Fête des Lumières: das Lichterfest von Lyon


Laserblitze kreuzen sich am nachtschwarzen Himmel. Eine Brücke wandelt sich zum digitalen Lichter-Schiff. Innenhöfe, Plätze und Fassaden werden zur Bühne von atemberaubenden Installationen, die Musik und Licht zu Kunstwerken verschmelzen. Sie nehmen mich so gefangen, dass ich die Kälte vergessen, stundenlang durch die Stadt laufe und staune.

Ein Rausch für Augen und Ohren

Drei Tage lang, von 20 Uhr bis Mitternacht. 17 Kilometer zeigt mein Handy als Abendrekord. Fête des Lumières heißt das Spektakel, das alljährlich Anfang Dezember bis zu vier Millionen Menschen nach Lyon lockt. In diesem Jahr könnt ihr vom 7. bis 10. Dezember das Lichterfest erleben.

Ein Unwetter als Ursprung

Das Lichterfest, heute für viele nur ein faszinierender, dreitägiger Showcase der besten Lichtkünstler Frankreichs, hat religiöse Wurzeln. Seine Ursprünge liegen im Jahr 1830. Damals verhinderte ein Unwetter das geplante Feuerwerk zur Einweihung des neuen Glockenturmes der Marienkapelle, die sich damals am Standort der heutigen Basilika Notre-Dame auf dem Stadtberg von Lyon erhob. Die Bewohner stellten daraufhin am 8. Dezember einfach brennende Kerzen ins Fenster. Dieser Brauch lebt bis heute fort.

Bester Startpunkt: die Basilika

An der schneeweißen Basilika Notre Dame de Fourvière, bis heute Wahrzeichen des Lichterfestes, beginnen daher auch traditionell die Prozessionen der „Fête des Lumières“. Lauft danach von dort hinab auf die Presqu’île, die Halbinsel zwischen der Saône und der Rhône.

Versucht nicht, euch gegen den Strom der Menschenmassen zu stemmen, die  – sich rechts haltend – von der Place des Terreaux mit Rathaus und Bartholdi-Springbrunnen, dem Théâtre des Célestins und der Place de la République nach Bellecour strömen. Und als ebenso dicht gedrängter Strom auf der linken Straßenseite retour.

Nicht nur dort, auch in der Altstadt kanalisieren vor der Cathédrale Saint-Jean-Baptiste Straßensperrungen den Zugang, und nur langsam schiebt sich die Warteschlange hin zur imaginären Reise auf der Kirchenfassade. Darüber freuen sich die Straßenhändler, die mitten im Gewühl heißen Kakao, Kaffee, Glühwein und Bratwürste verkaufen.

Kerzen als Zeichen der Solidarität

Vor den Bars, Cafés und Geschäften, die spätabends noch geöffnet haben, könnt ihr an kleinen Ständen die Lumignons du Coeur kaufen. Mit diesen „Lämpchen der Herzen“ könnt ihr nicht nur die Lichtinstallation im antiken Odeon-Theater mitgestalten, sondern zugleich etwas Gutes tun: Jedes Jahr gehen die Erlöse aus dem Verkauf an eine andere Hilfsorganisation.

Mehr als 20 Großprojekte erwarten euch allein in der Innenstadt. Hinzu kommen Dutzende von Installationen in allen Bezirken der zweitgrößten Metropole Frankreichs. Vorführungen, Film, Straßentheater und überraschende Happenings begleiten den Licht-Parcours, der sich auch aufs Wasser wagt: 365 blinkende Bojen verwandelten die Rhône bei meinem Besuch in einen romantischen Sternenteppich.

Leuchtendes Wissens

Jenseits des Volksfest-Charakters hat das Lichterfest handfeste wirtschaftliche Gründe. Restaurants und Hotels freuen sich über zusätzliche Einnahmen in der touristisch sonst eher toten Jahreszeit, die Stadt über Imagepflege und Werbung für ihre Expertise in Licht-Management.

Wie können Gebäude attraktiv, effektiv und stromsparend in Szene gesetzt werden? Was kann farbiges Licht in Wohnvierteln und urbanen Zentren bewirken. Wie beeinflusst Straßenlicht Sicherheit und Verkehr? Und wie kann sich eine Metropole vor Lichtverschmutzung schützen?

All diese Fragen sind Themen des Netzwerkes Lightning Urban Community International (LUCI), dem Lyon seit 2002 vorsitzt. Mehr als 300 Firmen, Labors und Forschungsstätten stehen für das Know-how von Lyons „Technikschwerpunkt Licht“, der parallel zum Lichterfest mit dem Lyon Light Festival Forum ein Expertentreffen veranstaltet.

Lichterfest in Lyon: meine Reisetipps

Schlafen

Cour des Loges

Vier Häuser aus dem 14. – 17. Jahrhundert wurden von Yves Boucharlat und Pierre Vurpas zu einem edlen Arkadenhotel zusammengefügt, in dem kein Raum, kein Stockwerk sich gleicht.
• 2-8, rue du Bœuf, F – 69005 Lyon, Tel. 04 72 77 44 44, www.courdesloges.com

Le Collège

Pauker, Streber oder Klassenclown? Fühlt euch mal wieder als Schulkind! Das ungewöhnliche Viersternehaus in der Altstadt habe ich euch hier vorgestellt.
• 5, Place Saint-Paul, F-69005 Lyon, Tel. 4 72 10 05 05, www.college-hotel.com

Away Hostel

An den angesagten Pentes von Croix-Rousse hat am 23. September 2016 in einem Eckhaus aus dem 19. Jahrhundert dieses Hostel eröffnet, das ab 23 Euro ein Bett im Mehrbettzimmer bietet. Sehr geräumige Doppelzimmer, stylisch gestylt in Weiß und Holz, kosten ab 75 Euro. Wer lärmempfindlich ist, greift in den Glastopf an der Rezeption: Er ist randvoll mit gelben Ohrstöpseln befüllt.
• 21 Rue Alsace Lorraine, 69001 Lyon, Tel. 04 78 98 53 20www.awayhostel.com

Schlemmen

Bouchons

Wer es rustikal und deftig mag, geht in Lyon in ein Bouchon, ein rustikales Lokal wie das wie Chez Paul, wo David hinter einem Tresen steht. Von der Decke baumelt eine fast zwei Meter lange Rosette-Dauerwurst. Rote Lederbänke säumen die wenigen Tische, die rustikal mit rot-weiß karierten Tischdecken und Servietten eingedeckt sind.

Statt Musik vom Band erfüllt Stimmengewirr den Raum; statt einer gedruckten Speisekarte präsentiert der Patron jeden Werktag persönlich das Menü für den Mittag: Als Vorspeise gibt es Charcuterie, Wurst und Schinken aus der Region – Rosette, Jésus und Saucisson de Lyon. Dazu serviert David einen „Caviar de la Croix Rousse“ – der „Fischrogen“ der Seidenweber entpuppt sich als Salat aus roten Linsen.

Für den Hauptgang empfiehlt der umtriebige Gastwirt wahlweise Andouillette sauce moutarde, Kaldaunenwurst in Senfsoße, Trîpes grillés, gegrillte Kutteln, oder einen warmen Geflügelleberkuchen – denn „Innereien sind typisch für die Lyoner Küche!“ Lieber Fisch ? „Dann probieren Sie doch mal die Quenelle de brochet, die Hechtklößchen in Krebssoße!“

Doch zu allem, da diskutiert David nicht, gehört kein anderer Wein als ein Beaujolais, und stellt den Roten auf den Tisch, offen, wie üblich, in einer Flasche ohne Etikett, mit einem mehrere Zentimeter dicken Glasboden. Die steht dann auch noch, wenn die Gäste nicht mehr kann so standfest sind.

Ebenso unumstößlich steht für den Patron fest: Danach gibt es einen Käse von Renée Richard, der Königin der Lyoner Markthallen: Saint-Marcellin, Reblochon und einen fromage aux raisins, danach noch eine Poire au vin, eine Birne in Rotwein, zum Dessert und einen Petit Noir. Zu viel, schon satt? Pas de question. Ça ira – das werdet ihr schon schaffen!
• 11, rue Major-Martin, Tel. 04 78 28 35 83www.bouchonchezpaul.fr

La Bijouterie

Zu dritt stehen sie in der winzigen offenen Küche, Arme und Körper tätowiert. Ganz Zen, fabrizieren sie ruhig und still in der offenen Küche Überraschungen mit Asien-Flair, die Aromen auf der Zunge explodieren lassen. Und alle kulinarische Traditionen und Stile brechen – mittags für 15 Euro, abends bei achtgängigen Ménu découverte für 42 Euro.
• 16, rue Hippolyte Flandrin, 69001 Lyon, Tel. 04 78 08 14 03www.facebook.comwww.labijouterierestaurant.fr

La Limonade de Marinette

Gegenüber der Kirche Saint-Georges im Altstadtviertel Vieux-Lyon wandelte sich ein ehemaliges Lebensmittelgeschäft zum Retrobistro: mit Duralex-Glas und Resopalstühlen, Waage, Registrierkasse und 3.000 Objekten im Dekor einer Gemischtwarenhandlung der Sixites.
• 46, rue St Georges, Lyon, Tel. 04 72 32 21 73www.facebook.com/La-Limonade-de-Marinette

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