Schwarze Stiere & harte Kerle

Auf einer Manade in der Camargue. Foto: Hilke Maunder

Im Sumpfland zwischen Marseille und Montpellier liegt der wilde Westen Frankreichs: In der Camargue regiert Lasso statt Lavendel, heißen die Ranches Manade und züchten markig aussehende Männer schwarze Stiere für den Stierkampf.

Einer von ihnen ist Gilbert Arnaud. Arnaud ist ein Kind der Camargue, eigensinnig und freiheitsliebend, mehr im Sattel daheim als auf dem Sitz seines Landrovers, und tief verwurzelt mit seiner Heimat, der rauen Landschaft  zwischen den beiden Armen der Rhône im Süden Frankreichs.

Stiere von Züchtern aus Leidenschaft

Seit Jahrhunderten züchtet seine Familie Stiere, und auch Gilbert Arnaud ist ein „Manadier“, ein Stierzüchter aus Leidenschaft. Seine besten „taureaux“ sind Stars der Ferias in den Arenen von Arles, Nîmes und Saintes-Maries-de-la-Mer, doch das Gros der Tiere wird an andere Züchter oder den Schlachthof verkauft.

Ihr zartwürziges Fleisch, seit dem Jahr 2000 mit dem AOC-Gütesiegel versehen, wird als Mettwurst und Stier-Paté auf den Märkten verkauft, als Steak gegrillt und gehört in jede Gardiane, in jeden traditionellen Eintopf der Camargue.

Doch ohne den Obolus der Touristen könnte auch Arnaud nicht überleben. Und so zeigen seine Cowboys, die Gardians, tagtäglich beim Tri de Taureau, wie einzelne Tiere von der Herde getrennt werden.

Die Arbeit der Gardians

Nur sehr selten wird hingegen Gästen der Blick auf eine Ferrade gewährt, bei der die einjährigen jungen Stiere von der Herde getrennt und mit einem glühenden Eisen (= Fer) gebrandmarkt werden.

Hufe klappern, Staub wirbelt auf, immer wieder weicht der Stier aus, doch dann gelingt es dem Reiter, sein Pferd zwischen Stier und Herde zu drängen und das gewünschte Tier durch ein Falltor in ein Laufgatter zu treiben.

Zimperlich geht es dabei nicht zu: Sporen und Zacken am Halfter sorgen beim Pferd für Gehorsam. Geritten werden die Pferde einhändig mit eng am Hals anliegenden Zügeln – so bleibt die zweite Hand frei für ein Arbeitsgerät – oder den schwarzen Hut.

Auch die Sättel der Gardians sind besonders, vorne und hinten weit hochgezogen und gut gepolstert. Statt der bei uns üblichen offenen Bügel sind die Steigbügel Halbkörbe – sie geben dem Fuß Halt, ohne dass er hängen bleiben kann.

Wie im Fluge vergehen die Stunden, in denen ich in diese fremde Welt eintauche. Und das Gefühl habe, Zeit gibt es nicht. Seit Jahrhunderten sind Handgriffe und Rituale unverändert.

Stiere erleben

Manade Caillan

François Fassi, Route de la Massane, F – 13210 Saint-Rémy-de-Provence, Tel. 06 28 78 42 55, www.manade-caillan.fr

Manade de Meyranne

Route des Marais, F – 13280 Raphèle (Arles), Mobil-Tel. (Isabelle): 06 85 35 10 04www.camargue-decouverte.fr

Manade Gilbert Arnaud

Mas lou Rayas – Dept.38c, F – 13460 Les Saintes-Maries de la Mer, Tel. 04 90 97 52 52, http://manadearnaud.com

Manade Jean Lafon

Mas du Grés, F – 34400 St-Nazaire de Pezan Lunel, Tel. 04 67 71 31 42, www.manade-lafon.com

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