er Roc de Nissol vor dem Massiv des Canigou in der Ferne. Foto: Hilke Maunder
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Wandertipp Prugnanes: Le rêve de Sylvain

Le rêve de Sylvain – der Traum von Sylvain:  Diese Wanderung durch den mediterranen Wald von Prugnanes und Weitblick über das Tal der Boulzane bis hin zu den Schneespitzen von Canigou und Pic de Madrès ist genauso traumhaft wie die Legende, die mit ihr zusammenhängt.

Sie erzählt, dass beim ersten Mond des Sommers die Feen der nahen Clue de la Fou kommen, um die ganze Nacht auf der Hochebene Pla de Moulis am Fuße des Nissol-Felsens zu tanzen.

Mit diesen Felsen im Blick verlasst ihr das Dorf. Foto: Hilke Maunder
Mit diesen Felsen im Blick verlasst ihr das Dorf. Foto: Hilke Maunder

Die Wanderstrecke

Die wunderschöne Wanderung beginnt am Parkplatz. Überquert die Brücke und folgt der Rue de la Fontaine ins Ortszentrum. Biegt am Straßenende halb links in die Rue de Bugarach, folgt ihrer leichten Steigung und biegt dann rechts in die Rue de Palmières ein.

Hier zweigt von der Forststraße der Wanderweg Rêve de Sylvain ab und führt den Hang hinauf. Foto: Hilke Maunder

Die anfangs noch asphaltierte und von Häusern gesäumte Straße wird dann zu einer sandigen Forststraße. Kurz vor einer betonierten Furt erreicht ihr eine Wegmarkierung. Verlasst die Straße und folgt dem Pfad, der links steil den Hang hinauf führt.

Prugnanes: Der Weg hinauf zum Roc de Nissol. Foto: Hilke Maunder
Der Weg hinauf zum Roc de Nissol. Foto: Hilke Maunder
Der mehrjährige Tragant bzw. Bockdorn ( Astragalus monspesullanus ) ist in den Pyrenäen vor allem in mittleren Lagen der Berge anzutreffen, wo er  kalkhaltige Böden bevorzugt. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Der Pfad erreicht einen kleinen Balkon und eröffnet besonders beim Roc de Nissol weite Blicke auf das Tal der Boulzane mit ihren Windkraftanlagen (s. Hintergrund) und die schneebedeckte Spitze des Canigou (2.785 Meter).

Blick vom Roc de Nissol zur Clue de la Fou bei Saint-Paul-de-Fenouillet. Foto: Hilke Maunder
Blick vom Roc de Nissol zur Clue de la Fou bei Saint-Paul-de-Fenouillet. Foto: Hilke Maunder
Der Blick über das Tal der Boulzane hin zum Pic des Madrès. Foto: Hilke Maunder
Der Blick über das Tal der Boulzane hin zum Pic des Madrès. Foto: Hilke Maunder
Der Blick ins Tal des Agly Richtung Maury. Hinter den steilen Felswände liegt der südliche Eingang der Gorges de Galamus. Foto: Hilke Maunder
Der Blick ins Tal des Agly Richtung Maury. Hinter den steilen Felswänden liegt der südliche Eingang der Gorges de Galamus. Foto: Hilke Maunder
Zistrosen blühen am Wegesrand. Foto: Hilke Maunder
Zistrosen blühen am Wegesrand. Foto: Hilke Maunder

Windkraft im Boulzane-Tal
Um den Wildwuchs der Windenergie zu verhindern, haben die Mitglieder des Gemeindeverbundes Agly-Fenouillèdes das Tal der Boulzane zwischen Saint-Paul-de-Fenouillet und Caudiés-de-Fenouillèdes als einzige Zone für Windkraft bestimmt. Am  19. Oktober 2017  wurden dort neun Windkraftanlagen mit je 2,3 MW eingeweiht. Gemeinsam liefern sie 45 GWh / Jahr und decken damit den jährlichen Haushaltsstromverbrauch von 36.000 Menschen.

Flechten sind Indikator-Pflanzen für besonders saubere Luft. Foto: Hilke Maunder
Flechten sind Indikator-Pflanzen für besonders saubere Luft. Foto: Hilke Maunder
Im April blühen Schlüsselblumen im Unterholz. Foto: Hilke Maunder
Im April blühen Schlüsselblumen im Unterholz. Foto: Hilke Maunder

Dann taucht der Pfad in einen mediterranen Wald mit Grüneichen,  Buchsbaum, Wacholder und gelegentlichen Erdbeerbäumen ein. Im Frühjahr blühen Schlüsselblumen und winzige wilde Narzissen.

Wilde Narzissen. Foto: Hilke Maunder
Wilde Narzissen. Foto: Hilke Maunder
Hier nicht sofort nach rechts abzweigen, sondern erst noch rund einige Meter weiter hochgehen. bis ein deutlich erkennbarer Pfad nach rechts abzweigt! Foto: Hilke Maunder
Hier nicht sofort nach rechts abzweigen, sondern erst noch rund einige Meter weiter hochgehen, bis ein deutlich erkennbarerer Pfad nach rechts abzweigt! Foto: Hilke Maunder

Ein Hinweisschild weist darauf hin, nach rechts abbiegen. Achtung! Noch nicht gleich abbiegen, sondern erst noch weiter bergan steigen, bis ein deutlich sichtbarerer Pfad zur rechten Seiten in sechs Schleifen hinauf bis zur Lichtung von Pla de Moulis hinaufführt.

Der höchste Punkt der Wanderung: Weitblick mit Thymian am Pla de Moulis. Foto: Hilke Maunder
Der höchste Punkt der Wanderung: Weitblick mit Thymian auf der Pla de Moulis. Foto: Hilke Maunder

An der Wegkreuzung nach rechts (Südosten) abbiegen. Immer häufiger eröffnen sich weite Blicke auf das Tal der Boulzane mit Caudiès-de-Fenouillèdes und den Hauptkamm der Pyrenäen mit dem Pic de Madrès ( 2.469 Meter) und dem Canigou (2.785 Meter).

Zu Ostern blühen wilde Narzissen auf dem Pla de Moulis. Foto: Hilke Maunder
Zu Ostern blühen wilde Narzissen auf der Pla de Moulis. Foto: Hilke Maunder

Folgt der rot-weiß markierten Grande Randonnée und Südvariante des Sentier Cathare bis hin zu einer weiten Fläche mit Thymian und Wacholder in Massen. Der schmale Weg ist ein traumhafter Panoramapfad.

Erst präsentiert er gen Süden das Tal der Boulzane und den Karst des Fenouillèdes vor den Kämmen der Pyrenäen. Dann öffnet er sich zum Tal des Agly mit Saint-Paul-de-Fenouillet. Schließlich folgt der Blick nach Osten auf das Meer und die Ebene des Roussillon.

Diesem Jäger-Pfad NICHT folgen! Foto: Hilke Maunder
Diesem Jäger-Pfad NICHT folgen! Foto: Hilke Maunder
Der Blick hin zum tiefen Einschnitt der Gorges de Galamus. Foto: Hilke Maunder
Der Blick hin zum tiefen Einschnitt der Gorges de Galamus. Foto: Hilke Maunder

Durchquert die weite, offene Fläche, ignoriert rechts einen unmarkierten Jägerpfad zurück nach Prugnanes und lauft stramm nach Osten weiter, bis ihr an eine markierte Weggabelung kommt mit einem einem großen Wacholderbaum auf der rechten Seite.

Abschied vom Aglytal (links, Osten) - nach Westen (rechts) geht es jetzt zurück und hinab nach Prugnanes. Foto: Hilke Maunder
Abschied vom Aglytal (links, Osten). Nach Westen (rechts) geht es zurück und hinab nach Prugnanes. Foto: Hilke Maunder
Die einzige größere Geröllpassage bei der Wanderung begegnet euch beim Abstieg nach Prugnanes. Vorsicht bei den lockeren Steinen! Foto: Hilke Maunder
Die einzige größere Geröllpassage bei der Wanderung begegnet euch beim Abstieg nach Prugnanes. Vorsicht bei den lockeren Steinen! Foto: Hilke Maunder

Biegt in diesen Pfad hinab nach Prugnanes ein und folgt ihm über mehrere kleine Geröllfelder. Erst bleibt der Blick weit und offen. Dann taucht ihr wieder in den mediterranen Bergwald ein.

Durch schattigen mediterranen Bergwald geht es weiter bergab. Foto: Hilke Maunder
Durch schattigen mediterranen Bergwald geht es weiter bergab. Foto: Hilke Maunder

Der Weg endet an der Forststraße, an der dieseWanderung begonnen hatte. Folgt der Forststraße rund 2,5 Kilometer oder rund 30 Minuten lang zurück ins Dorf.

Zurück am Forstweg - rechts geht es nach Prugnanes. Foto: Hilke Maunder
Zurück am Forstweg. Rechts geht es nach Prugnanes. Foto: Hilke Maunder
Auch Weißdorn blüht am Wegesrand. Foto: Hilke Maunder
Auch Weißdorn blüht am Wegesrand. Foto: Hilke Maunder

Das alte Dorf Prugnanes

Das kleine Tempelritter-Dorf Prugnanes liegt ganz im Norden der Pyrénées-Orientales an der Grenze zum Département Aude abseits von der D 117, der Hauptverkehrsader im Tal der Boulzane.

Blick auf Prugnanes. Foto: Hilke Maunder
Blick auf Prugnanes. Foto: Hilke Maunder

Seine wenigen Häuser überragen Kalksteinkämme, die sich beim Serrat de la Fumada bis auf 910 Meter hoch aufschwingen. Wald statt Wein prägt hier die Landschaft. Nach dem Weltkrieg litt Prugnanes massiv unter Landflucht.

Der Dorfplatz von Pruganes mit seiner alten Platane. Foto: Hilke Maunder
Der Dorfplatz von Prugnanes mit seiner alten Platane. Foto: Hilke Maunder

Doch seit 2010 belebt sich das Dorf wieder, und dank Internet und Telearbeit kehren immer mehr junge Menschen zurück. Heute leben in Prugnanes ganzjährig wieder gut hundert Menschen, Tendenz steigend.

Dieser Bewohner des Fenouillèdes fühlt sich als Katalane - auch wenn Prugnanes bereits im Jahr 1253 französisch wurde. Foto: Hilke Maunder
Dieser Bewohner des Fenouillèdes fühlt sich als Katalane. Foto: Hilke Maunder

Diese Entwicklung unterstützt der Gemeindeverbund Agly-Fenouillèdes, zu dem Prugnanes gehört. Der Dorfbrunnen von 1854 wurde renoviert, der Dorfplatz um die zentrale alte Platane neu gestaltet.

Prugnanes. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Mit Mitteln aus dem EU InterReg-Topf macht die Kommune das Dorf fit für den Tourismus, legte Wander-, Rad- und Trailrouten an und Picknickplätze an einem Grill, den jeder kostenfrei nutzen darf.

Prugnanes: Ganz schön schmal: die Ruelle du Courridou. Foto: Hilke Maunder
Ganz schön schmal: die Ruelle du Courridou. Foto: Hilke Maunder

Le rêve de Sylvain: die Infos

Karte

IGN TOP 25

Start

kostenloser Parkplatz am Ortseingang an der Straße D 20 nach Caudiès-de-Fenouillèdes.

Länge/Höhenmeter/Zeit

8 Kilometer, 400 Höhenmeter, ca. 2,5 Stunden

Wander-PDF

Das PDF der Wanderung vom Fremdenverkehrsamt des Fenouillèdes (auf Französisch) könnt ihr hier herunterladen und findet ihr hier im Blog.

Prugnanes: Die Orts- und Wanderinfo zu Beginn der Wanderwege, die im Dorf starten. Foto: Hilke Maunder
Die Orts- und Wanderinfo zu Beginn der Wanderwege, die im Dorf starten. Foto: Hilke Maunder

Schlafen / Schlemmen

Gîte d’étape Benjamin

Direkt am nördlichen Ortsausgang und direkt an den Wanderwegen liegt dieses geräumige Hostel mit Garten und Grillgerichten, Schlafsälen und Zweitbettzimmern.
• 4, rue des Palmières, 66220 Prugnanes,Tel. 06 85 22 60 85, https://gitebenjamin66.wixsite.com/gitebenjamin66

Noch mehr Betten*

 

n Prugnanes könnt ihr Esel mieten und mit den Grautieren wandern. Foto: Hilke Maunder
In Prugnanes könnt ihr Esel mieten und mit den Grautieren wandern. Foto: Hilke Maunder

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Im Blog

Alle Beiträge in den Pyrénées-Orientales vereint diese Kategorie.

Im Buch

Ralf Nestmeyer, Languedoc-Roussillon*

Zwischen dem Delta der Camargue und den Gipfeln der Pyrenäen hat Ralf Nestmeyer nahezu jeden Strand gesehen, jede Stadt besucht, jedes Wehrdorf besichtigt – im Languedoc etwas intensiver, im Roussillon fokussiert er auf bekannten Highlights. Inzwischen ist der wohl beste Führer für diese wunderschöne Ecke Frankreichs 2024 in der 10. Auflage erschienen.

Das 588 Seiten dicke Werk ist der beste Begleiter für Individualreisende, die diese Region entdecken möchten und des Französischen nicht mächtig sind. Wer möchte, kann den Band hier* direkt bestellen.

Hilke Maunder, Okzitanien: 50 Tipps abseits der ausgetretenen Pfade*

Okzitanien abseits GeheimtippsOkzitanien ist die Quintessenz des Südens Frankreichs. Es beginnt in den Höhen der Cevennen, endet im Süden am Mittelmeer – und präsentiert sich zwischen Rhône und Adour als eine Region, die selbstbewusst ihre Kultur, Sprache und Küche pflegt.

Katharerburgen erzählen vom Kampf gegen Kirche und Krone, eine gelbe Pflanze vom blauen Wunder, das Okzitanien im Mittelalter reich machte. Acht Welterbestätten birgt die zweitgrößte Region Frankreichs, 40 grands sites – und unzählige Highlights, die abseits liegen. 50 dieser Juwelen enthält dieser Band. Abseits in Okzitanien: Bienvenue im Paradies für Entdecker!  Hier* gibt es euren Begleiter.

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4 Kommentare

  1. Hallo Hilke, eine wirklich schöne Tour – bin sie gestern gegangen. Der Tipp zum Nicht-zu-früh-abbiegen ist Gold wert – Ich war wirklich erst einmal verwirrt! Vielen Dank nochmals! Joachim

  2. Wow, Hilke, heute wieder so viele interessante Beiträge! Die balade um Pugnanes steht ganz oben auf unserem Programm, sobald wir wieder in unsere Wahlheimat dürfen- Deine wunderschönen Fotos haben uns inspiriert, haben eben schon Karten gewälzt.
    Kleine Ergänzung zu Dominique Manotti: sie wurde auf ARTE vorgestellt (In Marseille mit D.Manotti), Serie „Mordsidyll, in der u.a. auch Martin Walker u. Yann Sola vorgestellt wurden. In der ARTE-Mediathek noch bis 6.Mai 21. Wir fanden die alte Dame so interessant, daß wir sofort einen Krimi v. ihr bestellten. Nicht nur spannend, auch sehr klug erzählt.
    Also nochmal herzlichen Dank für Tipps und Beiträge, freuen uns schon auf nächsten Donnerstag!
    Heidi und Albrecht

    1. Liebe Heide, merci! Und danke für den tollen Tipp, da muss ich doch gleich mal in die Mediathek gucken. Yann Sola habe ich in Banyuls getroffen, schau doch mal hier: https://meinfrankreich.com/yann-sola/. Ich war heute mittags mal in Maury unterwegs – eine sehr schöne Wanderrunde, die ich ebenfalls noch vorstellen werde. Bises!! Hilke

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