Entdeckungen in den Gorges de Galamus

Direkt hinter meinem zweiten Zuhause in Südfrankreich klettert im Tal des Agly eine schmale Landstraße die kalkigen Hänge hoch, die zu einer der schönsten Schluchten führt, die ich kenne: die Gorges de Galamus – als tiefer, schmaler Canyon verbindet sie die Départements Aude und Pyrénees-Orientales.

Schwindelerregende Verbindung

1894-1892 wurde auf den Spuren eines Jahrhunderte alten Saumpfades mit Dynamit im Fels Raum für die Straßenverbindung zwischen den beiden Départements geschaffen, und Poeten priesen den Meisterbau zur Eröffnung.

Dans ce roc pel´que troue la sabine
où l’aigle dans son vol osait seul à venir
Suspendu à une corde avec la barre à mine
L’homme comme l’oiseau a trouvé un chemin

Léonce Rives (1892)

Seitdem sausen auf der schmalen, kurvigen Landstraße zwischen den historischen Regionen Corbières und Fenouillèdes die Einheimischen selbst mit Lieferwagen halsbrecherisch um die Kurven. Regelmäßig kracht es, denn Gegenverkehr hat kaum eine Chance.

Umso erstaunter war ich, als vor ein paar Wochen selbst ein großer französischer Reisebus die Route in Angriff nahm… Seit 2016 ist die Schlucht für sie gesperrt, und auch Wohnmobilen und Wohnwagen ist die Durchfahrt verboten.

Lasst das Auto stehen!

Schöner ist es ohnehin, zu Fuß oder per Rad die Gorges de Galamus zu entdecken! In Saint-Paul-de-Fenouillet beginnt bei den Schrebergärten ein markierter Wanderweg hinauf zur Schlucht. Für Mountainbiker gibt es hier einen Tipp für eine Tagestour samt GPS-Daten und Höhenprofil. Wir sausten mit dem Wagen hinauf und hatten Glück, auf dem kleinen, aussichtsreichen Parkplatz am südlichen Eingang der Schlucht noch einen Parkplatz zu finden, wo während der Saison seit 2016 ein kleiner Kiosk jetzt Kaffee, Ansichtskarten und Souvenirs verkauft.

Zu Fuß zum Einsiedler

Dort weist ein verwittertes Holzschild den Weg zur einer Einsiedelei, die Ostern und Pfingsten Pilgerziel der Einheimischen ist – und im Sommer ganz romantisch beleuchtet wird. Seit 2016 ist die Eremitage de Galamus täglich geöffnet. Der junge Pächter hat im Innenhof ein kleinen Café eingerichtet und verkauft Heiligenfiguren, Kerzen und das okzitanische Kreuz als  Wandschmuck sowie Souvenirs und Postkarten. Auch eine Auswahl von Mineralien und Kristallen findet ihr hier!

In der natürlichen Grotte hat seit dem 15. Jahrhundert Eremiten gelebt. Dort, wo eine Grotte Wasser barg, baut er eine Kirche in den Hang. Geweiht wurde sie Saint-Antoine. Ihr findet den Heiligen als hohe Holzstele linker Hand in der Kirche. Ihn erkennt ihn am Schwein zu seinen Füßen- ringsum leben unzählige Wildschweine im Karstland. Von 1482 – 1560 gehört die Grottenkirche den Franziskanern. Im Zuge der Revolution säkularisiert, gelangte sie in Staatsbesitz.

Auf den Spuren von Père Marie

Bis 1843 war sie verwaist. Dann jedoch wurde die Tradition der Eremitendaseins durch die das Eintreffen des Franziskanermönches Père Joseoph Chiron neu belebt – für die Einheimischen war er  „Père Marie“. Sein Grab findet ihr am Weg zum Eingang zur Einsiedelei, in der er 1870 verstorben ist – erfroren, einsam und allein im kalten Winter 1870.

Hinein in die Grotte

Die Grotte hat sich seit 2016 zu einem Besuchermagneten entwickelt. Und auch ich bin froh, dass sie nun geöffnet ist und jederzeit besucht werden kann. Leider hatte ich nur mein Handy, aber ich denke, die Bilder geben dennoch einen Eindruck wieder, was ihr dort entdecken könnt.

Und das Schönste: Ihr könnt nach Norden durch Tunnel und Treppenwege zur Straße zurück laufen. Der Pfad zur Eremitage: eine schöne Runde, für die ihr als reine Wegzeit knapp eine Stunde rechnen solltet.

Pures Glück: Baden in der Galamus

Buchsbaum, Agaven und Rosmarin, der herrlich duftete, haben die zerfurchten Hänge erobert; wilder Knoblauch wächst am Wegesrand. Zikaden zirpten, und die Sonnenhitze ließ die Luft flirren. Königsadler kreisen am Himmel, Schwarzdrosseln huschen zwischen Buchsbäumen umher. Tief unten im Tal gurgelt der junge Agly zwischen glattpolierten Felsen. Wie man da wohl hinkommt….?

Erfrischende Gumpen

Tiefer die Schlucht hinein, fast schon an ihrem Ausgang, parken plötzlich Motorräder und mit Dellen geschmückte Kleinwagen. Hinter der Leitplanke entdeckte ich einen fußbreiten Pfad, übersät mit Geröll und reichlich rutschig.

Er endete … direkt am Fluss, vor einer kleinen Kiesbank, auf der sich ein Männertrio sonnte. Zwei Frauen badeten im kühlen, klaren Naturpool, den der Agly hier geschaffen hatte. „Un petit coin du paradis“, denke ich, Georges Brassens ganz plötzlich im Ohr…

Gorges de Galamus: meine Reisetipps

Entdecken & erleben

Seit 2003 wird während der Hauptsaison vom 7. Juli bis 31. August täglich von 13.00 bis 19.00 Uhr in der Schlucht ein Richtungsverkehr eingerichtet mit Ampeln. Es kann zu langen Wartezeiten kommen. Ist der Besucherandrang zu hoch, wird die Schlucht komplett für den Verkehr gesperrt.

An beiden Eingängen werden zusätzliche Stellplätze für Fahrzeuge eingerichtet. Wer nicht zu Fuß die Schlucht durchqueren möchten (ca. 1.7 km), kann den elektrisch betriebenen Shuttlebus nutzen.

Schlemmen & schlafen

Au Vieux Moulin

1073 betrieb Pétrus Adalberti eine Mühle am Agly, die bereits unter Karls dem Kahlen von den Mönchen der Abtei von Cubières um 840 angelegt wurde. Der Patron hat sie restauriert – und zeigt sie auf Wunsch!

Die mittelalterliche Mühle bildet heute die malerische Kulisse für einen Landgasthof – auf seinen Wiesen könnt ihr campen! Überraschend raffiniert ist die Küche, die ihr open-air im Garten genießen könnt: Magret de Canard mit Schmoräpfeln und Calvados-Soße, Regenbogenforelle, Filet Mignon oder Entrecôte – köstlich! Direkt am Fluss beleuchten bunte Lämpchen abends die Barterrasse.
• 29-41, Au Vieux Moulin, 11190 Cubières-sur-Cinoble, Tel. 04 68 69 81 49, www.facebook.com; nur Juni – September

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4 Kommentare

  1. Danke für den interessanten Bericht mit den schönen Fotos. Das wäre auch etwas für uns, die wir schon mehrere Schluchten in Frankreich durchwandert und durchfahren haben, wie im Luberon die Schluchten von Règalon und Veroncle, Verdon und in diesem Jahr die Tarnschlucht. Vielleicht im nächsten Jahr in die Galamus-Schlucht?!

  2. Ich will mal danke sagen für die tollen und interessant geschriebenen Berichte, die in mir jedes Mal die Lust machen, die Gegend selbst mal zu bereisen! Die Landschaft um St. Paul de Fenouillet sieht wunderschön und natürlich aus!

    Da ich ja eh immer in der Nebensaison Urlaub mache, dürften dann ja auch nicht die großen Touristenmassen unterwegs sein.

    Schönen Sommer,
    und liebe Grüße,
    Christel

    • Liebe Christel, danke für das Lob! Ja, die Gegend hier ist wunderschön! Und überhaupt nicht überlaufen in der Nebensaison – im Sommer tummeln sich hier die Wanderer, Kletterer und Mountain-Biker. Auf der Rückfahrt gen Norden werde ich ein paar Themen aus Ecken im Landesinnern einsammeln, die weniger bekannt sind. Und mal öfter dann auch wieder an die Atlantikküste schauen :-).
      Viele Grüße!
      Hilke

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