Wo der Frühling im Rausch ist

Frühling: Pfirsichblüte im Roussillon. Foto: Hilke Maunder
Frühling: Pfirsichblüte im Roussillon. Foto: Hilke Maunder

Im Februar in Saint-Paul-de-Fenouillet zeigte das Wetter, was es drauf hatte. Meteo France warnte vigilance orange und einmal sogar rouge: Bleiben Sie am besten zuhause. Der Strom fiel kurzfristig aus, SFR hatte Leitungsprobleme. Eis und Frost kamen zu uns ins Tal.

Frühling: Tagelang prasselten die Schauer nieder. Foto: Hilke Maunder
Tagelang prasselten die Schauer nieder. Foto: Hilke Maunder
Frühling: Auch die Weinberge standen unter Wasser. Foto: Hilke Maunder
Auch die Weinberge standen unter Wasser. Foto: Hilke Maunder

Stürmische Urgewalten

Wilde Winde mit bis zu 139 km/h stürmten ums Haus. Das Gebälk krachte, der Hahn schwieg. Und Bäche, sonst trockene Rinnsale, gebärdeten sich wie reißende Ströme.

Estagel: Der Agly hat die Kleingärten überschwemmt. Foto: Hilke Maunder
Der Agly hat die Kleingärten überschwemmt. Foto: Hilke Maunder

Sie drängten gegen befestigte Ufer und bannten sich, wo sie noch unverbaut waren, zwischen Büschen und Sträuchern den Weg.

Ich erlebte meine erste épisode méditterraneen. Und sah, wie der Agly, sonst ein sehr kleines, stilles Flüsschen, zum reißenden Strom wurde.

Frühling: Der Agly bei Cases-de-Pène während einer "épisode méditerraneen".
Der Agly bei Cases-de-Pène während einer épisode méditerraneen.

Die Gorges de Galamus, sonst ein windig-heißes Schluchtenland mit Felschaos für Kletterer, verwandelten sich in ein grünes Wasserreich mit tosenden Kaskaden, die zu Tal stürzten, und wild tanzendem Wildwasser. Was im Sommer an Regen fehlt: Im Frühling kommt er reichlich!

Gorges de Galamus: Nach einer "épisode méditerraneen" rauschen in der Schlucht die Wasserfälle, und der Agly gebiert sich als Wildwasser. Foto: Hilke Maunder
Gorges de Galamus: Nach einer épisode méditerraneen rauschen in der Schlucht die Wasserfälle, und der Agly gebiert sich als Wildwasser. Foto: Hilke Maunder

Mandeln & Mimosen

Und dann plötzlich: Frühling. Als erstes erwachten die Mimosen, voller Duft und leuchtend gelb. Von der Küste bis zu den Bergdörfern der Pyrenäen setzten sie Farbtupfer in die Winterlandschaft.

Mimosen: Auch in Latour-de-France in den Ostpyrenäen blühen sie im Winter! Foto: Hilke Maunder
Auch in Latour-de-France in den Ostpyrenäen blühen sie im Winter! Foto: Hilke Maunder

Dann folgten die Mandelbäume. Und verrieten mit ihren Blüten, ob sie bittere oder süße Früchte tragen würden. Bittermandeln blühen rosa, Süßmandeln hingegen weiß.

Frühling: Süßmandel in Blüte. Foto: Hilke Maunder
Süßmandel in Blüte. Foto: Hilke Maunder

Dem Baum selbst könnt ihr kaum ansehen, welche Frucht er trägt. Auch sind Süßmandel-Früchte sind grundsätzlich etwas größer. Doch das zu erkennen, ist schwierig, wenn eine Bittermandel in der Nähe fehlt.

Frühling: zarte Weidenkätzchen. Foto: Hilke Maunder
Weidenkätzchen. Foto: Hilke Maunder

Das Kloster im Blütenmeer

Und jetzt blühen die Obstbäumen und überziehen die Pyrénées-Orientales mit einem Blütenteppich in Weiß, Zartrosa und kräftigem Pink: Kirsche, Aprikose und Pfirsich.

Frühling: Monastir del Campo
Aprikosenblüte bei Monastir del Camp. Foto: Hilke Maunder

Im Tal der Têt, rund um Millas, und ganz besonders bei Passa könnt ihr sie hautnah erleben. Etwas außerhalb vom 600-Einwohner-Örtchen tauchen bei der alten Klosteranlage des Monastir del Camp diese ausgedehnte Obstplantagen auf.

Frühling: Aprikosenblüte bei Monastir del Camp. Foto: Hilke Maunder
Aprikosenblüte bei Monastir del Camp. Foto: Hilke Maunder

Und wie an vielen Orten im Roussillon wacht am Horizont der Canigou mit seiner Schneekappe über das Blütenmeer zu Füßen des heiligen Berges der Katalanen.

Frühling: Auch Hunderte Pfirsiche blühen bei Monastir del Camp. Foto: Hilke Maunder
Auch Hunderte Pfirsiche blühen bei Monastir del Camp. Foto: Hilke Maunder

Frühlings-Muffel?  Bekehrt!

Wilder Spargel schießt aus dem Boden. Weiße Blüten haben die Weingärten erobert. Und bei Fourques in den Aspres habe ich im kühlen Schatten am Wegesrand sogar die ersten Veilchen entdeckt!

Nur die Einheimischen wissen, wo sie im Frühling den jungen, wilden Spargel finden. Hilke Maunder
Die Einheimischen wissen, wo sie im Frühling den jungen, wilden Spargel finden. Hilke Maunder

Frühling im Roussillon: Für mich als Norddeutsche ist es ein unglaublicher Farbenrausch, ein völlig anderer Abschied vom Winter. Sinnlich, mild, voller Farben und Düfte. Eine Explosion der Natur.

Urgewaltig wie der Winter, den ich hier erlebte. Le printemps hat mich, die bislang überhaupt nicht die Begeisterung für den Frühling verstand, bekehrte. Jetzt bin ich süchtig.

Frühling: Die Mimosen blühen vor der schneebedeckten Kappe des Canigou. Foto: Hilke Maunder
Die Mimosen blühen vor der schneebedeckten Kappe des Canigou. Foto: Hilke Maunder

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Im Blog

Mehr zu den Wetterphänomenen in Frankreich erfahrt ihr hier. Den Lauf des Agly habe ich hier vorgestellt. Seine Schlucht gehört zurden schönsten Canyons im Süden von Frankreich. Klickt hier für Infos und Impressionen zu den Gorges de Galamus.

MARCO POLO Languedoc-Roussillon/Cevennen*

Diesen Titel habe ich nach Axel Patitz und Peter Bausch inzwischen seit sechs Ausgaben umfangreich erweitert und aktualisiert.

Strandvergnügen und Kultur, quirlige Städte und wildromantische Landschaften: Von den Cevennen über das Languedoc bis hin zum Roussillon findet ihr dort Highlights und Kleinode, Tipps für Entdecken und Sparfüchse – und Adressen, die ich neu entdeckt und getestet haben. Denn dieser Landstrich ist seit 2014 meine zweite Heimat.

Wandert rund um den Mont Lozére, radelt durch die Petite Camargue, schippert im Hausboot auf dem Canal du Midi, taucht mit der Zahnradbahn in die faszinierende Tropfsteinwelt der Cevennen ein oder entdeckt die Côte Vermeille bei einer Schnorchelwanderung. Wer mag, kann ihn hier* direkt bestellen.

Der Reisebegleiter vor Ort: Ralf Nestmeyer, Languedoc-Roussillon*

Zwischen dem Delta der Camargue und den Gipfeln der Pyrenäen hat Ralf Nestmeyer nahezu jeden Strand gesehen, jede Stadt besucht, jedes Wehrdorf besichtigt – im Languedoc etwas intensiver, im Roussillon fokussiert er auf bekannten Highlights. Inzwischen ist der wohl beste Führer für diese wunderschöne Ecke Frankreichs 2021 in 9. Auflage erschienen.

Das 588 Seiten dicke Werk ist der beste Begleiter für Individualreisende, die diese Region entdecken möchten und des Französischen nicht mächtig sind. Wer möchte, kann den Band hier* direkt bestellen.

Okzitanien abseits GeheimtippsOkzitanien: 50 Tipps abseits der ausgetretenen Pfade*

Okzitanien ist die Quintessenz des Südens Frankreichs. Es beginnt in den Höhen der Cevennen, endet im Süden am Mittelmeer – und präsentiert sich zwischen Rhône und Adour als eine Region, die selbstbewusst ihre Kultur, Sprache und Küche pflegt.

Katharerburgen erzählen vom Kampf gegen Kirche und Krone, eine gelbe Pflanze vom blauen Wunder, das Okzitanien im Mittelalter reich machte. Acht Welterbestätten birgt die zweitgrößte Region Frankreichs, 40 grands sites – und unzählige Highlights, die abseits liegen. 50 dieser Juwelen enthält dieser Band. Abseits in Okzitanien: Bienvenue im Paradies für Entdecker!  Hier* gibt es euren Begleiter.

Das ganze Land: MARCO POLO Frankreich*

Einfach aus dem Besten auswählen und Neues ausprobieren, ist das Motto der Marco Polo-Reiseführer. Den MARCO POLO Frankreich* habe ich vor vielen Jahren von Barbara Markert übernommen und seitdem umfassend aktualisiert und erweitert.

Freut euch auf neue Insidertipps und Reiseziele, frischen Hintergrund und viele Erlebnisvorschläge für Aktive und Entdecker – von der Lichterkunst in Bordeaux’ U-Boot-Basis bis zu Wanderungen unter Wasser.

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Frühling: Auch Hunderte Pfirsiche blühen bei Monastir del Camp. Foto: Hilke Maunder
Detail einer Pfirsichblüte bei Monastir del Camp. Foto: Hilke Maunder
Mimosen-Blüte in Taurinya im Schatten des Canigou. Foto: Hilke Maunder
Mimosen-Blüte in Taurinya im Schatten des Canigou. Foto: Hilke Maunder

 

Merci fürs Teilen!

7 Kommentare

  1. Liebe Hilde Mauder,
    Mein Mann & ich haben seit 1999 unseren 2. Wohnsitz in Sigean & lieben ihre interessanten Beiträge. Die Blumen in den Weinbergen heissen Fausse roquette blanche, also eigentlich wilder rockett ( salad) oder rucola. Herzliche Grüsse Claudia & John Klee

  2. Hallo, wir sind fast Nachbarinnen, ich wohne schon seit 1974 in Südfrankreich und seit 1980 im Roussillon, in Villeneuve de la Raho. Ihre Beiträge sind vor allem für meine deutsche Familie und Freunde interessant. Auch selber lasse ich mich gerne von Ihren Eindrücken inspirieren.Ich brauche ja auch nicht von all dem Zauber hier im Roussillon ueberzeugt zu werden; bin ich ja schon lange, ha ha ! Meine Tochter Béatrice ist im Jahre 1989 zur Kirschblüte in Cérèt auf die Welt gekommen, so was vergisst man nicht. Tschüssing, Ihre Susanne Revel

  3. Oh, liebe Frau Maunder,
    wie ich Sie beneide! Frühlingsduft im Februar! Lieber heute als morgen besuche ich Sie! Ich freue mich auf Ihr nächstes Lebenszeichen!
    Herzlichst, Ihr Ulrich Salmen

  4. Hallo Hilke,
    wunderbar, wie es blüht in allen Farben! Es tut gut, nach dem vielen Grau des Winter, diese Farbenpracht anzuschauen, wieviel schöner ist es, auch den Duft zu schnuppern! Hier kommt das auch..halt sehr viel später!
    Genieße den Frühling dans le Midi!
    Liebe Grüße, Christel

    • Liebe Christel, in Hamburg müssen wir damit bis April/Mai warten- und dann ist meist gleich Sommer. Es ist einfach unglaublich, wie hier die Natur erwacht – und das bei nächtlichen Minusgraden!
      Herzliche Grüße, wo immer Du gerade bist! Hilke

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