Mas de la Lune: Der Mond macht’s

Nein, kein Spiegelbild: Vanessa und Matthieu sind für das Foto in den Edelstahltank gekrabbelt! Foto: Hilke Maunder

Sie hatte den Kopf in den Sternen, er hatte die Füße auf dem Boden: Im Mondlicht, irgendwo in der Île-de-France, träumten beide von einem Wein, der die Natur und den Verbraucher respektiert.

So beginnt ihre Geschichte, die sie auf ihrer Webseite erzählen. Sie, das sind Vanessa (39) und Matthieu Courtay (46). Ein Paar und eine Familie mit inzwischen zwei Kindern. Beide kommen aus dem Großraum Paris. Sie hatte dort einen Wohlfahrtsverein geleitet, als Redakteurin gearbeitet und sich in traditioneller chinesischer Medizin und Aromatherapie weitergebildet.

Mas de la lune. Foto: Hilke Maunder
Im Winter ist es Zeit für die taille, den Rückschnitt der Weinstöcke. Foto; Hilke Maunder

Sein Leben war großes Kino gewesen. Er hatte Werbung gemacht, Filme gedreht und als Assistent für Molinaro, Corneau und De Palma geschuftet. Beide lernten sich auf einer Insel kennen, die ihr Leben verändern sollte. Korsika. Dort Wein zu machen, davon träumte das Paar.

Mas de la lune. Foto: Hilke Maunder
Der sichtbare Unterschied: der grüne Weinberg des Mas de la Lune. Dahinter rechts: ein konventionell mit Glyphosat gespritzter Weinberg. Foto: Hilke Maunder

Doch schon bald lernten sie: Als Pariser auf Korsika einen Weinberg zu kaufen, das ist, gelinde gesagt, schwierig – und praktisch unmöglich. So suchten sie im Hexagon eine Landschaft, die wie Korsika Berge und Meer, echte Natur und südliches Leben verbindet.

Mas de la lune. Foto: Hilke Maunder
Neben den Parzellen des Mas de la Lune wachsen große, alte Mimosenbäume. Ein Baum hat sogar eine Schutzhütte (casot) erobert. Vanessa träumt davon, darin ein Gästezimmer einzurichten, Foto: Hilke Maunder

Sie wurden fündig im Fenouillèdes. In der einzigen okzitanisch geprägten einstigen Comarca der Pyrénées-Orientales übernahmen sie in Saint-Paul-de-Fenouillet von Dimitri Mudigliza den Keller – und den ersten Weinberg.

Mas de la lune. Foto: Hilke Maunder
Diese Parzelle ist mit Syrah bepflanzt. Foto: Hilke Maunder

Damals, 2015, wagten sie den großen Schritt und gaben alles auf. Zwei Stadtbewohner stürzten sich ins Abenteuer Wein. Ihr Ziel: einen Wein so natürlich wie möglich herzustellen – von der Bewirtschaftung der Rebe bis zur Vinifikation. Keine Pestizide, keine zugesetzten Hefen für einen Wein und so wenig Schwefel wie nötig.

Mas de la lune. Foto: Hilke Maunder
C’est beau et bon la vie quand on boit du vin • Das Leben ist gut und schön, wenn man Wein trinkt, haben die Kinder der beiden auf das Rolltor der Kellerei geschrieben. Foto: Hilke Maunder

Am 25. August 2017 bezogen sie ihren Keller in der Rue de Lesquerde 20. Hinter dem Haus blicken sie über das Rugbyfeld det kleinen Stadt zur Clue de la Fou.

Gen Norden sehen sie das weite Tal des Agly und die  Galamus-Schlucht, die die Kalkketten voller Garrigue unterbricht.  Kaum eingezogen, machen sie ihren ersten Wein. Sie nennen ihn Lune blanche und Lune rouge, weißer Mond und roter Mond.

Mas de la lune. Foto: Hilke Maunder
Der Keller des Mas de la Lune. Foto: Hilke Maunder

Sieben Hektar groß ist nun ihr Rebenreich, aufgeteilt in vier Parzellen zwischen 300 und 500 Metern über dem Meeresspiegel. Während der taille, dem Rückschnitt der Reben im Winter, leuchten und duften riesige Mimosensträucher neben den Rebstöcken.

Dort, wo die Grenache wächst, sind sie als gobelet geschnitten und trotzen so besser der Tramontane, die besonders im Winter und Früher bei einem épisode méditerranéen mit Böen von mehr als 140 Kilometern pro Stunde durchs Tal fegt.

Mas de la lune. Foto: Hilke Maunder
Vanessa und Matthieu vinifizieren ihre Weine ausschließlich in Edelstahltanks. Die hellbraunen Kunstharztanks nutzen sie lediglich zum Zwischenlagern beim Tankwechsel. Foto: Hilke Maunder

Einzig die Syrah gedeiht auf einer geschützten Parzelle am Hochspalier. Dicht umgeben Erdbeerbäume, Mastixbäume und Buchsbaum den Weinberg an drei Seiten.

In der Ferne erhebt sich markant die legendäre Corbières-Spitze des Pech de Bugarach. Sind die Trauben reif, schützt Matthieu diese Parzelle mit einem Elektrozaun. “Doch auch der nützt wenig bei den vielen hungrigen Wildschweinen, die es hier gibt”, sagt Matthieu.

Mas de la lune. Foto: Hilke Maunder
Die Fässer für den Barriqueausbau sind aus französischer Eiche. Foto: Hilke Maunder

Der einst ausgebeutete Boden ist jetzt wieder voller Leben. Mit Kompost revitalisiert, ist er heute nun wieder ein Lebensraum vieler Mikroorganismen. Gras wächst zwischen den Rebenreihen und hält die Feuchtigkeit. Und alles, was nicht dort wachsen soll, reißen Matthieu und Vanessa per Hand aus.

Ihr Handwerk lernten sie bei ihrem biodynamischen Mentor, der sie bis heute begleitet: Patrice Lescarret vom Weingut Causse Marines bei Toulouse. Die beiden nahmen die unabhängigen Neo-Winzer unter ihre Fittiche und teilten mit ihnen ihre Leidenschaft, ihr Know-how und ihre Erfahrung.

Mas de la lune. Foto: Hilke Maunder
Selbst die Korken versiegeln sie selbst per Hand – und umweltfreundlicher als mit einer Metallkappe. Foto: Hilke Maunder

Le Mas de la lune, das Gehöft des Mondes, nannten die beiden ihr Weingut. Und zeigen bereits im Namen, was ihnen wichtig ist. Beim Rebschnitt, Düngen,  Jäten und auch bei der Lese richten sie sich nach einem Kalender, der Rücksicht nimmt auf die kosmischen Einflüsse der Planeten, die Gestirnskonstellationen und die Mondphasen.

Der Anthroposoph Rudolf  Steiner (1861-1925) hatte in den 1920er-Jahren die Regeln für einen biologisch-dynamischen Landbau aufgestellt. Erst später fanden seine Vorstellungen auch Eingang in den Weinbau. Zu seinen stärksten Verfechtern gehören mit Robert Parker und Jancis Robinson zwei der weltweit angesehensten Weinkritiker. Frankreichs Guru des biodynamischen Weinbaus ist der Loire-Winzer Nicolas Joly vom Château de la Roche-aux-Moines.

In Frankreich lag 2020 der Anteil des biodynamischen Weinbaus bei 1,4 Prozent, Tendenz stark steigend. Zu den bekanntesten Produzenten im Land gehören die Weingüter Chapoutier im Rhônetal, Dirler-Cade im Elsass, Didier Dagueneau an der Loire, die Domaine Leroy und die Domaine de la Romanée-Conti in Burgund sowie die Domaine Gauby im Roussillon.

Mas de la lune. Foto: Hilke Maunder
Der dynamiseur kommt bei allen ihren Weinen zum Einsatz. Foto: Hilke Maunder

Von der Handlese bis zur Weinbereitung prägt auch bei Vanessa und Matthieu vom Mas de la Lune die Biodynamik die Arbeit am Weinberg und im Keller. “Wir wollen respektvoll sein – gegenüber der Umwelt wie gegenüber dem Verbraucher”, sagt Vanessa. Ihr Terroir aus Schiefer, Granit und schwarzem Mergel ist eine Schatzkammer für natürliche Weine. Viele ihrer Rebstöcke sind älter als 80 Jahre.

Grenache noir und Grenache Gris, die emblematischen Rebsorten Kataloniens, wachsen dort auf Granit, Schiefer und schwarzen Mergel. Carignan sorgt für Kraft und Strukturen in den Mondweinen des Mas de la Lune. Mourvèdre beschert ihnen Tannine – und einen Hauch von Lakritz.

Die rote Traube Syrah schließlich paart ihre Tannine mit reichen, fruchtigen Aromen, bei denen Noten von roter Johannisbeere herausragen. Sehr aromatische Weißweine liefern ihnen die weißen Rebsorten Macabeu und Grenache Blanc.

Mas de la lune. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Mas de la Lune : die Weine von Vanessa und Matthieu

Die Weine vom Mas de la Lune können Gastronomen, Hoteliers und andere Profis über eine Handvoll Grossisten erhalten, die hier gelistet sind. Wer privat einkauft, kann im Online-Shop des Weingutes ordern und wird direkt beliefert.

Mas de la Lune befindet sich im letzten Jahr der Umstellung zum Demeter-Betrieb und stellt Weine der AOC Côtes du Roussillon-Villages und IGP Côtes Catalanes her.

Das Sortiment

Rot

Lune Rouge

Trauben: Grenache Noir (alte Rebstöcke) 60%, Syrah 40%
Terroir : Schiefer
Lese: per Hand
Vinifikation und Ausbau: Mazeration in Edelstahltanks für 15 Tage, Abstechen und Umpumpen zur Extraktion der Tannine, Vinifikation bei niedriger Temperatur zur Erhaltung der Frucht.

Envole-Moi

Zwei Elefanten am Trapez: Schon das Etikett zeigt, dass dieser Wein – im Gegensatz zur Lune Rouge, der in der Spitzengastronomie serviert wird –, ein Alltagswein ist für einen Apéro unter Freunden.

Trauben: Grenache Noir (alte Rebstöcke) 80%, Syrah 20%
Terroir: Schiefer, schwarzer Mergel und Granit; Parzellenauswahl
Lese: per Hand
Vinifikation und Reifung: Edelstahltanks, dann alte Eiche; Sulfite: 20 mg/L

Rosé

Oh là là: Das waren die ersten Worte ihrer Tochter, erzählt Vanessa und benannte den einzigen Rosé des Kellers nach ihrem Ausspruch. Der Name passt: Der Rosé ist mit seiner kräftiger Farbe und ausdrucksstarken Aromen genau das Gegenteil von den transparenten, sprachlosen Rosés, die noch vor kurzem in Mode waren.

Trauben: Syrah 70%, Grenache Noir (vieilles vignes)
Terroir : Schiefer
Lese: per Hand
Vinifizierung und Ausbau: Direktpressung, Reifung auf weißen Hefen im Edelstahltank. Sulfite weniger als 20 mg/l, keine Filtration.

Mas de la lune. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Weiß

Lune Blanche

Der Premiumwein, 14%, trocken, fruchtig und ausdrucksstärker als die sonstigen Weine des Agly-Tales

Trauben: 60% Grenache Gris, 40 % Macabeu
Terroir: Schiefer
Lese: per Hand
Vinifizierung und Ausbau:  kalte Vinifikation, acht Monate in Edelstahlbehältern für den Grenache Gris, 8 Monate in Fässern für den Macabeu

Petite Étoile

Der Tageswein, fruchtig und lebendig

Trauben: 100 % Grenache Blanc
Terroir: Schiefer, Lehm
Lese: per Hand
Vinifizierung und Ausbau: Ausbau im Edelstahltank, autochthone Hefen, ungefiltert

 

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Weiterlesen

Im Blog

Was für tolle Weine im Tal des Agly hergestellt werden, könnt ihr hier erfahren.

Ihr wollt selbst einmal bei der Weinlese mit anpacken? Dann informiert euch hier!

Ein ganz besonders genussreiches Weingut ist das Château de Jau. Das Weinerlebnis runden dort Kunstausstellungen und Schlemmerei unter freiem Himmel ab. Klickt mal hier!

Eines der größten wie modernsten Weingüter im Agly-Tal ist das Mas Amiel. Vor dem Gut reift der Süßwein in riesigen dames-jeannes unter freiem Himmel. Mehr Infos gibt es hier.

Mehr über den Süßwein von Maury und die vins doux naturels erfahrt ihr hier.

Im Buch

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4 Kommentare

  1. Ein Wein-Beitrag, der Lust macht, sofort loszufahren und das Weingut zu besuchen. Die 130 km waren machbar!
    Ja, die Biodynamik ist langsam, aber sicher, im Vormarsch in Frankreich. Das lässt hoffen! In unserer Gegend um Saint Chinian kennen wir auch zwei Domänen “certifié biodynamie par demeter”, die hervorragende Weine produzieren.
    Einmal “Les Eminades” in 34360 Cebazan und dann noch ” Lanye-Barrac” in 34460 Roquebrun. Der Besitzer von Lanye Barrac ist übrigens Deutscher!
    Es ist traurig, dass quasi fast alle Weinbauern, die Masse produzieren und an die Kooperativen liefern, nur müde lächeln, wenn sie schon “Bio” hören und ich glaube nicht, dass diese überhaupt wissen, was Biodynamik ist. Deren Weinberge werden neuerdings auch mit Bewässerungsanlagen ausgestattet um die Produktion weiter zu erhöhen. Une honte!
    Diese Weine boykottieren wir natürlich und geniessen lieber Bio-Qualität oder zumindest Weine aus “verantwortungsvollen” Anbau.

    • Danke für die tollen Tipps, liebe Lisa! Roquebrun war ich gerade, Mist, dass ich es nicht gewusst hatte… grr… also nochmal hin – beim nächsten Mal!° Bises, Hilke

  2. Diesen Bericht habe ich sehr gerne gelesen. Ich bin in einem kleinen Weinanbaugebiet, der Nahe geboren. Habe in der Pfalz gelebt. Jetzt wohne ich “gegenüber” von Rheinhessen im Weinanbaugebiet Bergstraße. Da ich oft in Frankreich bin, schätze ich auch die französischen Weine sehr. Die Lebensgeschichte mit Wein von Vanessa und Matthieu begeistert mich. Ich denke, dass sie alles richtig gemacht haben und gratuliere ihnen zu ihrem Entschluss. Ihre Kinder leben in der Natur freier auf als in Paris – sie werden hier zu gefestigten Menschen. (Ich spreche aus Erfahrung) Ich wünsche weiterhin viel Erfolg . Herzlichst Brita Link

    • Liebe Brita, das freut mich. Die Bergsträsser Weine sind schöne Tropfen – ich durfte sie ausgiebig entdecken, als ich bei der HEAG in Darmstadt in den 1990-er Jahren die Unternehmenskommunikation leitete während der Liberalisierung des Strommarktes. Damals gab es im Frühjahr immer eine Weinlagenwanderung mit Verkostung direkt am Weinberg. Schön war es gewesen! Herzliche Grüße! Hilke

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