Apero: Auf Château de Monluc wurde der Pousse-Rapière erfunden. Foto: Hilke Maunder
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Apéro der Gascogne: Pousse Rapière

Sein Vater René erfand in den 1960er-Jahren den heute berühmtesten Cocktail des Gers – den Pousse Rapière. Doch bevor es in den Keller geht, führt Noël mich auf die Terrasse.

Sie ist: riesig, ein langes Rechteck, erbaut auf der Spitze eines Hügelkammes, der weite Ausblicke auf eine sanft gewellte Landschaft eröffnet – mit Feldern und Weiden, versprengten Dörfern, kleinen Landstraßen.

Saint-Puy: Château de Monluc. Foto: Hilke Maunder
Stammsitz des Pousse Rapière: Château de Monluc. Foto: Hilke Maunder

Und genau hier, hineingeschlagen in den Fels, versteckt sich der alte Keller des Schlosses, auf dem 1502 Blaise de Montluc geboren wurde, Marschall von Frankreich und bis heute berühmt als Verfasser der Commentaires.

Seine Memoiren sind nicht nur literarisch ein Juwel, sondern gelten unter Historikern als beste Beschreibung der damaligen Militärtaktik.

Saint-Puy, Château de Monluc: Hier lagert der Vin Sauvage. Foto: Hilke Maunder
Hier lagert der vin sauvage. Foto: Hilke Maunder

Wilder Wein im tiefen Keller

Begeistert lässt Noël die Schlossgeschichte Revue passieren. Er erzählt vom 100-Jährigen Krieg so, als hätten sich England und Frankreich erst gestern gestritten, und wirft mit Namen, Zeiten, Schlachten, Weltgeschichte und lokalen Ereignissen um sich, dass mir auch ohne den vin sauvage, der im Keller ruht, ganz schwindelig wird.

Die Reben für den Schaumwein – Ugni Blanc und Gros Manseng – wachsen seit Römertagen am Schlosshang. Gerüttelt werden die prickelnden Weine nicht per Hand, sondern mit einer Maschine, die Noëls Vorfahren erfunden haben – ein Reifen, dicht an dicht gefüllt mit 280 Flaschen, die der Motor auf einen Schlag präzise dreht.

Saint-Puy, Château de Monluc; Kellerversteck für prickelnde Tropfen. Foto: Hilke Maunder
Das Kellerversteck. Foto: Hilke Maunder

Im Haupthaus führt ein kleines Museum tiefer in die Weinherstellung hinein, von den Wänden blicken Mitglieder der noblen Familie auf blanke Degen und eine alte Presse. Noël hat unterdessen aus dem Keller die gut gekühlten Zutaten für den Pousse Rapière geholt.

Pousse Rapière – so wird er gemixt

„Der offene Glas-Stopfen der Pousse Rapière-Karaffe wurde perfekt auf die notwendige Likör-Menge für zwei Flaschen Vin Sauvage angepasst. Einfach beides mischen, Eiswürfel und Orangenschnitzel dazu. Fertig ist der erfrischende Sommer-Cocktail und apéro !“

Und wer keine Pousse-Rapière-Karaffe hat? „Der mischt Likör und Wein einfach im Verhältnis 1:7“, empfiehlt Noël. Und genießt.

Dieser Degen hat den Namen eines Drinks inspiriert: Pousse Rapiere. Foto: Hilke Maunder
Dieser Degen hat den Namen eines Drinks inspiriert: Pousse Rapiere. Foto: Hilke Maunder

Pousse Rapière: die Infos

Château de Montluc

• 32310 Saint-Puy, Tel. 05 62 28 94 00, www.montluc.fr, Mail: nlassus@monluc.de, kostenlose Führung und Verkostung.

Gefällt euch dieser Beitrag? Nützen euch die Infos? Dann freue ich mich über euer merci . Fünf Möglichkeiten gibt es. Und auch PayPal.

Jakobswege: Cassaigne im Winter: Frost im Armagnac-Land.. Foto: Hilke Maunder
Im Herzen des Armagnac: Cassaigne mit seinen Weinstöcken, an denen die Trauben für den berühmte Brand im Sommer reifen. Foto: Hilke Maunder

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Im Blog

Noch mehr Genüsse des Gers

Bekanntester kulinarischer Botschafter des Gers ist der Foie Gras: Infos & Hintergrund gibt es hier.

Das Kellergold des Gers heißt Armagnac – meinen Kellerbesuch samt Rezept findet ihr hier.

Schwarze Schweine tummeln sich halbwild auf den Weiden – entdeckt das Porc Noir de Bigorre hier.

Für Kuchenfans habe ich aus dem Gers ein Rezept zum Nachbacken mitgebracht: Croustade – köstlich fruchtig wie herzhaft.

Porc noir de Bigorre: Hilke Maunder fotografiert die Ferkel.
Auf Tuchfühlung mit den verspielten schwarzen Ferkeln des Bigorre. Foto: Hilke Maunder

Die anderen Seiten des Gers

Marciac feiert im Sommer Europas größtes Jazzfestival. Was ihr erleben könnt, erfahrt ihr hier.

Und woher der Ausdruck „blaumachen“ kommt, und was er mit dem Gers zu tun hat, verrate ich hier.

Einen Besuch wert ist auch Simorre – lest mehr dazu hier.

Die Abbaye de Flaran, das karge Kloster der Zisterzienser in Valence-sur-Baïse, birgt heute die hervorragende Simonov-Gemäldesammlung. Zu den Meisterwerken des 17. – 20. Jahrhunderts gehören Ronda, Monet, Steer, Courbet. Alle Infos gibt es in diesem Blogbeitrag.

Diagonale du Vide: Im Gers grüßen die Pyrenäen. Foto: Hilke Maunder
Im Gers grüßen die Pyrenäen. Foto: Hilke Maunder

Im Buch

 

Der Reiseführer: Midi-Pyrénées*

Annette Meiser, die u.a. die ers­te müll­frei­e Schu­le Deutsch­lands mitbegründete, hat in Midi-Pyrénées ihre Wahlheimat. Dort lebt und arbeitet sie seit vielen Jahren und bietet erdgeschichtliche und kulturhistorische Wanderreisen an.

Ihre Expertise hat sie auf 432 Seiten zwischen die Buchdeckel eines Reiseführers gepackt. Ihr erstes Buch stellt eine Ecke Frankreichs ausführlich vor, die oft zu kurz kommt.

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Das ganze Land

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Saint-Puy, Château de Monluc. Foto: Hilke Maunder
Monsieur zeigt die perfekte Zubereitung des Pousse Rapière. Foto: Hilke Maunder

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