Apéro: Was trinken Franzosen zum Aperitif?

Apero: Ein kühler Weißwein mit dem Winzerpaar von Château de la Grave in Bourg (Bordelais). Foto: Hilke Maunder
Was für ein schöner Apéro: ein kühler Weißwein mit dem Winzerpaar von Château de la Grave in Bourg (Bordelais). Foto: Hilke Maunder

Mon dieu, quelle choix! Was in den einzelnen Regionen von Frankreich neben Bier und Wein zum Apéro geboten wird, ist eindrucksvoll. Nahezu jede Region hat ihren eigenen Aperitif, der tief verwurzelt ist im Terroir und den Traditionen. Genießt die süffige Reise durchs Land! Wo online die Tropfen bestellt werden können, verrät das Sternchen.

Die schönsten lokalen Aperitifs in Frankreich

Normandie: Cidre, Calvados & Pommeau

Calvados vom Manoir d’Apreval. Foto: Hilke Maunder

Normandie und Bretagne sind die Apfelparadiese von Frankreich. Aus den Früchten keltern die Apfelbauern im normannischen Pays d’Auge und in den bretonischen Anbaugebiete Cournouaille und Côte d’Armor aus alten, genau festgelegten Sorten einen süffigen Cidre, mal doux, mal brut.

Wird Apfelmost zu Cidre vergoren und zwei Mal gebrannt, habt ihr Calvados im Glas. Je älter, desto samtiger und aromatischer ist der Geschmack des bernsteinfarbenen bis cognacbraunen Apfelbrandes.

Steht auf dem Etikett „VO“ oder „vieille réserve“, ist der Calvados vier Jahre alt. Für einen VSOP muss er mehr als fünf Jahre ins Fass, für einen Napoléon oder X.O., sprich Extra Old, sogar mehr als sechs Jahre.

Pommeau ist frisch gepresster Apfelsaft, den junger Calvados am Gären hindert. Foto: Hilke Maunder

Seinen spanischen Namen verdankt der Apfelbrand einem Schiffsunglück. Als 1588 die Armada gegen England segelte, zerschellte ein Schiff, die „El Calvador“, an der normannischen Küste und gab dem Landstrich seinen Namen.

Getrunken wird Calvados eigentlich immer. Vor dem Essen als hochprozentiger Aperitif, zwischen den Gängen als aufräumendes „trou normand“, und nach dem Mahl als Digestif. Und wem der Calvados pur zu stark ist, der mischt sich den Brand mit Cidre zum Pommeau.

Calvados

Père Magloire VSOP*. Der Klassiker aus dem Pays d’Auge.

Dauphin Calvados Hors d’Age*

Pommeau

Pommeau de Normandie Chateau du Breuil*

Bretagne: Cidre, Kir Breton und Godinette

Cidre aus der Bretagne – traditionell wird er aus großen Tassen genossen! Foto: Hilke Maunder

Eine zweite Hochburg des Cidre ist die Bretagne. Dort trinkt man ihn nicht aus dem Glas, sondern großen Tonschalen. Und das nicht nur zum Aperitif, sondern auch zu Crêpes und Galette – und nimmt gerne auch einen erfrischenden Schluck Cidre zwischen durch. Beim Kir Breton paart sich der Cidre mit  Johannisbeerlikör.

Fruchtiger Frühsommergenuss: La Godinette mit Erdbeeren aus Plougastel. Foto: Hilke Maunder

Neben den vielen klassischen Bieren und neuen lokalen Craft Beeren trinkt der Bretone auch gerne eine Godinette. Erfunden wurde der hochprozentige Aperitif in Plougastel. Seit 1740 wird dort auf ton- und schieferreichen Böden im milden, regennassen Klima des Finistère mit der Fragoria Chiloe eine der leckersten Erdbeeren Europas gezüchtet.

Sie wandern in die bretonische Sangria. Zusammen mit bretonischem Eau-de-Vie und Weißwein bilden sie einen köstlichen Frühsommerdrink. Und der steigt schnell zu Kopf. Dann seid ihr pompette, beschwipst!

Cidre

Jean Loret Cidre Bouché Brut Réserve*: handwerklich hergestellter Cidre aus der Bretagne, schön trocken und doch richtig fruchtig

Val de Rance Cidre de Bretagne Doux*: Der Cidre, der bei Intermarché & Co. im Supermarkt steht.

Die Kooperative gehört zu den Marktführern in der Bretagne. Seit 2002 ist sie Agri Confiance®-zertifiziert. Das Siegel spiegelt das Engagement unserer Genossenschaft und ihrer Produzenten bei Abfallmanagement, Kontrolle der natürlichen Ressourcen (Wasser, Energie, Boden, Biodiversität) wider.

Vendée: Trousspinette & Chouanette

Trouspinette gibt es mit verschiedenen Aromen. Foto: Hilke Maunder

Im Sommer kalt auf Eis, im Winter warm, so wird der beliebteste Aperitif der Vendée genossen: la Trouspinette. Gewürzte und aromatisierte Weine, die den Geschmack eines minderwertigen Weines aufwerten sollen, gibt es seit der Antike.

Im Mittelalter waren besonders Honig und/oder Kräuter dafür beliebt. Die Trouspinette indes soll erst um 1910 ein Zimmermann aus Pouzauge erfunden haben.

Jede Familie variierte den Trunk. So gibt es nicht nur ein, sondern viele Rezepte für Trouspinette. Doch immer werden die Blattknospen der wilden Schlehdornbäume kurz nach der Blüte im Mai geerntet.

Trouspinette heißt der Aperitif der Vendée. Er schmeckt wie Portwein mit Früchten und Gewürzen. Foto: Hilke Maunder

Sie werden mit Zucker in Wein (Rot oder Weiß) und Trester oder Branntwein eingelegt, der die jungen Triebe mit den Blüten völlig bedeckt.  Drei bis sechs Wochen mazerieren sie und geben ihre Aromen. Filtern, bei Bedarf noch nachsüßen und genießen!

Ein echter Sommerdrink zum Apéro ist la Chouanette. Für den Obstwein werden rote Gartenfrüchte bunt gemischt: schwarze und rote Johannisbeeren, Kirschen, Erdbeere, Himbeeren und Brombeere. Gut gekühlt schmeckt er am besten. Und auch als „Kir“ mit oder ohne Prickeln im Glas!

Anjou: Soupe Angevine

Angers ist seit 1849 Heimat des beliebten Orangenlikörs Cointreau. Für eine Soupe Angevine paart er sich mit kühl prickelndem Crémant von der Loire, einigen Spritzer Zitrone und etwas Zuckerrohrsirup.

Cointreau*

AOC Crémant de la Loire

Bouvet-Ladubay Brut Blanc Excellence*

Bouvet-Ladubay Crémant de Loire Rosé Brut Méthode Traditionelle*

Gratien & Meyer Crémant Brut*

Charente-Maritime: Pineau des Charentes

Pineau am Kamin… urgemütlich! Foto: Hilke Maunder

Was für eine Legende, die das Comité national du pineau des Charentes da erzählt: Angeblich haben einst Winzer versehentlich Traubenmost in ein Cognacfass geschüttet. Ob es stimmt oder nicht: Der lokale Aperitif Pineau des Charentes ist köstlich.

In La Rochelle eine gute Adresse für Pineau: Bossuet. Foto: Hilke Maunder

Seit 1945 trägt er das Qualitätssiegel einer Appellation d’Origine Contrôlée (AOC). Weiß, rosé oder rot, reift er in Eichenfässern bis zur Vollendung. Und das mitunter nicht nur fünf, sondern auch zehn Jahre lang.

Pineau des Charentes

Pineau des Charentes Maison Beaumont – Rot*

Giboin Vignoble Pineau des Charentes AOC rouge ‚L’Hermitage‘ *

Pineau des Charentes de Louvard* – Weiß*

Henri Mounier Pineau des Charentes Blanc*

Bache-Gabrielsen Pineau des Charentes very old*

Périgord, Isère: Vin de Noix

Vin de Noix, Nusswein. Foto: Hilke Maunder

Grüne, unreife Walnüsse geben dem Vin de Noix seinen unvergleichlichen Geschmack. Vollmundig entströmen die Aromen. Ein erster Schluck… Portwein, denk ich, nur nussiger. Erst fruchtig, mit samtiger Süße.

Im Abgang dann angenehm bitter. Lecker, was da im Périgord, in Isère und anderen Bergregionen Frankreichs mit Nusshainen hergestellt wird. Ein Franzose dort verriet mir das Rezept. Es ist kinderleicht. Wer Lust hat, mir nachzumachen, findet hier im Blog das Rezept.

Bordeaux: Lillet

Lillet – ein Hochgenuss zum Sonnenuntergang an der Gironde. Foto: Hilke Maunder

Rund um Bordeaux genießt man seit 1872 Lillet zum Apéro. Der Aperitif von Paul und Raymond Lillet aus Podensac war im 19. Jahrhundert der Modedrink der Haute-Volée. Promis wie Jackie Kennedy oder Wallis Simpson, Herzogin von Windsor, nippten einst werbewirksam am Weißwein-Mix mit Fruchtlikören. Doch dann geriet der „Damen-Drink“ zunehmend in Vergessenheit.

Seit 2016 erlebt er eine Renaissance dank eines frischen, jungen Marketings. Lillet erhielt eine nostalgisch-schöne Flasche und neue Sorten. Neben dem klassischen Weißwein mit Orangenlikör gibt es heute auch Lillet als rubinroten Rouge und sanften Rosé. Komponiert wird Lillet aus Weinen aus Vertragsanbau: weißem Bordeaux aus Semillion und Sauvignon Blanc sowie Merlot für  Rouge und Rosé.

Lillet*

Gers/Gascogne: Pousse Rapière & Floc de Gascogne

Auf Château de Monluc wurde der Pousse-Rapière erfunden. Foto: Hilke Maunder

Merci, René Lassus: Der Vater des heutigen Eigentümers des Château Monluc von Saint-Puy erfand in den 1960er-Jahren den heute berühmtesten Aperitif des Gers – den Pousse Rapière. Das geschah genau in meinem Geburtsjahr 1961: merci, Monsieur!

Frisch und prickelnd kommt der PousseRapière daher. Ein echter Sommerdrink, gemischt aus Orange, Armagnac, und weißem Schaumwein des Weinguts. Ihr könnt aber auch Champagner oder Crémant nehmen!

Der Rapier ist ein langer, leichter Degen, den die Gascons aus den italienischen Kriegen unter François I. mitgebracht wurde. Der leichte Stoßdegen war damals das Schwert des Adels – und ist daher auch im Wappen des Château de Monluc verewigt. Mehr zum Pousse Rapière erfahrt ihr hier!

Dieser Degen hat den Namen eines Drinks inspiriert: Pousse Rapiere. Foto: Hilke Maunder

Armagnac kommt auch in den Floc de Gascogne, mit dem in den Départements Lot-et-Garonne, Gers und Tarn die Gäste begrüßt werden. Der weiße Floc de Gascogne wird aus den Weißweinsorten  Colombard, Ugni Blanc und/oder Gros Manseng hergestellt und ist leichter und fruchtiger als die roséfarbene Variante.

Für ihn werden Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon und Merlot-Trauben verwendet. Dieser Floc ist sehr beliebt auch als Begleiter zur Foie Gras. Und wird gerne im Sommer als Vorspeise in eine Melonenhälfte gekippt.

Floc de Gascogne Château Millet – Rot*

Floc de Gascogne Château Millet – Weiß*

Das Château habe ich bei meinen Recherchen im Gers besucht. Hier erfahrt ihr mehr über das Weingut.

Languedoc-Roussillon: Byrrh, Muscat, Banyuls, Maury

Das Languedoc-Roussillon ist die Heimat weltberühmter Süß- und Wermutweine. Auf der Region stammen die beiden Wermut-Klassiker Noilly Prat (weiß) und Byrrrh (rot) sowie die vins doux naturels Muscat de Rivesaltes, Maury und Banyuls, die es in mehreren Farben gibt.

Das liegt zum einen an den Rebsorten – weiße, graue oder schwarze Grenache, Macabeu, Malvoisie, Muskateller. Und an der Herstellung mit Mazeration, Mutage und Oxidation während der Lagerung. Manche Süßweine reifen im Keller. Mas Amiel und andere Winzer stellen sie dafür an die Luft.

Reifen unter freiem Himmel: die Süßweine von Mas Amiel in Maury. Foto: Hilke Maunder

Von Weiß über Rosé bis zu Rot, Granat, Ambré (Bernstein) und Tuilé (Dachziegelrot) reicht die Farbpalette der natursüßen Weine. Kult ist der Muscat de Noël. Der Weihnachtsmuskat ist der junge Muskat des Lesejahres und darf bereits schon ab 1. November verkauft werden. Doch für die Einheimischen ist es der Apéro im Advent!

BYRRH Grand Quinquina*

M. Chapoutier Bila-Haut Banyuls AOC 2017*

Banyuls – blanc Roumani Doré – doux -Terres des Templiers – Ambré*

Domaine Pouderoux 2016 Maury Vin Doux Naturel AOP*

Gregory Hecht & François Bannier 2013 Maury Vin Doux Naturel AOC*

Château de Jau Chez Muscat de Rivesaltes Vin Doux Naturel 2013/2015*

Domaine LaFage 2017 Muscat de Rivesaltes AOP Grain de Vignes*

Rund um Rivesaltes liebt man den Süßwein „Muscat“. Foto: Hilke Maunder

Provence: Pastis, Rosé und RinQuinQuin

Erst, als Frankreich 1936 den bezahlten Urlaub einführte, wurde Pastis legal. Hergestellt wird er aus Anis, der seit der Antike in Medizin und Religion genutzt wurde. Später wurde Anis dem Absinth beigefügt.

Die „grüne Fee“,  ein hochprozentiger Alkohol aus Absinthblättern, wurde Kult – auch bei Künstlern wie Vincent van Gogh. Der Absinth-Missbrauch explodierte. Herstellung, Konsum und Verkauf von Absinth und ähnlicher Anis-Alkoholika ließ Frankreich am 16. März 1915 gesetzlich verbieten.

Sieben Jahre nach dem oben erwähnten Verbot anerkannte ein Erlass zu Anisgetränken, dass diese nicht so schädlich seien wie Absinth. Der Alkoholgehalt der Liköre wurde auf 40° festgelegt. Zudem mussten sie 150 g Zucker pro Liter enthalten. Das war aber zu süß und nicht erfrischend genug. Getrunken wurde weiterhin Pastis, illegal herstellt und hinter verschlossenen Türen genossen. 
Erst 1932 genehmigte Frankreich das freie Süßen. Das Dekret war kaum unterzeichnet, da bot ein Dutzend Hersteller bereits Produkte in den Cafés von Marseille an. Paul Ricard brachte den „echten Pastis von Marseille“ auf den französischen Markt. Von 1940 bis 1950 galt ein neues Verbot für alkoholische Getränke. 1951 wurde der Pastis jedoch „endlich befreit“.
Pastis gehört auch in Saint-Cyr-sur-Mer zum Apéro. Foto: Hilke Maunder

Pastis ist bis heute Synonym für Sonne, Südfrankreich und  Savoir-Vivre der Provence. Und hat längst ganz Frankreich erobert. Am Mischverhältnis erkennt ihr die Region. Anislikör ins Glas, mit Wasser auffüllen – im Norden mehr, im Süden weniger.

Pastis

Ricard*

Pastis 51

Anciens Ets de Beaupeyrat ‚Bastidon‘*

Duval*

Henri Bardouin*

Pfirsiche aus dem Durance-Tal, im Herbst gepflückte Pfirsichblätter, Rohrzucker und Weißwein wandern in einen Aperitif, der ein wenig altmodisch ist – und doch köstlich. Früher haben ihn die Bauern der Provence selbst auf ihrem Mas, ihrer Hofstelle, angesetzt.

Heute könnt ihr den Vin de Pêche als RinQuinQuin* im Laden kaufen. Was der ungewöhnliche provenzalische Name bedeutet? Belebendes Getränk! Und das nicht nur zum Apéro, sondern auch zum Dessert oder als Digestif.

Sehr beliebt als Aperitif zum Apéro sind in der Provence auch Roséweine. Die Phönizier, die um 600 v.Chr. Marseille gründeten, brachten einst den Wein dorthin. Daher gilt der Rosé de Provence als ältester der französischen Weine.

Aurelie Bertin, Winzerin von Sainte Rosali, empfiehlt ihren pfirsichfarbenen Rosé. Copyright: Pressebild Sainte Rosalie

Korsika: Cap Corse

Nach einem kurzen Spaziergang vom Col de Serra zur Moulin Mattei, so müsste  man den korsische Nationalaperitif Cap Corse* zum Apéro genießen. Der gleichnamige Aperitifhersteller aus Bastia hat die letzte erhaltene Mühle Korsikas restauriert. Von dort oben habt ihr traumhafte Ausblicke auf die Nordspitze von Cap Corse!

Ardèche: Castagnou und Myro

Die Kastanie war Jahrhunderte lang der Brotbaum der Ardèche. Und auch Erdbeeren wachsen dort in Hülle und Fülle. Beide wandern in die Aperitifs der Region. Der Castagnou ist ein Kir, der aus Weißwein und Kastanienlikör gemischt wird Für den Myro kommen zum Weißwein oder Rosé noch  Waldbeeren als Likör (Crème de myrtille) ins Glas. 

Apéro mit Cremant: Auch in der Bourgogne prickelt er feinperlig. Dort wird er nach der Champagnermethode hergestellt. Foto: Hilke Maunder

Bourgogne: Kir, Blanc-Cassis, Communard oder Crémant de Bourgogne?

Félix Kir, von 1945 bis 1968 Bürgermeister von Dijon, gab einem Cocktail, der schon vor seiner Amtszeit beliebt war, den heutigen Namen. Ihr kennt ihn bestimmt. Es ist… der Kir! Komponiert wird er aus 1/3 Crème de Cassis und 2/3 Weißwein.

Für den einen Blanc-Cassis kommen nur 1/5 Creme de Cassis und 4/5 des Weißweins ins Glas – da sieht der Mix deutlich blasser aus. Zum Kir Royal wandelt er sich, wenn ihr statt Weißwein den feinperligen Schaumwein Crémant de Bourgogne oder Champagner hinzu fügt. Königlich!

Viel weniger bekannt, aber nicht minder köstlich, ist Le Communard. Mischt dazu den Pinot Noir der Bourgogne mit Crème de Cassis!

Französische Alpen & Pyrenäen: Suze & Génépi

Goldgelber Blütenrausch im Hochgebirge: Im August blüht der gelbe Enzian. Foto: Hilke Maunder

Auf den Almen der Hochgebirge in Frankreich blüht im Sommer der gelbe Enzian. Er liefert den Rohstoff für die Suze*. Und rettete 1885 mit seiner Erfindung eine alte Familienbrennerei in Maisons-Alfort. Dort tat sich Fernand Moureaux, der sie geerbt hatte, mit Bankierssohn Henri Porte zusammen.

Einen kühlen Aperitif wollten sie kreieren. Anders sollte er sein, neu und aufregend. So wählten sie nicht, wie damals üblich, Wein als Basis. Sondern eine Pflanze: gelben Enzian.

Die Hitze des folgenden Sommers machte den Enzian-Apéro zum Hit. Und überzeugte sogar die Pariser, als Fernand Moureaux 1889 seinen Aperitif auf der Weltausstellung präsentierte und mit der prestigeträchtigen Goldmedaille ausgezeichnet wurde.

Erst in Höhen ab 1700 m wächst die Ährige Edelraute. Sie wandert in die Herstellung eines Kräuterlikörs namens Génépi. Hochprozentig, stark und würzig ist er als Aperitif und Digestif gleichermaßen beliebt.

Der Wirt der Berghütte „Les Chevrelles“ in Les Gets liebt Génépi – und stellt so manch anderen Likör selbst her. Foto: Hilke Maunder

Lothringen, Nordfrankreich: Picon-Bière

Im Norden und Osten von Frankreich liebt man zum Apéro Bier. Um es aufzupeppen, kippen sie den bitteren Orangenlikör Picon* in den Gerstensaft, der so süßer, süffiger und hochprozentiger wird. Landesweit beliebt ist auch der Biermix Monaco zum Apéro. Dafür paart sich im Tulpenglas ein Pils oder leichtes Blondes mit Grenadinesirup.

Elsass: Crémant d’Alsace

Eine köstliche Kombi zum Apéro im Elsass: Bretzeln und feinperliger Crémant – gerne auch als Rosé. Foto: Hilke Maunder

Wie in der Bourgogne, so wird auch im Elsass ein Schaumwein nach Champagnerart hergestellt. Seit 1976 trägt er die geschützte Herkunftsbezeichnung AOC Crémant d’Alsace. Bei Wolfberger durfte ich einmal hinter die Kulissen der Crémantherstellung gucken. Neugierig? Dann klickt mal hier!

Crémant d’Alsace

Arthur Metz Crémant D’Alsace Cuvée 1904*

Wolfberger Crémant d’Alsace A.O.P. Brut Cuvée*

Cave de Turckheim Crémant d’Alsace AOC Brut*

Michel Leon Crémant D’Alsace Brut*

Martinique, Guadeloupe: Ti Punch

Klein, aber hochprozentig, ist der Apéro der französischen Antillen. Für den kleinen Punsch, denn das heißt Ti Punch, mixt man dort den einheimischen Rum mit braunem Rohrzucker und einen Schlitz grüne Zitrone. Ausdrücken, reinwerfen, umrühren. Nippen und genießen. Ob mit oder ohne Eis ist Geschmacksache. Mehr zum Rum von den Antillen erfahrt ihr hier.

Ti Punch – der Klassiker der Karibik. Foto: Hilke Maunder

Hat euch die süffige Landpartie gefallen? Welche Tropfen gefallen euch am besten? Ich freue mich über eure Kommentar im Blog. Und natürlich auch über weitere Tipps für flüssige lokale Köstlichkeiten und Adressen von kleinen Produzenten, die sie herstellen. Merci. Und Santé!

Apéro – auch wunderschön auf dem Hausboot. Foto: Hilke Maunder

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Im Buch

Das ganze Land: MARCO POLO Frankreich*

MARCO POLO Frankreich: praktisch und kompakt, bearbeitet von Hilke Maunder.Einfach aus dem Besten auswählen und Neues ausprobieren, ist das Motto der Marco Polo-Reiseführer. Den MARCO POLO Frankreichhabe ich gemeinsam mit Barbara Markert verfasst. Gleich zu Beginn geben wir unsere  Insider-Tipps für Frankreich preis: vom größten Flohmarkt Europas in Lille bis zur Schwimmen in der Piscine Olympique in Montpellier.

Das Kapitel „Im Trend“ verrät, was es Neues zu erleben gibt im Hexagon: vom Skijöring in den Skigebieten bis zum Übernachten im Baumhaushotel. Alle Hintergrundinformationen zu Frankreich und seinen Menschen findet ihr unter Fakten, Menschen & News. Es folgen: Tipps für Bars und Boutiquen, Erlebnissen für  Familien, Paare oder Alleinreisende. Wer mag, kann ihn hierdirekt bestellen.

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12 Kommentare

  1. Liebe Hilke,

    ach wie schön, ich fühle mich meinem geliebten Frankreich dank dieses wunderbaren Artikels gerade sehr nah. Allerdings ist mir vor ein paar Tagen gerade mit einem aus der Bretagne mitgebrachten Cidre leider ein äußerst betrübliches Missgeschick passiert. Die letzte Flasche sollte den Abend abrunden, da mir das aber erst spät einfiel, legte ich ihn zum schnellen Kühlen in den Gefrierschrank … du ahnst sicher, wie das endete … Nun ja, ein endlich mal wieder gründlich geputzer Gefrierschrank hat ja auch was … ;-).

    Nun gilt es eben weiter warten, bis wir endlich wieder vor Ort Nachschub besorgen können.

    Ganz herzliche Grüße und danke, dass du uns Land und Leute hier so lebendig und vielfältig nahe bringst

    Sylvie

    • Oh, je, Sylvie! Mir ist mit dem Rotwein, den Pierre Richard im Sommer vielen auf seinem Weingut bei Gruissan signiert hatte, ein Malheur passiert – beim Rückflug. Ich hatte ihn gut eingerollte in Pufffolie, Blusen und Kleider… Du ahnst es schon. Die Flasche platzte trotzdem beim Transport. Und meine gesamte Kleidung war weinrot… und der leckere Tropfen zum Urlaubsnachträumen … dahin. Liebe Grüße! Heute ist es unangenehm kalt und grau im Süden… die Eisheiligen sind da. Bises, Hilke

      • Oh nein, das ist ja noch übler! Rotwein und das noch unterwegs, das lässt sich kaum toppen. Ja, das ist frustrierend, wenn man sich auf trinkbare Erinnerung freut und dieser Traum im wahrsten Sinne des Wortes platzt.

        Liebe Grüße zurück, auch hier sind die Eisheiligen im Anmarsch mit Regen und Kälte im Gepäck

        Sylvie

  2. Ein selten schöner und obendrein Appetit machender Bericht. Schade, daß in der augenblicklichen Situation die vorgestellten Regionen und deren Spezialitäten so unerreichbar sind und die Geschmackserlebnisse auf später verschoben werden müssen. Vielen Dank für die Vorfreude.

    • Hallo Lutz,
      einige der vorgestellten Aperitifs lassen sich online bestellen. Ich hatte bislang aufs Verlinken verzichtet, werde es dann aber mal nachholen. Bestimmt haben andere auch Lust, sich den einen oder anderen Tropfen während des Zuhausebleibens im Zuge von Corona zu bestellen. Wo bestellt werden kann, verrät dann ein kleiner Stern. Gibt mir etwas Zeit, heute Abend kannst Du es dann sehen!

  3. Liebe Hilke,
    ich kenne den Picon auch mit Wein aufgegossen, dann eben als Picon Vin blanc, nicht so bitter wie der Picon-Bière, sondern etwas fruchtiger.
    Salut, à bientot.
    Katja

    • Liebe Liliane, da hast Du Dir ja eine köstliche Reise vorgenommen. Und ja, den Crémant AOC Blanquette de Limoux habe ich vergessen – und dabei liegen die Keller quasi vor meiner Haustür in meiner zweiten Heimat im Süden. Asche auf mein Haupt :-). Des bises, Hilke

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