So viel Frankreich steckt in … Hamburg

Blick auf Hamburg mit den Landungsbrücken. Foto: Hilke Maunder
Blick auf Hamburg mit den Landungsbrücken. Foto: Hilke Maunder

Quelle merde ! Auch dieser Versuch, das Croissant für die Soldaten der Truppen Napoléons nachzubacken, war gründlich daneben gegangen. Trotz des richtigen Rezeptes geriet der Plunderteig wieder einmal sehr nordisch. Nicht pludrig und luftig, sondern buttrig schwer.

Wütend schlug der Bäcker mit der Hand auf das missratene Backwerk. Um das Unglück zu kaschieren, bestreute er es mit einer Zucker-Zimt-Mischung: Voilà, das Franzbrötchen war geboren.

Ob’s stimmt? Eine schöne Legende ist es allemal. Und äußerst lecker überdies. 1806-1814 gehörte Hamburg als bonne ville de l’Empire français im Département des Bouches de l’Elbe zu Frankreich. Doch die Beziehungen reichen viel weiter zurück als die Hamburger „Franzosenzeit“.

Der süffige Hamburger Rotspon

Bereits im 13. Jahrhundert brachten Hansekoggen junge Bordeauxweine von der Atlantikküste an die Elbe. Von der Seereise erholte sich der Wein im Oxen-Fass in Hamburgs Kellern. Dieser Rotspon mundete auch den napoleonischen Truppen im Norden viel besser als das Hamburger Bier.

Heute wäre Napoleon begeistert über das Angebot französischer Weine in Hamburg. Neben alteingesessenen Weinhäusern wie Cord Stehr und Gröhl mit ausgezeichnetem Sortiment französischer Tropfen ist mit Sébastien Visentin von Vin sur Vin auch einer der besten Großhändler für französische Weine in Hamburg ansässig – samt Ladengeschäft an der Große Elbstraße, wo bei Passion Vin auch themenbezogene Seminare zu französischen Weinen stattfinden. Kult ist längst auch Der Franzose, der Weinladen von Axel Tauris in Hamburg-Schnelsen

Hamburgs Hugenotten

Nachdem Ludwig XIV. das Toleranzedikt von Nantes widerrufen hatte, waren ab 1685 viele Hugenotten nach Hamburg geflüchtet. Unter ihnen war 1737 auch Charles Sarry, der mit der Loge d’Hambourg die Freimauerei in Hamburg begründete.

Hugenotten haben die Hansestadt an Alter, Elbe und Bille Jahrhunderte lang geprägt: Alexis de Chateauneuf gestaltete ab 1842 das Herz Hamburgs rund um die Kleine Alster. Chérie Maurice gründete 1843 das Thalia Theater.

Hamburger Rotspon
Hamburger Rotspon. Foto: mit freundlicher Genehmigung von florian@librito.de

Französische Lebenslust an der Elbe

1799 brachte der emigrierte Adlige Augustin Lancelot de Quatre Barbes einen Hauch von Paris an die Alster und eröffnete den Alsterpavillon, bis heute eines der beliebtesten Lokale an der Binnenalster.

Der vor den Schergen der Französischen Revolution geflohene Oberst Rainville gründete an der Elbe die Rainville-Terrasse, wo tout Hambourg tanzte, ein anderer Emigrant eröffnete das Hotel.

Der Alsterpavillon in Hamburg um 1905
Der Alsterpavillon in Hamburg um 1905

Am 30. Mai 1814 endete die Franzosenzeit in Hamburg, die viele Hamburger als Schreckenszeit erleben. Als Hammonia 1842 brannte, ein Drittel der Stadt Opfer der Flammen wurde, war es Frankreich, das half – vor allem Paris und Marseille.

Die Alte Post von Alexis de Chateaubriand in Hamburg
Die Alte Post von Alexis de Chateauneuf in Hamburg.

Das Hamburger Franzosen-Spottlied

Während der Hamburger Franzosenzeit entstand dieses Volkslied, das bis heute jedes Kind dort kennt.

Jan Hinnerk wahnt up de Lammer-Lammerstraat,
kann maken wat he will, swich man jümmer jümmer still.

Un da maakt he sick een Geigeken, Geigeken pardautz.
Vigolin, Vigolin sä dat Geigeken,
Vigolin, Vigolin sä dat Geigeken.
Un Vigo-Vigolin, un Vigo-Vigolin,
un sin Deern, de heet Katrin.

Un dorbi wahnt he noch jümmer op de Lammer-Lammerstraat,
kann maken wat he will, swich man jümmer jümmer still.

Un da makt he sick en Hollandsmann, Hollandsmann pardautz.
Gottsverdori, Gottsverdori! sä de Hollandsmann,
Vigolin, Vigolin sä dat Geigeken.
Un Vigo-Vigolin, un Vigo-Vigolin,
un sin Deern, de heet Katrin.

Un dorbi wahnt he noch jümmer op de Lammer-Lammerstraat,
kann maken wat he will, swich man jümmer jümmer still.

Un dor makt he sick en Engelsmann, Engelsmann pardautz.
Damn your eyes, Damn your eyes, sä de Engelsmann,
Gottsverdori, Gottsverdori! sä de Hollandsmann.
Vigolin, Vigolin, sä dat Geigeken.
Un Vigo-Vigolin, un Vigo-Vigolin,
un sin Deern, de heet Katrin.

Un dorbi wahnt he noch jümmer op de Lammer-Lammerstraat,
kann maken wat he will, swich man jümmer jümmer still.

Un dor makt he sick en Spanischmann, Spanischmann pardautz.
Caramba, Caramba! sä de Spanischmann,
Damn your eyes, Damn your eyes, sä de Engelsmann.
Gottsverdori, Gottsverdori! sä de Hollandsmann,
Vigolin, Vigolin, sä dat Geigeken.
Un Vigo-Vigolin, un Vigo-Vigolin,
un sin Deern, de heet Katrin.

Un dorbi wahnt he noch jümmer op de Lammer-Lammerstraat,
kann maken wat he will, swich man jümmer jümmer still.

Un dor makt he sick en Hanseat, Hanseat pardautz.
Sla em dot, sla em dot, sä de Hanseat,
Caramba, Caramba! sä de Spanischmann.
Damn your eyes, Damn your eyes, sä de Engelsmann,
Gottsverdori, Gottsverdori! sä de Hollandsmann.
Vigolin, Vigolin, sä dat Geigeken,
Un Vigo-Vigolin, un Vigo-Vigolin,
un sin Deern, de heet Katrin.

Un dorbi wahnt he noch jümmer op de Lammer-Lammerstraat,
kann maken wat he will, swich man jümmer jümmer still.

Un dor makt he sick en Wickelkind, Wickelkind pardautz.
Schiet di wat, schiet die wat, sä dat Wickelkind,
Sla em dot, sla em dot, sä de Hanseat.
Caramba, Caramba! sä de Spanischmann,
Damn your eyes, Damn your eyes, sä de Engelsmann.
Gottsverdori, Gottsverdori! sä de Hollandsmann,
Vigolin, Vigolin, sä dat Geigeken.
Un Vigo-Vigolin, un Vigo-Vigolin,
un sin Deern, de heet Katrin.

Un dorbi wahnt he noch jümmer op de Lammer-Lammerstraat,
kann maken wat he will, swich man jümmer jümmer still.

Un dor makt he sick Napoleon, Napoleon pardautz.
Ick bün Kaiser, ick bün Kaiser, sä Napoleon,
Schiet di wat, schiet die wat, sä dat Wickelkind.
Sla em dot, sla em dot, sä de Hanseat,
Caramba, Caramba! sä de Spanischmann.
Damn your eyes, Damn your eyes, sä de Engelsmann,
Gottsverdori, Gottsverdori! sä de Hollandsmann.
Vigolin, Vigolin, sä dat Geigeken.
Un Vigo-Vigolin, un Vigo-Vigolin,
un sin Deern, de heet Katrin.

Spiegel der Zensur

Während der Hamburger Franzosenzeit gab es keine Rede- und Meinungsfreiheit. So taten die Hamburger ihren Unmut durch die Blume kund. Jan Hinnerk ist der Codename für Gott, im Hebraischen JHWH.  Aus dem Himmel, der Lammerstraat mit ihren Schäfchen, blickt er auf das irdische Treiben.

Als allmächtiger Gott macht er sich zuerst ein kleines Geigeken, Sprachrohr des Verfassers des Liedes. Danach formte er jeweils einen Vertreter der Kriegsparteiern der Koaliationskriege, Holland, England, Spanien. Gott machte sich dann auch noch Napoleon, Kaiser der Franzosen und Besatzer. Und einen Hanseaten.

Er spricht aus, was die Hamburger während der harten und unmenschlichen Besatzungszeit dachten: Schlagt ihn tot! Seine Deern, sprich Partnerin, ist dabei Katharina. Die Sankt-Katharinen-Kirche am Hafenrand war damals die einzige der Hamburger Hauptkirchen, in der damals noch Gottesdienste gehalten werden durften. Aber: Nicht verraten! Swieg man jümmer, jümmer still!

Festival der Freundschaft

1958 schlossen die beiden Hafenstädte Hamburg und Marseille einen Partnerschaftsvertrag. 2018 feierten Marseille und Hamburg den 60. Geburtstag ihrer Freundschaft ein ganzes Jahr.

arabesquesDen Auftakt machte das Festival arabesques, das damals als Motto „Gegenwelten – repenser le monde “ gewählt hatte. Alljährlich am Tag der deutsch-französischen Freundschaft, dem 22. Januar, wird es eröffnet.

Seit 2011 feiert es fünf Wochen lang die vielen Facetten der deutsch-französische Kultur in der Metropolregion Hamburg. Mit dabei ist stets das von Nicolas Thiébaud gegründete Ensemble arabesques.

Frankreich ist auch immer wieder Partnerland des Reeperbahn Festivals. Alljährlich im September präsentiert dann What the France auf Europas größtem Clubfestival Bands und Solokünstler aus Frankreich.

Ensemble arabesques. Foto: Daniel Hacker

Der Hamburger Schnack

Das Französische hat in Hamburg bis heute viele Bereiche durchdrungen. Die hanseatische Lebensart schätzt die Eleganz der Franzosen; in den besseren Kreisen spricht man Hausangestellte mit Vornamen und Sie an.

Die berühmte Hamburger „Schnauze“ hat viele Redewendungen und Ausdrücke aus dem Französischen verballhornt und in ihr Missingsch integriert.

Auf dem „Auf dem Kiwiw sein“, der typisch Hamburger Ausdruck für „aufpassen“, geht zurück auf die Frage der Wachsoldaten: „Qui vive – wer da?“. Zur Franzosenzeit sollen die Soldaten die schönen Hamburgerinnen in ihr Zelt eingeladen haben: Voulez-vous visiter ma tente ? Erschrocken hätten die Eltern ihre Mädchen ermahnt, keine „Fise ma tenten“, sprich, keinen Unsinn zu machen.

„Mit Zisslaweng“, mit viel Schwung, wie der Wind, entstand diese Redensart aus „Entre la zist et le vent“. Doch ist der Kaffee eine Plörre, und damit so dünn wie in der Besatzungszeit, kann man nur pleurer, weinen.Und wer hätte geahnt, dass auch „Ätschibätsch“ aus dem „Vous êtes si bête“ entstanden ist?

Die Nanas von Hamburg

Nicht nur in Hannover, auch in Hamburg hat Niki de Saint Phalle ihre prallen Nanas hinterlassen.  Auf der Freifläche vor den Musicaltheatern von Stage Entertainment im Hamburger Hafen findet ihr die Blue Nana von Niki de Saint Phalle. Die Skulptur gehört Joop van den Ende, dem Gründer von Stage Entertainment.

Weniger gut erhalten ist der Nana-Brunnen vor der Psychiatrie im Asklepios-Klinikum Harburg. Als er installiert wurde, plätscherte aus den acht Brüsten der vier badenden Nanas Wasser in den gemeinsamen Schoß. Knallbunt saßen die Badenden einst auf tiefblauem Untergrund.

Doch heute leidet die einst große Kunst. Bereits für die Drucke der Skizzen des Brunnes hatten Kunstkäufer einst mehrere Tausend Euro bei Auktionen hingelegt. Der eigentliche Brunnen dürfte – restauriert – viel mehr wert sein. Doch bislang hat sich noch niemand für seine Rettung gefunden.

Schlemmen à la française

Die französische Lebensart lässt sich bis heute in Hamburg genießen. Besonders in der Küche. Dutzende Restaurants huldigen der französischen Kochkunst – von der Haute Cuisine über die Bistroküche bis zur cuisine du terroir.

Stellvertretend für die riesige Auswahl in der Hansestadt sind meine persönlichen Lieblingsadressen genannt. Allen voran das Plat du Jour, das französische Bistro von Jacques Lemercier, in der Hamburger Neustadt, das leider in letzter Zeit etwas nachgelassen hat.

Als bester Franzose  galt die legendäre Brasserie La Provence in der Eulenstraße in Altona. Doch Ende März 2022 war für  Boris Krivec und Mitinhaber Stephan Hippe nach 17 Jahren in Hamburg Schluss.

Crêpes und Kunst

In einem hellen Kaufmannshaus von 1700 mit schwimmender Pontonterrasse entführt in Hamburger Deichstraße das Ti Breizh mit crêpes und galettes in die Bretagne. Zum wahren Haus der Bretagne wird die Crêperie durch die Boutique de la Mer, die Streifenpullis und Meersalz aus der Bretagne verkauft.

Mit Pti Breizh gibt es jetzt im Karoviertel einen Ableger. Im kleinen Haus der Bretagne zeigt AC Bauer in einer  Dauerausstellung Schwarzweiß-Fotos zu Menschen der Bretagne, die er Ende der 1970er-Jahre aufgenommen hatte.

Wunderschön ist auch das Café Paris in einer ehemaligen Schlachterei in der Nähe vom Rathausmarkt. Am Hafen verströmt das  Café-Bistro Liberté auf dem HADAG-Anleger an der Fischauktionshalle frankophile Lebensart.

Éclairhaus Hamburg
Die Webseite des Éclairhaus Hamburg ist äußerst verführerisch.

Le bonheur im Café

Geradezu explosiert ist die Zahl der französischen oder frankophilen Cafés in Hamburg in den letzten Jahren – besonders in Eppendorf, Eimsbüttel und Ottensen wie auch am Ostufer der Alster in Winterhude, Alsterdorf und auf der Uhlenhorst.

Meine ganz persönliche Lieblingsadresse ist das Par Ici!  das inzwischen drei Standorte hat: an der Rothenbaumchaussee 189 und am Eppendorfer Weg 105 eine Backstube mit Glasfront, Laden und drei Tischchen unter alten Bäumen und am Leinpfad/Ecke Maria-Louisen-Straße 1 ein angesagtes Café.

Dort schmeckt alles so, als käme es frisch aus Frankreich! Betrieben wird es von Agnès Brinker, und damit von einer Mutter, deren Sohn in der Klasse meiner Tochter am einstigen Lycée Français de Hambourg gewesen war.

Croissants aus Paris

In eine einstige Nur-Hier-Bäckerei gegenüber der U-Bahn-Station Emilienstraße zog 2023 die Boulangerie Maison Émilie. Das Interieur hat die studierte Architektin Julia Nolot entworten: mit Bänken aus Berliner S-Bahnen, Italo-Tresen, Gusssteinboden und Backsteinwand.

Der Industrielook ist charmant – doch nicht wirklich französisch. Für Frankreich ist ihr Ehemann Mathieu zuständig. Der gebürtige Pariser erfüllte sich mit der Bäckerei seinen Traum und bestellt die Teiglinge aller Backwaren in Frankreich. So schmecken Croissant, Pain choc, Tarte und Quiche echt französisch.

Ebenfalls in Eimsbüttel findet ihr das französische Café Délice, das die Portugiesin Fatima da Silva an der Osterstraße betreibt. Ihr Interieur ist mit seinen Bistrotischen und -stühlen typisch französisch. Die köstlichen Croissants liefert Pierre Ouvrard von der Bahrenfelder Backstube La Pâtisserie.

Oh là, là: was für Liebesknochen!

Ein Konditoren-Paar aus Rumänien verzaubert Hamburg mit französischen Liebesknochen. Im Éclairhaus an der Meistermeile Offakamp verführen Anca-Mihaela Matei und Marius Totu mit zwölf Variationen, von Vanille über Haselnuss bis Blaubeer, des mehr als 200 Jahre alten Brandteig-Rezepts. „Éclairs mit einzigartigen Persönlichkeiten“ ist ihr Motto.

Nach den berühmten Liebesknochen ist auch die französische Caféhaus-Kette Éclair au Café, die inzwischen mit acht Standorten in Hamburg vertreten ist und Marketingkooperationen mit bekannten französischen Marken wie Bonne Maman macht.

Foto: Regine Schlegel-Krahnstöver.
Foto: Regine Schlegel-Krahnstöver

Savoir-vivre auf de Markt

Und natürlich fehlt auch französische Lebensart nicht auf dem wohl berühmtesten der vielen Hamburger Wochenmärkte – dem Isemarkt.

Wenn ihr von der U-Bahn-Haltestelle Eppendorfer Baum unter der Hochbahn Richtung Hoheluftchaussee geht, dann kommt auf der rechten Seite der Marktwagen von Délices de France. Eine langes Schlange verrät: Hier gibt es köstliche Terrinen, frische Croissants und eine gute Käseauswahl aus Frankreich.

Foto: Regine Schlegel-Krahnstöver.
Foto: Regine Schlegel-Krahnstöver

Ebenfalls vom Eppendorfer Baum kommend und fast schon an der Hoheluftchaussee findet ihr zur Linken Thierry mit seinem kleinen grünen Wagen.

Thierry hat ein kleines und sehr feines Angebot an Käse, Paté, Oliven und Olivenöl und die besten in Zuckersirup eingelegten Orangen außerhalb Frankreichs. Sie sind ein Gedicht in Desserts oder Lebkuchen!

Wein aus Frankreich

Axel ist "Der Franzose". Foto: Hilke Maunder
Axel ist „Der Franzose“. Foto: Hilke Maunder

Französische Weine gibt es in Hamburg bei fast allen Weinhändlern. Jacques nennt sich ein Franchise-System, das sich auf Weine aus Frankreich spezialisiert hat und vor Ort in vielen Hamburger Stadtteilen zu finden ist. Im Oktober 2012 eröffneten Ines und Axel in Hamburg-Schnelsen an der Heidlohstraße ihren Weinhandel, der für viele Einheimische die beste Adresse für ausgesuchte Weine aus Frankreich zu ehrlichen Preisen ist. Der Franzose nannten sie ihr Geschäft – und setzten mitten zwischen den Wein einen winzigen Boule-Platz.

Der kleine Bouleplatz von "Der Franzose". Foto: Hilke Maunder
Der kleine Bouleplatz von „Der Franzose“. Foto: Hilke Maunder

Vermittler voller Humor: Alfons

Der berühmteste Franzose von der Elbe ist sicherlich der gebürtige Pariser Emmanuel Peterfalvi. Um der französischen Wehrpflicht zu entkommen, war er 1991 nach Deutschlang gegangen und hatte einen Job beim Privatsender „Premiere“ angenommen. Seitdem lebt er in Hamburg und besitzt seit 2017 neben der französischen auch die deutsche Staatsbürgerschaft.

 

Als Kabarettist Alfons setzt er sich  seit Jahrzehnten für die deutsch-französische Völkerverständigung ein. 2021 wurde er für seine „herausragenden Verdienste für die Kultur und Toleranz und Humanität“ mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Lebensart à la française

Das Einrichtungsgeschäft maison f in der Hamburger Poolstraße. Foto: Hilke Maunder
Das Einrichtungsgeschäft maison f in der Hamburger Poolstraße. Foto: Hilke Maunder

Französische Mode und Möbel, Designobjekte und trendige Deko aus Frankreich gibt es an vielen Orten in Hamburg. Zu den schönstenn Geschäften gehört für mich die maison f in der Poolstraße.

Virginie Fuhrmann ist ebenfalls eine gebührtige Französin. Wie ihrer Mutter lag es ihr am Herzen, den französischen Lebensstil und das Flair der Provence nach Hamburg zu bringen.

Viriginie Fuhrmann holt mit La Marmite Provençale die Lebensart Südfrankreichs nach Hamburg Foto: privat
Viriginie Fuhrmann holt mit La Marmite Provençale die Lebensart Südfrankreichs nach Hamburg Foto: privat

Ihre Mutter hatte bereits 30 Jahre lang solch ein Geschäft in Göttingen besessen. Nun hat ihre Tochter ihr Konzept übernommen und  sich damit einen Lebenstraum erfüllt – mit La Marmite Provençale am Erdkampsweg 8 in Fuhlsbüttel – und gut sortiertem Onlineshop.

Auch dekorative Keramik findet ihr bei Virginie Fuhrmann. Foto: Hilke Maunder
Auch dekorative Keramik findet ihr bei Virginie Fuhrmann. Foto: Hilke Maunder

Hamburg & Frankreich: Was für Verbindungen!

Institut Français Hamburg

Seit 1951 fördert das Institut français de Hambourg die deutsch-französischen Beziehungen mit Sprachkursen und Sprachzertifikaten, Kulturveranstaltungen, Beratung und einer gut sortierten Mediathek.

1959/1960 war Michel Foucault Leiter des Instituts und schrieb dort nach dem Tagesgeschäft den Großteil seiner Dissertation, die 1961 unter dem Titel Folie et déraison. Histoire de la folie à l’âge classique (dt. Wahnsinn und Gesellschaft) erschien.

Der Philosoph und Psychologe thematisierte darin die Geschichte des Wahnsinns und geißelt die sozialen Mechanismen bei der Abgrenzung von geistiger Gesundheit und Krankheit. Am 12. Juni 2019 enthüllte der damalige Generalkonsul Laurent Toulouse eine Gedenktafel für Foucault, die seitdem die Fassade des Generalkonsulats und Institut français an der Heimhuder Straße 55 ziert.
https://hamburg.institutfrancais.de

Hamburg: Laurent Toulouse
Der ehemalige Generalkonsul von Hamburg, Laurent Toulouse, enthüllt die Foucault-Gedenktafel. Foto: Hilke Maunder

Bürgeraustausch

Nach 2013 und 2015 fand 2018 der mittlerweile dritten Bürgeraustausch statt – initiiert von der DFG Cluny e.V. und der Maison Allemande Marseille.

Schüleraustausch

Über das Brigitte-Sauzay-Programm des Deutsch-Französischen Jugendwerkes (DFJW) können Schülerinnen und Schüler Hamburger Stadtteilschulen und Gymnasien drei Monate lang rund um Toulouse und Marseille/Aix-en-Provence die Schule besuchen, mit dem Voltaire-Programm des DFJW sogar sechs Monate lang.

Abibac

An den drei bilingualen Gymnasien Osterbek, Othmarschen und Süderelbe sowie am Deutsch-Französischen Gymnasium (bis 2020: Lycée Français de Hambourg / LFH) kann mit dem Abibac gleichzeitig ein französisches und ein deutsches Abitur abgelegt werden.

Club d’Affaires Franco-Allemand (Amicale de Hambourg e.V.)

Wer aktiv im wirtschaftlichen Austausch mit Franzosen steht oder mit ihnen beruflich zu tun hat, findet hier ein Forum für Austausch. Geboten wird ein anspruchsvolles Programm mit Vorträgen zu aktuellen Themen aus Wirtschaft und Politik mit anschließendem gemütlichen Zusammensein oder Dîner. Amicale de Hambourg ist Mitglied des französischen Netzwerkes CAFA, das 20 Businessclubs in beiden Ländern umfasst.
www.cafa-hambourg.de

Cluny e.V (Hamburg)

Seit 1947 fördert die älteste deutsch-französische Gesellschaft von Hamburg aus die bilaterale Freundschaft im Rahmen einer gesamteuropäischen Entwicklung. Cluny veranstaltet Vorträge über Politik, Wirtschaft und Kultur, organisiert Studien- und Austauschfahrten nach Frankreich und die Städtepartnerschaft mit Marseille. Der jährlich vergebene Prix Cluny ehrt herausragende Leistungen Hamburger Schülerinnen und Schüler im Fach Französisch.
https://cluny.de

CoPeCo

Die Hamburger Hochschule für Musik und Theater  und das Conservatoire National Supérieur Musique et Danse de Lyon gründeten vor einigen Jahren einen europaweit einzigartigen Studiengang für zeitgenössische Musikaufführung und -komposition, der heute als Master-Studiengang mittlerweile vier Hochschulen umfasst. Auch die Eesti Muusika- ja Teatriakadeemia in Tallin und die Kungliga Musikhögskolan i Stockholm gehören inzwischen dem Pilotprojekt an.
http://copeco.net

20 Jahre Lycée Français de Hambourg
20 Jahre Lycée Français de Hambourg. Foto: Hilke Maunder

Deutsch-Französisches Gymnasium

Das Deutsch-Französische Gymnasium hat zum Schuljahr 2020/21 erstmals Schülerinnen und Schüler für die bilinguale fünfte Klasse aufgenommen. Die Schule folgt dem bilingualen pädagogischen Konzept der DFGs in Freiburg, Saarbrücken und Buc (Frankreich).

Sie übernimmt damit den Sekundärbereich des Lycée Français de Hambourg Étienne Saint-Exupéry, das 1987 aus dem Zusammenschluss der „Französischen Schule“ und der „Deutsch-Französischen Schule e.V.“ hervorgegangen war.

Am 21. September 2020 legten Hamburgs Erster Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher und die damalige Botschafterin der Französischen Republik in Deutschland, Anne-Marie Descôtes, zusammen mit SBH Schulbau Hamburg und der Behörde für Schule und Berufsbildung den Grundstein für den  Neubau auf dem Struensee-Campus.
https://dfg-lfa.hamburg.de

Français du Monde ADFE Hambourg

Seit 2011 gibt es auch in Hamburg eine Ortsgruppe des gemeinnützigen Vereins Français du Monde – AdFE für Franzosen, die in der Hansestadt leben und arbeiten. Ziel ist neben der Vernetzung und dem Austausch von Infos über Kultur, Politik, Wirtschaft und Soziales in Frankreich, auch eine vertiefte Bindung zum Gastland. Zum Angebot gehören neben der Arbeitsvermittlung auch gemeinsame Brunch-Treffen sowie Sprachkurse für Kinder.
https://francais-du-monde-hambourg.com

Hamburg – Bordeaux

Älter als der Elysée-Vertrag (1963) ist die Unipatenschaft von Hamburg mit Bordeaux, die bereits 1957 begründet wurde.

HamburgAmbassador

Angela Reverdin-Gabriel in Marseille, Katharina Scriba in Paris und Dieter Kästner in Toulouse: Als ehrenamtliche Repräsentanten der Hansestadt in Frankreich engagiert sich das Trio in ihrem jeweiligen persönlichen wie beruflichen Umfeld für den Ausbau der Beziehungen zwischen Frankreich und
https://marketing.hamburg.de/hamburgambassadors.html

Hambourg Accueil

Herzlich willkommen und bienvenue : So begrüßt 1989 der Verein Hambourg Accueil mit seinen Mitgliedern französische Neuankömmlinge in Hamburg  und hilft bei der Integration mit geselligen Treffen, Tanz und viel Kultur. Gesellschaftlicher Höhepunkt im Jahreslauf ist der Bal de l’Amitié Franco-Allemande /Ball der deutsch-französischen Freundschaft im April.
www.hhaccueil.com

Mon Hambourg

Florence Coantic ist Bretonin, stolz auf ihre doppelte Staatsbürgerschaft und ihre beiden Jungs – und Gründerin und Autorin von monhambourg. Ihr beliebter Blog lebt jetzt als Facebook-Seite und auf Instagram weiter.
www.facebook.com/monhambourg

Hamburg – Frankreich: ein paar Fakten & Zahlen

• Frankreich ist vor China, den Niederlanden, Großbritannien und den USA Hamburgs wichtigster Handelspartner. Die Exporte aus Hamburg nach Frankreich erreichen jährlich rund 10,7 Mrd. Euro, die Importe 13,9 Mrd. Euro.

• Fast 1.500 Hamburger Unternehmen stehen in wirtschaftlichen Beziehungen zu Frankreich. 150 davon sind mit Niederlassungen oder Produktionsstätten in Frankreich vertreten oder beteiligen sich an deutsch-französischen Joint-Ventures.

• Zu den wichtigsten französische Firmen  in Hamburg gehört mit  der Compagnie Générale Maritime (CGM) die größte Reederei Frankreichs. Der Kreditversicherer Euler Hermes SA beschäftigt in seiner Hamburger Hauptverwaltung mehr als 1.000 Mitarbeiter.

Bereits seit Beginn der 1980er-Jahre ist JCDecaux, das weltweit größte Unternehmen für Außenwerbung, in Hamburg aktiv. Airbus machte mit drei Fertigungsstätten in der Metropolregion Hamburg zum drittgrößten Standort der Luftfahrt.

• Rund 4000 Franzosen leben in Hamburg

• 89 Erasmus-Programme bestehen zwischen Hamburger Hochschulen und französischen Universitäten.


Wie viel Frankreich steckt in Deutschland? Das verrät euch meine Blogparade. Alle bisherigen Beiträge findet ihr hier.

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20 Jahre Lycée Français de Hambourg
20 Jahre Lycée Français de Hambourg. Foto: Hilke Maunder

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Frankreich in DeutschlandHamburg war einst Hauptstadt eines Départements von Napoleons Kaiserreich. Duisburg bot dem königlichen Musketier d’Artagnan ein Dach über dem Kopf. Dortmund war für ein paar Wochen der Wohnort, an dem der französische Austauschschüler Emmanuel Macron die Deutschen in natura erlebte. Göttingen ist die Stadt, aus der der Soundtrack der deutsch-französischen Versöhnung stammt.

Überall steckt so viel Frankreich in Deutschland. In 26 Berichten von Erkundungen vor Ort beschreibe ich in meinem ersten E-Buch die unzähligen Spuren, die unser französischer Nachbar im Laufe der ereignisreichen, gemeinsamen Geschichte in Deutschland hinterlassen hat. 2021 ist die 2. Auflage erschienen!

E-Book: ISBN 9783752 665604 (14,99 Euro)
Print: ISBN 9783944299235 (25,50 Euro), zu bestellen u.a. hier*.

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25 Kommentare

  1. Noch ein Gruß aus HH,
    ich konnte gerade lesen, dass nur noch 15% der Schüler in Deutschland Französisch lernen.
    Davon dürfte wiederum nur ein Bruchteil nach der Schule „am Ball“ bleiben.
    In den Grenzregionen ist der Anteil gewiss höher.

    Von mir behaupte ich mal, fließend Französisch zu sprechen. Ich fahre grundsätzlich ohne Wörterbuch nach Frankreich. Nachschlagen kann ich ja auch zuhause… Aber ich gebe mir auch nur höchstens 50%. Es ist wie beim Sport: Irgendwann trifft man jemanden, der besser ist.

    Gibt es da Zahlen / Schätzungen?
    Ich vermute im einstelligen Bereich

  2. Liebe Frau Maunder,
    unbedingt muß ich Sie nun endlich auf die in Hamburg einmalige Chocolaterie von Leonie und Corentin hinweisen:feinste Pralinen und umwerfende Schokoladen. Betrieben wird die Chocolaterie seit dem Jahr 2022 von einem sehr jungen deutsch-französischen Paar, nämlich Leonie und Corentin, samt süßer kleiner Tochter und Hund. Ihr Handwerk haben die Beiden in Paris und London gelernt.
    https://www.leoniecorentin.com
    Herzliche Grüße
    Regine

  3. Hallo Hilke, ich kann dir noch das Eclair auf Café empfehlen. Seine Inhaberin war 2008 in Paris, lernte dort richtig französisch zu backen und hat in Hamburg inzwischen mehrere französisch inspirierte Cafés und Boulangeries. Bises! Claire

  4. Liebe Hilke,
    vielen Dank für diesen schönen Überblick. Hier noch zwei Tipps für alle Hamburger, die französische Chansons lieben: „Les Cousins Germains“ (http://www.cousins-germains.de) und „Les Benoîts“ (https://de-de.facebook.com/Lesbenoits) – beides französisch-deutsche Ensembles, die in Hamburg leben und mit Swing und eigenwilligen Kompositionen dem klassischen Chanson einen frischen Anstrich verpassen. Unbedingt zu empfehlen!

    • Liebe Regine,
      ganz lieben Dank für diese beiden tollen Tipps! Les Benoits hatte ich beim Festival arabesques 2017 in Hamburg erlebt. Schön, dass sie immer noch musizieren und auftreten! Bises, Hilke

  5. Bonjour liebe Hilke,
    sehr schöner Artikel und wieder etwas dazugelernt!
    Einer meiner Lieblingsplätze in Hamburg, wenn ich Frankreich vermisse, ist die Brasserie la Provence. Sehr französisch und sehr gemütlich! Naja, deswegen bin ich wohl auch Genuss-Reiseveranstalter geworden …

    • Bonjour, liebe Antje, ganz lieben Dank für diesen Tipp – hab die Brasserie in der Eulenstraße gleich im Web mal angeschaut und auf meine „Das muss ich mal ausprobieren“-Liste gesetzt. Sieht ja richtig schön aus mit den tiefroten Wänden, den Kerzen und der Kunst! Merci für diesen Tipp!

  6. Hallo, wir gehen gerne ins Mirabelle an der Bundesstraße essen. Dort kocht Pierre, ein waschechter Franzose. Wir sind da seit Jahren Stammgäste, und sind jedes Mal begeistert. Und für ein paar Stunden bei jedem Happen im Süden.

    • Im Mirabelle war ich auch schon – richtig lecker! Danke, dass Du mich an diesen französischen Klassiker in Hamburg erinnert hast. Gehört unbedingt zu Frankreich in Hamburg!

  7. Bonjour, ich möchte Sie auf unser neues Hotel hinweisen, das Hort des Savoir-Vivre in Hamburg ist: La Tortue. Als Hamburg, olala, zwischen 1806 und 1814 ein Departement von Paris war, logierte in dem historischen Quartier kein geringerer als Napoleon. Er und die Seinen haben den Hamburgern nicht nur die Inspiration für das Franzbrötchen mitgebracht, nicht nur Chausseen, Bellevues und Palais, sondern auch eine Idee von jenem weltberühmten Savoir-vivre, das unser Haus heute kultiviert. Den Namen TORTUE HAMBURG (franz. „Schildkröte“) hat das Hotel gut gekleideten Dandys in Zeiten Napoleons zu verdanken. Damals flanierten diese Herren auf den Hamburger Prachtmeilen mit Schildkröten an der Leine als Zeichen für den puren Luxus: Zeit zu haben. Ein Tipp für Ihre Leser!

  8. Bonjour Hilke,
    vielen Dank für die vielfältigen und interessanten Tipps und Anregungen zu diesem Thema. Als Hamburgerin kenne ich bereits einige Institutionen, aber das soviel Frankreich in Hamburg steckt, das wusste ich nicht. Das ist klasse, denn wenn das Fernweh Richtung France aufkeimt und die bevorstehende Reise noch ein bisschen hin ist, werde ich die Zeit damit gut in Hamburg überbrücken können. Ich freue mich auf weitere Informationen zu diesem Thema auf deinem Blog. Claudine

  9. Hallo,
    unsere Stadt (Ansbach) hat mit Anglet seit 2018 eine 50 jährige Partnerschaft.
    Unser Verein Angletclub.de ist seit letzten Jahr 30 Jahre tätig, wir hatten 2017 den 22. Weihnachtsmarkt in Anglet.
    Für weitere Fragen einfach melden.
    Mit freundlichen Grüßen.
    Helmut Schmelzer

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