Vallée de l’Agly: alter Wein & junge Ideen

Eine halbe Autostunde westlich von Perpignan versteckt sich zwischen den Berghängen der Corbières und den Bergkämmen der Pyrenäen ein Tal, das zu den aufregendsten Weinregionen des Landes gehört – von Ausländern inzwischen hoch gelobt und gehandelt, von Franzosen bislang kaum entdeckt: das Vallée de l’Agly, das inzwischen auch eine Weinroute erschließt.

In dem rund 30 km langen Tal zwischen Espira d’Agly und Caudiès-de-Fenouillèdes gibt es eine solche Vielfalt von Böden, wie sie sonst nur im Elsass zu finden ist – dazu ein Dutzend Sorten und Jahrhunderte alte Stöcke.

Das Trio zudem (noch) zu Preisen, die unschlagbar sind: 10.000 Euro kostet der Hektar im Durchschnitt, und damit zweimal so wenig wie anderenorts im Languedoc, oder 20 Mal weniger als in Saint-Émilion. Das zieht junge Talente an.

Die Pioniere des Vallée de l’Agly

Zu den Pionieren des alten Gebietes gehören zwei Männer, die unterschiedlicher nicht sein könnten: der Schweizer Ex-Banker Marcel Bühler, der seinen Beruf an den Nagel gehängt hat, um auf seiner Domaine des Enfants in Saint-Paul-de-Fenouillet  im Agly-Tal auf 20 Hektar Bioweine so naturnah wie möglich herzustellen – mit drei Mitarbeitern, Pferd und Maulesel.

Dave Phinney aus dem Napa-Valley stellte 2009 für rund fünf Millionen Euro mit 44 elektronisch wärmegesteuerten Inoxtanks von Lejeune bei Maury eine der modernsten Kellereien Frankreichs hin. Auf 90 Hektar Weinland bearbeitet er seitdem mit amerikanischem Know-how und High-Tech die Reben für seine Marke Département 66.

Dritter im Bunde ist Hervé Bizeul. Auch er gehört zu den neuen Stars einer  Region, in der Ende der 1990-er Jahre zahlreiche Kooperativen schlossen, viele uralte Weinberge aufgegeben oder umgewandelt worden waren. Die Renaissance der Weine aus dem Agly-Tal lässt die Preise steigen.

Hervé Bizeul wurde nicht nur für die Qualität seiner Tropfen, sondern auch für die Summen, die er für sie fordert, berühmt – eine Flasche seines Cuvée La Petite Sibérie kostet ab 200 Euro. Die perfekte Reife hat der Tropfen nach zehn Jahren. Länger als 30 Jahren solltet ihr ihn nicht lagern.

Günstiger sind Hervés Hexen. Für Les Sorcières paart er Syrah, Grenache noir, Mourvèdre und Carignan. Jeder Jahrgang ist ein echter Trinkgenuss!

Günstiger, aber nicht weniger köstlich ist „Hugo“, mein Lieblingswein der Domaine Thunevin-Calvet. 35 Euro kostet die Assemblage aus Mourvèdre und Syrah, die 18 Monate lang im Barrique ausgebaut wird. Das Ergebnis: eine kraftvolle Konzentration dunkler Beerenaromen und ungeheuer reiche Tannine. Ein richtiger Herbst- und Winterwein, pur oder zu Wildschwein oder Ente.

Das Weingut, dass sich 2014 einen kantigen Block aus Sandstein an den Ortseingang von Maury setzte, wurde 2001 von Jean-Luc Thunevin, dem Eigentümer von Château Valandraud in St-Émilion, und dem jungen einheimischen Winzer Jean-Roger Calvet gegründet. Gemeinsam bearbeiten sie 60 Hektar im Terroir von Maury – ganz und gar ohne Chemie.  In den alten Weingärten der „Vieilles Vignes“ sind keine Maschinen, sondern nur Pferde und Menschen unterwegs. Mit Kenntnis und Vorsicht bearbeiten sie den Weinstock und Rebe.

Renaissance einer alten Traube

Haupttraube im Tal ist die Grenache in noir, blanc und gris. Zum Abrunden werden für die Rotweine und Vin Doux Naturel Mourvèdre und Syrah angebaut. Inmitten der Weingärten erlebt seit einigen Jahren auch eine weiße Rebsorte eine Renaissance, die in den 1950er-Jahren der Star der französischer Tafeltrauben war: der Petit Jacques.

Bei uns um Tal trägt er seinen katalanischen Traditionsnamen: Jaoumet. 15.000 Tonnen wurden letztes Jahr rund um Cases-de-Pène geerntet.

Erntebeginn ist immer am 25. Juli, dem Tag des Saint-Jacques. Der Jaoumet, im restlichen Frankreich heute nahezu unbekannt, wird vorwiegend als Tafeltraube verkauft. Aber in einem Weintal natürlich auch zu flüssigem Genuss verarbeitet.

200 Flaschen wurden 2014 abgefüllt. 2016 sollen es 500 Flaschen sein. Grund genug, dies zu feiern, meint die Jaoumet-Brüderschaft von Cases-de-Pène und lädt seit 2009 alljährlich Anfang August zum Festem El Jaoumet.

Winzer, die es zu entdecken lohnt

Vincent Balansa, http://biotrilla.blogspot.com
Hervé Bizeul, www.closdesfees.com/blogs
Marcel Bühler, www.domaine-des-enfants.com
Jean-Roger Calvet, www.thunevin-calvet.fr
Simon Dauré, www.chateaudejau.com
Olivier Decelle, http://masamiel.fr
Laurence und Christophe Dornier, www.closdesvinsdamour.fr
Raphaël Graugnard, www.domainegrier.com
Dimitri Glipa und Muriel Samson, http://masmudigliza.fr

…und aus der Umgebung:

Gerard Gauby, www.domainegauby.fr
Marjorie & Stéphane Gallet, www.rocdesanges.com

Das Tal des Agly zwischen Estagel und Maury. Foto: Hilke Maunder

Mein Event-Tipp

Alljährlich im Mai feiert das Agly-Tal seit mehr als 20 Jahren seine örtlichen Produzenten – Winzer, Bauern, Imker und andere Erzeuger, die sich dem „Terroir“ verschrieben haben, einen Sonntag lang mit den Dionysiades, zu denen geführte Spaziergänge durch die Weingärten sowie gemeinsames Tafeln mit Weinen des Tales gehören.

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3 Kommentare

  1. Liebe Hilke Maunder, diese blühend erfrischende Art und Weise der Vorstellung von Frankreichs inneren und äußeren Schönheiten lassen mich ausrufen“ Vive la Hilke“. Für mich sind diese wunderschön lebendigen Artikel schon ein kleiner Urlaub

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