Domaine Riberach: Wo alle Sinne reisen

Fenouillèdes: Blick auf Bélesta, Heimat der Domaine de Riberach. Foto: Hilke Maunder
Blick auf Bélesta, Heimat der Domaine Riberach. Foto: Hilke Maunder

Es war einmal… so beginnen Märchen, und so muss meine Geschichte über die Domaine Riberach* beginnen, denn die Verwandlung ist einfach märchenhaft.

Erst eine Genossenschaftskellerei, jetzt ein Hotel-Restaurant, in dem Entschleunigung keine Marketing-Maxime ist, sondern gelebte Realität. Erdacht von den beiden Architekten Karin Pühringer und Luc Richard.

Riberach: Architekt Luc Richard. Foto: Hilke Maunder
Architekt Luc Richard. Foto: Hilke Maunder

Riberach versteckt sich in Bélesta. Nein, nicht beim Namensvetter in Ariège, sondern in “66”, im Département Pyrénées-Orientales, und dort in einem Nest in den Vorbergen der Pyrenäen, eine kurvige Autostunde von Perpignan entfernt.

Noch bevor ich den 225- Seelen-Ort erreiche, erinnert eine Stele an die Gefallenen der letzen Kriege.  Dann tauchen rote Tondächer aus der Garrigue aus, die im Sonnenlicht würzig duftet. Zikaden zirpen. Hoch spannt sich der Himmel über den Bergkuppen.

Fenouillèdes: Die einstige Genossenschaftskellerei birgt heute das schönste Hotel des Fenouillèdes. Foto: Hilke Maunder
Die einstige Genossenschaftskellerei birgt heute das schönste Hotel des Fenouillèdes. Foto: Hilke Maunder

Auf schmalen Straßen dringe ich vor bis ins Herz von Bélesta. Zwischen verwitterten Steinhäusern, die Wände krumm von der Last der Jahrhunderte, taucht rot-weiß eine Art-Deco-Fassade auf: Domaine Riberach*. Restaurant La Coopérative. Angekommen. Auf einem Gitterrost, über das Tal gehängt, parke ich meinen Wagen.

Schlummern im Fasskeller

Die Küfer, wo einst Weinfässer lagerten, bergen heute 11 Zimmer und sieben Suiten. Jede(s) von ihnen individuell eingerichtet, doch mit dem gleichen hohen Standard an Komfort.

Riberach: Die Zugänge zu den Zimmern sind behindertengerecht. Foto: Hilke Maunder
Die Zugänge zu den Zimmern sind behindertengerecht. Foto: Hilke Maunder

Mal gibt Treibholz dem Raum eine besondere Note, dann wieder die Struktur der  Textilien  oder die Kunst. Unaufdringlich individuell – mir gefällt dieses Styling.

Und der unbezahlbare Luxus, Platz zu haben in meinem Domizil auf Zeit – und das nicht nur im Schlaf-/Lebensraum, sondern auch im Bad. Die Domaine Riberach achtet auf solche Details.

Fenouillèdes: Die Zimmer des Hotels Riberach sind sytlisch mit Naturmaterialien eingerichtet. Foto: Hilke Maunder
Die Zimmer des Hotels Riberach sind sytlish mit Naturmaterialien eingerichtet. Foto: Hilke Maunder

Von den Erdgeschoss-Zimmern geht es direkt nach draußen, Sofa und Sonnensitz trennen nur wenig Meter. Tief unten sieht man von der Brüstung den Pool.

Riberach: der Hotel-Pool. Foto: Hilke Maunder
Der Hotel-Pool. Foto: Hilke Maunder

Er entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Naturbadeteich. Das frische Bachwasser fließt mitten hindurch! Der Glockenschlag des Kirchturms unterbricht meine Tagträumerei.

Riberach: Das Restaurant "La Coopérative" eröffnet weite Ausblicke auf die Natur ringsum. Foto: Hilke Maunder
Das Restaurant La Coopérative eröffnet weite Ausblicke auf die Landschaft des Fenouillèdes. Foto: Hilke Maunder

Zwölf Uhr. Zeit fürs déj. Meine Tochter und ich folgen einer Großfamilie, die eben noch Fotos auf der langen Terrasse gemacht hat, in einen Saal mit unglaublich hoher Decke.

Auf seinen Natursteinwänden erzählen große Foto-Collagen von der Arbeit der Kellerei. La Cooperative, die Genossenschaft, nennt sich das Hotelrestaurant.

Fenouillèdes: Der Speisesaal des Hotel Riberach. Foto: Hilke Maunder
Der Speisesaal des Hotel Riberach. Foto: Hilke Maunder

Mit Slow Food zum Bocuse d’Or

Slow Food, feine Küche, in der Region verwurzelt, mit Zutaten von regionalen Produzenten, steht hier auf der Karte. Oder genauer: auf Seite eins. Auf der Speisekarte, die saisonal wechselt, verrät Riberach genau, wer was liefert. Schon das gefällt mir unglaublich gut.

Riberach: Laurent Lemal. Foto: Hilke Maunder
Laurent Lemal. Foto: Hilke Maunder

Das tat es wohl auch der Jury, die dem früheren Küchenchef Laurent Lemal 2015 den Bocuse d’Or. 2016 vertrat Laurent Lemal Frankreichs Köche beim Bocuse d’Or in Budapest, 2017 beim Bocuse d’Or Monde in Lyon. Dort gewann er Gold mit dem besten vegetarischen Gericht.

Heute kocht Laurent Lemal in Canet-en-Roussillon. Sein Nachfolger ist seit 2020 der junge Koch, der vier Jahre lang Sous-Chef bei ihm gewesen war: Julien Montassié. Ihm assistiert Nicolas.

Riberach: Küchenchef Julien Montassié. Foto: Hilke Maunder
Küchenchef Julien Montassié. Foto: Hilke Maunder

Doch zurück zu den Menüs. Kilomètre Zero ist das günstigste. Drei Gänge – und doch viel mehr. Als amuse-bouche kommen Churros aus der Küche, eingewickelt wie Pommes frites in das Papier der Zeitung The New Fork Times.

Wie der Titel, überrascht auch der Geschmack: nicht süß, sondern delikat salzig-käsig geben sich die spanischen Stangen-Krapfen.

Riberach: Churros? Schmecken auch salzig! Foto: Hilke Maunder
Churros? Schmecken auch salzig! Foto: Hilke Maunder

Ob das so typisch ist? “Wir sind hier in Katalonien. Vor dem Pyrenäenfrieden war das Gebiet hier spanisch!” klärt mich Guillaume auf, mein bretonischer Sommelier, und schenkt mir das Glas ein.

Fenouillèdes: Bei Guillaume könnt ihr die Tropfen der Winzer von Bélesta kosten. Foto: Hilke Maunder
Bei Guillaume könnt ihr die Tropfen der Winzer von Bélesta kosten. Foto: Hilke Maunder

Synthèse heißt der Weiße. Später sollen noch Thèse, Antithèse und Parenthèse folgen. Es sind allesamt Weine der Domaine Riberach, die im Kellerei-Laden am Hotel auch für daheim erhältlich sind.

Riberach: von der Wiese auf den Teller. Foto. Hilke Maunder
Vorspeisensalat lokal: von der Wiese auf den Teller. Foto. Hilke Maunder

Doch bevor ich die Namensgebung ergründen kann, steht bereits die Vorspeise vor mir. “Ein Frühlingsgarten – der Wein hüpft wie ein Schmetterling von Blüte zu Blüte”, sagt Guillaume.

Nach dem leichten Auftakt wird es handfest. Mein Lamm ist – wie das Schwein auf dem Teller meiner Tochter – so sehr marmoriert, wie man es bei uns daheim nicht kennt. Dazu gibt es Couscous für mich, Gnocchi für sie.

Riberach: Schwein gehabt! Foto: Hilke Maunder
Schwein gehabt! Foto: Hilke Maunder

Das Dessert flirtet mit optischen und geschmacklichen Kontrasten: Café trifft Orange, kühl mag knusprig. Töchterchen freut sich über New York Cheese Cake mit Himbeerspiegel, Minze und Crumble.

Riberach: fein abgestimmt - das Dessert. Foto: Hilke Maunder
Fruchtig, knusprig, frisch und nicht zu süße: das Dessert. Foto: Hilke Maunder

Und während ich etwas sehnsüchtig zum Käse schiele, kommt noch ein süßer Gruß zum Kaffee: Macarons, hausgemacht und poppig bunt.

Riberach: die Käseauswahl des Restaurants. Foto: Hilke Maunder
Die Käseauswahl des Restaurants. Foto: Hilke Maunder

Um drei Uhr nachmittags räumt der Keller die leere Tasse fort. Drei Stunden lang haben wir getafelt! Wie man jetzt wieder fit werden kann für das abendliche dîner?

Zum Beispiel im Spa, das 2015 eröffnete. Mit Sternenhimmel im Hammam zum Weiterträumen. Im südfranzösischen Märchen aus 1001 Nacht.

Das Spa des Hotels Domaine Riberach. Foto: Hilke Maunder
Kieselkunstwerk: das Spa des Hotels Riberach. Foto: Hilke Maunder

Riberach: Info & Buchung

Hôtel Domaine de Riberach*

2A, route de Caladroy, 66720 Bélesta, Tel. 04 68 50 30 10, www.riberach.com, Wer mag, kann das Hotel hier* direkt online buchen.

Offenlegung

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3 Kommentare

  1. Laurent Lemal, Küchenchef vom Restaurant “La Coopérative” à Bélesta , wurde am 22. September 2015 mit dem Bocuse d’or France als bester Küchenchef des Landes ausgezeichnet – und vertritt Frankreich beim europäischen Finale des Wettbewerbes der Spitzenköche. Bravo!

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