Apéro: Was trinken Franzosen zum Aperitif?

Apero: Ein kühler Weißwein mit dem Winzerpaar von Château de la Grave in Bourg (Bordelais). Foto: Hilke Maunder
Was für ein schöner Apéro: ein kühler Weißwein mit dem Winzerpaar von Château de la Grave in Bourg (Bordelais). Foto: Hilke Maunder

Mon dieu, quelle choix! Was in den einzelnen Regionen von Frankreich neben Bier und Wein zum Apéro geboten wird, ist eindrucksvoll. Nahezu jede Region hat ihren eigenen Aperitif, der tief verwurzelt ist im Terroir und den Traditionen. Genießt die süffige Reise durchs Land! Wo online die Tropfen bestellt werden können, verrät das Sternchen.

Die schönsten lokalen Aperitifs in Frankreich

Normandie: Cidre, Calvados & Pommeau

Calvados vom Manoir d’Apreval. Foto: Hilke Maunder

Normandie und Bretagne sind die Apfelparadiese von Frankreich. Aus den Früchten keltern die Apfelbauern im normannischen Pays d’Auge und in den bretonischen Anbaugebiete Cournouaille und Côte d’Armor aus alten, genau festgelegten Sorten einen süffigen Cidre, mal doux, mal brut.

Wird Apfelmost zu Cidre vergoren und zwei Mal gebrannt, habt ihr Calvados im Glas. Je älter, desto samtiger und aromatischer ist der Geschmack des bernsteinfarbenen bis cognacbraunen Apfelbrandes.

Steht auf dem Etikett „VO“ oder „vieille réserve“, ist der Calvados vier Jahre alt. Für einen VSOP muss er mehr als fünf Jahre ins Fass, für einen Napoléon oder X.O., sprich Extra Old, sogar mehr als sechs Jahre.

Pommeau ist frisch gepresster Apfelsaft, den junger Calvados am Gären hindert. Foto: Hilke Maunder

Seinen spanischen Namen verdankt der Apfelbrand einem Schiffsunglück. Als 1588 die Armada gegen England segelte, zerschellte ein Schiff, die „El Calvador“, an der normannischen Küste und gab dem Landstrich seinen Namen.

Getrunken wird Calvados eigentlich immer. Vor dem Essen als hochprozentiger Aperitif, zwischen den Gängen als aufräumendes „trou normand“, und nach dem Mahl als Digestif. Und wem der Calvados pur zu stark ist, der mischt sich den Brand mit Cidre zum Pommeau.

Calvados

Père Magloire VSOP*. Der Klassiker aus dem Pays d’Auge.

Dauphin Calvados Hors d’Age*

Pommeau

Pommeau de Normandie Chateau du Breuil*

Bretagne: Cidre, Kir Breton und Godinette

Cidre aus der Bretagne – traditionell wird er aus großen Tassen genossen! Foto: Hilke Maunder

Eine zweite Hochburg des Cidre ist die Bretagne. Dort trinkt man ihn nicht aus dem Glas, sondern großen Tonschalen. Und das nicht nur zum Aperitif, sondern auch zu Crêpes und Galette – und nimmt gerne auch einen erfrischenden Schluck Cidre zwischen durch. Beim Kir Breton paart sich der Cidre mit  Johannisbeerlikör.

Fruchtiger Frühsommergenuss: La Godinette mit Erdbeeren aus Plougastel. Foto: Hilke Maunder

Neben den vielen klassischen Bieren und neuen lokalen Craft Beeren trinkt der Bretone auch gerne eine Godinette. Erfunden wurde der hochprozentige Aperitif in Plougastel. Seit 1740 wird dort auf ton- und schieferreichen Böden im milden, regennassen Klima des Finistère mit der Fragoria Chiloe eine der leckersten Erdbeeren Europas gezüchtet.

Sie wandern in die bretonische Sangria. Zusammen mit bretonischem Eau-de-Vie und Weißwein bilden sie einen köstlichen Frühsommerdrink. Und der steigt schnell zu Kopf. Dann seid ihr pompette, beschwipst!

Cidre

Jean Loret Cidre Bouché Brut Réserve*: handwerklich hergestellter Cidre aus der Bretagne, schön trocken und doch richtig fruchtig

Val de Rance Cidre de Bretagne Doux*: Der Cidre, der bei Intermarché & Co. im Supermarkt steht.

Die Kooperative gehört zu den Marktführern in der Bretagne. Seit 2002 ist sie Agri Confiance®-zertifiziert. Das Siegel spiegelt das Engagement unserer Genossenschaft und ihrer Produzenten bei Abfallmanagement, Kontrolle der natürlichen Ressourcen (Wasser, Energie, Boden, Biodiversität) wider.

Vendée: Trousspinette & Chouanette

Trouspinette gibt es mit verschiedenen Aromen. Foto: Hilke Maunder

Im Sommer kalt auf Eis, im Winter warm, so wird der beliebteste Aperitif der Vendée genossen: la Trouspinette. Gewürzte und aromatisierte Weine, die den Geschmack eines minderwertigen Weines aufwerten sollen, gibt es seit der Antike.

Im Mittelalter waren besonders Honig und/oder Kräuter dafür beliebt. Die Trouspinette indes soll erst um 1910 ein Zimmermann aus Pouzauge erfunden haben.

Jede Familie variierte den Trunk. So gibt es nicht nur ein, sondern viele Rezepte für Trouspinette. Doch immer werden die Blattknospen der wilden Schlehdornbäume kurz nach der Blüte im Mai geerntet.

14 Kommentare

  1. Liebe Hilke,

    ach wie schön, ich fühle mich meinem geliebten Frankreich dank dieses wunderbaren Artikels gerade sehr nah. Allerdings ist mir vor ein paar Tagen gerade mit einem aus der Bretagne mitgebrachten Cidre leider ein äußerst betrübliches Missgeschick passiert. Die letzte Flasche sollte den Abend abrunden, da mir das aber erst spät einfiel, legte ich ihn zum schnellen Kühlen in den Gefrierschrank … du ahnst sicher, wie das endete … Nun ja, ein endlich mal wieder gründlich geputzer Gefrierschrank hat ja auch was … ;-).

    Nun gilt es eben weiter warten, bis wir endlich wieder vor Ort Nachschub besorgen können.

    Ganz herzliche Grüße und danke, dass du uns Land und Leute hier so lebendig und vielfältig nahe bringst

    Sylvie

    • Oh, je, Sylvie! Mir ist mit dem Rotwein, den Pierre Richard im Sommer vielen auf seinem Weingut bei Gruissan signiert hatte, ein Malheur passiert – beim Rückflug. Ich hatte ihn gut eingerollte in Pufffolie, Blusen und Kleider… Du ahnst es schon. Die Flasche platzte trotzdem beim Transport. Und meine gesamte Kleidung war weinrot… und der leckere Tropfen zum Urlaubsnachträumen … dahin. Liebe Grüße! Heute ist es unangenehm kalt und grau im Süden… die Eisheiligen sind da. Bises, Hilke

      • Oh nein, das ist ja noch übler! Rotwein und das noch unterwegs, das lässt sich kaum toppen. Ja, das ist frustrierend, wenn man sich auf trinkbare Erinnerung freut und dieser Traum im wahrsten Sinne des Wortes platzt.

        Liebe Grüße zurück, auch hier sind die Eisheiligen im Anmarsch mit Regen und Kälte im Gepäck

        Sylvie

  2. Ein selten schöner und obendrein Appetit machender Bericht. Schade, daß in der augenblicklichen Situation die vorgestellten Regionen und deren Spezialitäten so unerreichbar sind und die Geschmackserlebnisse auf später verschoben werden müssen. Vielen Dank für die Vorfreude.

    • Hallo Lutz,
      einige der vorgestellten Aperitifs lassen sich online bestellen. Ich hatte bislang aufs Verlinken verzichtet, werde es dann aber mal nachholen. Bestimmt haben andere auch Lust, sich den einen oder anderen Tropfen während des Zuhausebleibens im Zuge von Corona zu bestellen. Wo bestellt werden kann, verrät dann ein kleiner Stern. Gibt mir etwas Zeit, heute Abend kannst Du es dann sehen!

  3. Liebe Hilke,
    ich kenne den Picon auch mit Wein aufgegossen, dann eben als Picon Vin blanc, nicht so bitter wie der Picon-Bière, sondern etwas fruchtiger.
    Salut, à bientot.
    Katja

    • Liebe Liliane, da hast Du Dir ja eine köstliche Reise vorgenommen. Und ja, den Crémant AOC Blanquette de Limoux habe ich vergessen – und dabei liegen die Keller quasi vor meiner Haustür in meiner zweiten Heimat im Süden. Asche auf mein Haupt :-). Des bises, Hilke

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