke Maunder
Die große Ausstellungshalle. Foto: Hilke Maunder

Dank des FRAC wandelten sich in ganz Frankreich ehemalige militärische oder industrielle Anlagen zu regionalen Zentren der Kunst. Das Ziel: die Dezentralisierung von Kultur zur Stärkung der Region.

Das Café des FRAC im Erdgeschoss. Foto: Hilke Maunder
Das Café des FRAC im Erdgeschoss. Foto: Hilke Maunder

Diese Idee steht auch hinter dem Louvre Lens. Mehr dazu findet ihr hier. Die französische Kunst von 1940 bis 1980 stellt in der Hafenstadt Dunkerque das Lieu d’Art et Action Contemporaine (LAAC) aus. Alle Infos zum FRAC findet ihr in diesem PDF: Dünkirchen_Kunst_frac

Die Fassade des Neubaus. Foto: Hilke Maunder
Die Fassade des Neubaus. Foto: Hilke Maunder

Nègrepelisse: Kunst in der Küche

Nègrepelisse: La cuisine residiert ini der alten Burg der Bastide. Foto: Hilke Maunder
La cuisine residiert in der alten Burg der Bastide. Foto: Hilke Maunder

Die Küche als Ort und Thema der Kunst? In Nègrepelisse, einem kleinen Städtchen in Tarn-et-Garonne, eröffnete Mitte Juni 2014 in einer wehrhaften Burg aus dem 13. Jahrhundert das Kunst- und Designzentrum La Cuisine.

NeM Architectes realisierte die kreative Küche in Kooperation mit RCR. Das katalanische Architektenbüro hat auch das Soulages-Museum in Rodez entworfen. 2017 wurde das Duo mit dem Pritzer-Preis ausgezeichnet.

Nègrepelisse: Alt und neu verschmelzen bei la cuisine. Foto: Hilke Maunder
Alt und neu verschmelzen bei la cuisine. Foto: Hilke Maunder

Die Überreste des Schlosses ergänzt ein Neubau aus Beton. Thema der Kunst-Küche sind Ernährung und Tischsitten als Sujet von Kunst und Kultur. Daher gibt es auch drei Wohnungen für artists in residence.  Ebenfalls zu La Cusine gehören ein Vortragssaal sowie eine 1.000 qm große Freifläche für Ausstellungen und Events.

Die gesamte Anlage ist eingebettet in einen Park am Ufer des Aveyron. Dort verleiht die Base Canoë Kayak Nègrepelisse Ein- und Zweisitzer-Kajaks sowie SUP-Boards für Touren auf dem Fluss.

Nègrepelisse: La Cuisine ist eingebettet in einen Park, in de, auch dieses Äquadukt erhalten ist. Foto: Hilke Maunder
Nègrepelisse: La Cuisine ist eingebettet in einen Park, in dem auch dieses Aquädukt erhalten ist. Foto: Hilke Maunder

Schon gewusst?

Le 1 % artistique

In Frankreich ist der 1 % artistique Pflicht bei jedem öffentlichen Bauprogramm. Das bedeutet, dass ein Prozent der Baukosten in zeitgenössische bildende Kunst investiert werden muss. Seit ihrer Einführung im Jahr 1951 hat der 1% artistique  rund 12.400 Werke von 4000 Künstlern finanziert.

BBB Centre d’Art: bis heute elektrisierend!

Der Eingang zum BBB am Stadtrand von Toulouse. Hilke Maunder
Der Eingang zum BBB am Stadtrand von Toulouse. Hilke Maunder

Toulouse vibriert. Das zeigt sich auch in seiner kreativen Dynamik und seinem künstlerischen Schaffen. Neben großen Museen wie Les Abattoirs, das in einem umgenutzten Schlachthof am Ufer der Garonne residiert, fördern und zeigen Dutzende kleinerer Galerien und Kunstzentren das lokale Kunstschaffen. Zu diesen kleinen Katalysatoren mit großer Durchschlagskraft gehört das BBB Centre d’Art von Borderouge.

Kleiner Kunstraum mit Wirkung

Das BBB hat sein Domizil in der ehemaligen Fabrik für industrielle elektrische Spulen im Süden von Borderouge. Es ist weniger bekannt als andere Kunstzentren der Stadt. Und doch deutlich engagierter und einflussreicher in Politik und Gesellschaft. Seit 1994 unterstützt das BBB als Zentrum für zeitgenössische Kunst das aktuelle kreative Schaffen auf mehreren Ebenen von lokal bis international.

Es zeigt Ausstellungen in situ oder im öffentlichen Raum, bietet Kreativen aus aller Welt mit Künstlerresidenzen einen Ort auf Zeit zum Arbeiten und für Ausstellungen, finanziert neue Werke oder bedeutende Editionen, initiiert den künstlerischen Austausch und fördert die Vernetzung mit Fachveranstaltungen und institutionellen Partnerschaften.

Katalysator für junge Kunst

Jedes Jahr präsentiert daher das BBB auf 450 Quadratmetern vier Einzel- oder Gruppenausstellungen, die jeweils über mehrere Monate laufen. Zu sehen sind hauptsächlich aufstrebende Künstler, die im BBB oft zum allerersten Mal ihre Arbeiten in einer Einzelschau zeigen können. Oftmals leben und arbeiten die gezeigten neuen Talente als artists-in-residence im BBB Centre d’Art – oder waren es gewesen.

Das Programm der Ausstellungen ist so breit gefächert wie die Kreativität der Künstler. Fotografie, Malerei, Skulptur, gehören ebenso dazu wie Video- und Audioinstallation oder Performances, die kreative Techniken verbinden. Auch Veranstaltungen, die die Begegnung und den Austausch mit dem Künstler ermöglichen, sind Teil des Programms.

Ansehen und mitmachen

Konzerte, Vernissagen, Lesungen, Workshops sowie Führungen zum Thema Kunst in Toulouse ergänzen das kulturelle Aktionsprogramm. Wer Lust bekommt, selbst einmal kreativ zu werden, kann in Workshops künstlerische Techniken wie Malen und Zeichnen, Linol- und Holzschnitt oder das Arbeiten mit Ton erlernen.

Für Künstler und Fachleute ist das BBB zudem Ressourceplattform und Schnittstelle. Es berät, vermittelt, verteidigt die künstlerische Freiheit und verbindet alternative Szenen mit großen Institutionen.

Revival durch Kunst – noch mehr Beispiele

Der LUMA-Turm von Frank Gehry für Arles. Foto: Hilke Maunder
Der LUMA-Turm von Frank Gehry für Arles. Foto: Hilke Maunder

LUMA Arles

Die einstigen Bahnwerkstätten der SNCF in Arles haben sich in den letzten Jahren in den Parc des Ateliers verwandelt. In der Grande Halle werden Ausstellungen gezeigt, die immer wieder überraschen.

Arles: Grande Halle im Parc des Ateliers. Foto: Hilke Maunder
Die Grande Halle im Parc des Ateliers. Foto: Hilke Maunder
Arles: Gilbert & George-Ausstellung der LUMA-Stiftung in der Grande Halle des Parc des Ateliers. Foto: Hilke Maunder
Auch Gilbert & George waren schon in der Grande Halle des Parc des Ateliers zu sehen. Foto: Hilke Maunder

Bassins des Lumières

Im einstigen deutsche U-Boot-Bunker von Bordeaux zeigt seit 2022 Culturespaces digitale Kunst von klassisch bis experimentell. Umgenutzt als Präsentationsfläche für allerfeinste Pixel-Kunst mit Mulitmedia wurden auch eine Werkstatt in Paris und ein ehemaliger Steinbruch in den Alpilles. Klickt hier für mehr Infos.

Van Gogh bei der immersiven Ausstellung "Monet, Renoir... Chagall". Foto: Hilke Maunder
Van Gogh bei der immersiven Ausstellung „Monet, Renoir… Chagall“. Foto: Hilke Maunder

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Das ganze Land

Secret Citys Frankreich*

Gemeinsam mit meinem geschätzten Kollegen Klaus Simon stelle ich in diesem Band 60 Orte in Frankreich vor, die echte Perlen abseits des touristischen Mainstreams sind. Le Malzieu in der Lozère, Langogne im Massif Central, aber auch Dax, das den meisten wohl nur als Kurort bekannt ist.

Mit dabei sind auch Sens, eine filmreife Stadt im Norden von Frankreich, und viele andere tolle Destinationen. Frankreich für Kenner  – und Neugierige!

Lasst euch zu neuen Entdeckungen inspirieren… oder träumt euch dorthin beim Blättern im Sessel oder am Kamin. Wer mag, kann das Lesebuch mit schönen Bildern hier* bestellen.

MARCO POLO Frankreich*

Einfach aus dem Besten auswählen und Neues ausprobieren, ist das Motto der Marco Polo-Reiseführer. Den MARCO POLO Frankreich* habe ich vor vielen Jahren von Barbara Markert übernommen und seitdem umfassend aktualisiert und erweitert.

Freut euch auf neue Insidertipps und Reiseziele, frischen Hintergrund und viele Erlebnisvorschläge für Aktive und Entdecker – von Lichterkunst in Bordeaux’ U-Boot-Basis bis zum Wanderungen unter Wasser.

Damit ihr Frankreich noch besser versteht, gibt es natürlich auch viel Hintergrund zu Frankreich und seinen Menschen. Wer mag, kann ihn hier* direkt bestellen.

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