Piment d’Espelette – Frankreichs schärfster Chili

Espelette, die Heimat des Piment. Foto; Hike Maunder
Seit der Anerkennung des Piment d'Aspelette als AOC boomt das Dorf touristisch. Foto: Hilke Maunder

Ein kleines Dörfchen im Baskenland, nahe an der spanische Grenze in den Pyrenäen versteckt, sorgt für Feuer auf der Zunge. Espelette ist die Heimat der aromatischen Chili-Sorte Capsicum annum L. var. Gorria.

Ein Piment d’Espelette-Feld kurz vor der Ernte im Oktober. Foto: Hilke Maunder

Die scharfe Schote der Basken

Sie ist milder als Cayennepfeffer, aber schärfer und aromatischer als herkömmliches Paprikapulver. Angebaut wird sie auf lehmigen Böden rund um die Ort. Im August beginnt die Ernte – und dauert bis in den Oktober.

Danach werden die roten Schoten  getrocknet. Auf dem Lande heißt das: ab auf einfache, luftige Holzgestelle, die Gewächshäuser aus Plastik vor Wind und Wetter schützen. Während der Trockenzeit werden die Schoten regelmäßig gewendet. An den Häuserwänden übernimmt diesen Job der Wind.

So wird der Piment d’Espelette auf Holzregalen getrocknet. Foto: Hilke Maunder

Zu Tausenden hängen die Schoten, aufgereiht auf langen Schnüren, zum Trocknen leuchtend rot vor weiß gekalkten Häuserwänden. Waren es früher tatsächlich nur die Bauern und Produzenten, die die Schoten vor die Hauswand hängten, gehört ihr Anblick heute zum Tourismusmarketing des boomenden Dorfes.

Piment ist hübsch, ein echter Hingucker, passt gut zum roten Holz der baskischen Häuser. Und hängt so auch bei der Post. Und schmückt die Wände des Bauhofs.

„Feuer“ auf den Fassaden

Besser bekannt als Piment d’Espelette, peppt der fruchtig-scharfe Chili mit seiner leicht rauchigen Note nicht nur baskische Fisch- und Fleischgerichte auf. Besonders gerne wandert es ins Axoa (Aussprache: Atchoa). Der Name verrät, wie es zubereitet wird. Axoa heißt „gehackt“, und dazu wird meist Kalbfleisch genommen. Und natürlich wandert der Piment d’Espelette in die Tripox, die baskische Grützwurst aus Lamm.

Doch damit nicht genug. Längst wandert der Piment auch in Brotaufstriche, in Pürees, fruchtige Konfitüren und pikante wie süße Gelees. Es aromatisiert Salz und Senf, Zwiebeln und Käse. In Öl eingelegt, gehört er zum Aperitif. Und paart sich längst auch mit Süßem und sorgt bei Schokolade und Honig für eine pikante Note.

Und sogar in den Wein wandert der Piment d’Espelette. Alain Darroze kreierte mit dem Pimençon einen Aperitif, der Béarn und Baskenland verbindet. Süßer Weißwein, mit Chilischoten aromatisiert. Heinrich VI. wäre begeistert gewesen!

Herzhafter Schafskäse erhält durch den Piment d’Espelette eine pikante Note. Foto: Hilke Maunder

Migrant aus Mexiko

Ein Seemann, der einst Kolumbus auf seinen Fahrten begleitet hatte, brachte die ersten Chili-Pflanzen aus Mexiko ins Baskenland. Ab 1650 begann der kommerzielle Anbau. Zunächst mixten Chocolatiers aus Bayonne die scharfen Schoten in ihre Schokolade. Montezumas scharfer Kakaotrunk war damals äußerst populär. Mehr zur Schokoladentradition und -gegenwart im Baskenland erfahrt ihr hier.

Nicht nur als Gewürz, sondern auch als Konservierungsmittel für Fleisch und Fisch fand der Piment d’Espelette zunehmend Verwendung. Zunehmend ersetzte er den damas immer teuerer werdenden Pfeffer. Und sogar in der Medizin fand der Piment d’Espelette Eingang.

Die Piment d’Espelette-Felder von Cambo-les-Bains bewässert die Nive. Foto: Hilke Maunder

Gesunde Schote

Piment d’Espelette schmeckt – und ist gesund. Die Schote enthält in großen Menschen die Vitamine A. C, E, K sowie die Mineralien Eisen, Kupfer, Mangan, Magnesium und Kalium. Doch das Beste für den Körper ist der hohe Anteil von Capsaicin. Diese Substanz ist es, die für Schärfe sorgt – und im Körper einiges bewegt. Es erhöht das Sättigungsgefühl und den Stoffwechsel, wirkt verdauungsfördernd, schweißtreibend und antibakteriell.

Studien in vitro und am Tiermodell haben zudem ergeben, dass das Capsaicin und die anderen Flavonoiden des Piment d’Espelette potenzielle krebshemmende Eigenschaften bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen bergen.

Geschützte Spezialität

Im Jahr 2000 hat das INAO (Institut National des Appellations d’Origine) den AOC Piment d’Espelette Espeletako Biperra offiziell anerkannt. In Zuge der europäischen Angleichungen wandelte sich die Herkunftsbezeichnung AOC im Mai 2009 zu AOP. Der Piment d’Espelette ist damit Frankreichs einziges Gewürz mit dieser Auszeichnung.

Selbst die Post schmückt der Piment d’Espelette. Foto: Hilke Maunder

Neun Dörfer, ein Chili

Sein Anbaugebiet umfasst neben Espelette neun Nachbardörfer. Dazu gehören neben dem ebenfalls sehr malerischen Aïnhoa die Orte Halsou, Itxassou, Jatxou, Larressore, Saint-Pée-sur-Nivelle, Souraïde und Ustaritz mit rund 130 Produzenten.

Und Cambo-les-Bains, ein kleines Kurbad, das zugleich die Heimat des Gâteau Basque ist. Und der Villa Arnaga, in der Edmond Rostand seinen berühmten Cyrano de Bergerac verfasst hat.

Das Chili-Fest

Gemeinsam feiern die neun Dörfer mit der Confrérie du Piment die jährliche Ernte mit der farbenfrohen Fête du Piment in Espelette. Sie findet alljährlich am  letzten Wochenende im Oktober dort statt – am Sonnabend mit Bandas und Verkaufsständen in den Straßen, am Sonntag mit Segnung des Chilis in der Kirche.

Dann könnt ihr die lokale Spezialität Axoa auch auf der Hand genießen. Dann füllen die Händler an ihren mobilen Imbissen die Piment-gewürzte Fleischpfanne in ein aufgeschnittenes Baguette. Voilà das Hot Dog Basque!

Die Pfarrkirche von Espelette. Foto: Hilke Maunder

Was für ein Wandel!

2004 war Espelette noch ein typisches Bauerndorf im Baskenland – mit Schlachter, Bäcker, Kaufmannsladen und Kneipe. Der Tag begann früh und endete ebenso früh. Hände, Körper und Gesichter waren von harter Arbeit gekennzeichnet.

2004 mit Piment-Bauern im Speisesaal des Hotels Euzkadi. Foto: Hilke Maunder

15 Jahre später reibe ich mir erstaunt die Augen. Das Dorfzentrum ist nahezu verkehrsberuhigt; ein Großparkplatz nimmt die Busse der Tagestouristen auf. Transparente, zwischen die Häuser gespannt, stellen die Piment-Produzenten vor.

Die wenigen einfachen Läden sind einer Vielzahl von Boutiquen gewichen, die die rote Schote in allen Varianten deklinieren: als Puder, getrocknet, frisch am Strang. Im Käse, in der Wurst, auf dem Schinken.

Piment d’Espelette: Christophe Puyodebat packt ihn auch in die Schokolade. Foto: Hilke Maunder

In der Schokolade, in Bonbons, auf T-Shirts, Schürzen und Mützen. Piment d’Espelette ist Big Business, und das Dorf eine Inszenierung. Schön anzusehen wie eine Kulisse im Kino. Die Kameras klicken. Japaner und Chinesen sind begeistert.

Beim G7-Gipfel in Biarritz gehörte Espelette zum Damenprogramm. Während die sieben führenden Staats- und Regierungschefs der Welt am runden Tisch tagten, führte Première Dame Brigitte Macron im roten Kleid mit einem Körbchen roter Schoten die anderen Ehefrauen der G7-Teilnehmer medienwirksam durch das Dorf. Seitdem kommen noch mehr Busse, noch mehr Touristen.

Ich reise weiter. Ainhoa, Sare. Auch sie gehören zu den schönsten Dörfern von Frankreich. Auch sie setzen auf Wachstum mit Tourismus. Doch außerhalb der Hochsaison ist dort auch noch mehr vom echten baskischen Leben zu spüren.

Das Geld fehlt: Für die Restaurierung des Burgschlosses sucht Espelette finanzkräftige Mäzene. Foto: Hilke Maunder

Piment d’Espelette: meine Reise-Infos

Syndicat du Piment d’Espelette, Maison Napurrak, 455, Irazabaleko bidea, 64250 Espelette, Tel. 05 59 93 88 86, www.pimentdespelette.com

Produzenten-Übersicht: http://www.producteurs-pays-basque.com

Schlafen und schlemmen

Hôtel Chilhar

Charlotte und Bernard betreiben im Ortszentrum in einer recht ruhigen Seitenstraße ein modernes, kunst- und designliebendes Boutiquehotel, das mich besonders von der Küche her begeistert hat. Die Zimmer sind kompakt und sauber, aber schon arg eng mitunter. Ein Schreibtisch fehlt bei mir, wodurch ich auf dem Bett arbeiten musste.

Auch war das Waschbecken direkt im Zimmer, die Dusche samt WC als Nasszelle in den niedrigen Raum integriert. Kurzum: die Zimmer schlichte Kammern für eine ruhige Nacht, die Küche, die Gastgeber und ihre Mitarbeiter hingegen herausragend. Zum öffentlichen Großparkplatz sind es rund 500 m, vor dem Haus gibt es keine Stellplätze.
• 25, Xilarreneko Karrika, 64250 Espelette, Tel. 05 59 42 89 01, www.hotel-chilhar.com

Das Hôtel Le Chilhar mit seiner kleinen Terrasse zur Straße. Foto: Hilke Maunder

Hôtel Euzkadi

Einfaches Landhotel mit 27 geräumigen, aber leider recht hellhörigen Zimmern. Bäder und Zimmer sind modern. Hotelparkplätze gibt es auf der Rückseite des Hotels. Einige Gäste kritisierten den schlechten Internet-Zugang und die komplizierte Bedienung der Heizung. Die rustikale Küche ist tief im Baskenland verwurzelt.
• 285 Karrika Nagusia, 64250 Espelette, Tel. 05 59 93 91 88, www.hotel-restaurant-euzkadi.com

Auch das Hôtel Euzkadi ist mit Piment d’Espelette geschmückt. Foto: Hilke Maunder

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Im Blog

Fottok Feria

In Espelette werden nicht nur scharfe Schoten angebaut, sondern auch sehr robuste Pferde gezüchtet und im Winter verkauft. Die Pottok Feria habe ich euch hier vorgestellt.

Gâteau Basque

Mitten im Anbaugebiet des Piment d’Espelette liegt Cambo-les-Bains, das alljährlich den Kuchen der Basken groß feiert. Mehr zum Gâteau Basque erfahrt ihr hier.

Im Reiseführer

Der freie Reisejournalist Marcus X. Schmid hat für alle, die gerne auf eigene Faust unterwegs sind, den besten Reisebegleiter verfasst: sachlich, mit viel Hintergrund, Insiderwissen und Tipps, und doch mitunter sehr unterhaltsam und humorvoll. Ich kann ich aus ganzem Herzen empfehlen – denn auch in diesem Band zu Südwestfrankreich sind tolle Tipps enthalten. Auch kritische Anmerkungen fehlen nicht. Kurzum: eine Reiseführer, der grundehrlich das Reisegebiet vorstellt – ohne versteckte Promotions.

Der gebürtige Schweizer, Jahrgang 1950, hat in Basel, Erlangen und im damaligen Westberlin Germanistik, Komparatistik und Politologie studiert und lebt heute als Autor und Übersetzer in der französischsprachigen Schweiz. Ebenfalls im Michael-Müller-Verlag sind von Schmid die Reiseführer „Bretagne“ „Südfrankreich“ und „Korsika“ erschienen. Wer mag, kann ihn hier* direkt bestellen.

MARCO POLO Frankreich: praktisch und kompakt, bearbeitet von Hilke Maunder.Das ganze Land

Einfach aus dem Besten auswählen und Neues ausprobieren, ist das Motto der Marco Polo-Reiseführer. Den MARCO POLO Frankreich* habe ich gemeinsam mit Barbara Markert verfasst. Gleich zu Beginn geben wir unsere Insider-Tipps für Frankreich preis: vom größten Flohmarkt Europas in Lille bis zur Schwimmen in der Piscine Olympique in Montpellier.

Das Kapitel „Im Trend“ verrät, was es Neues zu erleben gibt im Hexagon: vom Skijöring in den Skigebieten bis zum Übernachten im Baumhaushotel. Alle Hintergrundinformationen zu Frankreich und seinen Menschen findet ihr unter Fakten, Menschen & News.

Es folgen: Tipps für Bars und Boutiquen, Erlebnissen für  Familien, Paare oder Alleinreisende. Wer mag, kann ihn hier* direkt bestellen.

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Aufgereiht: feuerroter Piment d’Espelette. Foto: Hilke Maunder
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5 Kommentare

  1. Ich war 2017 in Espelette & zwar bereits am Freitag . Da geht es noch wesentlich ruhiger zu & gemütlicher. Am Samstag dann für 1 Euro mit dem Bus nach Bayonne um dem Massenandrang zu entfliehen. Sonntag Morgen in die Kirche wo der Piment gesegnet wird , ein besonderes Erlebnis.
    Im Touristoffice kostenlos WLAN. Sehr nettes & hilfsbereites Personal. Ausstellung über den Pfarrer aus Espelette, der in China den Panda entdeckt hat. Für uns, die wir 21 Jahre in Asien gelebt habe sehr amüsant. Ich würde Espelette jederzeit wieder besuchen.
    Liebe Grüsse Claudia ( Sigean )

    • Hallo Claudia, danke für den Kommentar und Deinen Tipp zum kostenlosen WLAN. Und der Pfarrer mit dem Panda ist eine so tolle Geschichte – die muss ich beim nächsten Besuch gleich mal recherchieren! Merci! Liebe Grüße! Hilke

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  1. Kein Kuhhandel: die Pottoka Feria - Mein Frankreich

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