Strand-Perle: Santa-Giulia
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Korsika: Strand-Vergnügen in XXL

Sie versteckt sich am Ende der Bucht hinter gewaltige Granitkolossen, die das Meer glatt poliert hat, und zerfurchten Fabelwesen aus Fels: eine plage insolite, ein Strand, den Einheimische nicht verraten und Urlauber als Geheimtipp nur an Freunde weitergeben. Ein helles Band aus feinstem Sand, das in azurfarbenes Wasser ausläuft. Glasklar ist es … und badewarm bis in den Herbst.

1047 Kilometer lang ist die Küstenlinie von Korsika. Sie birgt so viele Strandperlen, dass auch ihr ganz sicher eure eigene Traumbucht entdeckt! Meist genügt es, auf den Uferstraßen das Fahrzeug zu parken und den schmalen Saumpfaden zur Küste zu folgen.

Ein kleiner Marsch durch die duftende Macchia, und dann steht ihr  wieder an einem der Strände, mit denen Schlagerstars vor mehr als 50 Jahren die Charts stürmten.

Der Strand von Ajaccio unterhalb der Zitadelle. Foto: Hilke Maunder
Selbst die Hauptstadt Ajaccio hat einen kleinen Strand in der City – unterhalb der Zitadelle. Foto: Hilke Maunder

Rote Felsen, goldener Sand…

1962 war Nana Mouskouri „Am Strand von Korsika“. 1972 träumte Mireille Mathieu von einem kernigen Korsen am sandigen Gestade. Heute inspiriert die Küste eher Krimiautoren. Jean Renard alias Hans Fuchs und Michel Bussi sorgen mit ihren Korsika-Krimis für reichlich Spannung beim Sonnenbaden!

Rote Porphyrklippen? Endlos-Strände? Oder lieber verschwiegene Buchen? Korsika bietet eine ungeheure Vielfalt an Strandvergnügen. Und fast immer unverbaut. Die Korsen legen großen Wert darauf, dass die Natur erhalten bleibt. 80 Kilometer lang ist das Sandband der Ostküste, das zwischen Bastia und Aléria mit familienfreundlichen Stränden wie die Plage de Cannelle flach ins Meer fällt. Sanft und ruhig, wie fast immer an der Ostküste.

An der Südküste hat das Meer tiefe Buchten ins Land geschlagen, kleine idyllische Fjorde mit winzigen, vorgelagerten Inseln, vor denen gerne Segler ankern. Noch dramatischer zeigt sich die Westküste, wo der Wind gerne die See bis zum Grund aufwühlt. Dann warten Surfer auf die perfekte Welle.

Im Schatten des Genueserturmes: der Strand von Belvédère-Campomoro. Foto: Hilke Maunder
Strandperlen auf Korsika: Belvédère-Campomoro. Foto: Hilke Maunder

Strand-Perlen …rundum!

Bei sanfter Brise lockt Buchten-Hopping in Calvi, Girolata, Valinco, Porto, Ajaccio und besonders rund um Sagone. Schnorcheln am Capu Rossu, der südlichen Felsnase des Golfe de Sagone, Strandlaufen an der seichten, weiten Bucht der Plage d’Arone, Schlemmen an der Plage de Péru mit den Zehen im Sand und den Genueserturm im Blick. Oder ganz einsam chillen und sonnenbaden in der einsamen Sandbucht der Plage de Capizollu?

Ganz hoch im Norden der Insel findet ihr die einzige schwarze Schönheit der Île de la Beautè. Hohe Felsen umrahmen dort den dunklen Sandstrand von Nonza am Cap Corse. Er ist das Zeugnis einer hochgiftigen Industrie. Bis 1965 wurde vor Nonza Asbest abgebaut. Die Fabrik ist verlassen, ihr Abraum, offiziell als ungefährlich eingestuft, heute das Wahrzeichen von Nonza

Spitze am Cap Corse

Richtig schmal und kurvig – und für Wohnwagen absolut ungeeignet – ist die schmale, kurvige Straße, die euch zur Plage de Barcaggio an der Spitze des Cap Corse bringt. Aalt euch im weichen, warmen Sand und genießt den Paradeblick auf die Île de la Giraglia, den nördlichsten Punkt Korsikas. Oder spaziert den Strand entlang bis zum Genueserturm von Agnello!

❤ Losmarschiert!

In Maccinagio beginnt der ehemalige Zöllnerpfad. Dieser Sentier des Douaniers führt euch via Barcaggio bis nach Centuri-Port  einmal rund um die Inselspitze. Die Strecke solltet ihr auf zwei Tage verteilen. So bleibt noch Zeit zum Baden, Schlemmen und Schauen! Mein Etappenvorschlag: am ersten Tag von Macinaggio vorbei an der plage de Tamarone bis Barcaggio (3 Stunden). Am zweiten Tag geht es von dort via Tollare bis nach Centuri (5 Stunden).  Unabdingbar bei dieser Tour sind gutes Schuhwerk und ausreichend Trinkwasser!

Die Strandperlen der Agriates

Nur per Boot, zu Fuß, mit dem Mountainbike oder im Allradwagen zu erreichen sind die Strandperlen der Agriates. Die 40 km lange Küste ist äußerst kinderfreundlich; alle Strände fallen sehr flach ins Meer.

In der Saison schippert ein Taxi-Boot von Saint-Florent zur Plage de Lotu: türkisfarbene Fluten, schneeweißer Sand, eine Pier: Karibik-Flair auf Korsika! Auf dem Weg seht ihr die wehrhafte Tour de Mortella, die Genua zum Küstenverteidigung errichtete.

Per Kutsche – oder in 40 Minuten zu Fuß – kommt ihr zur Plage de Saleccia, der zweiten „Karibik“-Bucht der Agriates. Dieser Strand diente als Kulisse für den Kriegsfilm „Der längste Tag“ mit Robert Mitchum. Ganz in der Nähe könnt ihr im Parc de Saleccia Macchia aus aller Welt entdecken. Lest dazu einmal diesen Blogbeitrag!

Der Stadtstrand von Calvi. Foto: Hilke Maunder
Der Stadtstrand von Calvi. Foto: Hilke Maunder

Die Strände von Calvi

Stadtleben und Strandtrubel verbinden die einzelnen Strandabschnitte an der Bucht von Calvi. Dort habt ihr stets die Zitadelle im Blick. Und mitunter etwas action mit den Fallschirmspringern, die dort trainieren!

Als vier Kilometer langes Band säumt die vier Kilometer Plage de Calvi mit Strandlokalen und Wassersportverleih die weite Bucht. Nur fünf Autominuten entfernt lockt die Plage de Roncu mit einem Sprung ins Mittelmeer, das bis in den Oktober badewarm bleibt. Die  Tramway de la Balagne verbindet auf ihrem Weg nach L’Ile-Rousse die einzelnen Strände und Badebuchten im Westen. Klickt hier für Infos und Impressionen zur Bahnreise an die plages.

Einsamer sind die Strandperlen der kleinen Revellata-Halbinsel. Sie sind nur auf Schotterstraßen zu erreichen. Felsen, die im Licht der untergehenden Sonne rot leuchten, rahmen sie ein. Romantisch!

Strandperlen im Süden

Im Süden der Insel erstreckt sich unterhalb des Löwen von Roccapina eine sandige Badebucht mit sehr feinem Sand und seichtem Wasser. Zur Plage de Roccapina führt eine gut befahrbare Schotterpiste. Eine Piratenbucht wie aus dem Film versteckt sich unter dem Sémaphore de Pertusato. Zum kleinen Strand hinab geht es rechter Hand vom Leuchtturm auf einem 400 Meter langen Pfad.

In Bonifacio beginnt an der Chapelle Saint-Roch die Promenade des Falaises. Fünf Kilometer lang folgt sie der Küste bis zur Landspitze Capo Pertusato. Unter dem Leuchtturm versteckt sich ein idyllisches Plätzchen zum Baden oder Picknicken. Die Pointe de Sperone, auch  Capo di Sperone geannnt, bildet die südlichste Spitze Korsikas. Unter ihren steilen Klippen verstecken sich ebenfalls ein paar schöne, noch recht einsame Sandstrände.

Die Landschaft bei Roccapina. Foto: Hilke Maunder
Die Landschaft bei Roccapina. Foto: Hilke Maunder

FKK-Hotspot Ostküste

Ihr wollt hüllenlos baden? Dann nix wie hin zur Ostküste. 54 Kilometer südlich von Bastia säumen in San Nicolao die beiden größten und beliebtesten FKK-Clubs den neun Kilometer langen Sandstrand: Corsica Natura und Club Corsicana.

Bekannt und beliebt als Feriendörfer der naturistes sind auch Bagheera in Bravone, die Domaine Naturiste de Riva Bella in Aléria und  das village naturiste La Chiappa im südlicheren Porto-Vecchio.

In der Abgeschiedenheit des Naturschutzgebietes fanden auch die naturistes ihr Paradies. 1968 kamen die ersten Nackerten nach Korsika. Heute ist die Insel Europas beliebteste Destination für Freikörperkultur.

Bonifacio: Blick vom Aufstieg zur Vilel Haute auf die Steilküste. Foto: Hilke Maunder
Blick vom Aufstieg zur ville haute von Bonifacio und auf die Steilküste. Foto: Hilke Maunder

Inoffizielle Plätzchen für hüllenloses Sonnen- und Meeresbaden findet ihr reichlich rund um Bonifacio. Und da geht es ausgesprochen entspannt zu.

Links und rechts der nirgends ausgewiesenen Nacktzone liegen bekleidete Badegäste, und selbst am Nacktstrand ist alles vertreten: bekleidet, oben ohne, splitterfasernackt. Und nähert sich die Gendarmerie, wird schnell die Badehose übergezogen – denn nur oben ohne ist in Frankreich offiziell gestattet. Toleranz à la française .

Trinighellu: Panoramafahrt auf der Schiene. Die Strände sind zum Greifen nah. Foto: Hilke Maunder
Panoramafahrt auf der Schiene. Die Strände sind zum Greifen nah. Foto: Hilke Maunder

Erlebnis-Tipp: Mit Micheline zum Strand

Das wird eine richtige Retro-Tour: U Trinighellu, auch Micheline genannt, ruckelt und schaukelt, tutet vor jeder Kurve – und erinnert daran, wie erlebnisreich Bahnfahren einst war.

In den nostalgischen Waggons der Schmalspurbahn können die Sitzlehnen in Fahrtrichtung umgeklappt werden, werden die Fahrkarten noch abgeknipst – und darf der Kopf aus dem Fenster gehalten werden! Herrlich, so den Fahrtwind zu spüren!

Der Stadtstrand von Calvi. Foto: Hilke Maunder
Der Stadtstrand von Calvi. Foto: Hilke Maunder

Für Fahrräder gibt es in jedem Waggon einen Abstellplatz. Die rot-beige Bimmelbahn verkehrt nur während der Saison von Mitte April bis Mitte Oktober.

Dann hält sie zwischen Calvi und L’Île Rousse an jedem (!) Badestrand entlang der eingleisigen Strecke. Sainte-Restitude, Ondari-Arinella, Giorgio, Sant’Ambroggio, Algajola, Aregno oder Bodri: Wo wollt ihr baden? Ein paar Impressionen findet ihr hier.

Sandiges Souvenir

Hellweiß, goldgelb, ocker und tiefschwarz: Die Strände von Korsika haben viele Farben. Füllt euch ein wenig Sand in klare Tütchen, hängt die Tütchen mit Bindfaden an ein längliches Aststück Treibholz und macht eure Strandsand-Sammlung zum dekorativen Hingucker daheim oder im Büro!

An immer mehr Strände auf Korsika ist das Rauchen verboten. Foto: Hilke Maunder
An immer mehr Stränden auf Korsika ist das Rauchen verboten. Foto: Hilke Maunder

Weiterlesen

Im Blog

Zu Korsika findet ihr rund drei Dutzend Beiträge im Blog: Portraits zu den vier großen Städten Ajaccio, Bastia, Bonifacio und Calvi, Ausflugstipps wie das Vorzeit-Mekka Filitosa oder Roccapina mit seinem Löwenfelsen, Aktivtipps zum E-Biken im Nebbio. Und natürlich auch viele Genuss- und Schlemmerempfehlungen. Stöbert in der Kategorie Korsika und lasst euch inspirieren!

Noch mehr schöne Strände an Frankreichs Küsten findet ihr auch hier im Blog.

Im Buch

Jenny Hoch, Gebrauchsanweisung für Korsika*

Cover: Jenny Hoch, Gebrauchsanweisung für Korsika. Foto: Hilke Maunder

33 Sommer hatte Jenny Hoch auf der Insel verbracht. Doch erst, seitdem sie quasi auch hier lebt, wird sie langsam von den Einheimischen ins Herz geschlossen und integriert, erzählt die Journalistin und Buchautorin, die heute mit ihrer Familie die Tradition ihrer Eltern fortsetzt.

Seit sie vier Jahre alt war, sei sie jedes Jahr auf Korsika gewesen, als Kind, als Teenager, als Erwachsene. Immer am selben Ort, immer glücklich, gerade dort zu sein. „Ich weiß, wo am Strand der Rutschfelsen ist, wie die Wellen sich brechen”, erzählte sich bei einer Lesung im Feriendorf zum Störrischen Esel.

Ihre  persönlichen Erfahrungen machen den Reiz dieses Bandes der insgesamt sehr zu empfehlenden  Taschenbuchreihe im Piper-Verlag aus. Jenny Hoch hat sie hintergründig wie humorvoll zu Papier gebracht. Dazu noch ein paar Daten und Fakten: ein perfekter Einstieg, um sich mit der Insel zu beschäftigen. Besser kann keine Reiseplanung beginnen! Wer mag, kann das Werk hier* online bestellen.

Zum Träumen: Das Haus auf Korsika*

Mit wenig Geld und Aufwand hat Pierre Duculot 2011 einen meiner Lieblingsfilme gedreht, die Geschichte eines Ausbruchs, Sich-Finden, der Rückkehr zu den Wurzeln. Und eine Geschichte des Mutes. Ausgelöst durch die Erbschaft eines Hauses, das Christina erbt.

Die Hauptfigur, fast 30, lebt seit zehn Jahren mit ihrem Freund zusammen, jobbt in der Pizzeria ihres Schwiegervaters, überlebt im belgischen Charleroi. Ein eigenes Leben nach ihren Vorstellungen? Das ist ein Luxus, den sie sich nicht leisten kann. Und mit der Erbschaft doch wagt. Sie macht auf den Weg in den Süden. Und verliebt sich – in die geerbte Bruchbude, die Insel, einen neuen Mann. Wer mag, kann den Film hier* online bestellen.

Marcus X. Schmid, Korsika*

Marcus X. Schmid, Korsika

Der freie Reisejournalist Marcus X. Schmid hat für alle, die gerne auf eigene Faust unterwegs sind, den besten Reisebegleiter verfasst: sachlich, mit viel Hintergrund, Insiderwissen und Tipps, und doch mitunter sehr unterhaltsam und humorvoll.

Ich kann seinen Führer aus ganzem Herzen empfehlen – er hat mich auf allen Erkundigungen nie im Stich gelassen und mir oft schöne, neue, unbekannte und überraschende Ecken gezeigt.

Der gebürtige Schweizer, Jahrgang 1950, hat in Basel, Erlangen und im damaligen Westberlin Germanistik, Komparatistik und Politologie studiert und lebt heute als Autor und Übersetzer in der französischsprachigen Schweiz. Ebenfalls im Michael-Müller-Verlag sind von Schmid die Reiseführer „Bretagne“ und „Südfrankreich“ erschienen sowie Führer zu italienischen Destinationen. Wer mag, kann den Reiseführer hier* online bestellen.

Hilke Maunder, Baedeker „Korsika“*

Baedeker Korsika

Mit blau lackierten Fingernägeln ordnet Madame auf dem Markt von Bastia in einem Bastkorb längliche Stangen. „Boutargues“, verrät das Schild.

„Das ist echter korsischer Kaviar. Nur noch wenige Fischer entnehmen den Meeräschen den Rogen. Mein Mann ist einer davon.“ Die Rarität hat ihren Preis: 150 Euro das Kilo.

Der Nachbar-Händler sieht das erstaunte Gesicht und hält ein Holzbrett hin: “ Goûtez !“ Lasst euch mit meinem Baedeker Korsika* an Orte wie diesen (ver)führen. Genussmomente und einzigartige Erlebnisse: Sie machen den Band besonders. Wer mag, kann ihn hier* direkt bestellen.

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2 Kommentare

  1. Hallo liebe Hilke,
    diese Seite ist toll, wie viele andere auch!
    Das Buch von Jenny Hoch haben wir vor unserem Korsika-Urlaub im Juni 2018 gelesen! Wir fanden es klasse, ein guter Einblick in die Kultur und Geschichte der Korsen zum besseren Verständnis!
    Liebe Grüße,
    Christel

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