Musée Hyacinthe Rigaud: Picasso in Perpignan

Picasso dans une chaise à porteurs entouré de Claude et Paloma, cour de l’hôtel de Lazerme, 1954 Musée d’art Hyacinthe Rigaud-Perpignan ©Fonds Raymond Fabre ©succession Picasso 2017

 Je me sens chez moi à Perpignan – In Perpignan fühle ich mich zuhause

soll Pablo Picasso ausgerufen hatte, als er sich im September 1954 auf Einladung der Kunstkommission des Stadtrates von Perpignan in der Hauptstadt des Roussillon aufgehalten hat. Von 1953 bis 1955 war er dort häufig zu Gast.

Wie sehr diese Zeit nicht nur einen privaten, sondern auch künstlerischen Bruch für Picasso bedeutetet, verriet 2017 eine Ausstellung, die zur Wiedereröffnung des Musée Hyacinthe Rigaud gezeigt wurde: Picasso à Perpignan. Sie versammelte Meisterwerke des Katalanen aus Museen und privaten Sammlungen. Einige von ihnen waren erstmals öffentlich zu sehen.

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Picasso mit seiner barretina. Foto: service-photo ville de Perpignan

Verlassen von seiner Muse

Im privaten Leben von Pablo kam es in jenen Jahren zum Bruch mit Françoise Gilot. Die Malerin war zehn Jahre lang Pablo Picassos Geliebte und Muse, ist die Mutter seiner Kinder Claude und Paloma. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung beschrieb sie ihre Zeit mit Picasso mit diesen Worten:

Picasso war wie ein Taliban. (…) Als er drohte, niemand verlässt einen Mann wie mich! entgegnete ich Wart’s nur ab. Wart’s nur ab. Denn das war eine Provokation, und wenn er mich ein bisschen besser gekannt hätte, dann hätte er wissen müssen, dass er mich nicht so provozieren sollte. Er dachte, seine Macht über mich sei unumstößlich.

Sein geistiger Sadismus war irgendwann noch schlimmer als die physische Grausamkeit. Deshalb starb meine Liebe für ihn irgendwann ab. Ich habe niemanden so sehr geliebt wie ihn, aber ich wollte auch keine Sklavin sein. Außerdem ahnte ich, dass es auch für meine Kinder schlecht wäre, wenn ich bliebe.

Als einzige der vielen Frauen verließ ihn Gilot. Nachfolgerin in Picassos Leben wurde Jacqueline Roque. Sie erschoss sich später. Auch die anderen Frauen in Picassos Leben haben die Liebe zu ihm nicht überlebt. Marie-Thérèse Walter erhängte sich, Olga Chochlowa und Dora Maar sind wahnsinnig geworden. Nur Françoise Gilot war im Ausstellungsjahr  2017 mit 95 (!) noch das blühende Leben, rüstig und rege.

Künstlerische Pause

Auf dem Höhepunkt seines Schaffens markiert Perpignan für Picasso einen Moment des Innehaltens. Nur wenige Werke entstehen: Portraits seiner Gastgeberin Paule de Lazerme sowie seiner Vertrauten Totote Manolo und deren Adoptivtochter Rosita. Seine Liebe für Keramik führt zum Treffen mit Firmin Bauby, der in Perpignan eine Töpferwerkstatt betrieb.

Die Arbeiten Picassos aus jenen Jahren bereicherten Fotos von Raymond Fabre, der im Erdgeschoss des Hôtel de Lazerme ab 1950 sein Fotografie-Atelier hatte. Auf mehr als 180 Fotos hielt er Leben und Werk des Malers fest. In den 1950er-Jahren gingen viele weitere Künstler im Hôtel de Lazerme ein und aus: Jean Cocteau, Marc Chagall, Max Jacob und viele andere berühmte Zeitgenossen.

Die Schätze des Musée Hyacinthe Rigaud

Das Hôtel de Lazerme in der Rue de l’Ange gehört zu den schönsten Stadtpalästen von Perpignan. Seit 1883 birgt er die städtische Kunstsammlung. Für die Um- und Ausbau investierte die Stadt in den vergangenen zwei Jahren insgesamt sechs Millionen Euro und machte auch das benachbarte Hôtel de Mailly zum Museum.

Die Ausstellungsfläche wuchs so auf 1400 Quadratmeter. Neben der Picasso-Schau solltet ihr auch die Dauerausstellung besuchen, die wunderschöne Werke von der Gotik bis zur Gegenwart birgt.

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Le martyr de Saint-Vincent. Anonym. Foto: Musée des Beaux-Arts Hyacinthe Rigaud

Info: Picasso in Perpignan

Musée d’art Hyacinthe Rigaud

• 21, rue Mailly, 66000 Perpignan Tel. 04 68 66 19 83, www.musee-rigaud.fr

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