Blick vom Cap Leucate auf Port Leucate und Le Bacarès. In der Ferne: die Pyrenäen. Foto: Hilke Maunder
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Postkarte aus … Leucate

Zwischen Narbonne und Perpignan fallen weiße Kalksteinklippen als letzte Ausläufer der Corbières maritime schroff ins türkisblaue Mittelmeer. Leukos nannten sie die Griechen und gaben damit einem Küstenort den Namen, der heute zu den beliebtesten Aktiv-Urlaubsorten im Languedoc gehört: Leucate. Im Winter leben hier 2.800 Menschen. Im Sommer jedoch tummeln sich in Leucate bis zu 60.000 Feriengäste am 16 Kilometer langen Sandstrand.

Der Leuchtturm von Cap Leucate. Foto: Hilke Maunder
Der Leuchtturm vom Cap Leucate. Foto: Hilke Maunder

Leucate mal vier

Leucate besteht aus vier großen Ortsteilen: Leucate-village, Leucate plage, Port Leucate und La Franqui, wo auch die TER-Regionalzüge halten.

La Franqui

La Franqui ist der älteste Badeort des Languedoc und beliebter Treffpunkt von Surfern und Kitesurfern. Anfang April tragen hier die Champions auf ihren Brettern die Weltmeisterschaft Mondial du Vent aus.

Spielplatz der Surfer und Kite-Surfer: der Étang de Leucate. Foto: Hilke Maunder
Spielplatz der Surfer und Kite-Surfer: der Étang de Leucate. Foto: Hilke Maunder

Juwel unter den Stränden ist die ursprüngliche, acht Kilometer lange Plage des Coussoules, die unter Naturschutz steht – daher fehlt jegliche Infrastruktur. Dies macht der Naturstrand aber mit herrlich wilden Stellen wett, Treibsand und Minidünen inklusive. Hin kommt ihr vom Parking des Coussou-les-Basses. In La Franqui daheim ist Patrick Chappert-Gaujal. Mehr über den berühmten Recyclingkünstler des Languedoc erfahrt ihr in diesem Beitrag.

Leucate-village

Im Mittelalter war Leucate-village ein Grenzort zu Spanien und durch seine exponierte Lage auf einem Hügel ein wichtiger Kontrollposten für den Land- und Seeverkehr. Als Ruine erhebt sich die alte Burg aus dem 11. Jahrhundert bis heute über dem alten Dorf Leucate-village.

Dekor einer Kneipe an der Place de la République von Leucate-village. Foto: Hilke Maunder
Dekor einer Kneipe an der Place de la République von Leucate-village. Foto: Hilke Maunder

Trotz allen Trubels konnte Leucate-village noch viel von seinem Charme als traditionelles Fischer- und Winzerdorfes bewahren. Seine Straßen sind voller Schatten und Sonne, seine Fassaden, Fensterläden und Türen voller Farbe. Und wie seit Jahrhunderten gastiert auch noch heute ein großer bunter Wochenmarkt jeden Dienstag und Samstag auf seinem zentralen Dorfplatz.

Leucate-Village: Markttreiben auf der Place de la République. Foto: Hilke Maunder
Dienstags und samstags herrscht Markttreiben auf der Place de la République von Leucate-Village: . Foto: Hilke Maunder

Leucate-plage

Während in La Franqui der Wind den Küstensee zur Rennfläche der Speed- und Windsurfer macht, begrenzen in Leucate-plage hohen Klippen die kleinen Badebuchten der Falaise de Leucate und bieten nicht nur Schutz vor der Tramontane, sondern auch allerbeste Schnorchelfluten.

Südlich der Klippen säumt ein breiter Strand die Languedoc-Küste und fällt so sanft ins Mittelmeer ab, dass er von Familien mit kleinen Kindern dafür besonders geschätzt wird. Mehrere Wanderwege und Straßen führen vom Strand hinauf zur Klippe von La Franqui. Dort droben lockt neben dem alten Leuchtturm das Restaurant Le Grand Cap mit Sterneküche zm Blick auf das Mittelmeer.

Badeklippe am MIttelmeer: Cap Leucate. Foto: Hilke Maunder
Badeklippe am Mittelmeer: das Cap Leucate. Foto: Hilke Maunder

Seit Generationen treffen sich Familien am Strand von Leucate-plage zwischen der Klippe und dem Strand von Briganti und dem Parkplatz Parking Plage Galion. Leucate-plage ist während der Hochsaison ein Badeort mit geballtem Strandvergnügen und reichlich Rummel.

Im Strandclub Les Dauphins wird der Nachwuchs betreut. Kinder im Alter von 4 bis 13 Jahren können dort einen Nachmittag, eine Woche oder länger verbringen, schwimmen lernen, spielen und neue Freunde finden. Weiter gen Süden folgt die plage de Mouret, die sich vom Parking Plage Galion bis zum Hafen der Austernfischer erstrecken. Kleine Dünen säumen diesen Naturstrand.

Leucate-plage von der südlichen Zufahrt. Foto: Hilke Maunder
Leucate-plage. Foto: Hilke Maunder

Port Leucate

Port Leucate wurde im Jahr 1968 neben dem alten Dorf im Zuge der Mission Racine aus dem Boden gestampft – mit Appartementhäusern, Hotels und Campingplätzen, Restaurants, Strandparkplätzen und Wohnmobilstellplatz, Snackbars und Strandclubs – und einem riesigen Jachthafen mit mehr als 1,400 Liegeplätzen.

Floride Française: Der Jachthafen von Port Leucate. Foto: Hilke Maunder
Der Jachthafen von Port Leucate. Foto: Hilke Maunder

Die Mission Racine war ein enormer staatlicher Kraftakt von Präsident Charles de Gaulle und seinem Premierminister Georges Pompidou. Ihr Ziel:  die Languedocküste zum Badeziel der Franzosen zu machen, Dazu arbeitete Pierre Racine mit mehreren Architekten zusammen, darunter Georges Candilis, der die Architektur der Carrats de Port Leucate entwarf und sich dabei insbesondere von Griechenland inspirieren ließ. Und auch in Port Leucate gibt es feine Sandstrände, soweit das Auge reicht!

Wer zur Mission Racine und der Entwicklung der Languedoc-Küste zur Floride Française erfahrt ihr hier.

Der Étang de Leucate

​Zur Landseite führt die Départementsstraße D 627 am riesigen Küstensee von Leucate und eröffnet erst weite Ausblicke auf Windsurfer und Kitesurfer. Bei guter Sicht spiegel sich die Schneekappe des Canigou, des heiligen Berges der Katalanen, im See. Dann tauchen die Tische der Austernfischer aus den Fluten auf. 

Genau dort, wo der Grau de Leucate einst die Verbindung zum Mittelmeer öffnete und sich heute eine Brücke hinüberschwingt nach Le Bacarès, und damit in das Département der Pyrenées-Orientales, servieren die Austernfischer von Leucate auf ihren Terrassen über dem Stichkanal allerbestes Seafood aus ihrer Zucht: Austern, topfrisch aus dem Étang de Leucate, Muscheln und anderes Meeresgetier. Zu Silvester bilden sich lange Autoschlangen, um die vorreservierten Spanschachteln voller Austern zum Fest abzuholen.

Reinste Entschleunigung: die Angel im Étang. Foto: Hilke Maunder
Reinste Entschleunigung: angeln im Étang de Salses-Leucate. Foto: Hilke Maunder

Leucate: meine Reisetipps

Schlafen

La Côte Rêvée

Ein typisches Strandhotel ist auch La Côte Rêvée mit elf Zimmern, einige mit Balkon, hinter seiner weißen Fassade – und großer Terrasse direkt am Strand.
• 55, avenue du Front-de-Mer, Leucate-plage, Tel. 04 68 40 72 72, www.coterevee.com

Hôtel 19-21

Im Herzen von Leucate-village haben Katy, Alex und Dominique  ein Herrenhaus und seinen alten Weinkeller in einer Oase der Ruhe mit modernem Look verwandelt. Ihre Unterkunft ist ein Boutiquehotel mit 20 Zimmern. deren Atmosphäre gemütlich und stilvoll zugleich ist. Das Anwesen bietet eine Dachterrasse mit Pool und Sauna, einen gemütlichen Salon mit Zugang zu einem von Bäumen gesäumten Innenhof sowie einen Wein- und Schinkenkeller. Zum Haus gehört auch ein Spa samt Sauna sowie ein Privatstrand mit dem Strandclub Le Pulpe.
• Avenue Vals, 11370 Leucate, Tel. 04 68 27 68 44, www.hotel19-21.com

Mein Extratipp: Les chambres de la Franqui

 La Franqui: Der Zugang zu den Gästezimmern. Foto: Hilke Maunder
Der Zugang zu den Gästezimmern. Foto: Hilke Maunder

Bienvenue bei Nathalie Chappert-Gaujal in La Franqui an der Mittelmeerküste von Leucate im Département Aude. Auf einen Namen hat die charmante Gastgeberin bewusst verzichtet: „Das weckt nur falsche Assoziationen. Chambre d’hôte sagt doch schon alles – Gästezimmer“, sagt die sympathische Gastgeberin. „Jeden Gast soll selbst entscheiden, was es für ihn bedeutet.“

 La Franqui: Die Villa von Nathalie und Patrick Chappert-Gaujal in La Franqui. Foto: Hilke Maunder
Die Villa von Nathalie und Patrick Chappert-Gaujal in La Franqui. Foto: Hilke Maunder

Für mich ist es: eine Terrasse. Riesengroß und hoch am Hang von La Franqui, einem Ortsteil von Leucate an der Badeküste des Languedoc. Mit weitem Blick über eine Handvoll Häuser und duftende Pinien hin zum Mittelmeer.

 La Franqui: Foto: Hilke Maunder
Perfekt positioniert: das Sightseeing-Sofa auf der Terrasse. Foto: Hilke Maunder
Von der Terrasse schweift der Blick weit über das Mittelmeer bei La Franqui. Foto: Hilke Maunder
Von der Terrasse schweift der Blick weit über das Mittelmeer bei La Franqui. Foto: Hilke Maunder

Ein Ort zum Entspannen, Schauen, Vor-sich-hinträumen. Mit Stahlkunst, mit Stil verrostet. Loungigem Sofa. Für Sundowner. Zum Sonnenbaden.

Eine Terrasse, auf der sich die Zeit verabschiedet. Vogelgezwitscher das Lesen begleitet. Und ein Fernglas verrät, welche gefiederten Gäste sich in den Ästen der Bäume verstecken.

 La Franqui: Ein Fernglas am Stuhl - es gibt immer etwas zu entdecken! Foto: Hilke Maunder
Für Beobachtungen stets griffbereit am Stuhl: das Fernglas. Foto: Hilke Maunder

Morgens ist die Terrasse ein Frühstücksplatz der Extraklasse. Nathalie hat in der Küche frischen Orangensaft gepresst. Auf einer Etagère trägt sie das petit déjeuner hinaus aufs Sonnendeck.

Auf dem Tablett stapeln sich frisches Obst, selbst gemachte Konfitüre, Biojoghurt, buttrige Croissants und knuspriges Baguette hinaus aufs Sonnendeck.

 La Franqui: Foto: Hilke Maunder
Frühstückszeit! Sieht es nicht lecker aus?
 La Franqui: Foto: Hilke Maunder
Guten Morgen, La Franqui! Foto: Hilke Maunder

Dramatisch grau und verhangen zeigt sich der Himmel. Die Luft aber ist lau und riecht wie neugeboren. So fühle ich mich auch. Denn, ja, es gibt auch Zimmer. Drei chambres d’hôtes, jedes für sich mit Design, Farbe und Kunst stylisch reduziert auf das Wesentliche, verbergen sich hinter der Holzfassade der minimalistischen Architektenvilla.

 La Franqui: Foto: Hilke Maunder
Praktisch und stylisch: die minimalistischen Gästezimmer.

Alle Zimmer liegen im ersten Stock – direkt an der Terrasse. Eine Treppe führt hinab zu einem kleinen Pool. Ihr findet ihn auf einer zweiten, kleineren Terrasse im Halbschatten. Das Erdgeschoss ist privat.

Doch ich durfte einmal hinter die verschlossenen Türen schauen und sehen, woran Patrick Chappert-Gaujal gerade in seinem Studio arbeitet … Klickt mal hier!

• 20 Bis, rue de la Fount d’Amand, La Franqui Plage, 11370 Leucate, Tel. 06 79 18 37 30, www.chambreslafranqui.com

Ihr Mann Patrick ist Frankreichs bekanntester Recycling-Künstler. Entdeckt ihn hier.

 La Franqui: Nathalie und Patrick Chappert-Gaujal Foto: Hilke Maunder
Nathalie und Patrick Chappert-Gaujal Foto: Hilke Maunder
La Franqui: Skulptur von Patrick Chappert-Gaujal. Foto: Hilke Maunder
Auf der Terrasse: eine Skulptur von Patrick Chappert-Gaujal. Foto: Hilke Maunder

Noch mehr Betten*

 
Lagunenseen des Languedoc. Das Château de Salses: Spaniens Festung auf französischem Boden. Foto: Hilke Maunder
Das Château de Salses: Spaniens Festung auf französischem Boden. Foto: Hilke Maunder

In der Nähe

Forteresse de Salses

Die gewaltige Festung von Salses mit ihren zehn Meter dicken Mauern, Zugbrücken und abgerundeten Türmen, die Kanonenkugeln ablenken sollten, ließ König Ferdinand von Aragon 1497 – 1504 an der Grenze des katalonischen Roussillon zum Languedoc errichten.
• N 9, Salses-le-Château, Tel. 04 68 38 60 13, www.forteresse-salses.fr

Salin de la Palme

Wie Meersalz gewonnen wird, erlebt ihr wenige Kilometer nördlich von Leucate in der Salin de la Palme.
• 3009 Chemin departemental, 709 La Pacheyrasso, 11480 La Palme, https://salindelapalme.com

Réserve africaine

Safari-Feeling vermittelt die 300 Hektar große Réserve africane von Sigean 3.800 wilde Tiere – Löwen, Nashörner, Antilopen und Tiger streifen durch die Steppe, tausende Pelikane und Flamingos bevölkern die Gewässer.
• 8 km nördl. von Sigean an der N 9, www.reserveafricainesigean.fr

Safaripark Sigean: Zebra. Foto. Hilke Maunder
Zebra, hautnah am Autofenster. Foto: Hilke Maunder

Bages

In Bages, einem charmant mittelalterliches Dorf des Parc Naturel Régional Narbonnaise en Méditerranée, wird seit Jahrhunderten Aal gefangen. Entdeckt bei einem Ausflug das Erbe der Aalfischer. Tipps und Impressionen gibt es hier!

Narbonne

Meine kleine Liebeserklärung gibt es hier.

Katharerburgen

Die Glaubensfestung der „Ketzer“ sind grandiose Adlerhorste – Quéribus und Peyrepertuse sind von Leucate am leichtesten zu erreichen. Oder folgt dem Sentier Cathare. Den Wanderweg habe ich hier vorgestellt.

Perpignan

In der Hauptstadt des Roussillon erlebt ihr katalanische Lebenslust. Hier habe ich die Highlights vorgestellt, hier die einzelnen Stadtviertel.

Perpignan schmückt seine Gassen mit dem katalanischen Banner Sang et Or, Blut und Gold. Foto: Hilke Maunder
Perpignan schmückt seine Gassen mit dem katalanischen Banner Sang et Or, Blut und Gold. Foto: Hilke Maunder

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Im Blog

Alle Beiträge aus dem Département Aude vereint diese Kategorie.

Im Buch

Ralf Nestmeyer, Languedoc-Roussillon*

Zwischen dem Delta der Camargue und den Gipfeln der Pyrenäen hat Ralf Nestmeyer nahezu jeden Strand gesehen, jede Stadt besucht, jedes Wehrdorf besichtigt – im Languedoc etwas intensiver, im Roussillon fokussiert er auf bekannten Highlights. Inzwischen ist der wohl beste Führer für diese wunderschöne Ecke Frankreichs 2024 in der 10. Auflage erschienen.

Das 588 Seiten dicke Werk ist der beste Begleiter für Individualreisende, die diese Region entdecken möchten und des Französischen nicht mächtig sind. Wer möchte, kann den Band hier* direkt bestellen.

Hilke Maunder, Okzitanien: 50 Tipps abseits der ausgetretenen Pfade*

Okzitanien abseits GeheimtippsOkzitanien ist die Quintessenz des Südens Frankreichs. Es beginnt in den Höhen der Cevennen, endet im Süden am Mittelmeer – und präsentiert sich zwischen Rhône und Adour als eine Region, die selbstbewusst ihre Kultur, Sprache und Küche pflegt.

Katharerburgen erzählen vom Kampf gegen Kirche und Krone, eine gelbe Pflanze vom blauen Wunder, das Okzitanien im Mittelalter reich machte. Acht Welterbestätten birgt die zweitgrößte Region Frankreichs, 40 grands sites – und unzählige Highlights, die abseits liegen. 50 dieser Juwelen enthält dieser Band. Abseits in Okzitanien: Bienvenue im Paradies für Entdecker! Hier* gibt es euren Begleiter.

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