Mutter des Champagners: Blanquette de Limoux

Blanquette de Limoux, ganz bio von der Domaine de Mayrac. Foto: Hilke Maunder
Blanquette de Limoux, ganz bio von der Domaine de Mayrac. Foto: Hilke Maunder

Welcher Schaumwein kommt vom Oberlauf der Aude ? Diese Kreuzworträtselfrage ist für Franzosen kinderleicht: die Blanquette! Und stolz fügen die Winzer der AOC Limoux im Herzen des Départements Aude hinzu: „Wir sind die wahre Heimat des Champagners!“

Im Anbaugebiet der AOC Blanquette de Limoux bei La Serpent. Foto: Hilke Maunder
Im Anbaugebiet der AOC Blanquette de Limoux bei La Serpent. Foto: Hilke Maunder

Denn nicht im Norden Frankreichs in der Champagne, sondern im tiefen Süden erfand ein Mönch das prickelnde Getränk. Ob Legende oder Wahrheit, schön ist die Geschichte allemal.

Stolz empfängt euch – aus Carcassonne – vor der Altstadt von Limoux ein Fresko mit der Aufschrift: Limoux vous accueille avec sa blanquette et son carnaval. Sieben Kilometer entfernt, in den Hügeln der Corbières, versteckt sich die legendäre Wiege der Blanquette de Limoux.

Die Abtei von Saint-Hilaire bei Limoux. Foto: Hilke Maunder
Die Abtei von Saint-Hilaire bei Limoux. Foto: Hilke Maunder

Prickeln per Zufall

Dom Pérignon soll bei einer Pilgerfahrt zur Benediktinerabtei Saint-Hilaire eine althergebrachte Methode zur Herstellung von Schaumweinen kennengelernt haben. Die Abtei bei Limoux gehört zu jenen im achten und neunten Jahrhundert gegründeten Klosteranlagen, die von den karolingischen Königen gefördert wurden und wahre Säulen der Macht darstellten.

Die prunkvolle Decke in Zimmer des Abtes von Saint-Hilaire. Foto: Hilke Maunder
Die prunkvolle Decke in Zimmer des Abtes von Saint-Hilaire. Foto: Hilke Maunder

Erstmals schriftlich erwähnt wurde die Abtei im Jahr 825 in einer Urkunde, in der Kaiser Ludwig der Fromme den Mönchen das Recht bestätigte, ihren Abt gemäß der Regel des heiligen Benedikt selbst zu wählen. Die Abtei war damals Saint-Sernin geweiht, dem ersten Bischof von Toulouse

Der Kreuzgang der Abtei Saint-Hilaire. Foto: Hilke Maunder
Der Kreuzgang der Abtei Saint-Hilaire. Foto: Hilke Maunder

Das im 14. Jahrhundert auf den romanischen Fundamenten erbaute Kloster ist typisch für die Gotik des Languedoc. Sein Kreuzgang mit Doppelsäulen aus Sandstein zieren Kapitelle, die vor allem Pflanzenmotive zeigen.

Vorbei an der Abteikirche, für die der unbekannte Meister aus Cabestany mit dem Martyrium des Saint-Sernin ein Juwel der sakralen Steinmetzkunst der Romanik schuf, erreicht ihr eine Gewölbepassage mit Treppe.

Das Martyrium des Saint-Sernin vom "Meister von Cavestany". Foto: Hilke Maunder
Das Martyrium des Saint-Sernin vom „Meister von Cabestany“. Foto: Hilke Maunder

Was für ein Teufelswein!

Sie führt zu den Vorratskellern, die in den Felsen gehauen sind. Im Mittelalter lagerte dort das Getreide. An der Decke könnt ihr Öffnungen erkennen. Durch diese Löcher konnten die Bauern ihre Ernte abliefern, ohne mit den Mönchen in Kontakt zu kommen.

Später wurden sie zu Weinkellern umgestaltet. Die Benediktiner maßen dem Wein große Bedeutung zu – zunächst nur in hygienischer und symbolischer, doch schnell auch in wirtschaftlicher Hinsicht.

In diesem Keller der Abtei Saint-Hilaire entdeckten die Benediktinermönche im Frühjahr 1531 ihren prickelnden Wein. Foto: HIlke Maunder
In diesem Keller der Abtei Saint-Hilaire entdeckten die Benediktinermönche im Frühjahr 1531 ihren prickelnden Wein. Foto: HIlke Maunder

Sie zogen den Wein stets bereits vor Ende der Gärung bereits auf Flaschen. Doch im Frühjahr 1531 staunten die Mönche. Die kühle Witterung im Herbst hatte die Gärung unterbrochen.

Blanquette. Limoux - so begrüßt euch die Stadt, wenn ihr die Brücke über die Aude überquert. Foto: Hilke Maunder
Limoux – so begrüßt euch die Stadt, wenn ihr die Brücke über die Aude überquert. Foto: Hilke Maunder

Bei der wärmeren Witterung im Frühjahr löste der Restzucker in der Flasche eine zweite Gärung aus. Die Weine begannen in den Flaschen zu prickeln. Und sprengten nicht selten das Flaschenglas. „Teufelswein“ wurde daher die Blanquette de Limoux einst genannt!

Zurück in seiner Abtei Saint Pierre d’Hautvillers bie Epernay versuchte sich Dom Pierre Pérignon (1638-1715) mit den Weinen seiner Champagne an der Schaumweinherstellung. Und das durchaus mit gutem Grund. Der Sonnenkönig war auf den Geschmack gekommen und liebte prickelnde Tropfen. Dom Pérignons Experimente waren erfolgreich.

Treffpunkt in der Altstadt: Der Venus-Brunnen auf der Place de la République. Foto: Hilke Maunder
Treffpunkt in der Altstadt von Limoux: Der Venus-Brunnen auf der Place de la République. Foto: Hilke Maunder

Dickere Flaschen & Korkkorken

Zum Schutz vor Explosionen verstärkte er die Flaschen mit dickerem Glas. Als Verschluss erfand Dom Pérignon den Korkstopfen, den eine mit Öl getränkte Hanfschnur auf der Flasche hielt. Der Champagner begann seinen Siegeszug.

Auf Dom Pérignon geht auch das weit verbreitete Flaschenvolumen von 0,7 Liter zurück. So viel trinkt ein Mann durchschnittlich beim Abendessen, hatte der Mönch festgestellt.

Campagne-sur-Aude: Auch eine örtliche Blanquette-Kellerei wirbt mit dem Erbe der Dinos. Foto: Hilke Maunder
Campagne-sur-Aude: Groß wirbt eine örtliche Blanquette-Kellerei mit dem Erbe der Echsen, die dort gefunden wurden. Foto: Hilke Maunder

Doch in Limoux trinkt man bis heute Blanquette. In zahlreichen Kellern erklären euch die Winzer die südfranzösische Sektherstellung bei Führungen und Verkostungen. Sicher entweicht auch eurem Guide mit Stolz der Hinweis, dass in Limoux bereits 1531 die Blanquette gefertigt wurde.

Als Wein zum Apéro wie zum Essen wurde die Blanquette seit der Renaissance von der Aristokratie geschätzt. Zur Belle Époque ließen Großbourgeoisie undKünstler sie in Strömen fließen. La Blanquette de Limoux liegt seit Jahrhunderen in den Weinkellern französischen Präsidenten. Und auch Thomas Jefferson, der dritte Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, soll die Blanquette sehr geliebt – und komsumiert – haben.

Campagne-sur-Aude. Ein Hauch von Orient in der Architektur: die Blanquette-Kellerei Salasar. Foto: Hilke Maunder
Ein Hauch von Art-Deco und Orient in der Architektur: die Blanquette-Kellerei Salasar. Foto: Hilke Maunder

Blanquette? Geht auch bio!

Nach den Kriegen geriet der prickelnde Wein etwas in Vergessenheit. Ende des 20. Jahrhunderts erlebte das Weinbaugebiet einen tiefgreifenden Struktur- und Generationenwandel. Immer stärker stellen die Weinbauern der AOC die Blanquette de Limoux heute auch 100 % bio her.

Zu den Pionieren mit mehr als 30-jähriger Erfahrung gehört die Domaine de Mayrac. Das Familienweingut mit 35 Hektar Land in der AOC Limoux unter der Führung von Laurent Vives wird seit 1987 biologisch bewirtschaftet.

Blanquette. Überall auf den Hauswänden wird rings um Limoux für den Schaumwein der Region geworben. Foto: Hilke Maunder
Überall auf den Hauswänden wird rings um Limoux für den Schaumwein der Region geworben. Foto: Hilke Maunder

Drei Rebsorten

Angebaut werden die im Anbaugebiet Limoux zugelassenen weißen Rebsorten Mauzac, Chardonnay und Chenin Blanc sowie Merlot, Syrah, Grenache, Malbec, Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon und Pinot Noir als rote Sorten.

Zu ihnen gesellt sich die sehr seltene baskische Rebsorte Arinarnoa, die einen kräftigen, aromatischen und sehr tiefgründigen Biowein ergibt. Doch in die Blanquette wandert der Mauzac. Der weiße Flaum an der Blattunterseite des Mauzac wurde ihr Namensgeber.

Prickeln x 3

In die Blanquette méthode ancestrale kommt ausschließlich Mauzac. In der Blanquette de Limoux stellt der Mauzac mindestens 90 Prozent des Rebsaftes und sorgt für die feine Muskatnote des südfranzösischen Sekts. Zur Abrundung kommenztehn Prozent Chardonnay oder Chenin Blanc.

Der Crémant de Limoux darf seit Jahr 2004 50 – 70 % Chardonnay, 20 – 40 % Chenin Blanc sowie max. 20 % der Nebensorten Mauzac und Pinot Noir enthalten. Die drei Schauweine der Appellation sind damit  grundverschieden. Santé !

Der Keller zur Blanquette-Verkostung ist geöffnet! So werben viele Winzer rund um Limoux. Foto: Hilke Maunder
Der Keller ist geöffnet! So werben viele Winzer rund um Limoux. Foto: Hilke Maunder

La Blanquette de Limoux: meine Tipps

La Blanquette kosten

Syndicat des Vins A.O.C de Limoux

• 20, Avenue du Pont de France, 11300 Limoux, Tel. 04 68 31 12 83, www.limoux-aoc.com

Maison Guinot

 • 3, Chemin de Ronde, 11300 Limoux, Tel.  04 68 31 01 33, https://blanquette.fr

Sieur d’Arques

• Avenue du Mauzac, 11300 Limoux, Tel. 04 68 74 63 00, www.sieurdarques.com

Domaine Rosier

• Rue Farman, 11300 Limoux, Tel. 04 68 31 48 38, https://domaine-rosier.com

Antech

• 9, Rue Dewoitine, 11300 Limoux, Tel. 04 68 31 15 88, www.antech-limoux.com

Domaine Delmas

• 11,  Routte de Couiza, 11190 Antugnac, Tel. 04 68 74 21 02, https://domaine-delmas.com

Domaine de Mayrac

• Route des Pyrénées, 11190 Couiza, Tel. 04 68 74 04 84, www.domaine-mayrac.fr

Domain Capdepon

• 4, Chemin de l’Horto, 11300 Villelongue-d’Aude, Tel. 04 68 69 51 81,www.capdepon-blanquette.com

Domaine J. Laurens

• Graimenous, 11300 La Digne-d’Aval, Tel. 04 68 31 54 54, www.jlaurens.fr

Noch mehr Prickeln

Clairette de Dié

In der Drôme wird die Clairette de Die gefertigt. Dieser Sekt gehört zu den ältesten Schaumweinen nach der Champagnermethode.

Crémant

Aus der Bourgogne, dem Elsass, von der Loire, aus dem Jura und Bordeaux kommen feinperlige Crémant-Schaumweine.

Hier könnt ihr schlafen!



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Auch Geoffroy Thiebaut liebt Blanquette de Limoux. Foto: Hilke Maunder
Auch Schauspieler Geoffroy Thiebaut (Braquo) liebt Blanquette de Limoux. Foto: Hilke Maunder

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Im Blog

Die Kür des Crémant

Nicht nur Blanquette, sondern auch der Crémant aus dem Elsass wird nach der Champagnermethode hergestellt. Wie? Erfahrt es hier bei einem Kellerbesuch bei Wolfberger.

Die unbekannte Champagne

Ganz schön prickelnd ist auch die Côte des Bar, wo Familienbetriebe und Genossenschaften weniger bekannte Perlen im Glas produzieren. Entdeckt hier die schöne Schwester im Süden der Champagne.

Was trinkt Frankreich zum Apéro?

Blanquette, Crémant, Kir & Co.: Entdeckt hier die vielen köstlichen regionalen Aperitifs Frankreichs!

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10 Kommentare

  1. Hallochen, ja auch wir sind dem Blanquette verfallen.Haben bis 2013 zehn Jahre in der Nähe von Toulouse gelebt.Der Südwesten ist so toll mit seiner Landschaft, Dörfern und den vielen Leckereien.Ich bin glücklich heute auf deine Seite gestoßen zu sein.Das neue Jahr kann kommen!☺

    • Hallo Martina, ich habe mich während meiner Zeit in Lasserre (bei L’ÎLe-Jourdain) in den Südwesten verliebt… und lebe heute zeitweise (und hoffentlich bald für immer) im Tal des Agly im Fenouillèdes. Freu mich, dass Dir meine Seite gefällt! Santé… und bonne année!! Hilke

  2. Liebe Hilke, (da auch ich „seit dem ersten Kuss“ Frankreich verfallen war, erlaube ich mir die schwesterliche Anrede)-
    besser kann Silvester nicht anbrechen als mit einem Bericht über die Blanquette de Limoux! Seit meiner ersten Jugend-Reise 1969 ins Languedoc gehörte eine Besichtigung des Familienbetriebs Guinot zum Gruppenprogramm und zu meinen Dolmetsch-Aufgaben. Ganze 7 Beschäftigte brachten den Stoff in die Flaschen und unter die Leute, mittels der von uns besonders geschätzten Verkostung. Anschließend leisteten wir uns eine oder zwei Flaschen als Mitbringsel und starben tausend Tode bei der Grenzkontrolle im Zug!
    Inzwischen kann ich Blanquette beim Weinhändler bekommen, und sie hilft uns über die Grenze zum Neuen Jahr!
    Santé et une très Bonne Année

    • Liebe Katrin, was für ein schönes Erlebnis – merci! Die Angst beim „Schmuggeln“ kann ich gut nachvollziehen. Wie schön, dass es heute ganz einfach ist, die Blanquette zu beziehen. Dir auch einen guten Rutsch & bonne année 2019!

  3. Ich bin seit Jahren Blanquette-begeistert und versäume es nie, mir auf dem Marktplatz von Limoux, wo es sich gemütlich sitzen lässt, ein Glas zu bestellen. Man serviert ihn dort mit einem kleinen Teller Grieben. Schmeckt ausgesprochen lecker!

    • Liebe Frau Köppel, danke für den Tipp – der Platz ist wunderschön! Sind „Grieben“ die „rillettes“? Habe den deutschen Ausdruck noch nie gehört… Viele Grüße & bonne année 2019!

      • Ich kenne das französische Wort für Grieben nicht, sie entstehen, wenn man Schweinefett auslässt, um Schmalz zu gewinnen. Ein Nebenprodukt also. (Rillettes enthalten auch Fleisch.)
        Schöne Grüße und auch Ihnen bonne année 2019!

  4. Fuer einen Blanquette fahre ich freiwillig von Deutschland aus die 800 km weiter ins Aude, statt in der Champagne die Tanks voll zu machen. Das muss ich als naturalisierter Canetoise im Departement Aude wohnend auch tun, sonst werde ich exkommuniziert 😉

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