Gorges de Galamus: Die Einsiedelei Ermitage de Saint-Antoine. Foto: Hilke Maunder
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Entdeckungen in den Gorges de Galamus

Direkt hinter Saint-Paul-de-Fenouilles klettert in den Ostpyrenäen im Tal des Agly eine schmale Landstraße die kalkigen Hänge hoch, die zu einer der schönsten Schluchten führt, die ich kenne: die Gorges de Galamus.

Als tiefer, schmaler Canyon verbindet sie die Départements Aude und Pyrénées-Orientales. Die imposante Schlucht eine der Top-Highlights des 2021 gegründeten Parc Naturel Régional Corbières-Fenouillèdes.

Gorges de Galamus: Blick vom Eingang der Schlucht gen Süden auf den Canigou. Foto: Hilke Maunder
Blick vom Eingang der Gorges de Galamus gen Süden auf den Canigou. Foto: Hilke Maunder

Schwindelerregende Verbindung

Zwischen 1884 und 1892 fraß sich das Dynamit Etage für Etage in den nackten Kalkstein. Wo jahrhundertelang nur ein schmaler, gefährlicher Saumpfad die historischen Gebiete der Corbières und des Fenouillèdes verband, trotzten Arbeiter den senkrechten Felswänden eine Straßenverbindung ab. Als écrivains du rocher – als Felsenschreiber – gingen die Männer in die Regionalgeschichte ein: An Seilen über dem Abgrund hängend, trieben sie mit der bloßen Brechstange die Sprenglöcher in den Stein.

Zur feierlichen Eröffnung im Jahr 1892 goss der Poet Léonce Rives diesen unvorstellbaren Kraftakt in diese Verse:

Dans ce roc pelé que troue la sabine
où l’aigle dans son vol osait seul advenir
Suspendu à une corde avec la barre à mine
L’homme comme l’oiseau a trouvé un chemin

Léonce Rives (1892)

Frei übersetzt: In diesem nackten Fels, den nur der Wacholder durchbricht und wo selbst der Adler im Flug kaum hinzugelangen wagte, fand der Mensch, nur am Seil hängend und mit der Brechstange bewaffnet, wie der Vogel einen Weg.

Die schmale Straße durch die Gorges de Galamus. Foto: Hilke Maunder
Die schmale Straße durch die Gorges de Galamus. Foto: Hilke Maunder

Seitdem sausen auf der schmalen, kurvigen Landstraße zwischen den historischen Gebieten der Corbières und des Fenouillèdes die Einheimischen selbst mit Lieferwagen halsbrecherisch um die Kurven. Regelmäßig kracht es in den Gorges de Galamus, denn der Gegenverkehr hat kaum eine Chance. Es gibt nur sehr wenige Ausweichstellen entlang der engen Passage zwischen den Felsen.

Seit 2016 ist die Schlucht für Reisebusse gesperrt. Auch Wohnmobilen und Wohnwagen ist die Durchfahrt verboten.

Die Straße durch die Stadt ist auch ein beliebter Wanderweg. Foto: Hilke Maunder
Die Straße durch die Gorges de Galamus ist auch ein beliebter Wanderweg. Foto: Hilke Maunder

Zu Fuß oder per Rad zur Schlucht

Schöner ist es ohnehin, zu Fuß oder per Rad die Gorges de Galamus zu entdecken! In Saint-Paul-de-Fenouillet beginnt bei den Schrebergärten ein Wanderweg hinauf zur Schlucht.

Nicht nur im Sommer, auch im Herbst zur Laubfärbung sind die Gorges de Galamus wunderschön! Foto: Hilke Maunder
Nicht nur im Sommer, auch im Herbst zur Laubfärbung sind die Gorges de Galamus wunderschön! Foto: Hilke Maunder

Der Wanderweg trägt die Markierung des Sentier Cathare. Rot-weiß sind die Wegzeichen des Weitwanderweges, der zum Netzwerk der Grandes Randonnées gehört. Für Mountainbiker gibt es hier einen Tipp für eine Tagestour samt GPS-Daten und Höhenprofil.

Aussichtsreicher Parkplatz

Gorges de Galamus: Pflanzen krallen sich an den Fels. Foto: Hilke Maunder
Pflanzen krallen sich an den Fels. Foto: Hilke Maunder

Wer mit dem eigenen Fahrzeug anreist, findet mit etwas Glück auf dem kleinen, aussichtsreichen Parkplatz am südlichen Eingang der Schlucht noch einen Stellplatz. Dort verkauft seit ein kleiner Kiosk Kaffee, Ansichtskarten und Souvenirs. An der Schmalseite des Pavillons befinden sich die Toiletten.

Zu Fuß zum Einsiedler

Am Parkplatz beim Südende der Schlucht weist ein verwittertes Holzschild den Weg zu einer Einsiedelei, die Ostern und Pfingsten Pilgerziel der Einheimischen ist – und im Sommer ganz romantisch beleuchtet wird. Seit 2016 ist die Eremitage Saint-Antoine täglich geöffnet.

Gorges de Galamus: Café-Shop der Ermitage. Foto: Hilke Maunder
Im Innenhof der Ermitage verkauft ein kleines Boutique-Café Getränke, Souvenirs und Devotionalien. Foto: Hilke Maunder

Der junge Pächter hat im Innenhof ein kleines Café eingerichtet und verkauft Heiligenfiguren, Kerzen und das okzitanische Kreuz als Wandschmuck sowie Souvenirs und Postkarten. Auch eine Auswahl von Mineralien und Kristallen findet ihr hier! Im Ausschank sind kalte Getränke sowie Kaffee.

Die Grottenkirche

Von 1482 bis 1560 war die Einsiedelei im Besitz der Franziskaner. Seit dem 15. Jahrhundert haben hier Eremiten gelebt. Dort, wo eine Grotte Wasser barg, baute der erste Eremit eine Kirche in den Hang. Er weihte sie Saint-Antoine. Ihr findet den Heiligen als hohe Holzstele linker Hand in der Kirche.

Gorges de Galamus: Kerzen für Saint-Antoine. Foto: Hilke Maunder
Kerzen für Saint-Antoine. Foto: Hilke Maunder

Der heilige Antonius

Antonius gilt als Vater der Mönche. Ihn erkennt ihr am Schwein zu seinen Füßen. Antonius ist der Schutzpatron der Bauern und ihrer Nutztiere, aber auch der Schweinehirten und Metzger. Ringsum leben unzählige Wildschweine im Karstland.

Besonders sonntags werden sie gejagt. Den Winzern sind vor allem die Wildschweine ein Dorn im Auge. Trotz Elektrozäunen um die Weinberge gelingt es den Tieren immer wieder, kurz vor der Ernte ganze Kulturen abzufressen.

Fenouillèdes: die Kapelle der Ermitage Saint-Antoine. Foto: Hilke Maunder
Die Kapelle der Ermitage Saint-Antoine. Foto: Hilke Maunder

Auf den Spuren von Père Marie

Von 1482 bis 1560 gehörte die Grottenkirche den Franziskanern. Im Zuge der Französischen Revolution säkularisiert, gelangte sie in Staatsbesitz. Bis 1843 war sie verwaist. Dann jedoch wurde die Tradition des Eremitendaseins durch das Eintreffen des Franziskanermönches Père Joseph Chiron neu belebt.

Für die Einheimischen war er Père Marie. Sein Grab findet ihr am Weg zum Eingang zur Einsiedelei, in der er 1870 verstorben ist – erfroren, einsam und allein im kalten Winter 1870.

Gorges de Galamus. In der Ermitage. Foto: Hilke Maunder
In der Ermitage. Foto: Hilke Maunder

Hinein in die Grotte

Die Grotte hat sich seit 2016 zu einem Besuchermagneten entwickelt. Vom Großparkplatz am südlichen Eingang der Schlucht führt seit 2023 ein sentier botanique zur Ermitage, den der Heimatverein von Saint-Paul-de-Fenouillet angelegt hat.

Am Nordausgang führen Tunnel und Treppenwege zurück zur Straße. Für diese Runde zur Eremitage solltet ihr an reiner Wegzeit rund 30 Minuten rechnen. Wer mag, darf auf dem Freigelände die Glocke der Einsiedelei läuten!

Am Wegesrand könnt ihr frischen Rosmarin pflücken. Bitte reißt niemals die Wurzeln aus. Brecht einfach ein paar Stängel ab. Dann kann die Pflanze auch im nächsten Jahr wieder austreiben.

Gorges de Galamus: Durch diesen Tunnel kommt ihr von der Einsiedelei wieder zurück zur Straße. Foto: Hilke Maunder
Durch diesen Tunnel kommt ihr von der Einsiedelei wieder zurück zur Straße. Foto: Hilke Maunder

Geschützte Natur

Buchsbaum, Agaven und Rosmarin, der herrlich duftet, haben die zerfurchten Hänge erobert. Wilder Knoblauch wächst am Wegesrand. Zikaden zirpen, und die Sonnenhitze lässt die Luft flirren. Königsadler kreisen am Himmel. Schwarzdrosseln und Blaumerlen huschen zwischen Buchsbäumen umher. Königsadler kreisen am Himmel. Mit etwas Glück könnt ihr auch einen Uhu sehen – oder Steinböcke, die über schwindelerregenden Fels klettern.

Fenouillèdes: die Badegumpen der Gorges de Galamus. Foto: Hilke Maunder
Die Badegumpen der Gorges de Galamus. Foto: Hilke Maunder

Pures Glück: Baden in den Gorges de Galamus

Tief unten im Tal gurgelt der junge Agly zwischen glatt polierten Felsen. Wie man da hinkommt? Geführte Canyoningtouren sind in der Saison eine Möglichkeit. Sie starten in Saint-Paul-de-Fenouillet beim Büro von Oxygène Aventure direkt am Fluss.

Canyoning in den Gorges de Galamus. Foto: Hilke Maunder
Canyoning in den Gorges de Galamus. Foto: Hilke Maunder

Erfrischende Gumpen

Tiefer die Schlucht hinein, fast schon an ihrem Ausgang gen Norden, parken plötzlich Motorräder und mit Dellen geschmückte Kleinwagen. Hinter der Leitplanke entdeckte ich einen fußbreiten Pfad, übersät mit Geröll und reichlich rutschig.

Er endete … direkt am Fluss, vor einer kleinen Kiesbank, auf der sich ein Männertrio sonnte. Zwei Frauen badeten im kühlen, klaren Naturpool, den der Agly hier geschaffen hatte. “ Un petit coin du paradis „, denke ich, Georges Brassens ganz plötzlich im Ohr.

Einsame Badestelle in den Gorges de Galamus. Foto:. Hilke Maunder
Einsame Badestelle in den Gorges de Galamus. Foto:. Hilke Maunder

Gorges de Galamus: meine Reisetipps

Entdecken & erleben

Um den unvermeidbaren Verkehrskollaps in den Sommermonaten zu verhindern, greifen die Départements zu einer strikten Maßnahme: Ein sogenanntes Alternat regelt den Verkehr. Wo früher eine starre Ampelregelung griff, steuern heute in der erweiterten Hochsaison – oft von Mitte Juni bis Mitte September – sogenannte Placiers den Verkehrsfluss. Diese Sicherheitskräfte dirigieren die Fahrzeuge flexibel im Wechseltakt durch das Nadelöhr.

Meist zwischen 10.00 und 19.00 Uhr wird die Schlucht so zur zeitweisen Einbahnstraße. Die genauen Wochen und Uhrzeiten passen die Behörden jährlich dynamisch an das Besucheraufkommen an. Ist der Andrang an Spitzentagen dennoch zu hoch, folgt die temporäre Komplettsperrung.

Wer den gut 1,7 Kilometer langen Engpass nicht zu Fuß bewältigen möchte, weicht auf den elektrischen Shuttlebus aus, der in den Sommermonaten unermüdlich zwischen den beiden Schluchteingängen pendelt.

Gorges de Galamus: Im Sommer pendelt ein Elektrobus durch die Schlucht. Foto: Hilke Maunder
Im Sommer pendelt ein Elektrobus durch die Gorges de Galamus. Foto: Hilke Maunder

Schlemmen & schlafen

Au Vieux Moulin

1073 betrieb Pétrus Adalberti eine Mühle am Agly, die bereits unter Karl dem Kahlen von den Mönchen der Abtei von Cubières um 840 angelegt wurde. Der Patron hat sie restauriert – und zeigt sie auf Wunsch!

Gorges de Galamus: Plan der mittelalterlichen Mühle am Agly. Foto: Hilke Maunder
So sah sie aus, die mittelalterliche Mühle am Agly. Foto: Hilke Maunder
Le Vieux Moulin. Foto: Hilke Maunder
Le Vieux Moulin. Foto: Hilke Maunder

Die mittelalterliche Mühle bildete früher die malerische Kulisse für einen Landgasthof. Seit 2022 wurde aus Altersgründen die Restauration eingestellt. Jetzt gibt es nur noch Sandwiches zum Getränk an der Bar. Direkt am Fluss beleuchten bunte Lämpchen abends die Barterrasse.
• 29-41, Au Vieux Moulin, 11190 Cubières-sur-Cinoble, Tel. 04 68 69 81 49, auf Facebook; nur Juni – September

Gorges de Galamus: Lauschige Barterrasse am Agly - le Vieux Moulin. Foto: Hilke Maunder
Lauschige Barterrasse am Agly: Le Vieux Moulin. Foto: Hilke Maunder

Noch mehr Betten*

 

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Winterliche Erkundung im Bett des Agly in den Gorges de Galamus. Foto: Hilke Maunder
Im Bachbett des Agly in den Gorges de Galamus. Foto: Hilke Maunder