Musée Hyacinthe Rigaud: Picasso in Perpignan

 Je me sens chez moi à Perpignan – In Perpignan fühle ich mich zuhause

soll Pablo Picasso ausgerufen hatte, als er sich im September 1954 auf Einladung der Kunstkommission des Stadtrates von Perpignan in der Hauptstadt des Roussillon aufgehalten hat. Von 1953 bis 1955 war er dort häufig zu Gast.

Wie sehr diese Zeit nicht nur einen privaten, sondern auch künstlerischen Bruch für Picasso bedeutetet, verrät eine Ausstellung, die zur Wiedereröffnung des Musée Hyacinthe Rigaud gezeigt wird: Picasso à Perpignan. Vom 25. Juni bis 5. November versammelt sie Meisterwerke des Katalanen aus Museen und privaten Sammlungen. Einige von ihnen sind erstmals öffentlich zu sehen.

Verlassen von seiner Muse

Im privaten Leben von Pablo kommt es in jenen Jahren zum Bruch mit Françoise Gilot. Die Malerin war zehn Jahre lang Pablo Picassos Geliebte und Muse, ist die Mutter seiner Kinder Claude und Paloma. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung beschrieb sie ihre Zeit mit Picasso mit diesen Worten:

Picasso war wie ein Taliban. (…)As er drohte, niemand verlässt einen Mann wie mich! entgegnete ich Wart’s nur ab. Wart’s nur ab. Denn das war eine Provokation, und wenn er mich ein bisschen besser gekannt hätte, dann hätte er wissen müssen, dass er mich nicht so provozieren sollte. Er dachte, seine Macht über mich sei unumstößlich. Sein geistiger Sadismus war irgendwann noch schlimmer als die physische Grausamkeit. Deshalb starb meine Liebe für ihn irgendwann ab. Ich habe niemanden so sehr geliebt wie ihn, aber ich wollte auch keine Sklavin sein. Außerdem ahnte ich, dass es auch für meine Kinder schlecht wäre, wenn ich bliebe.

Als einzige der vielen Frauen verließ ihn Gilot. Nachfolgerin in Picassos Leben wird Jacqueline Roque. Sie erschießt sich später. Und auch die anderen Frauen in Picassos Leben haben die Liebe zu ihm nicht überlebt. Marie-Thérèse Walter erhängte sich, Olga Chochlowa und Dora Maar sind wahnsinnig geworden. Nur Françoise Gilot ist mit 2017 mit 95 (!) noch das blühende Leben, rüstig und rege.

Künstlerische Pause

Auf dem Höhepunkt seines Schaffens markiert Perpignan für Picasso einen Moment des Innehaltens. Nur wenige Werke entstehen: Portraits seiner Gastgeberin Paule de Lazerme sowie seiner Vertrauten Totote Manolo und deren Adoptivtochter Rosita. Seine Liebe für Keramik führt zum Treffen mit Firmin Bauby, der in Perpignan eine Töpferwerkstatt betreibt.

Die Arbeiten Picassos aus jenen Jahren bereichern Fotos von Raymond Fabre, der im Erdgeschoss des Hôtel de Lazerme ab 1950 sein Fotografie-Atelier betrieb und Leben und Werk des Malers auf mehr als 180 Fotos festhielt. Ebenfalls zu sehen sind Briefe, Skizzen und Zeichnungen von Picasso sowie Zeugnisse der vielen Künstler, die in den 1950er Jahren im Hôtel de Lazerme ein und aus gingen: Jean Cocteau, Marc Chagall, Max Jacob und viele andere berühmte Zeitgenossen .

Die Schätze des Musée Hyacinthe Rigaud

Das Hôtel de Lazerme in der Rue de l’Ange gehört zu den schönsten Stadtpalästen von Perpignan. Seit 1883 birgt er die städtische Kunstsammlung. Für die Um- und Ausbau investierte die Stadt in den vergangenen zwei Jahren insgesamt sechs Millionen Euro und machte auch das benachbarte Hôtel de Mailly zum Museum.

Die Ausstellungsfläche wuchs so auf 1400 Quadratmeter. Neben der Picasso-Schau solltet ihr auch die Dauerausstellung besuchen, die wunderschöne Werke von der Gotik bis zur Gegenwart birgt. Hier kommt eine kleine Auswahl.

Meisterwerke der Gotik

Meisterwerke des Barock

 Meisterwerke der Moderne

Info: Picasso à Perpignan

Musée d’art Hyacinthe Rigaud

• 21, rue Mailly, 66000 Perpignan Tel. 04 68 66 19 83, www.musee-rigaud.fr; tgl. 10-30 – 19.00 Uhr, Erw. 10 Euro, unter 18 Jahre gratis

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