Die Verkehrswende in Frankreich

Elektromobilität. Foto: Hilke Maunder
Orte mit Ladestationen werden als ville branchée ausgezeichnet. Foto: Hilke Maunder

Die Verkehrswende in Frankreich: Straff und zügig will der Zentralstaat sein Verkehrswesen umbauen und der Elektromobilität, der Schiene und dem Rad mehr Raum geben. Zugpferde beim klimafreundlichen und nachhaltigen Umbau sind nicht nur Paris, sondern auch einige Regionen, die mit klimafreundlicher Mobilität und nachhaltigem Verkehr echte Chancen für mehr Wachstum und größere Eigenständigkeit sehen.

Die Verkehrswende im Detail

Auto

Sukzessive Verschärfung der Umweltzonen

Die Critair-Plakette. Copyright: Ministère de la Transition Écologique et Solidaire
Die Critair-Plakette. Copyright: Ministère de la Transition Écologique et Solidaire

Zum  1. Januar 2023 haben mehrere Ballungsräume in Frankreich ihre Umweltzonen verschärft. In Straßburg und Montpellier wurden Crit’Air 5 und nicht eingestufte Fahrzeuge verbannt. In Lyon sind diese Fahrzeuge bereits seit September 2022 verboten. Seit 1. Januar gibt es bei Zuwiderhandlungen Strafzettel.

In Toulouse ist für alle Fahrzeuge mit den Plaketten Crit’Air 4, 5 und nicht eingestufte Fahrzeuge ab 1. Januar die Einfahrt verboten. In Reims gilt das Einfahrtsverbot seitdem auch für Fahrzeuge mit der Crit’Air 4-Plakette. Dort gibt es nur noch für die Stufen 1-3 sowie E-Autos grünes Lichts für die Fahrt in die Stadt.
• mehr zum Thema: https://meinfrankreich.com/critair_umweltplakette

Runter vom Tempo

Sehr beliebt: Fahrbahnverengungen. Foto: Hilke Maunder
Sehr beliebt: Fahrbahnverengungen. Foto: Hilke Maunder

Bodenschwellen (ralentisseurs oder policiers dormants), Straßenverengung durch Barrikaden, Fahrgassenversatz, Aufpflasterungen über die gesamte Fahrbahn, teilweise  oder Pflasterkissen: Beim baulichen Inventar zur Tempo-Drosselung haben die Franzosen in den letzten Jahren enorm aufgerüstet.

Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Sehr beliebt sind neben „pädagogischen Radars“, die nur die tatsächlich gefahrene Geschwindigkeit anzeigen, aber Raserei nicht blitzen, intelligente Ampeln. Sobald die zugelassene Geschwindigkeit überschritten wurde, springen sie auf Rot.

Bodenplateau. Foto: Hilke Maunder
Bodenplateau. Foto: Hilke Maunder

Möglich wurden die Baumaßnahmen zur Tempodrosselung bereits mit einem Dekret vom 29. November 1990. Es gestattet Städten und Gemeinden, unabhängig vom Département Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung durchführen.

Pufferkissen. Foto: Hilke Maunder
Pufferkissen. Foto: Hilke Maunder

Nicht nur in urbanen Räumen, sondern auch auf der Autobahn geringere Geschwindigkeiten: Auch dies wird bei der Verkehrswende in Frankreich heiß und sehr kontrovers diskutiert. Tempo 110 statt 130: Die Entscheidung ist schwierig – und noch nicht gefällt.

Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Tempo 30

2005 erklärte sich Fontenay-aux-Roses zur Ville 30. Kurz darauf gründete sich das gleichnamige Netzwerk Ville 30. Fast 300 Gemeinden hatten Anfang 2023 das Tempo von 50 auf 30 km/h reduziert. Mit dabei sind auch zwei Dutzend Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern.

Ein pädagogischer Radar. Foto: Hilke Maunder
Ein pädagogischer Radar. Foto: Hilke Maunder

Nach Grenoble und Angers als Vorreitern folgten Metropolen wie Toulouse, Rennes, Lille, Straßburg, Montpellier, Lyon und Tours, Clermont-Ferrand, Alençon,  Saint-Malo – und seit August 2021  auch die Hauptstadt Paris. In ganz Paris gilt seitdem 30 km/h , mit Ausnahme des Périphérique, des Boulevard des Maréchaux und einiger anderer Achsen.

Grüner Rückbau von Straßen und Plätzen

Municipales Paris: Auch die einst verkehrsumtoste Place de la Nation wurde rückgebaut und begrünt. Foto: Hilke Maunder
Auch die einst verkehrsumtoste Place de la Nation im Osten von Paris wurde rückgebaut und begrünt. Foto: Hilke Maunder

Im ganzen Land wurden und werden viel befahrende Boulevards und verkehrsumtoste Kreisel rückgebaut. Einst breite innerstädtische Straßen sind heute reduziert auf eine Fahrbahn für Auto & Co. und separaten Spuren für Radfahrer und Busse des ÖPNV.

Der Radweg der Corniche Kennedy in Marseille. Foto: Hilke Maunder
Rückgebaut für Radfahrer: die Corniche Kennedy in Marseille. Foto: Hilke Maunder

Einbahnstraßen

Einbahnstraßen an Strandpromenaden sind am Atlantik seit Jahrzehnten vielerorts üblich. Nun entdecken auch die Küstenorte am Mittelmeer diese Verkehrsführung und bauen ihre Achsen entsprechend um.

Auch bei der innerstädtischen Verkehrsberuhigung feiern die Einbahnstraßen eine triumphale Rückkehr. In Frankreich entstehen derzeit neue sens uniques so schnell, dass die Aktualisierungen für Navigationssysteme nicht mehr hinterherkommen.

Und so wartet nicht selten dort bereits die Gendarmerie, wenn Touristen den Weg zum Innenstadthotel zu nehmen, den Garmin und Tom-Tom angezeigt haben – und verkehrswidrig in Einbahnstraßen einbiegen. Denn die Schilder fehlen mitunter noch.

Auf größeren Parkplätzen sind in Frankreich Photovoltaik-Schattenspender jetzt Pflicht. Foto: Hilke Maunder
Auf größeren Parkplätzen sind in Frankreich Photovoltaik-Schattenspender jetzt Pflicht. Foto: Hilke Maunder

Weniger Parkplätze

Autos und Motorräder raus aus den Zentren: Das bringt auch den Rückbau von Parkplätzen und Parktaschen mit sich. Und wo es sie noch gibt und früher frei geparkt werden konnte, stehen heute vielerorts Parkautomaten. Musste bislang das Nummernschild für die Ausgabe des Parkscheins händisch eingegeben werden, können moderne Geräte es digital erfassen.

Teurere Parkgebühren

Parken in Troyes. Foto: Hilke Maunder
Rote Anzeige: Die zehn Minuten zum freien Parken sind überschritten. Das wird teuer – denn das Kennzeichen wird elektronisch erfasst. Foto: Hilke Maunder

Landesweit sind im Jahr 2022 die Parkgebühren um 21,45 Prozent gestiegen. Teurer wurde nicht nur das Parken am Straßenrand und im Parkhaus, sondern auch das Anwohnerparken. Fast 120 Euro kostet es pro Monat in Paris.

Montpellier und Lyon sind kaum günstiger. In der zweitgrößten Stadt kamen wütende Anwohner auf eine ungewöhnliche Idee. Sie suchten Mieter in einem HLM (Sozialwohnungsbau) auf, die kein Fahrzeug besaßen – und mieteten deren Stellplätze.

Seit 2018 können die Gemeinden die Parkgebühren für das Parken auf Straßen auf ihrem Gebiet sowie die Höhe der ausgelagerten Nachparkpauschale (FPS / forfait post stationnement ), die als Bußgeld gilt, frei festlegen.

Hier ist das Parken am teuersten

(Durchschnittspreis pro Stunde/Straßenrand, 1. 1. 2023)

  • Paris 5 €
  • Grenoble 2,50 €
  • Bordeaux 2,15 €
  • Nantes 1,90 €
  • Lille 1,70 €
  • Rennes 1,55 €
  • Lyon 1,50 €
  • Marseille 1,50 €
  • Straßburg 1,40 €.
  • Montpellier 1,30 €
Saint-Paul-de-Fenouillet: Bereits 2017 gab es die ersten Ladestationen für e-Autos. Foto: Hilke Maunder
Bereits 2017 gab es die ersten Ladestationen für e-Autos in unserem Dorf Saint-Paul-de-Fenouillet. Foto: Hilke Maunder

Mehr Ladesäulen

Im Februar 2021 führte ein Dekret die Verpflichtung für alle Autobahnbetreiber ein, bis zum 1. Januar 2023 auf allen Raststätten mit Tankstelle Ladestationen für E-Autos zu installieren. Das Dekret schreibt mindestens vier Ladestationen vor, wobei der Schwerpunkt auf dem Schnellladen liegt. Vinci verspricht 7 bis 8 Ladestationen pro Areal.

Landesweit wird das Netz der Ladestationen weiter ausgebaut, sei es auf Straßen, Parkplätzen von Geschäften oder vor Tankstellen. Die Regierung hat zudem Gelder bereitgestellt, um die Installation von Schnellladestationen an ländlichen Stationen zu finanzieren.

Die Kraft der Sonne für emissionsfreie Mobilität: eine Ladestation für E-Autos in Frankreich. Foto: Hilke Maunder
Die Kraft der Sonne für emissionsfreie Mobilität: eine Ladestation für E-Autos in Frankreich. Foto: Hilke Maunder

Gemeinsam mobil: Covoiturage

Immer mehr Metropolen richten auf den Hauptverkehrsachsen, die in die Stadtzentren führen, eigene Spuren für Fahrgemeinschaften ( covoiturage ) ein. Um die Einhaltung der Regel zu kontrollieren, werden derzeit Radargeräte getestet. Damit soll eine automatisierte Strafverfolgung derjenigen möglich sein, die die mit einer senkrechten Raute markierte Spur ohne Mitfahrer nutzen. Das Radargerät ermittelt Anzahl der Personen an Bord anhand der Körpertemperatur.

Die <em>Covoiturage</em>-Haltestelle in unserem Dorf. Foto: Hilke Maunder
Die Covoiturage-Haltestelle in unserem Dorf. Foto: Hilke Maunder

Mitfahrbonus

Die Regierung fördert 2023 Mitfahr-Angebote mit einer prime de covoiturage. Dieser Mitfahrbonus gilt für Kurzstrecken (bis einschließlich 80 km) ebenso wie für Langstrecken (über 80 km). Es gibt jeweils pauschal 25 Euro für die 1. Fahrt und 75 Euro für die 10. Fahrt, die innerhalb von 3 Monaten nach der ersten abgeschlossenen Fahrt durchgeführt wird. Lang- und Kurzstreckenfahrten können addiert werden. Dadurch sind maximal 200 Euro Prämie möglich.

Die Fahrgemeinschaftsprämie ist für alle bestimmt, die ab Januar 2023 Fahrgemeinschaften bilden. Auch Mitreisende können den Zuschuss erhalten. Um die Prämie zu beantragen, müsst ihr euren Antrag beim jeweiligen Mitfahrportal mit einer Verbindung über France Connect aktivieren.

Mitfahrzentralen

Copyright: Gouvernement Français
Copyright: Gouvernement Français

E-Auto-Prämie

Mit gleich zwei Finanzzuschüssen will Frankreich den Kauf von E-Autos bzw. E-Bikes fördern. Der bonus écologique (Umweltbonus) soll Käufer bewegen, beim Neukauf auf Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor zu verzichten. Der Bonus gilt für Neu- als auch für Gebrauchtwagen. Die prime à la conversion (Umtauschprämie) gibt es für Fahrzeuginhaber mit Crit’Air 3 und höher, deren neues Fahrzeug nur einen geringen ökologischen Fußabdruck hat.

Achtung: Das alte Fahrzeug mit Benzinmotor (zugelassen vor 2006) oder Dieselmotor (zugelassen vor 2011) darf nicht als Gebrauchtwagen verkauft werden, sondern muss in einer zugelassenen Auto-Recyling-Anlage (Centres VHU Agréés) verschrottet werden.
www.primealaconversion.gouv.fr

Le bus à 1 euro

Im Département Pyrénées-Orientales ist es seit inzwischen mehr als zehn Jahren möglich, für einen Euro mit dem Bus zu fahren. Dieser Service ist in ländlichen Gebieten für Menschen, die keine andere Möglichkeit haben, sich fortzubewegen, seit 2012 unverzichtbar geworden.

Seit 2022 gibt es zudem die ersten fünf grenzüberschreitenden Ein-Euro-Busse in den Pyrénées-Orientales. Sie verkehren zwischen Formiguères und Puigcerdà, Le Boulou und Figueres sowie zwischen Camprodon und Prats-de-Mollo.

Kostenloser Nahverkehr

Der Busbahnhof der Place de la Brèche. Foto: Hilke Maunder
Der Busbahnhof der Place de la Brèche in Niort ist das große Drehkreuz im kostenlosen ÖPNV. Foto: Hilke Maunder

39 städtische Verkehrsnetze in Frankreich bieten die kostenlose Nutzung ihrer öffentlichen Verkehrsmittel an. Mehr als 400 Gemeinden sind an dieses Netz angeschlossen. Wo und wer, verrät der Observatoire des villes du transport gratuit.

Anstelle einer vollständigen Kostenfreiheit ohne Fahrkartenverkauf entscheiden sich einige Städte für eine teilweise Kostenfreiheit. Sie behalten ihr Fahrkartensystem bei, übernehmen aber die Kosten ganz oder teilweise für bestimmte Bevölkerungsgruppen (Jugendliche, Senioren, Arbeitslose, Geringverdiener, Behinderte). Andere Betreiber bieten die kostenlose Nutzung nur zu bestimmten Zeiten an (Smog, Nachtfahrpläne, Wochenenden) oder beschränken sie auf einen Teil des Netzes.

Kostenlos für unter 18-Jährige

Straßburg, Lille und Paris bieten seit einigen Jahren die kostenlose Nutzung ihrer Verkehrsmittel für alle Minderjährigen an. Valenciennes und die Communauté d’agglomération de la Port du Hainaut mit 82 Gemeinden und 355.655 Einwohner haben den kostenlosen Zugang auf alle Jugendlichen bis 25 Jahre ausgeweitet.

Kostenlos an Samstagen oder an Wochenenden

Nantes war die erste Stadt, die wieder eine Straßenbahn einsetzte. Foto: Hilke Maunder
Nantes war die erste Stadt, die wieder eine Straßenbahn einsetzte. Foto: Hilke Maunder

Nantes und Rouen bieten die freie Fahrt nur am Wochenende. In Nantes sind Busse, Straßenbahnen und Pendelbusse samstags und sonntags kostenlos. Dies gilt seit April 2021 sowohl für Einwohner als auch für Touristen.

Seit Samstag, 5. September 2020, ist der Zugang zu den öffentlichen Verkehrsmitteln der Metropolregion Rouen Normandie völlig kostenlos. Allerdings benötigt ihr nach wie vor einen Fahrschein – und müsst ihn bei jedem  Einsteigen neu entwerten.

Kostenlose City-Shuttles

Kostenlos und emissionsfrei: der E-Shuttle-Bus von Bergerac. Foto: Hilke Maunder
Kostenlos und emissionsfrei: der E-Shuttle-Bus von Bergerac. Foto: Hilke Maunder

Mehrere Städte in Frankreich bieten in den Innenstädten kostenlose City-Shuttles an. Dazu gehört neben Bergerac, Caen, Colmar, Limoges und Rennes auch Toulouse. Ein einfacher Wink mit der Hand genügt, und schön hält der Fahrer an.

Beim Aussteigen genügt ein Knopfdruck, um auszusteigen, wo man möchte. Und so hält die Navette Centre-Ville auch mitten in der Gasse, setzt ihre Passagiere ab – und lässt andere Fahrzeuge warten. Alle zehn Minuten saust der kleine Bus so kreuz und quer durch das alte Herz von Toulouse.

Zehn dieser kleinen Mini-Busse sind von Montag bis Samstag während der Geschäftszeiten unterwegs. Mit Elektroantrieb und Niederflur fertigte das italienische Unternehmen BredaMenarinibus die Stadtkleinbusse. So sind sie auch rollstuhl- und kinderwagentauglich.

Immer gratis und fahrscheinfrei

Montpellier: Port Marianne. Foto: Hilke Maunder
Montpellier: Auch in Port Marianne hält die Tram. Foto: Hilke Maunder

Andere Städte sind sogar schon einen Schritt weiter gegangen und haben ihre Verkehrsmittel für alle ihre Nutzer unterschiedslos völlig kostenlos gemacht. Die Metropolregion Montpellier (450.000 Einwohner) hatte zunächst freien Zugang zu den öffentlichen Verkehrsmitteln an Samstagen und Sonntagen getestet.

Der Test wurde dann auf unter 18-Jährige und über 65-Jährige an Wochentagen ausgeweitet. Seit 2023 gilt für alle Bewohner und Besucher: freie Fahrt in Tram und Bus. Die Metropolregion Montpellier ist die größte Gebietskörperschaft mit kostenlosem Nahverkehr. Sie lässt sich dies jährlich 24 Millionen Euro kosten.

Ebenfalls völlig gratis und fahrscheinfrei ist der ÖPNV u.a. auch in Aubagne, Bernay, Castres, Châteauroux, Compiègne, Dinan, Dinard, Dunkerque, Douai, Gaillac, Issoudun, Levallois, Libourne, Figeac, Gap, Joigny, Mayennes, Morlaix, Neuves-Maisons, Nyons, Porto-Vecchio, Saint-Brévin-les-Pins, Saint-Flour, Vitré und Villeneuve-sur-Lot.

Der kostenlose Nahverkehr in Frankreich. Copyright: L’Observatoire des villes du transport gratuit
Der kostenlose Nahverkehr in Frankreich. Copyright: L’Observatoire des villes du transport gratuit

Rad

Bereits 2018 verabschiedete Frankreich seinen Plan Vélo. Der Fahrrad-Plan umreißt alle jene Maßnahmen, mit denen Frankreich die Rad-Kultur fördern will. Dazu gehören neben dem Ausbau der Infrastruktur und einer verbesserten Sicherheit auch steuerliche Anreize.

Mit dem e-Bike saust ihr entspannt durch das Hügelland. Foto: Hilke Maunder: Mit dem e-Bike saust ihr entspannt durch das Hügelland. Foto: Hilke Maunder
Mit dem e-Bike saust ihr entspannt auch durch Frankreichs Hügel und Berge. Foto: Hilke Maunder

E-Bike-Prämie

Die Umtauschprämie zur Förderung der E-Mobilität gibt es in Frankreich nicht nur fürs Auto, sondern auch fürs Fahrrad. Bis zu 4.000 Euro Förderung sind möglich. Wie hoch die Förderung tatsächlich ausfällt, bemisst das Referenzeinkommen. Je weniger Geld auf dem Konto, desto höher die Fördersumme. Zusätzliche 1.000 Euro gibt es für alle, die in einer Umweltzone leben und dort auf ein elektrisch unterstütztes Fahr-, Falt- oder Lastenrad umsteigen.

Grenoble – Frankreichs Fahrradhauptstadt

Grenoble statt Straßburg: 2022 gelang Grenoble als Umwelthauptstadt 2022 auf dem Kongress 2022 der FUB Fédération des Usagers de la Bicyclette in Tours der große Coup. Grenoble wurde dort offiziell zur französischen Fahrradhauptstadt gekürt – eine Premiere! Straßburg, das jahrelang den Spitzenplatz innegehalten hatte, rutschte auf Platz zwei, gefolgt von Rennes auf Platz drei.

Stadträder

In Niort gibt es auch günstige Stadträder. Eine der Stationen befindet sich am Port Boinot. Foto: Hilke Maunder
In Niort gibt es auch günstige Stadträder. Eine der Stationen befindet sich am Port Boinot. Foto: Hilke Maunder

Frankreich besitzt ein gut ausgebautes Stadtradsystem in nahezu allen größeren Städten. Erste Stadtanbieter haben bereits auch Elektro- und Lastenräder im Angebot. Dies soll künftig weiter ausgebaut werden.

Mehr Radwege

Bourg Saint-Andéol ist eine Etappe der ViaRhôna vom Genfer See zum Mittelmeer. Foto: Hilke Maunder
Bourg Saint-Andéol ist eine Etappe der ViaRhôna vom Genfer See zum Mittelmeer. Foto: Hilke Maunder

Mehr als 51.154 Kilometer umfasste 2020 das Radwegenetz, so das nationale Statistikamt INSEE. Seitdem wuchs es jährlich um mehr als 1.000 Kilometer. Frankreichs Vision beim Ausbau ist ein Netzwerk von großen europäischen, nationalen und lokalen Radrouten. Sie sollen die Alltagsmobilität verändern und die  touristische Nutzung des Fahrrads fördern.

Derzeit umfasst das Rad-Netzwerk 58 Routen. Darunter befinden sich zehn EuroVelo-Routen mit einer Gesamtlänge von 25.408 Kilometern.

• Die schönsten Radfernwege in Frankreich sowie viele Infos rund ums Rad findet ihr hier.

Bahn

Der Pariser Bahnhof Gare Saint-Lazare ist der Bahnhof für die Linien in die Normandie - und den Eurostar nach London. Foto: Hilke Maunder
Die Pariser Gare Saint-Lazare ist der Bahnhof für die Linien in die Normandie – und den Eurostar nach London. Foto: Hilke Maunder

Auch in Frankreich ist heute der Schienenverkehr wieder en vogue. Er gilt geradezu als Trumpf beim ökologischen Umbau. Laut der Agence de la transition écologique (ADEME) hat die Bahn den geringsten CO2-Ausstoß pro Fahrgast  – bis zu 80-mal weniger als das Flugzeug und 8-20-mal weniger als das Auto. Damit ergänzt die Schiene ideal den lokalen Verkehr per Rad.

In den letzten Jahren hat die Staatsbahn SNCF jedoch viele Linien geschlossen. Dadurch sind heute viele ländliche Gebiete isoliert – und ist das Auto dort zum unverzichtbaren Verkehrsmittel aufgestiegen. Im Zentralstaat verlaufen zudem nach wie vor die meisten nationalen Linien über Paris. Querverbindungen sind selten.

Der Bahnhof von Lapradelle. Foto: Hilke Maunder
Der Bahnhof von Lapradelle. Foto: Hilke Maunder

Rein theoretisch wohnen 90 Prozent der Franzosen weniger als zehn Kilometer von einem Bahnhof entfernt. Praktisch jedoch werden 30 Prozent der Bahnhöfe nicht mehr vom Schienennetz bedient. Zum Vergleich: Vor dem Zweiten Weltkrieg umfasste das französische Schienennetz mehr als 42.000 Kilometer. Heute misst das Netz weniger als 28.000 Kilometer. Doch es gibt Zeichen der Hoffnung. Und des Umdenkens – besonders im Süden.

Wiederinbetriebnahme stillgelegter Strecken

Die stillgelegten Gleise von Lapradelle. Foto: Hilke Maunder
Die stillgelegten Gleise von Lapradelle. Foto: Hilke Maunder

In Okzitanien eröffnete Regionalpräsidentin Carole Delga am 22. August 2022 eine Bahnstrecke, die 50 Jahre lang für Reisende geschlossen war. Sie verläuft auf dem rechten Rhôneufer zwischen Avignon (Vaucluse) und Pont-Saint-Esprit (Gard). Die Schienen waren zuletzt nur vom Güterverkehr genutzt worden. Das Investionsvolumen war dadurch gering.

Train à 1 Euro

In Ergänzung zum Ein-Euro-Bus startete Okzitanien seine Initiative Le Train à 1 Euro. Seit Dezember könnt ihr in 21 liO-Regionalzuglinien am ersten Wochenende im Monat für einen Euro unterwegs sein, Kinder wie Erwachsene, von früh bis spät. Einzig in den Hauptferienmonaten Juli und August gibt es dieses Angebot nicht.

Die Region verzeichnet täglich 70 000 Fahrgäste auf ihrem 2.483 Kilometer großen Schienennetz. Bis 2030 sollen es täglich 100 000 Fahrgäste werden. Diese Schwelle hat die Region im Sommer 2022 bereits fünfmal überschritten.

Günstige Preise erleichtern den Umstieg auf die Schiene. Für 18- bis 26-Jährige ist die Fahrt kostenlos mit dem Angebot + = 0. Der Sozialtarif SolidariO‘ umfasst 20 kostenlose Fahrten, die sechs Monate lang gültig sind. Für alle über 60 Jahre gibt es degressive Tarife.

Laut Jean-Pierre Farandou, Vorstandsvorsitzender der SNCF, gehören die Regionalzüge in Okzitanien zu den billigsten in ganz Frankreich. Die Region ist außerdem die einzige in Frankreich, die die Tarife für Regionalzüge seit 2018 nicht erhöht hat.
www.ter.sncf.com/occitanie/tarifs-cartes/billets-un-euro

Copyright: SNCF
Copyright: SNCF

Die neue Bürgerbahn

Frankreich hat im Dezember 2020 den Schienenverkehr für den Wettbewerb geöffnet.  Seitdem können auch andere Betreiber als die SNCF Züge auf dem französischen Schienennetz betreiben. Als erster ist das italienische Unternehmen Trenitalia auf der Strecke Paris-Mailand über Lyon auf den Zug aufgesprungen.

Bereits im November 2019 hatte sich die erste private Genossenschaft gegründet. Katalysator war die Aufgabe der Bahnverbindung von Bordeaux nach Lyon im Jahr 2014 gewesen. Drei Jahre nach ihrer Gründung zählte RAILCOOP bereits mehr als 13.000 Genossenschaftsmitglieder und sieben Millionen Euro Kapital.

RAILCOOP will nicht frontal mit der SNCF konkurrieren. Sondern das Angebot der Staatsbahn komplementieren – besonders in ländlichen Gebieten und für mittelgroße Städte. Dazu will RAILCOOP Bahnstrecken neu beleben, die von der staatlichen Eisenbahngesellschaft SNCF aufgegeben wurden. Der Anfang wurde mit Frachtverbindungen gemacht. Seit November 2021 verkehren RAILCOOP-Güterzüge zwischen Orten in den Départements Lot und Aveyron und Toulouse.

Nun soll der Personenverkehr folgen. Als erste Strecke soll Ende 2023 die Verbindung Bordeaux – Lyon aufgenommen werden. Zwei Hin- und Rückfahrten sind pro Tag geplant. Währen der rund 7,5 Stunden dauernden Fahrt werden folgende Haltestellen bedient:

  • Bordeaux
  • Libourne
  • Périgueux
  • Thiviers
  • Limoges
  • Saint-Sulpice-Laurière
  • Guéret
  • Montluçon
  • Gannat
  • Saint-Germain-des-Fossés
  • Roanne
  • Lyon-Perrache

Danach werden ab 2024 weitere Linien folgen. Geplant sind:

  • Lille – Nantes über Amiens, Caen und Rennes
  • Straßburg – Clermont-Ferrand via Dijon
  • Massy – Brest via Caen
  • Saint-Étienne und Grenoble – Thionville via Dijon und Metz
  • Le Croisic – Basel (Schweiz) via Nantes, Tours, Dijon und Mulhouse
  • Saint-Brieuc oder Caen – Toulouse via Le Mans und Limoges
  • Brest – Bordeaux via Nantes
  • Annecy – Marseille via Grenoble
Das geplante Netz. Copyright: RAILCOOP
Das geplante Netz. Copyright: RAILCOOP

Nachtzüge

In Frankreich gibt es derzeit Intercités-Nachtzuglinien, die alle vom Bahnhof Paris-Austerlitz abfahren:

Paris – Nizza über Marseille, Toulon, Cannes
Paris –Portbou via Montauban, Toulouse, Perpignan, Argelès-sur-Mer
Paris – Latour-de-Carol via Toulouse, Foix
Paris – Albi via Rodez.
Paris – Briançon via Gap
Paris – Lourdes (Verlängerung bis Hendaye im Juli und August) via Tarbes

Neu hinzu kommen diese Strecken:

Paris – Aurillac (ab Dezember 2023).
Paris –Pau via Bordeaux, Dax, Bayonne ( im Jahr 2024).

S-Bahn, U-Bahn, Seilbahn!

U-Bahn

Auf der Île de la Cité findet ihr noch einen der traditionellen Jugendstil-Metroeingänge. Foto: Hilke Maunder
Auf der Île de la Cité von Paris findet ihr noch einen der traditionellen Jugendstil-Metroeingänge. Foto: Hilke Maunder

Im Jahr 1900 erhielt Paris Frankreichs erste U-Bahn (métro). Heute besitzen auch die Ballungsräume von Lyon, Marseille, Lille, Toulouse und Rennes derartige Untergrundbahnen. Seit der Einweihung der Métro von Rennes im Jahr 2002 ruht der Ausbau dieses urbanen Verkehrsträgers, da er mit sehr hohen Kosten verbunden ist.

Einzige Ausnahme ist der Grand Paris Express. Hier erfahrt ihr mehr.

S-Bahn

Banlieue de Paris: Die RER schafft Verbindungen. Foto: Hilke Maunder
Angeschlossen an die RER B: Arcueil. Foto: Hilke Maunder

Das Réseau Express Régional (RER) ähnelt dem S-Bahn-Netz. Seit den 1960er-Jahren besteht es aus Regionalzügen, die in der Île-de-France in hoher Taktung verkehren und die Vororte an das Zentrum von Paris anschließen.

Ende November 2022 verkündete Staatschef Emmanuel Macron, der Staat werde zehn neue S-Bahn-Systeme außerhalb von Paris einrichten. Als zweite französische Stadt weihte Straßburg am  12. Dezember 2022 ein S-Bahnnetz ein. Es besteht aus insgesamt sechs Linien, die im Halbstundentakt verkehren. Im Berufsverkehr ist die Taktzeit auf 15 Minuten reduziert.

Für alle großen Ballungsräume

Geplant sind weitere neun S-Bahn-Netze in den Metropolen Lyon, Marseille-Aix, Lille, Toulouse, Bordeaux, Nizza, Nantes, Toulon und Douai-Lens. Insgesamt sind bereits rund 15 Projekte in Frankreich in der Entwicklung, darunter auch in Grenoble. Aus dem Élysée-Palast hieß es jedoch, dass es manchmal zehn Jahre oder mehr dauern könne, bis diese Projekte fertiggestellt sind.

Im Dreiecksländle soll künftig eine trinationale S-Bahn die eingestellte Ligne Verte ersetzen. Die S-Bahn Linie S2 soll ganztägig im Halbstundentakt zwischen Mulhouse – EuroAirport – Basel – Liestal verkehren, die S-Bahn Linie S4 jeden Tag im Halbstundentakt zwischen EuroAirport – Basel – Laufen.

Straßenbahn

Montpellier: Tram-Linie 2. Foto: Hilke Maunder
Bunt wie einst die Pril-Blumen: die Tram-Linie 2 von Montpellier. Foto: Hilke Maunder

Seit Mitte der 1980er-Jahre erlebt die Straßenbahn in den französischen Ballungsräumen ein Comeback. Tours ist der 26. Ballungsraum in Frankreich, der die Straßenbahn, die in der Nachkriegszeit nach und nach aus dem Stadtbild verschwunden war, wieder neu belebt. Wenn man die Straßenbahnen sich ansieht, scheinen sie alle unterschiedlich.

Und doch haben sich die meisten Städte  für den Bestseller des Herstellers Alstom entschieden: das Modell Citadis. Eine ganz besondere Tram besitzt Nancy. Dort ist der Bus ist ein Zwitter und steigt auf steilen Strecken der Stadt auf die Schiene um.

Der Bus ist ein Zwitter und steigt auf steilen Strecken der Stadt auf die Schiene um. Foto: Hilke Maunder
Die Bus-Tram von Nancy. Foto: Hilke Maunder

Seilbahn

Seilbahnen sind besonders saubere Verkehrsträger. Sie funktionieren zu 100 % elektrisch, setzen daher kein CO2 frei, sind im Betrieb sehr leise und versiegeln mit ihren Pylonen und notwendigen Bauten nur sehr wenig Bodenfläche. Zudem sind die Betriebskosten drei- bis viermal niedriger als bei der Straßenbahn.

Bereits 1934 weihte Grenoble die erste innerstädtische Seilbahn Frankreichs ein. Doch erst 1976 erhielt sie ihre berühmten Gondeln – die bulles. In nur fünf Minuten schwebt ihr in diesen runden, lichtdurchlässigen Gondeln aus dem Zentrum hinauf zu den Befestigungsanlagen der Bastille in 500 Metern Höhe.

Grenoble: die Bulles. Foto: Hilke Maunder
Mit den bulles schwingt ihr in Grenoble hinauf zur Bastille.

2016 lockerte Frankreich für die Verkehrswende ein Gesetz aus dem Jahr 1941,  das die Überquerung von Wohngebäuden mit Gondelbahnen untersagte. Noch im selben Jahr installierte die bretonische Hafenstadt Brest eine  Seilbahn über den Penfeld-Fluss. Sie bindet seitdem die Stadtviertel Siam und Les Capucins ans Zentrum an, die zuvor vom Rest der Stadt abgeschnitten waren.

2012 hatte eigentlich Toulouse seine städtische Seilbahn als Nummer drei einweihen wollen. Doch Saint-Denis. Hauptstadt des französischen Übersee-Départements Île de la Réunion, war schneller. Im Dezember 2021 weihte die die Tropen-Kapitale Frankreichs erste urbane Insel-Seilbahn ein.

26 Masten bis zu 40 Meter hoch halten das Tragseil für die 2,7 Kilometer lange Strecke. Zwischen den fünf Stationen verkehren 46 Kabinen – alle 34 Sekunden eine Kabine!  Den 45 Millionen Euro-Bau bezuschussten die Europäische Union und der Regionalrat mit insgesamt 15 Millionen Euro.

Frankreichs längster téléphérique urbain

Am 14. Mai 2022 schließlich konnte Toulouse Frankreichs vierte Seilbahn einweihen – und im ersten Betriebsjahr die stolze Zahl von einer Millionen Fahrgäste vermelden. Mit einer Strecke von derzeit 2,7 Kilometern ist die aus drei Stationen bestehende Verbindung, die für Windgeschwindigkeiten von bis zu 108 km/h ausgelegt ist, die längste Seilbahn Kontinentalfrankreichs. In Spitzenzeiten überquert alle 90 Sekunden eine Gondel des Téléo die Garonne – und ist in das bestehende Verkehrsnetz eingebunden.

Weitere 20 Seilbahnen

Insgesamt stehen in Frankreich bereits 20 weitere Seilbahnprojekte in den Startlöchern. Im Sommer 2023 will der drei Kilometer lang téléphérique urbain in Ajaccio seinen Betrieb aufnehmen. 19 Gondeln sollen dann zwischen dem Parkplatz von Saint-Joseph und Mezzavia hin und her schweben. Bordeaux untersucht derzeit neun Trassen für die télécabines, die künftig das Bacalan-Viertel  mit Cenon und Lormont verbinden sollen,

In Nizza sollen Ende 2023 die Bauarbeiten für eine Seilbahn beginnen, die den Var überquert und  Saint-Laurent-du-Var an die Stadt anbindet. Das 40-Millionen-Euro-Projekt soll Ende 2025 seinen Betrieb aufnehmen.

100 Prozent barrierefrei

Das Cable C1 wird die erste Seilbahn in der Region Île-de-France sein. Die 4,5 Kilometer lange Linie soll Créteil über Limeil-Brévannes und Valenton mit Villeneuve-Saint-Georges verbinden. Geplant sind fünf Haltestellen im Abstand von 500 bis 1.800 Metern. Alle sind ebenerdig und zu 100 Prozent barrierefrei: eine Weltpremiere für diese Art von Transport! 2023 beginnen die Bauarbeiten. Die Inbetriebnahme ist für 2025 geplant. Statt 45 Minuten mit öffentlichen Verkehrsmitteln wird die Fahrt dann nur nur 17 Minuten dauern.

In Lyon hingegen gab Sytral Mobilités am 10. Mai 2022 bekannt, dass die geplante Seilbahn von Lyon nach Francheville im Département Rhône nicht gebaut werden wird. Schuld daran war der massive Widerstand der Bürger. „Die Planungen haben die Bewohner der betroffenen Gebiete weitgehend mobilisiert.

Es gibt eine starke Opposition der Bürger, die sich zu diesem neuen Transportmittel geäußert haben. Die Bedingungen sind also nicht gegeben, um dieses Projekt zu verwirklichen“, schrieb Bruno Bernard in einer Pressemitteilung. Nun sucht der Präsident der Metropole Lyon Alternativen.

Flug

Weniger Kurzstreckenflüge

Die Verkehrswende verändert auch das Flugwesen. Auf Initiative des Bürgerklimarats aus dem Jahr 2020 schafft Frankreich kurze Inlandsflüge ab. Dies gilt für alle Strecken, für die eine alternative direkte Zugverbindung von weniger als 2,5 Stunden besteht.

Die Europäische Kommission gab am 1. Dezember 2022 grünes Licht für den Vorstoß von Staatschef Macron. Die Airlines hatten dagegen vergeblich protestiert. Nach drei Jahren muss die Maßnahme überprüft werden, so die EU. Vom Verbot betroffen sind derzeit nur Flüge zwischen Paris-Orly und Nantes, Bordeaux und Lyon.

Insgesamt gibt es mehr als 100 Kurzstreckenverbindungen innerhalb Frankreichs. Greenpeace fordert, alle Flüge zu untersagen, für die es alternativ eine Bahnreise von maximal sechs Stunden gibt.

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31 Kommentare

  1. Hallo, herzlichen Dank für diesen informativen Beitrag!
    Nur der Vollständigkeit halber (wobei das sicher auch nicht vollständig ist):
    Auch im Großraum Antibes kostet eine Busfahrt mit „Envibus“, seit ich zurückdenken kann (~20 Jahre) 1 Euro, die Zehnerkarte sogar nur 8 Euro.
    Ganz neu ist das 0-Euro-Ticket (auf dem Smartphone; sonst 5 Euro für die Chipkarte) für die Hauptbuslinie A (Juan-Les-Pins – Antibes – Sophia Antipolis) und die kleinen innerstädtischen Busse.
    Da sollten sich unsere deutschen Städte (hier z.B. Einzelticket 3,30) mal eine Scheibe abschneiden…

  2. Liebe Hilke,
    du hast mal wieder einen umfassenden und sehr interessanten Bericht erstellt. Danke dafür!
    Hier in der Umgebung von Antibes hat man einiges von dem was du beschrieben hast umgesetzt. Mehr Fahrradwege, dafür verengte Fahrbahnen und eigene Busstrassen. Leider sind dadurch die Staus erheblich grösser geworden. Von Antibes zum Golfplatz in Mouans Sartoux sind es ca. 16 km bergauf. Bahn, Bus oder Fahrrad sind für uns keine Option. Für diese Strecke haben wir bisher ca. 25 – 35 min. benötigt. Dieses Jahr brauchen wir wegen des ständigen Stop-and-Go für dieselbe Strecke 45 – 60 min, der Spritverbrauch ist durch die Staufahrerei um 30% höher. Medaillen haben leider immer 2 Seiten.
    Liebe Grüße aus Antibes
    Renate H.

    • Dieses Jahr brauchen wir wegen des ständigen Stop-and-Go für dieselbe Strecke 45 – 60 min, ….
      Bonjour Renate, hm… verstehe ich nicht … wenn ich nicht irre, ist der Golfplatz doch die Strasse runter wo sich ALDI befindet (oder ist es ein anderer G-Platz) Da fahre ich auch im Sommer 2 x im Monat und habe noch nie mehr als 30 Min . gebraucht…(die alte Strecke)
      Grüsse aus Antibes , Gitte

    • Ich finde es ganz spannend, was da angeschoben wird – und möchte gerne einmal die urbanen Seilbahnen kennenlernen, die völlig neue Ausblicke auf die Städte eröffnen.

  3. Bonjour und Danke für die Mühe! Ich nutze an der Côté Azur sehr viel die Bahn uns es klappt hervorragend, wenn nicht gerade gestreikt wird oder Ausflüge ins Hinterland geplant sind.
    So viel Bahn gefahren wie in Frankreich, bin ich in meinem ganzen Leben nicht. Von Antibes aus fährt die Bahn nicht nur nach Nizza oder Marseille, sondern auch direkt an der Küste und den Stränden entlang.

    Fahrräder lassen sich auch mitnehmen. Nizza hat mittlerweile viele Fahrradwege bekommen.

    Nachteilig ist, dass die Züge hauptsächlich bis 22 bzw 23 Uhr abends fahren. Wir müssen immer zu sehen , dass wir pünktlich aus Nizza wegkommen oder ein Uber nehmen.

    Liebe Grüße
    Kathrin

    • Hallo Kathrin, danke für diese Eindrücke von der Côte. Und ja, das ist schade – hier fährt um 18 Uhr der letzte Bus aus Perpignan zurück ins Dorf. In der Ladefläche nimmt er Räder mit.
      Viele Grüße! Hilke

  4. Was soll man diesen relativen Elogen noch zufügen, liebe Hilke?
    Alles gesagt. Dieser Beitrag zur (politisch-behördlich konsquent vollzogenen) Verkehrswende in Frankreich ist einfach nur gut, ist sehr gut. Ist erklärend, nachvollziehbar.
    Als Gast wundert man sich ja schon manchmal, wie stringend diese Neuerungen durchgezogen werden. Wobei ich nach wie vor bezweifle, ob sie auch angenommen werden, ob sie in die Köpfe der Menschen gelangen.
    Mein Beispiel Avignon. Alte bahnstrecke von und nach Carpentras vor sechs, acht Jahren revitalisiert, Bahnhöfe erneuert, personell investiert, Takt-Verkehr … und mittlerweile bleiben die Triebwagen an Wochenenden wieder im Depot, verkehren in der Woche reduziert, sind die fahrkartenschalter entlang der Strecke verwaist.
    Aber die Straßen in die Stadt inklusive des innerstädtischen Rings entlang der Mauer sind jeden Vormittag und jeden Abend voll. Ohne Not … aber die Leute machen es sehenden Auges.
    Zu ViaRhona & Co. hatte ich Dir ja schon mal geschrieben: Das Beste, was mir bislang als Radler untergekommen ist – inklusive des EutroVelo-Zubringers von Basel/Mulhouse her entlang des Doubs.

    Bis wieder einmal.
    Cordilalement

    • Hallo Norbert, danke für Deine Eindrücke aus Avignon und Carpentras. Zur ViaRhôna: auch eine tolle Strecke, die ich erst in Teilstrücken abgeradelt bin, die ViaRhôna fast vollständig – nur Seyssel – Grenze F/CH fehlt noch… Bises, Hilke

  5. Wow, grossartige Übersicht liebe Hilke Maunder, herzlichen Dank!
    Ich bin sehr beeindruckt von diesen vielfältigen Massnahmen für die Verkehrswende und wünschte mir für die Schweiz ähnliches.
    Unsere jährlichen zweiwöchigen E-Biketouren in Frankreich würden tatsächlich noch erleichtert durch bessere Velolangstreckenverbindungen. Ich erhoffe mir da etwas von Railcoop Lyon – Bordeaux zum Beispiel.

    • Hallo Thomas, in Frankreich bewegt sich derzeit viel. Da auch der Kauf von E-Bikes finanziell unterstützt wird und Rad + Schiene als eine der wichtigsten Mobilitätsschienen für die Zukunft gesehen werden in Frankreich, wird sich dort sicherlich noch viel tun. Ich bleibe am Thema. Viele Grüße, Hilke

  6. Liebe Hilke,
    verfolge Deinen bloc seit vielen Jahren mit großem Interesse – dieser Beitrag haut mich um.
    Toll was die Franzosen machen und wir Deutschen glauben, wir werden (sind) Weltmeister (auch im Fußball).
    Fetten Respekt.

    • Danke, Bernd! Und ja, ich bin auch beeindruckt! Unser Dorrf (1800 Einwohner) hat seit 2017 zwei E-Ladestellen, die noch nie defekt waren, und jetzt am Ortseingang und Ortsausgang je einen covoiturage-Parkplatz erhalten. Und jener wird genutzt. Bises, Hilke

      • Ein toller Übersichtsbericht!
        In meinen beiden Dörfern (1000 bzw. 3000 Einwohner) im VAR sind die 2 E-Ladestation immer verwaist. In den franz. Sommerferien steht manchmal ein Auto zum Laden dort.
        Hier auf dem flachen Land existieren kaum Radwege. Manche alte Zuglinien sind zu Wander- und Radwegen in Abschnitten umgebaut worden. Normalerweise fahren die Menschen (meist Rentner) mit ihren Rennrädern auf der normalen Landstrasse und werden von den 80km/h schnellen Autos überholt. Mir persönlich ist das Risiko bei so einer Tour zu sterben einfach zu groß.
        @Benno ich stimme dir zu, dass die Deutschen sich manchmal überschätzen und glauben es besser zu wissen.

  7. Liebe Hilke, danke für die vielen Informationen. Was mir in Frankreich fehlt, ist die Möglichkeit, Fahrräder über längere Strecken mit dem Zug zu transportieren (über rein regionale Verbindungen hinaus). Gibt es hier auch positive Tendenzen? Viele Grüsse, Susan

  8. An und für sich eine gute Entwicklung. Wir werden sehen. Aber da das ganze so unglaublich unübersichtlich und verwirrend ist gibt es nur eins. Alle öffentlichen Verkehrsmittel Gratis.

    • Lieber Martin, kostenloser Nahverkehr in Frankreich entwickelt sich – immer mehr Kommunen führen ihn ein. 2022 kam mit Montpellier auch erstmals eine Großstadt hinzu mit diesem Angebot. Das sind positive Signale. Viele Grüße, Hilke

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