Die Loire – Frankreichs längster Fluss

Loire: geografische Quelle. Foto: Hilke Maunder
Die Quelle der Loire. Foto: Hilke Maunder

In einer Berghütte am Mont Gerbier de Jonc in den Monts d’Ardèche, mit Schieferschindeln gedeckt, drinnen dunkel, feucht und vollgestopft mit Souvenirs, sprudelt die geographische Quelle des längsten Flusses Frankreichs – der Loire.

Doch „Halt!“ ruft da nicht sprudelnd die Source authentique. Sie sei die wahre Quelle, deutlich markiert durch ein Monument, das 1938 der Touring Club de France aufstellte?

In dieser wunderschön wilden Landschaft entspringt die Loire. Foto: Hilke Maunder

Ein Fluss, drei Quellen

Dummes Gerede, sprudelt es aus der Ferne von einer Weide dazwischen: Ich bin die Source Veritable – festgehalten im Katasterauszug Nr. 87 und auf einem Gedenkstein mit der Inschrift „ici commence ma longue course vers l´Océan …“.

Kaum hat sie den Mont Gerbier-de-Jonc verlassen, durchfließt die Loire eine offene, kuppige Landschaft, die heute der PNR des Mont d’Ardèche schützt. Foto: Hilke Maunder

Doch im kleinen  Dörfchen Sainte-Eulalie ist der Streit vergessen, haben sich die drei Quellen vereint zur La Loire, die vom Zentralmassiv vorbei an Nevers nordwärts fließt, bei Orléans scharf nach Westen abbiegt und nach 1.013 Kilometern bei Saint-Nazaire in den Atlantik mündet.

Bei Cussac-sur-Loire verläuft der 45. Breitengrad. Foto: Hilke Maunder
In Le Puy-en-Velay wacht die Dame La France über die Pilgerstadt an der Loire. Foto: Hilke Maunder
Die Loire bei Nevers. Foto: Hilke Maunder

400 Burgen und Schlösser

Mehr als 400 Burgen und Schlösser säumen im Burgund, in Centre und im Pays de la Loire ihren Lauf, 44 von ihnen zeigt der Park Mini-Châteaux Val de Loire in Amboise im Maßstab 1: 25.

Das Café de la Promenade von Bourgueil besitzt einen wunderschönen Bistrogarten! Foto: Hilke Maunder

Die weltweit einzigartige Dichte an Schlössern, eingebettet in eine Jahrhunderte alte Kulturlandschaft an den Ufern eines noch weitgehend natürlich dahinfließenden Flusses bewog die UNESCO, das Loire-Tal zwischen Sully-sur-Loire und Chalonnes-sur-Loire zum Weltkulturerbe zu erklären. Hier habe ich das Loire-Tal der Schlösser vorgestellt.

Idyllisch und naturnah – eine Seitenarm der Loire be Luynes. Foto: Hilke Maunder
Die Loire bei Amboise. Foto: Hilke Maunder
Renaissance-Flair auf Schloss Amboise an der Loire. Foto. Hilke Maunder
Abseits vom Verkehr: der Loire-Radweg bei Villandry. Foto: Hilke Maunder
Schloss Villandry mit seinen berühmten Gärten. Foto: Hilke Maunder
Bei Bréhémont ist ein traditioneller Loire-Kahn vertäut an der Böschung. Foto: Hilke Maunder
Die Burg von Langeais. Foto: Hilke Maunder
Die Loire bei Montsoreau. Foto: Hilke Maunder
Château d’Azay-le-Rideau. Foto: Hilke Maunder
Das rechte Ufer der Loire bei Saumur. Foto: Hilke Maunder

Kleine Paradiese im Fluss

Zu meinen Lieblingsplätzen gehören die Fluss-Inseln der Loire. Ganz besonders gut gefällt mir die Île de Béhuard, die kleinste historische Ortschaft des Anjou in den Pays de la Loire, die nur knapp 100 feste Einwohner zählt.

Doch wenn in der Dorfkirche Notre-Dame-de-Béhuard Hochzeiten zelebriert werden, oder Ende August die Fête de la Plate zu Ehren der typischen Fischerboote gefeiert wird, beschleicht einen das Gefühl, das kleine Eiland versinke unter dem Gewicht der vielen Menschen wohlmöglich im Fluss.

Île de Béhuard: Blick über die Sandbänke der Loire ans Südufer. Foto: Hilke Maunder

Überschwemmt wurde das sechs Kilometer  lange und 300 Meter breite Inselchen Béhuard ja schon oft genug. Wie oft, verraten am Dorfeingang und auf dem Kirchplatz Schiefersteine, auf denen alle Hochwasser seit 1904 verzeichnet sind.

„Keine Angst“, meint der Wirt, der mir mit einem Augenzwinkern solche Räubergeschichten gerne erzählt, „hätte ich sonst 2010 hier wieder das Bistro auf dem Kirchplatz eröffnet?“

Monsieur hat Recht. Und heute ist es hier wieder so wundervoll, dass ich noch einmal zum Baden in den Fluss springe. Und danach überlege, ob ich zur Guinguette La Croisette marschiere und dort etwas esse und trinke. Oder doch wieder in der Crêperie La Guillemette einkehre und die Rillettes de Mulet probiere.

Die Loirebrücke bei Chalonnes-sur-Loire. Foto: Hilke Maunder
Die Loire sur Chalonnes-sur-Loire. Foto: Hilke Maunder
Saint-Florent-le-Vieil mit seiner Abtei hoch über der Loire. Foto: Hilke Maunder
Loire-Panorama bei Champtoceaux. Foto: Hilke Maunder
Die Loire bei Champtoceaux. Foto: Hilke Maunder

Die Folies von Nantes

Les Anneaux, die Ringe von Daniel Buren auf der Île de Nantes. Foto: Hilke Maunder

Die Parade der Schlösser endet vor Nantes. Für jeden echten Bretonen ist Nantes bis heute die eigentliche Hauptstadt der Bretagne – auch, wenn die siebtgrößte Stadt Frankreichs 1962 durch einen Verwaltungsakt administrativ dem Pays de Loire zugeschlagen und zur Hauptstadt des Départements Loire-Atlantique erhoben wurde.

Mit dem Stadtrad lässt sich Nantes perfekt erkunden. Auch eBikes könnt ihr beim Tourismusamt leihen! Foto: Hilke Maunder

Warum die Großstadt an beiden Ufern der Loire indes einst als  „Venedig Frankreichs“ berühmt war, ist heute kaum zu ahnen, seitdem die Nebenarme von Loire und Erdre unter Asphalt verschwanden, Autoabgase die leichte Brise vom nahen Atlantik überdecken. Doch das Neue bildet mit dem Alten spannungsreiche Kontraste.

Der Grand Éléphant. der Machines de l’Île spaziert mit euch über die Île de Nantes – und spritzt dabei Passanten mit Wasser aus dem Rüssel nass. Foto: Hilke Maunder

Nantes gehört zu den wenigen Städten Frankreichs, deren Stadtkern eine mittelalterliche Altstadt mit einer „Neustadt“ aus dem späten 18. Jahrhundert vereint. Meine Tipps für ein erlebnisreiches Wochenende in der Loire-Metropole findet ihr hier.

Die reichen Reeder und Kaufleute der Hafen- und Handelsstadt bauten ihre Villen, „Folies Nantaises“ genannt, vorwiegend entlang der idyllischen Erdre.

Ausflugsfluss von Nantes: Die Erde mit dem Château de la Gascherie. Foto: Hilke Maunder

Die Loire indes überrascht mit spannungsreichen Kontrasten: Ganz natürlich, ohne Schleuse oder Staudämme reguliert, fließt sie behäbig und dem Meer zu und gibt im Einfluss der Tiden ihre Sandbänke in immer neuen Ansichten frei.

Und seit dem Kunstprojekt L’Estuaire immer wieder auch überraschende und außergewöhnliche Kunst, die am Ufer zu finden ist. Und manchmal auch mitten in der Loire!

TrentemoultL die Kunstinstallation „Le Pendule“ von Roman Signer, errichtet anlässlich der Estuaire 2009. Foto: Hilke Maunder
La Maison dans la Loire bei Couëron. Foto; Hilke Maunder

Industrie vs. Idylle

Am Unterlauf der Loire bei Cordemais.Foto: Hilke Maunder

Dann wieder säumen Industrieanlagen und Kraftwerke ihre Ufer. Der Kontrast kulminiert an der Mündung. Elegant schwingt sich der Pont St-Nazaire über den breiten Strom. Sie gibt den Blick frei auf Öltanks, Hafenanlagen – und dutzende hölzerne Fischerhütten auf Stelzen, mit denen seit Jahrhunderten junge Lachse aus dem Fluss gezogen werden.

St-Brévin-de-Pins: Fischerhütten an der Loire-Mündung. Foto: Hilke Maunder

Wilde Schönheit

Wilde Schön­heit Loire – Frank­reichs längs­ter Strom“: Unter diesem Motto stellten Dennis Wilms und Birgit König in ihrer Sendung Planet Wissen am 28. März 2012 den letzten Wildfluss Mitteleuropas vor, der sich noch ohne Kanalisierung sein Bett selbst graben darf.

Wie Umweltschützer die einmalige Naturlandschaft der Loire bewahrten, erzählte im Studio 4 des SWR Prof. Dr. Emil Dister vom WWF-Aueninstitut in Karlsruhe.

Als Expertin für das Tal der Könige, heute ein UNESCO-Welterbe von 280 km Länge, wurde ich zur Aufzeichnung von Planet Wissen nach Baden-Baden eingeladen. Die Sendung war ein Erlebnis. Die Rückfahrt per Bahn auch. Bei Hanau blieb der ICE wegen Triebkopfschaden liegen. Mitten in der Nacht brachten Sammeltaxen uns nach Hause. In Hamburg kam ich am frühen Morgen an…

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Auch Krystel Druais vom Bistrot du Paradis am Ufer der Loire ist in dem Buch zum Kunstprojekt Estuaire vorgestellt. Foto: Hilke Maunder

Zur Einstimmung: Marco Polo Frankreichs Flüsse*

Seine, Loire, Rhône und Saône heißt das Quartett, das Flusskreuzfahrer träumen lässt. Die schönsten Erlebnisse und Zielorte habe ich – gemeinsam mit anderen Autoren – im Marco Polo Frankreichs Flüssevorgestellt. Natürlich kommen neben Aktiv- und Ausflugstipps auch die kulinarischen Hinweise nicht zur kurz.

How to cruise verrät euch, was ihr bei einer Kreuzfahrt alles beachten sollten. Dazu noch praktische Tipps und Karten: So seid ihr kompakt informiert. Oder lasst euch einfach inspirieren.

Wer mag, kann den Reiseführer hier* bestellen.

Das ganze Land: MARCO POLO Frankreich*

MARCO POLO Frankreich: praktisch und kompakt, bearbeitet von Hilke Maunder.Einfach aus dem Besten auswählen und Neues ausprobieren, ist das Motto der Marco Polo-Reiseführer. Den MARCO POLO Frankreichhabe ich gemeinsam mit Barbara Markert verfasst. Gleich zu Beginn geben wir unsere Insider-Tipps für Frankreich preis: vom größten Flohmarkt Europas in Lille bis zur Schwimmen in der Piscine Olympique in Montpellier.

Das Kapitel „Im Trend“ verrät, was es Neues zu erleben gibt im Hexagon: vom Skijöring in den Skigebieten bis zum Übernachten im Baumhaushotel. Alle Hintergrundinformationen zu Frankreich und seinen Menschen findet ihr unter Fakten, Menschen & News. Es folgen: Tipps für Bars und Boutiquen, Erlebnissen für Familien, Paare oder Alleinreisende.Wer mag, kann ihn hier direkt bestellen.

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2 Kommentare

  1. Ganz in der Nähe des Mont Gerbier du Jonc gibt es eine Auberge namens Bachasson. Diese Auberge ist an Gemütlichkeit und Urigkeit kaum zu übertreffen. Das Essen ist phantastisch, alle Produkte aus eigener Herstellung. Man kann diese auch im kleinen Hofladen in der Auberge kaufen. Wirklich sehr empfehlenswert !

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