GR 34: Paraderoute der rosa Granitküste

Côte du Granite Rose
Das bekannteste Fotomotiv am GR 34. Foto: crtb-ac7048_Jacqueline Piriou

Wandern ist in der Bretagne sehr beliebt. Mehr als 2.500 km Wege sind markiert. Berühmt sind die alten Zöllnerwege. Als Grande Randonnée GR 34 führen sie heute um die gesamte Bretagne. Wer nicht in 75 Tagen die 1.600 km lange Küstenstrecke entlang wandern möchte, kann allein oder in Gruppen Teilstrecken der GR 34 absolvieren. Besonders schön ist die Route von Perros-Guirec nach Trégastel.

Die Paradestrecke des GR 34

Die Wanderung startet oberhalb der Badebucht des Plage de Trestraou von Perros-Guirec. Rasch wird der Leuchtturm Mean Ruz (Phare de Ploumanac’h) mit weitem Blick auf die Inselgruppe der Sept Îles erreicht. Kurz darauf schweift der Blick hinüber zur Île de Costaérès. Im Château de Costaérès hatHenri Sienkiewicz seinen Erfolgsroman Quo Vadis verfasst!

Wer ein gut gefülltes Portemonnaie hat, kann die Privatinsel hier mieten! Auch Dieter Hallervorden gefiel dieses Fleckchen Erde – und erwarb hier ein Schlößchen. Die Villa „Ker Avel“  hat Gustave Eiffel 1903 für seinen Sohn Albert erbaut.

Lauft jetzt hinab zur Bucht von Saint-Guirec. Dort, wo der gleichnamige Heilige aus Wales im 5. Jahrhundert nach seiner Überfahrt in einem Steintrog die Bretagne erreicht hat, wurde im 13. Jahrhundert eine kleine Kapelle errichtet. Das Oratorium besaß einst eine hölzerne Steinfigur des Heiligen, die eine bemerkenswerte Fähigkeit besitzen sollte.

Wenn ein Mädchen mit einer Nadel dem Heiligen-Abbild in die Nase stach und diese dort stecken blieb, würde dieses Mädchen noch im selben Jahr heiraten. 1904 war die Holzfigur so zerstochen, dass durch die heutige Skulptur aus rosa Granit ersetzt werden musste.

Riesige Felsblöcke und die idyllische Plage de la Bastille säumen den Weg zum Hafen von Ploumanac’h, in dem während der Sommermonate noch die alte Gezeitenmühle besichtigt werden kann. Vorbei an der Plage de Tourony erreicht ihr die Baie St-Anne mit dem Stadtstrand von Trégastel.

Ein Abzweig von der Hauptroute führt rund um die Halbinsel Presqu’il Renote. Lohnenswert ist auch der Besuch des Aquariums von Trégastel. Wer noch weiterwandern will, kann mit dem berühmten Felsen Couronne du Roi Gradlon und der Chapelle du Golgon (Gorgon) die Wanderung zur Rundtour (22 km) ausweiten. Das PDF zur Wanderung auf dem GR 34 entlang der rosa Granitküste könnt ihr hier downloaden: www.bretagne-rando.com.

Flower Power an der Côte du Granite Rose. Foto: CRT Bretagne/Yannick Derennes

Schmuggler und Zöllner

Die Zöllnerwege wurden in der Französischen Revolution von der Zollbehörde angelegt und dienten zur Überwachung der Küsten und zum Schutz vor Schmugglern und Strandräubern, die im Dunkel der Nacht auf Grund gelaufene Schiffe ausplünderten. Die bretonischen Küsten waren auf Grund ihrer zerklüfteten Formen und ihrer Länge ein idealer Anlegeplatz für Schmugglerschiffe.

Des Nachts brachten sie dort illegal Waren aller Art an Land. So spähten bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts, Tag und Nacht und bei jedem Wetter, Hunderte Zöllner auf den schmalen Pfaden entlang der Küste nach verbotenen Schiffsentladungen.

Heute stehen diese Sentiers des Douaniers unter Naturschutz und bilden als GR 34 den längsten Weitwanderweg der Bretagne. Er beginnt im Norden am normannischen Mont Saint-Michel und endet nach 1.600 km am Golfe du Morbihan (surft hier weiter) im Süden.

Kraxel-Land: die Côte du Granite Rose. Foto:Foto: CRT Bretagne/Yannick Derennes

Kolosse aus rosa Granit

Auf seinem Weg umrundet er stürmische Kaps und weite Halbmondbuchten, Hinkelsteine und Heideflächen, Fischerdörfer, Fachwerkstädtchen, Malerkolonien und berühmte Seebäder. Zu den eindrucksvollsten Abschnitten gehört wilde Kulisse der aufgetürmten rosa Granitfelsen an der Nordküste.

Ein kleines Haus, eingeklemmt zwischen zwei imposanten Felsen, wurde zum Wahrzeichen der Côte de Granit rose. Allerdings schimmern die Steine der rosa Granitküste nur bei bestimmtem Licht leuchtend rot und rosa, sonst eher gelblich, grau oder blau.

Seit mehreren Hundert Millionen Jahren schützen die Monolithe und Felsgruppen das Festland vor der anbrandenden See. Wind und Wasser, Salz und pflanzliche Säuren formen seitdem das Steingebirge, polieren die Felsen und schaffen die sonderbarsten Skulpturen aus Stein.

Kulisse für großes Kino

Fantasievoll belegten die Bretonen sie mit Namen: ein Pfannkuchen-Stapel (Tas de Crêpes), Schildkröten (Tortues) und sogar eine Hexe (Sorcière) erheben sich im ›Chaos‹, dem Felsenmeer von Trégastel.  Die malerische Küste war oft Kulisse für großes Kino. An der rosa Granitküste entstand der in Frankreich bekannte Film ›L’Hôtel de la plage‹ mit Anne Parilaud. Vorbild war das ›Grand Hôtel des Bains‹ von Locquirec.

Wer die Wanderung an der Nordküste beginnt, kommt an dieser traumhaften Bucht westlich des Cap Fréhel vorbei, dessen Leuchttürme noch am Horizont zu sehen sind. Wie die Bucht heißt?

Anse du Croc…. ein drei Kilometer langer Küstenstreifen mit feinstem Sand, Sanddünen, Pinien und Krüppelkiefern beim kleinen Örtchen Pléhérel-Plage. Im Westen schirmt die Steilküste mit der Kapelle von Vieux-Bourg die Halbmondbucht ab, die sich gen Westen bis zum Strand von Les Grèves d’en Bas erstreckt. In der Hauptsaison Juli/August überwachen Bademeister den Strand.

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6 Kommentare

  1. Merci für die ausführliche Beschreibung dieser ausergewöhnlichen Landschaft mit den beeindruckenden Felsen.
    Als ich 2014 erstmalig dort war, haben mich die einzelnen Skuplturen und Gesichter, die sich in den Felsen bei Ploumanac’h entdecken lassen in ihren magischen Bann gezogen. Wenn man sich mit etwas Phantasie auf die Steine einlässt, so offenbaren sie eine schier endlose Vielfalt an Gesichtern und Figuren.
    Hier ein Auschnitt meiner Entdeckungen: https://www.flickr.com/photos/puppenspieler/albums/72157646798916653

  2. Sehr schön und authentisch beschrieben. Ein Weg den wir schon öfters gegangen sind, dessen Schönheiten die Länge des Weges und die Zeit unbemerkt verstreichen lässt. Den Abschnitt kann man mehrmals gehen, immer entdeckt man etwas Neues.

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