D’Artagnan & Pousterles: entdeckt Auch! 2


Kennt ihr Auch, die Hauptstadt des Gers? Für einen Stadtbummel durch die Heimat des Musketiers d’Artagnan, die sich mit Ober- und Unterstadt am Lauf des Gers erhebt, solltet ihr einen Vormittag einplanen – dann lässt die Sonne den hellen Stein der Monumentaltreppe und der Kathedrale besonders schön leuchten.

Mein Stadtbummel für Einsteiger

Für alle, die noch nie in Auch waren, habe ich den Vorschlag  des Office de Tourisme aufgegriffen und den Rundgang ergänzt und modifiziert. Euren Wagen könnt ihr gut entlang der Zufahrtsstraße Rue de Samalens parken – von dort sind es nur wenige Schritte zur Altstadt. Die Stellplätze direkt vor der Office de Tourisme und der Kathedrale sind meistens bereits früh morgens belegt. Oder stellt euer Gefährt auf der nahen Place Salanis ab!

Cathédrale Saint-Marie

Sie gehört seit 1998 zum Unesco-Welterbe Jakobswege in Frankreich und gilt als eine der spätesten gotischen Kathedralen Frankreichs: die Kathedrale Sainte-Marie. Ihre prunkvolle Fassade indes ist ein Mix aus Gotik, Renaissance und Klassizismus. Auch, wenn ihr sonst eher einen Bogen um Gotteshäuser macht. Geht hinein und seht euch die 18 Glasfenster von Arnaut de Moles an.

Sie sind original aus dem 16. Jahrhundert erhalten und besitzen eine schier unglaubliche Leuchtkraft der Farben selbst bei trübem Wetter. Ebenso beeindruckend ist der Chor, den ihr gegen einen kleinen Tribut besichtigen könnte. Er wurde komplett aus dunkler Eiche geschnitzt – 113 Sitze und unzählige Heilige, Figuren, Schmuckelemente. Was für ein Mammutwerk!

Tour d’Armagnac

Den Kirchenschatz der Kathedrale findet ihr im Trésor des benachbarten Armagnac-Turm, der im 14. Jahrhundert als Kirchenknast errichtet wurde – der Erzbischof entschied, wer hier in den Kerker wanderte. Denn nicht ein Graf, wie der Name vermutet lässt, sondern der Erzbischof war Bauherr und Eigentümer des Turmes – und Hüter der obersten Gerichtsbarkeit.

Jedes Stockwerk birgt eine einzige Zelle. Und nur von der obersten könntet ihr in alle vier Himmelsrichtungen blicken. Leider kann man diese Zellen nicht besichtigen – und nicht die Aussicht genießen.

Escalier Monumental

Bis 2017 frisch saniert wurde die Monumentaltreppe, die mich 374 Ober- und Unterstadt verbindet. Frost hatte die 35 m hohe Treppenanlage arg in Mitleidenschaft gezogen…Den von oben gesehen ersten Absatz schmückt seit 1992 eine Bodenplastik von Jaume Plensa. „L’Observatoire du Temps“ nannte der Katalane seine gusseiserne Inschrift, die ein Bibelzitat zur Sintflut ist und damit an die katastrophalen Überschwemmungen von 1977 erinnert. Zur Plastik gehört als zweites Element L’Abri Impossible am anderen Ufer des Gers, der dem Département seinen Namen gab.

Auf dem untersten Treppenabsatz erhebt sich seit 1931 die Bronzestatue des berühmtesten Sohnes der Gascogne: Charles de Batz (ca. 1615 – 1673). Kennt ihr nicht? Doch! Unter dem Namen d’Artagnan machte ihn Alexandre Dumas mit seinem Roman „Die drei Musketiere“ weltberühmt. Tatsächlich gehörten jedoch vier Männer zu den den Leibwächtern von Ludwig XIII.

Geboren wurde d’Artagnan ganz in der Nähe: in Lupiac,das jeden Sommer mit dem Festival d’Artagnan, das ganze Jahr mit dem Musée d’Artagnan mit Wachsfiguren, Film und Ton die Persönlichkeit des Musketiers nach.

Porte d’Arton

Eine der Tor in der Festungsmauer – vermutlich wurde es im 14. oder 15. Jahrhundert erbaut. Das Pförtnerhaus wurde aus Holzfachwerk mit Ziegelfüllung errichtet.

Pousterles

Typisch für die Altstadt von Auch sind die Pousterles, fünf steile Treppengassen, die Ober- und Unterstadt verbinden – nicht nur Verbindungswege für die Bewohner, sondern oft lebensrettend: Sie erlaubten, bei Feuer rasch Wasser aus dem Fluss zu holen!

Maison Henri IV

1578 soll in diesem Stadtpalais der spätere König Heinrich IV. von Frankreich mit seiner Frau Margarete und Katharina von Medici übernachtet haben. Ob es stimmt oder nicht: Der Innenhof mit seiner beeindruckenden Treppe aus Holz und Stein ist auf jeden Fall sehenswert. Stoßt einfach die schwere Holztür des Eingangs auf – sie ist immer geöffnet!

Hôtel de France

Mehr als 300 Jahre alt ist das Traditionshotel von Auch, und bis 2010 hatte es recht viel Patina angesetzt und war heruntergekommen. Dann kam Vincent Cassasus mit seiner Frau Lucie und seinen beiden Brüdern und sorgte für frischen Wind und neuen Komfort in den Nostalgiezimmern und der Küche.

Place de la Libération

Im 18. Jahrhundert öffnete sich die Stadt. Die Befestigungen wurden nach und nach geschleift. Außerhalb der Stadtmauern ließ Étigny diesen einst königlichen Platz anlegen.

Hôtel de Ville

Das ursprünglich ab 1760 als private Villa erbaute Rathaus birgt im Erdgeschoss das einzige noch in Südfrankreich erhaltene Theater im italienischen Stil. Im ersten Stock findet ihr die Salle des Illustres. Wo heute die Stadtverordneten tagen, wurde einst musiziert. Portraits berühmter Gascogner schmücken den damals privaten Konzertsaal.

Allée d’Étigny

Antoine Mégret d’Étigny ließ nicht nur die Rathausvilla erbauen, sondern gegenüber auch die 250 m lange Allee auf ehemaligem Friedhofsgelände errichten. Die Allee endet am Justizpalast, den Statuen der Gerechtigkeit und der Tapferkeit schmücken.

Maison Fedel

Zu den ältesten Häusern der Oberstadt gehört das mittelalterliche Fachwerkhaus, in dem früher das Fremdenverkehrsamt seinen Sitz hat. Heute markiert es den Eingang zur Fußgängerzone.

Rue Dessoles

„Camin dret“, gerader Weg, hieß die Schlagader des alten Auch im Mittelalter auf Gascognisch. Heute trägt sie den Namen von Jean-Joseph-Paul-Augustin Dessoles. Der General von Revolution und Kaiserreich wurde in der Rue de Bazeilles geboren. Heute ist die Gasse die Hauptgeschäftsstraße der Oberstadt mit vielen Läden, Bars und Boutiquen. Schaut mal ins Schaufenster von Nummer 36: Eric Messerer ist Meisterbäcker für Hochzeitstorten in Auch!

Auch: meine Reisetipps

Schlafen

Hôtel-Restaurant de France

Lucie und Vincent, die neuen Betreiber des einst recht herunter gekommenen Hotels, haben das drei Jahrhunderte alte Haus mit Gespür für Erbe und Tradition saniert und richtig schick gemacht – einfach nostalgisch in der Kategorie „Tradition“, geradezu opulent in den geräumigen Zimmern der Kategorie „Prestige“. Gourmetküche aus dem Gers gibt es in der Grande Salle, ehrliche Gascogneküche in der Brasserie Le 9e.
• 1, Place de la Libération, 32000 Auch, Tel. 05 62 61 71 71www.hoteldefrance-auch.com

Schlemmen

La Table d’Oste

Von kleinen Produzenten und Höfen stammen die Produkte, die Camille und Patrick Bonnans zu Hambur-„Gers“, Foie Gras, Cassoulet und Porc Noir-Gerichten verarbeiten.
• 7, Rue Lamartine, Tel. 05 62 05 55 62www.latabledoste.com

Nicht verpassen

Berges du Gers &  Allée des Arts

Die Ufer des Gers wurden auf mehren Kilometern zu einer attraktiven Bummelmeile am Fluss umgestaltet – joggt oder wandert gen Norden bis zum Parc de Couloumé. Ihr liebt moderne Architektur? Dan macht auf dem Weg einen Schlenker zur Allée des Arts mit der staatlichen Zirkusschule CIRCa, der Kuppel des Dôme de Gascogne und den fünf Sälen des Ciné 32, das im Sommer zur Filmvergnügen unter freiem Himmel lädt.

Caserne Espagne / Carré des Dragons

Das einstige Kasernengelände soll revitalisiert und in Wohnraum, Büros und Länden umgewandelt werden. Noch ist das Militärareal mit seinen Bauten im wuchernden Grün ein spannender Ort für Zeitreisen und Entdeckungen abseits eingetretener Pfade.

Mehr entdecken

Mehr Gers im Blog

Der Gers ist eine Genussregion – folgt meiner Landpartie hier.

Bekanntester kulinarischer Botschafter des Gers ist die Foie Gras: Infos & Hintergrund gibt es hier.

Schwarze Schweine tummeln sich halbwild auf den Weide – entdeckt das Porc Noir de Bigorre hier.

Für Kuchenfans habe ich aus dem Gers ein Rezept zum Nachbacken mitgebracht: Croustade – köstlich fruchtig wie herzhaft.

Auch in diesem Kuchen ist das Kellergold des Gers versteckt: Armagnac – meinen Kellerbesuch samt Rezept findet ihr hier.

Woher der Ausdruck „blaumachen“ kommt, und was er mit dem Gers zu tun hat, verrate ich hier.

Marciac feiert im Sommer Europas größtes Jazzfestival. Was ihr erleben könnt, erfahrt ihr hier.

Die rurale Renaissance im Gers hat auch Simorre erfasst – lest mehr dazu hier.

Die Abbaye de Flaran, das karge Kloster der Zisterzienser in Valence-sur-Baïse, birgt heute die hervorragende Simonov-Gemäldesammlung mit Meisterwerken des 17. – 20. Jahrhundert von Ronda, Monet, Steer, Courbet; alle Infos gibt es in diesem Blogbeitrag.

Mein Reiseführer-Tipp

Auch wird in diesem Reiseführer ausführlich vorgestellt.

Annette Meiser, die u.a. die ers­te müll­frei­e Schu­le Deutsch­lands mitbegründete, hat in Midi-Pyrénées ihre Wahlheimat. Dort lebt und arbeitet sie seit vielen Jahren und bietet erdgeschichtliche und kulturhistorische Wanderreisen an.

Ihre Expertise hat sie auf 432 Seiten zwischen die Buchdeckel eines Reiseführers gepackt. Ihr ersten Buch stellt eine Ecke Frankreichs ausführlich vor, die in klassischen Südfrankreich-Führern stets zu kurz kommt. Für mich ist es der beste Reiseführer auf Deutsch für alle, die individuell unterwegs sind – sehr gut gefallen mir die eingestreuten, oftmals überraschenden oder kaum bekannte Infos. Wie zum einzigen Dorf Frankreichs, das sich in zwei Départements befindet: Saint-Santin liegt genau auf der Grenze von Aveyron und Cantal.

Annette Meiser, Midi-Pyrénées, Michael-Müller-Verlag 2015, ISBN 978-3-89953-750-5. Wer mag, kann den Band hier direkt online bestellen.

Offenlegung

Bei meiner Recherche in Marciac und im Gers unterstützten mit das CRT Occitanie und Tourisme Gers mit Kost, Logis und unglaublich kenntnisreichen, hilfsbereiten und herzlichen Mitarbeitern von den Fremdenverkehrsämtern vor Ort. Ihnen allen sage ich „merci“ und ganz dicken Dank. Einfluss auf meine Blogberichte hat dies nicht. Ich berichte subjektiv, wie ich es erlebt habe, mache kein Merchandising und werde erst recht nicht für meine Posts bezahlt.


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2 Gedanken zu “D’Artagnan & Pousterles: entdeckt Auch!

  • Illa Lischewski

    Wunderbarer und sehr detaillierter Bericht, Hilke, vielen Dank! Das macht mich neugierig, ich werde eine Reise in diese Region planen.
    Liebe Grüße
    Illa