Leucate: Urlaub mit Adrenalin

Blick vom Cap Leucate auf Port Leucate und Le Bacarès. In der Ferne: die Pyrenäen. Foto: Hilke Maunder
Blick vom Cap Leucate auf Port Leucate und Le Bacarès. In der Ferne: die Pyrenäen. Foto: Hilke Maunder

Zwischen Narbonne und Perpignan fallen weiße Kalksteinklippen als letzte Ausläufer der Corbières maritime schroff ins türkisblaue Mittelmeer. „Leukos“ nannten sie die Griechen, und gaben damit einem Küstenort den Namen, der heute zu beliebtesten Aktiv-Urlaubsorten im Languedoc gehört: Leucate.

Im Winter leben hier 2.800 Menschen. Im Sommer jedoch tummeln sich in Leucate bis zu 60.000 Feriengäste am 16 km langen Sandstrand.

Der Leuchtturm von Cap Leucate. Foto: Hilke Maunder

Leucate-village

Im Mittelalter war Leucate-village ein Grenzort zu Spanien und durch seine exponierte Lage auf einem Hügel ein wichtiger Kontrollposten für den Land- und Seeverkehr. Als Ruine erhebt sich die alte Burg aus dem 11. Jahrhundert bis heute über dem alten Dorf Leucate-village.

Leucate-Village: Markttreiben auf der Place de la République. Foto: Hilke Maunder

Wie strategisch wichtig bis heute die Lage von Leucate ist, verraten die Radar- und Antennenanlagen auf dem Cap Leucate. Auch Reste deutscher Bunkeranlagen könnt ihr dort heute noch entdecken.

Leucate-La Franqui

Erst im frühen 20. Jahrhundert gegründet wurde der Badeort La Franqui. Dort ist der Strand sehr breit, oft trennen nur knietiefe Pfützen den Strand von der Sandbank. La Franqui ist ein Idyll für alle, die gerne an der Wasserkante entlang laufen und Urlaubsorte schätzen, die noch ein wenig dörflich und verschlafen sind. Einzig, wenn der Regionalzug hält und die Urlauber ankommen, wird es auch hier arg trubelig.

Teure Kunst aus Treibgut

Die Franzosen, die hier urlauben, haben meist ein Ferienhaus oder wohnen bei Freunden. Einer von ihnen, der hier heimisch ist, heißt Patrick Chappert-Gaujal und ist Frankreichs bekanntester Recycling-Künstler. Aus ablegten Dingen, die er bei seinen Strandspaziergängen, auf alten Industriestätten oder auf Schrottplätzen und Flohmärkten findet, gestaltet er Kunst, die überrascht.

Für Fun und Urlaub rund um die Uhr stehen im Quartett von Leucate zwei Ortsteile mit modernen Feriensiedlungen:  Leucate-plage und Port Leucate mit Jachthafen  und FKK-Dörfern auf einer künstlich angelegten Halbinsel.

Leucate-plage

Leucate-plage mit seinem étang. Foto: Hilke Maunder

Leucate-plage entstand Ende des 19. Jahrhunderts als Sommerfrisch. Seine Villen und Apartmenthäusern klettern nördlich des Étangs einen kleinen Hügel empor. Außerhalb der Schulferien wirkt der Badeort verlassen und wie aus der Zeit gefallen.

Gen Norden grenzt Leucate-plage an die schroffe Steilküste des Cap Leucate, in dessen Buchten auch gerne hüllenlos gebadet wird. Von Leucate-plage führt ein Wanderweg entlang der Klippen zu den Badestellen; hinab in die Buchten führen steile, mitunter arg rutschige Sand- und Treppenwege.

Tief unter dem Cap Leucate: das türkisblaue Mittelmeer. Foto: Hilke Maunder
Cap Leucate, Blick gen Norden. Foto: Hilke Maunder

Port Leucate

Port Leucate gehört zu den Großprojekten von La Floride française. Um die Franzosen zum Urlaub im eigenen Land – statt in Spanien – zu bewegen, hatten staatliche Planer in den 1960er-Jahre mehrere Ferienstädte vom Reißbrett entworfen.

Auch Port Leucate entstand auf dem Reißbrett. Seinen Ortskern umgeben zwei große Hafenbecken mit rund 1.200 Liegeplätzen. Dort solltet ihr einmal im Palais de la Glace das Speiseeis aus eigener, teils preisgekrönter Herstellung kosten. Es gibt es auch vegan und ohne Gluten!

Die kleine „Insel“ im Herzen von Port-Leucate umgibt ein Kranz von Feriensiedlungen und Appartementhäusern, Campingplätzen und Fun-Angeboten, wie sie typisch sind für die Mittelmeerküste des Languedoc: Karting und Kirmes, Pony- und Pferdereiten, Wasserpark und Riesenrad sorgen für Abwechslung.

Fast nahtlos schließt sich  Le Barcarès an,  mit ähnlicher Struktur, ähnlichen Angeboten. Im Sommer tobt hier das Leben, von September bis Mai ist alles nur Kulisse.

Spielplatz der Surfer und Kite-Surfer: der Étang de Leucate. Foto: Hilke Maunder

Adrenalinkicks für Aktive

Leucate ist ein Ferienort für Aktive. Mountain-Biken und alle Arten von Wassersport stehen hier hoch im Hoch. Einmalig in Europa ist der Skyfly. Mit einem gesicherten Drachen könnt ihr 12 m hoch über Sandstrand und Mittelmeer fliegen.

Ungesichert wagen die Kite-Surfer waghalsige Sprünge auf den Lagunenseen von Leucate und Salses, die so flach sind, dass auch Speed-Surfer ideale Bedingungen vorfinden.  Zweiter Hotspot der Surfer ist das stets windige Cap Leucate.

Weite, Stille, Meer: Leucate-La Franqui im Hochsommer. Foto: Hilke Maunder

Leucate: meine Reisetipps

Events

Kite- und Windsurf-Wettbewerb Mondial du Vent (Apr.), katalanisches Volksfest Sol y Fiesta (Ende Mai), Festival der Zeichentrickfilm-Synchronstimmen Voix d’Étoiles (Okt.)

Schlemmen

Jardin des Filoche

Serge Filoche kreiert im Jardin des Filoche zehn köstliche Fisch-Variationen.
• 64, avenue Jean-Jaurès, Leucate village, Tel. 04 68 40 01 12, www.facebook.com

Les Pilotis

Zwischen den Fischerhütten von Le Barcarés und den südlichen Ausläufern von Leucate findet ihr dieses Strandlokal auf Stelzen, das auch „transats“, Liegen, vermietet. Die Küche ist frisch, kreativ und köstlich, vom Meer geprägt, aber auch Landküche steht auf der Karte. Wer abseits vom Trubel einen entspannten Strandtag mit Service erleben möchte, ist hier goldrichtig.
• che Mouret, 11370 Leucate, Tel. 06 26 34 17 86

Le Grand Cap

Nach Alexander Klim wagt der nächste junge Chef hoch über den Klippen von La Franqui den Sprung in die Selbstständigkeit mit dem ersten eigenen Restaurant: Erwan Houssin. Im Restaurant Le Parc  Meurice hat Houssin bei Yannick Alléno seine fein ausbalancierte Küche entwickelt.

Pamela Houssin lernte erst bei Franck Putelat, dann in Paris bei Éric Fréchon in Le Bistrol die Raffinessen der Pâtisserie. Seit 2016 begeistern sie gemeinsam im neu gestylten Ambiente, das Retro der Fifties, maritime und Design von heute zu einem stylisch-entspannten Ambiente mit Stil vereint.
•  Chemin du Phare,  11370 Leucate , Tel. 04 68 48 13 73,  www.restaurant-grand-cap.fr; Di., Mi. So. abend geschl.

Schlafen

La Côte Rêvée

Ein typisches Strandhotel ist auch La Côte Rêvée mit elf Zimmern, einige mit Balkon, hinter seiner weißen Fassade – und großer Terrasse direkt am Strand.
• 55, avenue du Front-de-Mer, Leucate-plage, Tel. 04 68 40 72 72, www.coterevee.com

La Galerie

In einem alten Stadthaus im Herzen von Leucate-village hat der Künstler Nicolas Galtier das wundervolle B & B La Galerie geschaffen, das moderne Kunst, Antiquitäten und eigene Werke aufs Stilvollste verbinden.
• 16, place de la République 
Tel. 04 68 40 82 46, www.nicolas-galtier.com, www.lagalerie-leucate.fr

Hôtel 19-21

Dieses Herrenhaus mit seinem alten Weinkeller beherbergt zwanzig Zimmer mit einzigartiger Atmosphäre, die gemütlich und stilvoll zugleich sind. Das Anwesen bietet eine Dachterrasse mit Pool und Sauna, einen gemütlichen Salon mit Zugang zu einem von Bäumen gesäumten Innenhof sowie einen Wein- und Schinkenkeller. Zum Haus gehört der Privatstrand „Le Poulpe“ mit dem gleichnamigen Restaurant.
• Avenue Vals, 11370 Leucate, Tel. 04 68 27 68 44, www.hotel19-21.com

Les Chambres de la Franqui

Das wunderschöne Chambre d’Hôte von Nathalie habe ich hier vorgestellt. Ihr Mann Patrick ist Frankreichs bekanntester Recycling-Künstler. Entdeckt ihn hier.
• 20 bis, rue de la Fount D’Amand, La Franqui Plage, 11370 Leucate, Tel. mobil 06 79 18 37 30, www.chambreslafranqui.com

Weitere Unterkünfte*

Booking.com

Das Fort de Salses. Foto: Hilke Maunder

In der Nähe

Fort de Salses

Die gewaltige Festung von Salses mit ihren zehn Meter dicken Mauern, Zugbrücken und abgerundeten Türmen, die Kanonenkugeln ablenken sollten, ließ König Ferdinand von Aragon 1497 – 1504 an der Grenze des katalonischen Roussillon zum Languedoc errichten.
• N 9, Salses-le-Château, Tel. 04 68 38 60 13, www.forteresse-salses.fr

Réserve africaine

Safari-Feeling vermittelt die 300 ha große Réserve africane von Sigean 3.800 wilde Tiere – Löwen, Nashörner, Antilopen und Tiger streifen durch die Steppe, tausende Pelikane und Flamingos bevölkern die Gewässer. Hier habe ich es vorgestellt.
• 8 km nördl. von Sigean an der N 9, www.reserveafricainesigean.fr

Bages

In Bages, einem charmant mittelalterliches Dorf des Regionalen Naturparks Narbonnaise en Méditerranée, wird seit Jahrhunderten Aal gefangen. Entdeckt bei einem Ausflug das Erbe der Aalfischer. Tipps und Impressionen gibt es hier!

L.A.C. Lieu d’art contemporain 

Kunst im Weinkeller: Mehr Infos gibt es in diesem Blogbeitrag !

Narbonne

Meine kleine Liebeserklärung gibt es hier.

Katharerburgen

Die Glaubensfestung der „Ketzer“ sind grandiose Adlerhorste – Quéribus und Peyrepertuse sind von Leucate am leichtesten zu erreichen. Oder folgt dem Sentier Cathare. Den Wanderweg habe ich hier vorgestellt.

Perpignan

In der Hauptstadt des Roussillon erlebt ihr katalanische Lebenslust. Hier habe ich die Highlights vorgestellt, hier die einzelnen Stadtviertel.

Weiterlesen

Zur Einstimmung: DuMont Bildatlas Frankreich Süden (Okzitanien)*

Der Bildatlas "Frankreich Süden" von Hilke Maunder - die fünfte AuflageMein DuMont Bildatals Frankreich Süden (Okzitanien)* fängt zwischen Rhône und Garonne, Cevennen und Pyrenäen in sieben Kapiteln die Faszination der alten Region Languedoc-Roussillon in Wort und Bild ein – auch als eBook!

Von Montpellier, der Boomtown am Mittelmeer, bis zum römisch-romantischen Nîmes, von den Étangs bei Narbonne bis zur katalanischen Kapitale Perpinyá. Und noch ein Schlenker nach Carcassonne und Toulouse: voilà meine Herzensheimat! Wer mag, kann den Band hierdirekt bestellen.

MARCO POLO Languedoc-Roussillon: die Hommage von Hilke Maunder an ihre WahlheimatKompakt & inspirierend: MARCO POLO Languedoc-Roussillon/Cevennen*

Den MARCO POLO Languedoc-Roussillon/Cevennen* habe ich nach Axel Patitz und Peter Bausch inzwischen mehrfach umfangreich erweitert und aktualisiert.

Von den Cevennen über das Languedoc bis hin zum Roussillon findet ihr dort Highlights und Kleinode, Tipps für Entdecken und Sparfüchse – und Adressen, die ich in meinem Frankreichjahr neu entdeckt und getestet habe.  Den Band hält ein Online-Update-Service aktuell, der euch über Events, Neueröffnungen und Schließungen informiert. Wer mag, kann ihn hier* direkt bestellen.

Der Reisebegleiter vor Ort: Ralf Nestmeyer, Languedoc-Roussillon*

Zwischen dem Delta der Camargue und den Gipfeln der Pyrenäen hat Ralf Nestmeyer nahezu jeden Strand gesehen, jeden Stadt besucht, jedes Wehrdorf besichtigt – im Languedoc etwas intensiver, im Roussillon fokussiert er auf bekannten Highlights.

Dennoch: Das gut 560 Seiten dicke Werk ist der beste Führer für Individualreisende, die diese Region entdecken möchten und des Französischen nicht mächtig sind. Wer möchte, kann den Band hier* direkt bestellen.

Das ganze Land: MARCO POLO Frankreich*

MARCO POLO Frankreich: praktisch und kompakt, bearbeitet von Hilke Maunder.Einfach aus dem Besten auswählen und Neues ausprobieren, ist das Motto der Marco Polo-Reiseführer. Den MARCO POLO Frankreich* habe ich gemeinsam mit Barbara Markert verfasst. Gleich zu Beginn geben wir unsere  Insider-Tipps für Frankreich preis: vom größten Flohmarkt Europas in Lille bis zur Schwimmen in der Piscine Olympique in Montpellier.

Das Kapitel „Im Trend“ verrät, was es Neues zu erleben gibt im Hexagon: vom Skijöring in den Skigebieten bis zum Übernachten im Baumhaushotel. Alle Hintergrundinformationen zu Frankreich und seinen Menschen findet ihr unter Fakten, Menschen & News. Es folgen: Tipps für Bars und Boutiquen, Erlebnissen für  Familien, Paare oder Alleinreisende. Wer mag, kann ihn hier direkt bestellen.

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Ihr findet es in der Leucate-village an der Place de la République. Foto: Hilke Maunder
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2 Kommentare

  1. Wie habe ich doch gestern gestaunt, in „Mein Frankreich“ in der Titelzeile den Namen unseres Herzensortes seit 1992 „Leucate“ zu entdecken! Damals eher zufällig dorthin geraten, haben wir uns aber ziemlich schnell verliebt. Was hat man nicht alles zu entdecken in dem wunderbaren Umland. Das Meer vor der Tür, die Pyrenäen nicht weit, und ringsherum wird vorzüglicher Wein angebaut. Es wird einfach nicht langweilig dort, wenn man Lust auf Entdeckungen hat.
    Wer noch mehr Lust auf schöne Bilder von Leucate hat, dem empfehle ich ein Musikvideo des in Frankreich beliebten spanischen Sängers Agustìn Galiana. Es wurde in Leucate gedreht, sogar bei „unseren“ Austernfischern. Der Etang de Leucate ist nämlich nicht nur ein Hotspot für Surfer, sondern er beherergt auch große Felder mit Austernbänken! Hier geht es zu Agustìn Galianas Videoclip:
    https://www.youtube.com/watch?v=Uf2jvFE6dY0
    Für die, die Lust bekommen haben, auch mal diese schöne Gegend näher kannenzulernen noch zwei Tipps die mir sehr am Herzen legen. Die Region, nicht so weit von der spanischen Grenze gelegen, ist katalanisch geprägt und pflegt die katalanischen Traditionen. Zu erkennen u.a. auch daran, dass Ortseingansschilder den französischen und katalanischen Namen führen. Aber besonders lieben wir die Tradition der Sardane (im span.Katalonien „Sardana“). Das ist der Tanz dieser Region. Bereits die Kinder lernen diesen Kreistanz. Die begleitenden Orchester heißen „Coblas“. Bis in den September hinein finden oft an den Abenden auf zentralen Plätzen der Dörfer Sardane-Abende statt. Der Ort Argelès sur Mer veranstaltet seit über 40 Jahren am ersten Wochenende im September die größte „Aplec de Sardane“ :
    https://www.argeles-sur-mer.com/offres/aplec-de-sardanes-argeles-sur-mer-fr-2451231/
    Noch ein letzer Tipp: wenn man schon mal in Leucate ist, lohnt unbedingt ein Abstecher in das Örtchen Fitou, welches umgeben ist vom Anbaugebiet des gleichnamigen wunderbaren Weines. Im Ort kann man diesen bei sehr vielen Winzern kaufen und es gibt auch mehrere gute Restaurants dort. Wenn man in Leucate am Etang steht und auf die andere Seite blickt, dann sieht man schon Fitou: http://www.fitou.fr/
    Wie überall im Süden, sind eher die Zeiten außerhalb der französischen Ferien zu empfehlen, wir verbringen jedes Jahr den September dort. Die Touristenmassen sind weg, die Weinernte beginnt – eine Zeit der Entspannung.

    • Liebe Doris, ganz, ganz herzlichen Dank für Ihre Tipps samt Links (top!) und Impressionen. Die Impressionen des spanischen Sängers kannte ich noch nicht und werde sie mir gleich einmal ansehen! Ganz herzlichen Dank und noch viel Freude mit Mein Frankreich!
      Hilke

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