Auf den Spuren der Hugenotten

Die Tour de Constance von Aigues-Mortes. Foto: Hilke Maunder
Blick von der Stadtmauer über die Altstadt auf den Tour de Constance. Foto: Hilke Maunder

Frankreich, 1685: Ludwig XIV. hebt das Edikt von Nantes auf, das seit 1598 den Hugenotten die Ausübung ihrer Religion in Frankreich garantiert hatte. Doch da der Sonnenkönig zur Sicherheit seiner Macht auf die katholische Kirche setzt, müssen Andersgläubige fliehen.

Vor allem die Hugenotten – sie suchen in den unwegsamen Cevennen und dem Gard, im Poitou sowie in der Dauphiné und im Vivarais Zuflucht. Bis heute sind Ganges, Le Vigan, Lussan und Anduze Hochburgen der Protestanten.

Le Vigan in den Cevennen. Foto: Hilke Maunder
Das Wahrzeichen von Le Vigan ist die Bogenbrücke. Foto: Hilke Maunder

100 Jahre der Verfolgung

Bis zur Französischen Revolution, und damit mehr als 100 Jahre, dauerte die Verfolgung der Hugenotten. Ohne Kirche und Pastor lebten sie in Bergen und Wäldern im Untergrund – im désert.

Le désert bedeutet dabei nicht nur wortwörtlich “Wüste”, sondern weit mehr: Es kann ein verborgener Ort sein, aber auch Einsamkeit und Abgeschiedenheit von der Welt bedeuten. Zum Abendmahl trafen sich die Hugenotten heimlich in einer Grotte oder Schlucht.

Nicht immer blieben die Hugenotten dabei unentdeckt. Wer erwischt wurden, die falschen Glauben zu praktizieren, wurde von den königlichen Soldaten gefangen genommen.

Am Bergpass Col de Mouzoulès wurde am 19. April 1742 solch eine Zusammenkunft der Hugenotten von den Dragonern überrascht. Elf Personen wurden festgenommen und nach Aigues-Mortes in die Camargue verschleppt.

Die Männer wurden als “Sträflinge des Königs” auf die Galeeren gebracht, die Frauen lebenslang in den Turm Tour de Constance an der Wehrmauer um die Ville Close eingekerkert. 30 Jahre verbrachte die berühmteste Hugenottin dort im Dunkel: Marie Durand. Ihre in die Wand eingeritzte Parole résister kann man noch heute lesen.

Anduze am Gardon. Foto: Hilke Maunder
Anduze. Foto: Hilke Maunder

Meine Reisetipps

Mas Soubeyran

Am 1. Sonntag im September feiern 15-20.000 Menschen mit der L’Assemblée du Désert unter den Eichen und Kastanien des Mas Soubeyran einen Gottesdienst mit Abendmahl, gefolgt von Vorträgen zu protestantischen Jahrestagen oder allgemeinen biblischen Themen.

Abends endet das Treffen traditionell mit dem Singen der Hymne La Cévenole, die Ruben Saillens 1885 komponiert hat. Auf dem einstigen Gehöft war der Kamisardenführer Pierre Laporte, genannt Roland, geboren worden.
• Mialet, Tel. 0466 85 02 72, www.museedudesert.com

Themenroute “Auf den Spuren der Hugenotten”

Der internationale Weitwanderweg “Auf den Spuren der Hugenotten” folgt auf seinen 1.800 km so genau wie möglich den historischen Spuren der Hugenotten auf ihrer Flucht. Von Poët Laval in der Drôme führt der Weg durch Genf, quer durch die Schweiz und via Baden-Württemberg und Hessen nach Bad Karlshafen.
https://isere.ffrandonnee.fr/html/4416/le-gr-965-sur-les-pas-des-huguenots

Aigues-Mortes, nördliche Stadtmauer mit Tour de Constance. Foto: Hilke Maunder
Die nördliche Stadtmauer von Aigues-Mortes mit der Tour de Constance. Foto: Hilke Maunder

Gefällt euch der Beitrag? Dann sagt merci mit einem virtuellen Trinkgeld. Denn Werbebanner oder sonstige Promotions sind für mich tabu. Ich setze auf Follower Power. So, wie Wikipedia das freie Wissen finanziert. Unterstützt den Blog. Fünf Möglichkeiten gibt es.

Weiterlesen

Im Krimi: In tiefen Schluchten*

Cora Stephan: In tiefen Schluchten… und alten Gemäuern verbirgt sich so manch ein Geheimnis. Besonders im Vivarais, dem Rückzugsort von Rebellen und Hugenotten, die sich hier versteckten und an geheimen Orten ihre Gottesdienste abhielten.

Als ein Holländer beim Erforschen der Höhlen verschwindet, ein Einheimischer auf seltsame Weise stirbt, als er erzählen will, und auch ihr eigenes Leben durch einen Fund in Gefahr gerät, beginnt Tori Godon zu ermitteln…

Ohne Brutalität, aber mit viel Spannung und Frankreich-Flair erzählt Cora Stephan aka Anne Chaplet diesen Krimi, der so fesselnd war, dass ich ihn an einem Stück verschlang – und erst nach Mitternacht einschlief. Wer mag, kann den Band hier* direkt online bestellen.

Im Reiseführer

Zur Einstimmung: DuMont Bildatlas Frankreich Süden (Okzitanien)*

Der Bildatlas "Frankreich Süden" von Hilke Maunder - die fünfte AuflageMein DuMont Bildatlas Frankreich Süden (Okzitanien)fängt zwischen Rhône und Garonne, Cevennen und Pyrenäen in sieben Kapiteln die Faszination der alten Region Languedoc-Roussillon in Wort und Bild ein – auch als eBook!

Von Montpellier, der Boomtown am Mittelmeer, bis zum römisch-romantischen Nîmes, von den Étangs bei Narbonne bis zur katalanischen Kapitale Perpinyà. Und noch ein Schlenker nach Carcassonne und Toulouse: voilà meine Herzensheimat! Wer mag, kann den Band hierdirekt bestellen.

MARCO POLO Languedoc-Roussillon: die Hommage von Hilke Maunder an ihre WahlheimatKompakt & inspirierend: MARCO POLO Languedoc-Roussillon/Cevennen*

Den MARCO POLO Languedoc-Roussillon/Cevennenhabe ich nach Axel Patitz und Peter Bausch inzwischen mehrfach umfangreich erweitert und aktualisiert.

Von den Cevennen über das Languedoc bis hin zum Roussillon findet ihr dort Highlights und Kleinode, Tipps für Entdecken und Sparfüchse – und Adressen, die ich neu entdeckt und getestet habe. Ein Online-Update-Service informiert euch über Events, Neueröffnungen und Schließungen. Wer mag, kann ihn hier* direkt bestellen.

Der Reisebegleiter vor Ort: Ralf Nestmeyer, Languedoc-Roussillon*

Zwischen dem Delta der Camargue und den Gipfeln der Pyrenäen hat Ralf Nestmeyer nahezu jeden Strand gesehen, jede Stadt besucht, jedes Wehrdorf besichtigt – im Languedoc etwas intensiver, im Roussillon fokussiert er auf bekannten Highlights. Inzwischen ist der wohl beste Führer für diese wunderschöne Ecke Frankreich 2021 in 9. Auflage erschienen.

Das 588 Seiten dicke Werk ist der beste Begleiter für Individualreisende, die diese Region entdecken möchten und des Französischen nicht mächtig sind. Wer möchte, kann den Band hier* direkt bestellen.

Das ganze Land: MARCO POLO Frankreich*

Einfach aus dem Besten auswählen und Neues ausprobieren, ist das Motto der Marco Polo-Reiseführer. Den MARCO POLO Frankreich* habe ich vor vielen Jahren von Barbara Markert übernommen und seitdem umfassend aktualisiert und erweitert.

Freut euch auf neue Insidertipps, neue Reiseziele, frischen Hintergrund und viele Erlebnisvorschläge für Aktive und Entdecker – von Lichterkunst in Bordeaux’ U-Boot-Basis bis zu Wanderungen unter Wasser.

Damit ihr Frankreich noch besser versteht, gibt es natürlich auch viel Hintergrund zu Frankreich und seinen Menschen. Wer mag, kann ihn hier* direkt bestellen.

 * Durch den Kauf über den Referral Link kannst Du diesen Blog unterstützen und werbefrei halten. Für Dich entstehen keine Mehrkosten. Ganz herzlichen Dank – merci !

Merci fürs Teilen!

1 Kommentar

  1. Allein in Béziers wurden 25.000 umgebracht! Carcassonne war ein Rückzugsort und das ist heute noch spürbar in diesen ganzen Mauern!

1 Trackback / Pingback

  1. Postkarte aus...Le Poët-Laval - Mein Frankreich

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.