Unterwegs im Loire-Tal der Schlösser 1


Amboise: Schloss 2018 feiert Schloss Amboise 500 Jahre royale Feste

Zwischen Orléans und Angers zeigt sich Frankreichs längster Fluss von seiner schönsten Seite: Mehr als 400 Burgen und Schlösser aus allen Epochen und Stilen säumen die Ufer der Loire und ihrer Nebenflüsse Indre, Cher und Vienne. In den Städten am Unterlauf verbinden sich Tradition und Zeitgeist zu einem spannenden Mix.

Die prachtvollen Schlösser mit ihren kunstvollen Gartenanlagen, die eingebettet sind in eine urwüchsige, fast unberührte Flusslandschaft mit Auwäldern und Sandbänken, Weinbergen und Tuffsteinhöhlen, in denen Champignons reifen, wurden als „Zeichen höchster Lebensart“ im Jahr 2000 von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt.

Frühling auf Schloss Amboise

f=“https://meinfrankreich.com/wp-content/uploads/F_Amboise_Schloss_2_credits_Hilke-Maunder.jpg“> Frühling auf Schloss Amboise[/capt

Vom Bollwerk zur Residenz

Dass der Adel Frankreichs gerade in den „Garten Frankreichs“ und Marktkorb der Nation seine Schlösser stellte, liegt in der Geschichte begründet. Während des Hundertjährigen Krieges (1337 – 1453) war die Loire Grenzfluss zwischen den von England besetzen Gebieten im Norden und dem französischen Kernland im Süden.

Bis heute royal: das königiliche Bett von Schloss Amboise

https://meinfrankreich.com/wp-content/uploads/F_Amboise_Schloss_4_credits_Hilke-Maunder.jpg“> Bis heute royal: das königiliche Bett von Schloss Amboise

[/caption]Die Bollwerke jener Jahre wurden in der Renaissance  in prunkvolle Residenzen verwandelt. Im 15. Jahrhundert verliebte sich der Adel in die idyllische Landschaft und machte das Loire-Tal unter den Karl VII.Ludwig XI.Karl VIII., Ludwig XII. und Franz I. zum Zentrum der Macht – bis zum späten 16. Jahrhundert war Paris politisch Provinz.

Spiegel der Macht

Größtes und prächtigstes Loire-Schloss ist Chambord mit seinen 440 Zimmer und 365 Kaminen – für jeden Tag einen… Seine berühmte doppelläufige Wendeltreppe entwarf Leonardo da Vinci, der auf Einladung von François I. im Clos-Lucé von Amboise seine letzten Lebensjahre an der Loire verbrachte. Sein Grab findet ihr in der Kapelle im Innenhof des Schlosses.

Schloss Amboise: das Grab von da Vinci

/meinfrankreich.com/wp-content/uploads/F_Amboise_Schloss_Grab-da-Vinci_credits_Hilke-Maunder.jpg“> Schloss Amboise: das Grab von da Vinci

[/caption]François‘ Insignien – ein großes F – und sein Wappentier – ein Feuersalamander – sind in all seinen Schlössern zu finden. Zweites Königsschloss und Lieblingsresidenz der Könige war Blois, in dem sich fünf Jahrhunderte französischer Baukunst widerspiegeln.

Das Schloss von Amboise. Foto: CRT Centre

nfrankreich.com/wp-content/uploads/2014/10/amboise-cmouton_crtcentre1.jpg“> Das Schloss von Amboise. Foto: CRT Centre

[/caption]Und noch, anders als in Chambord, das nur als Spiegel der Macht, nicht aber als Wohnschloss eingerichtet war, verrät, wie einst dort die Könige mit ihrem Hofstaat lebten. Und die Geschichte grausam zuschlug: Im eigenen Schlafgemach ließ Heinrich III. ließ seinen Rivalen Herzog von Guise ermorden. Seine Mutter, Caterina de‘ Medici, verließ sich lieber auf das Gift, das sie in vier der 237 Schubladen der Wandpaneele des Château versteckt haben soll…

Jeanne d’Arc & Chinon

Nicht über der Loire, sondern hoch der Vienne thront das Schloss von Chinon. Am 9. März 1429 überzeugte dort ein bettelarmes Mädchen König Karl VII., sich in Reims krönen zu lassen und sie als Gesandte Gottes gegen England in den Krieg ziehen zu lassen. Sie hieß: Jeanne d’Arc. Alljährlich im Mai feiert Orléans seine Heldin bei den Fêtes de Jeanne d’Arc mit einem riesigen Umzug

Zickenkrieg auf Chenonceau

Schloss Chenonceau am Cher wird „Château des Dames“ genannt – denn es waren Frauen wie Diana von Pointiers, die Mätresse von Heinrich II., und Caterina de’ Medici, die seine Geschichte bestimmten. Beide Damen, die mit allen Raffinessen ihren Zickenkrieg führten (de‘ Medici gewann, Diana musste auf Chenonceau verzichten und bekam zum Ausgleich Chaumont) ließen traumhafte Gärten anlegen, in denen des sommers ausgiebig gefeiert wurde. Ziemlich zügellos soll es dabei zugegangen sein…

Feuerwerk & Multimedia

Château de Cheverny ist berühmt für seine Meute von 100 Jagdhunden. Den Glanz einstiger Feste lassen die Son-et-Lumière-Shows der Schlösser ahnen: Zu klassischer Musik verzaubert ein Feuerwerk aus funkelnden Farben Türme und Zinnen, Giebel und Galerien. Und wer einmal  richtig fürstlich logieren will, quartiert sich in einem der 26 Loire-Schlösser ein, die der Hotelvereinigung Bienvenue au Château angehören. Nicht verpassen solltet ihr auch Villandry. Sein Garten ist der wohl schönste „potager“ Frankreichs. Hier habe ich ihn vorgestellt.

Faszinierendes Städte-Quartett

Orleans

Das Loiretal der Schlösser beginnt in Orléans, der quirligen Hauptstadt der Region Centre mit imposanter Kathedrale und kleinen Gässchen rund um die Rue de Bourgogne, in denen sich Boutiquen mit In-Lokalen abwechseln, die innovative Bioküche kreieren – beim Marché des Producteurs de Pays  auf der Place de la République gibt’s mittwochs von 15.30 – 19.30 Uhr die besten Bioerzeugnissen der Region für ein Picknick.

Wer nicht selber kochen will: Im Le Lift an der Place de la Loire beweist Philippe Bardau, dass bio auch stylisch und trendy heißen kann. Besonders sein Feldhase aus der Sologne mit feinsten Rübchen ist richtig lecker! Martin Pouret ist der letzte Essigmacher von Orléans, der noch aus Wein den berühmten Vinaigre d’Orléans hergestellt – seit 1797 nach altem Familienrezept!

Tours

Die Unistadt Tours ist für ihre lebendige Studentenszene und die hohe Kneipendichte in der Altstadt berühmt – die Place Plumereau mit mittelalterlichem Fachwerk verwandelt sich im Sommer in einen einzigen Biergarten!

Angers

In Angers, wo im Schloss des Guten Königs RenéTapisserien von der Apokalypse erzählen, wird wie einst am Fluss gefeiert – in Guinguettes, Musiklokalen wieChez Jojo.

Mein Mitbringsel-Tipp: La Livre Tournoi – die zart schmelzende Münze aus Bitterschokolade, Kaffee und Orangen wird 1807 von der Confiserie Poirault (6, rue Nationale) handgemacht. Nicht minder verführerisch: die Sucres d’orge (Vanillebonbons), Muscadines (Mandeltrüffel) und Pruneaux farcis (gefüllte Pflaumen in Rum).

Angers – Schloss und Kathedrale

Angersist seit 1849 Heimat des beliebten OrangenlikörsCointreau. Für eine Soupe Angevine paart er sich mit kühl prickelndem Crémant von der Loire, einigen Spritzer Zitrone und etwas Zuckerrohrsirup.

Samstagvormittag wird an der Place Imbach ein großer Wochenmarkt abgehalten. Antiquitäten findet ihr in der Rue Toussaint, die besten Rillauds aus Schweinefleisch seit mehr als 100 Jahren beim Schlachter Aux Rillauds d’Or (35 rue St-Laud).

Nantes

Die schönste Brasserie der Welt, wie Filmemacher Jean-Louis Trintignant schwärmte,  versteckt sich in Nantes: La Cigale, ein Traum der Belle Epoque (1895) mit opulenten Wandschmuck in Blau, Gold und Rot, Spiegeln, Statuen, Medaillons und Mosaiken, livrierten Kellnern, Thonet-Stühlen, weiß gedeckten Tischen – und den besten Fruits de Mer der  Boom-Metropole.

Jean-Charles Baron verwandelte einen alten Speicher von 1936 vor genau zehn Jahren in ein Schlemmermekka – das Grünzeug für seinen michelinbesterntes Gourmetlokal Baron Lefèvre zieht er eigenhändig im Küchenkarten. Wollen die Nanteser ein wenig shoppen, nennen  sie ihr Vergnügen „crébillonner“ – und bummeln über die verkehrsberuhigte  Rue Crébillon mit der nostalgisch edlen Passage Pommeraye – bei Georges Gautier gibt es dort die besten Macarons der Stadt!

Ein Navibus pendelt vorbei an der Île de Nantes zum alten Fischerdörfchen Trentemoult, wo die Hafenarbeiter einst  beim Bier zum Bal Musette tanzen, Jean Loup Hubert 1991 den Kultstreifen Die schöne Lili drehte und Ausflügler heute in In-Lokalen wie La Civelle Austern am Quai Marcel-Boissard  schlürfen, immer mit Blick auf die ein weite, gemächlich Loire, über die sich ein hoher Himmel spannt.

Meine Top Ten für Nantes findet ihr hier.

Loiretal der Schlösser: die Reisetipps

Schön schlummern

Ami Chenin: „troglos“, in den Tuffstein gehauene Höhlenwohnungen, sind typisch für das Loiretal bei Saumur – und urgemütlich, wie das Chambre d’Hôte der Winzer France und Xavier Chenin (37, rue Beaulieu, F – 49400 Beaulieu, Tel. +33 2 41 38 13 17, www.amichenin.com).

Côté Loire Auberge Ligerienne: charmante Herberge hinter dem Deich mit guter Küche (2 Place de la Grève, F – 41000 Blois, Tel. +33 2 54 78 07 86, www.coteloire.com)

Château de la Menaudière: Logiert doch einmal in den 27 prachtvollen Zimmern dieses Landschlosses bei Amboise! Mit Bar, Pool und Tennis, aber ohne Restaurant (Route d’Amboise 144, F – Chissay en Tourraine, Tel. +33 2 54 71 23 45, www.chateau-menaudiere.com)

Chez Françoise: Bunt wie die Häuser im Fischerviertel hat auch Françoise ihre beiden Gästezimmer eingerichtet (23, Quai Marcel Boissard, F – 44400 Reze, Tel. +33 (0)6 05 15 02 20, www.chez-francoise-trentemoult.fr

Hôtel Pommeraye: Jedes Jahr gestaltet ein anderer Künstler das Foyer des Design-Hotels im Herzen des Shoppingviertels von Nantes (2, rue Boileau, F – 44000 Nantes, Tel. +33 2 40 48 78 79, www.hotel-pommeraye.com).

Für Naschkatzen

Genussadresse in Amboise: BigotBigot

Der Teeraum ist kuschlig und nostalgisch, die Kreationen der Konditoren, die im Obergeschoss arbeiten, sind einfach göttlich: Eine Pause bei Bigot solltet ihr euch in Amboise gönnen! Die Patisserie und Chocolaterie liegt direkt am Weg zum Schloss.
• 2 Rue nationale, 37400 Amboise, Tel. 02 47 57 04 46www.facebook.com/maisonbigot

Nachhaltig unterwegs

Auf dem Loire-Radweg radelt ihr entspannt von Schloss zu Schloss – insgesamt 840 km lang könnt ihr dem letzten ungebändigten Fluss Frankreichs folgen. Infos: www.loire-radweg.org, www.loire-a-velo.fr


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