Jahrestage und Jubliäen 2024: Collage. Copyright: Hilke Maunder

Jubiläen und Jahrestage 2024

Jubiläen und Jahrestage sind nicht nur Zeitmarken in der Geschichte eines Landes, sondern sie enthüllen auch die tief verwurzelten Werte und Prägungen einer Nation. Sie machen Frankreich auch im Jahr 2024 zu einem lebendigen Geschichtsbuch und offenbaren die Essenz des Landes.

Viele der hier aufgeführten Persönlichkeiten prägen auch Jahrhunderte nach ihrem Tod bis heute Leben und Selbstverständnis. Voilà eine kleine Auswahl.

Französische Jubiläen und Jahrestage 2024

900. Geburtstag von Eleonore von Aquitanien

1122 oder 1124: Schon die Geburt von Aliénore d’Aquitaine, wie sie in Frankreich genannt wurde, gibt Rätsel auf. Eleonore war die älteste Tochter von Aénor de Châtellerault und Wilhelm X., genannt der Toulouser. Letzterer regierte die Grafschaft Poitou, aber auch das Herzogtum Aquitanien, dessen Hauptstadt damals Poitiers war. Dieses Gebiet war damals viel größer als das des französischen Königs Ludwig VI, genannt der Dicke.

Nicht nur ihr Geburtsjahr ist bis heute ein Geheimnis. Auch der Ort ihrer Geburt ist umstritten. War es der Palais de l’Ombrière in Bordeaux? Das Château de Belin südlich von Bordeaux? Oder gar Poitiers?

Nur eines ist unstrittigh: Eleonore stammte aus einer angesehenen Familie. Einer ihrer Vorfahren war Rollon, der erste Herzog der Normandie. Ihr Großvater Wilhelm IX., genannt der Troubadour, gilt als Erfinder der höfischen Liebe und Held des ersten Kreuzzuges. Aliénore erhielt eine umfassende Bildung, konnte lesen und schreiben und beherrschte neben Latein auch die Sprachen Oc und Oïl. Sie lernte nicht nur Instrumente spielen und singen, sondern auch Bogenschießen und Reiten.

Der Hof ihres Vaters war ein Hort der Kultur. Eleonore nahm an Festen und anderen Veranstaltungen teil, bei denen auch Troubadoure und andere Minnesänger auftraten. Diese unbeschwerte Kindheit endete abrupt im Jahr 1130, als erst ihre Mutter, dann ihr Bruder Wilhelm Aigret, der einzige männliche Thronfolger, verstarb. Eleonore wurde Erbin und rechtmäßige Herzogin des Herzogtums.
• Ihren Spuren könnt ihr in Poitiers folgen: www.poitiers.fr

700. Geburtstag Pierre de Ronsard

Pierre de Ronsard (1524-1585) war ein herausragender französischer Dichter der Renaissance und einer der führenden Vertreter der literarischen Bewegung der Pléiade. Er wurde am 6. September 1524 im Château de la Possonnière bei Couture-sur-Loir als Sohn eines Adligen geboren und wurde zunächst als Page am Hof von König Franz I. erzogen. Aufgrund gesundheitlicher Probleme musste er jedoch frühzeitig dem Hof den Rücken kehren und erhielt privat eine umfassende Bildung in Latein und Griechisch. Während seines Studiums am Collège de Coqueret in Paris entdeckte Pierre de Ronsard seine Liebe zur Dichtung.

Die Pléiade, eine Gruppe von sieben Dichtern, zu der auch Ronsard gehörte, setzte sich für die Erneuerung der französischen Literatur ein, indem sie antike Formen und Themen wiederbelebte. Ronsard trug maßgeblich zur Entwicklung der Sonettform in der französischen Dichtung bei und veröffentlichte 1552 seine berühmte Sammlung Les Amours, die von der Liebeslyrik des Petrarkismus beeinflusst war.

Trotz seines anfänglichen Einflusses und seiner königlichen Gunst geriet Ronsard später in Ungnade, als politische Intrigen und Machtkämpfe am Hofe zu Veränderungen führten. Pierre de Ronsard starb 1585 in der Nähe von Tours. Sein Erbe lebt jedoch in der reichen Tradition der französischen Lyrik fort.

325. Todestag von Jean Racine

Jean Racine (1639–1699) war ein herausragender französischer Dramatiker des 17. Jahrhunderts, dessen Werke das klassische Theater beeinflussten und zu den Höhepunkten der französischen Literatur zählen. Geboren in La Ferté-Milon, wurde Racine in einer streng jansenistischen Umgebung erzogen, was seine späteren Werke nachhaltig prägte.

Racines literarische Karriere begann mit dem Erfolg seines ersten Dramas, La Thébaïde ou les Frères ennemis (1664), das die Aufmerksamkeit des Hofes auf sich zog. Sein Durchbruch erfolgte jedoch mit Andromaque (1667), einem Meisterwerk, das seinen Ruf als führender Dramatiker festigte. Racine war Mitglied der Académie française und genoss königliche Unterstützung, die ihm Zugang zum Hof verschaffte.

Die dramatischen Werke Racines zeichnen sich durch ihre Tiefe, Leidenschaft und psychologische Raffinesse aus. Phèdre (1677), eines seiner berühmtesten Stücke, fokussiert auf Liebe und Eifersucht im antiken Griechenland. Racine vermeidet dabei klare moralische Urteile, was seine Werke von der klassischen Tragödie abhebt.

Sein Gebrauch von Alexandrinern, einer speziellen Versform, trug zur Eleganz seiner Verse bei. 1677 zog er sich aus der dramatischen Kunst zurück, und widmete sich der religiösen Schriftstellerei. Am 21. April 1699 verstarb Jean Racine in Paris.

300 Jahre Maison Rémy Martin

2024 feiert das berühmte Cognac-Haus sein 300-jähriges Bestehen.
www.remymartin.com/fr-fr/remy-martin-300th-anniversary

300 Jahre Börse von Paris

300 Jahre alt ist 2024 auch die Börse von Paris, die am 24. September 1724 in der Hauptstadt gegründet wurde.

 250. Todestag von König Ludwig XV.

Am 10. Mai 2024 jährt sich der Todestag von König Luwig XV. zum 250. Mal. Sein Tod wird oft mit dem berühmten Ausspruch „Après moi, le déluge“ (Nach mir die Sintflut) in Verbindung gebracht, der auf die kommenden Schwierigkeiten und Unsicherheiten in Frankreich hinwies.

Der Monarch verstarb an einer Pockeninfektion, die zu dieser Zeit in Europa weit verbreitet war. Sein Tod markierte das Ende der direkten Linie der Bourbonenherrscher in Frankreich und den Beginn der Regierungszeit seines Enkels, Ludwig XVI.

200. Geburtstag von Eugène Boudin

Am 12. Juli jährt sich der 200. Geburtsatag des normannischen Landschaftsmalers Eugène Boudin, der besonders bekannt ist für seine Gemälde des Meeres und der Küste.

https://meinfrankreich.com/honfleur-die-impressionisten-um-eugene-boudin

150 Jahre französischer Alpenverein

Der Club Alpin Français (CAF), zu Deutsch der Französische Alpenverein, widmet sich seit dem 1. April 1874 dem Bergsport und  dem Schutz der alpinen Umwelt in Frankreich.

Der CAF ist zwar ein früher, aber nicht der erste Alpenverein. Der Deutsche Alpenverein (DAV) wurde bereits im Jahr 1869 gegründet und gilt als der älteste Alpenverein der Welt. Der Österreichische Alpenverein (ÖAV) wurde kurz darauf im Jahr 1873 ins Leben gerufen.
www.ffcam.fr

135. Geburtstag von Jean Cocteau

Der französische Autor, Dramatiker, Künstler und Regisseur wurde vor 135 Jahren am 5. Juli geboren. In Menton könnt ihr sein Leben und Werk entdecken.
www.museecocteaumenton.fr

Der Anbau von Rudy Ricciotti für die Collection Severin Wunderman des Musée Cocteau. Foto: Hilke Maunder
Der Anbau von Rudy Riciotti für die Collection Severin Wunderman des Musée Cocteau. Foto: Hilke Maunder

125. Geburtstag von Francis Poulenc

Am 7. Januar 1899 wurde der französische Komponist und Pianist in Paris geboren. Sein bekanntestes Werk ist  das Gloria, eine geistliche Komposition für Sopran, Chor und Orchester. Es wurde 1959 uraufgeführt und ist heute eines seiner am häufigsten aufgeführten Werke. Poulenc war ein vielseitiger Komponist und schuf Werke in verschiedenen Genres, darunter Klaviermusik, Kammermusik, Opern und Orchesterstücke.

100. Todestag Gabriel Fauré

Gabriel Fauré wurde am 12. Mai 1845 geboren und starb am 4. November 1924. Er war ein französischer Komponist und Pianist. Fauré war einer der führenden Komponisten der französischen Spätromantik und komponierte Kammermusik, Klaviermusik, Lieder und Chorwerke. Einige seiner bekanntesten Werke sind das Requiem, seine Klaviermusik, darunter die Barcarolles und Nocturnes, sowie seine Lieder, wie zum Beispiel Clair de lune und Aurore.

Seine Heimatstadt Pamiers (Ariège) feiert seit 1995 ihren berühmten Sohn mit dem Festival Musiques au Pays de Gabriel Fauré.

100. Geburtstag von Charles Aznavour

Am 22. Mai wäre der französische Sänger, Songwriter und Schauspieler armenischer Abstammung Charles Aznavour 100 Jahre alt geworden. Geboren in Paris, begann er seine Karriere in den 1940er Jahren. Mit Hits wie La Bohème und Elle erlangte er Weltruhm. Neben seiner musikalischen Karriere war Aznavour auch als Schauspieler erfolgreich. Er wirkte in über 60 Filmen mit, darunter „Die Blechtrommel“ (1979).

80. Todestag von Jean Giraudoux

Jean Hyppolyte Giraudoux (1882-1944) war ein französischer Dramatiker und Romanautor, der lange an die âme franco-allemande, die deutsch-französische Seele, glaubte, ehe der Aufstieg der Nationalsozialisten seine Weltsicht änderte. Bekannter als seine Romane wurden die Theaterstücke von Giraudoux. Berühmt wurde besonders sein Bühnenstück La Folle de Chaillot (Die Irre von Chaillot).

70. Todestag von Henri Matisse

Am 3. November 2024 jährt sich der 70. Todestag von Henri Matisse. Als Meister der Farbe ging dieser bemerkenswerte französische Künstler in die Kunstgeschichte ein. Vom 22. September 2024 bis 26. Januar 2025 präsentiert die Fondation Beyeler mit ihrer Ausstellung in Riehen/Basel im Herbst 2024 die erste Henri-Matisse-Retrospektive in der Schweiz und im deutschsprachigen Raum seit fast 20 Jahren.

Die Ausstellung vereint rund 80 Hauptwerke aus Privatsammlungen und führenden europäischen und amerikanischen Museen und beleuchtet die Entwicklung und den Reichtum des Pionierwerks des Künstlers.
www.fondationbeyeler.ch/fr/expositions/henri-matisse

50. Todestag Marcel Pagnol

Am 18. April 1974 starb der an Krebs erkrankte Marcel Pagnol im Alter von 79 Jahren in seinem Haus am Square de l’Avenue-Foch in Paris. Ihm zu Ehren sind diverse Veranstaltungen geplant. Den Auftakt macht das Musical Manon des Sources, das den berühmten Film von Marcel Pagnol auf die Bühne holt.. Vom 4. April bis 9. Juni 2024 ist es im Theater Le 13ème Art in Paris zu sehen.
https://le13emeart.com/les-evenements/manon-des-sources

50. Todestag von Georges Pompidou

Georges Pompidou kam 1969 an die Macht. Als Präsident der Moderne konzentrierte er seine Bemühungen darauf, Frankreich zu einer führenden Industriemacht zu machen.

Georges Pompidou wurde am 5. Juli 1911 in der Auvergne in eine Lehrerfamilie geboren. Er begann seinen Berufsweg als Lehrer in Marseille, wurde Verantwortlicher für nationale Bildung im Kabinett von General de Gaulle und 1962 vom Präsidenten vom General zum Premierminister ernannt. Er ist bis heute der am längsten amtierende Premierminister.

Nach dem Abgang von General de Gaulle wurde Georges Pompidou am 15. Juni 1969 mit mehr als 58 Prozent der abgegebenen Stimmen zum Präsidenten der Republik gewählt. Sein Ziel war die Modernisierung Frankreichs – mit Großprojekten wie Airbus und TGV, dem Abriss der Halles de Paris, dem Bau des Kunstzentrums Georges Pompidou und dem Bau der Tour de Montparnasse, des einzigen Büroturms im Zentrum der Hauptstadt.

Am 2. April 1974 starb Georges Pompidou an einer Blutvergiftung.  Die Folge: Die Präsidenten der Republik müssen seitdem über ihren Gesundheitszustand berichten. Mit seinem Tod endeten die Trente Glorieuses, die drei Jahrzehnte währenden Wirtschaftswunderjahre Frankreichs.

35 Jahre Parc Asterix

Zum 35. Geburtstag schenkt sich der Themenpark nördlich von Paris zur Saison 2024 eine neue Attraktion: die tour de Numérobis in der ägyptischen Zone. Namensgeber ist der mehr oder weniger erfolgreiche Architekt Numerobis, der, wie Fans wissen, in drei Monaten einen Palast für Königin Kleopatra bauen sollte.

Auch der Bau des Turmes dauerte drei Monate. Ihr saust hinauf, könnt ein 40 Metern Höhe bei einer Drehung des XXL-Kettenkarussells den Panoramablick genießen – und saust dann in die Tiefe: ab 30. März 2024!

30. Todestag von Eugène Ionesco

Der französische Dramatiker rumänischer Herkunft war einer der bedeutendsten Dramatiker des 20. Jahrhunderts. Ionesco, der am 8. März verstarb, trug wesentlich zur Entstehung des Theaters des Absurden bei.

20 Jahre Grande Odysée

Die Grande Odysée gilt als härtestes Hundeschlitten-Rennen Europas. Der Startschuss zur 20. Ausgabe fällt am 13. Januar 2024 i den französischen Alpen.

20. Todestag von Claude Nougaro

Am 4. März 2004 verstarb der berühmte Chansonnier und Jazzbarde aus Toulouse. Seine Heimatstadt verewigte Claude Nougaro auch in seiner Galerue an der Place du Capitole.

20. Todestag von Henri Cartier-Bresson

Am 3. August 2004 verschied mit Henri Cartier-Bresson Frankreichs Pionier der Straßenfotografie. Tagelang verbrachte er beim Flanieren durch die Hauptstadt, machte Porträts von Sartre, Beauvoir und Albert Camus und fing auf den Straßen das Leben mit seiner Kamera ein. Denn das war für ihn die Fotografie: das Einfangen eines entscheidenden Moments.

Henric Cartier-Bresson nutzte dazu hauptsächlich Schwarz-Weiß-Filme, 35-mm-Objekte und nur selten einen Blitz.  Die berühmte Aufnahmen des Mitbegründers der Fotoagentur Magnum zeigt heute die Fondation Cartier-Bresson in Paris.
• 79, rue des Archives, 75003 Paris, www.henricartierbresson.org

20 Jahre Viadukt von Millau

In den 1980er-Jahren war die Autobahn A75, die Clermont-Ferrand mit Béziers und damit Paris mit dem Mittelmeer und Spanien verbindet, noch nicht fertiggestellt, und die Staus von Millau legendär.

​Abhilfe sollte anfangs diese Idee schaffen: Um das riesige Tarn-Tal zu durchqueren, sollte die Autofahren hinab zum Fluss kurven, auf einer neuen, kleinen Brücke den Fluss überqueren und dann durch einen Tunnel wieder hinauf zum oberen Ende des Tals zurückkehren.

Erst am 29. Oktober 1991 fiel die Wahl auf ein Viadukt, das die beiden Hochebenen Causse Rouge und Causse du Larzac direkt verbindet. Die internationale Ausschreibung (1993) gewann Lord Norman Foster. 2001 begannen die Bauarbeiten. Am 16. Dezember 2004 wurde das höchste und längste Viadukt der Welt freigegeben.

Weiterlesen

Im Blog

2 Kommentare

  1. Warum kein einziger Name aus Mathematik, Wissenschaft und Technik?? Es gäbe wahrlich genug davon in Frankreich.

    1. Hallo Matthias, welchen Jahrestag für 2024? Weder France Memoire noch eigene Recherchen ergaben für 2024 runde Jubliäen. Dafür gab’s sie im letzten Jahr reichlich. Freue mich über Deine Tipps!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert