Der Kunstsommer: Le Voyage à Nantes

Gleich sieben Mal setzte Tadashi Kamawata Vogelnester in XXL in die Bäume und auf die Dächer von Nantes. Foto: Hilke Maunder
Gleich sieben Mal setzte Tadashi Kamawata Vogelnester in XXL in die Bäume und auf die Dächer von Nantes. Foto: Hilke Maunder

Jeden Sommer inszeniert Nantes mit dem Event Le Voyage à Nantes den wohl ungewöhnliches Kultursommer Frankreichs. Künstler und Kreative, Gärtner und Köche, DJs und Graffiti-Künstler sind eingeladen, auf ihre ganz persönliche Art Nantes zu interpretieren. Mit Happenings und Konzerten, Kunstwerken und Ausstellungen, temporären und dauerhaften Installationen.

Le Voyage à Nantes demokratisiert Kunst. Holt sie raus aus Museen und Galerie und stellt sie in die Stadt. In Hinterhöfe, auf Plätze, in Straßen, Gassen und Passagen.

Das Festival und die gleichnamige Dachgesellschaft geben Impulse für Künstlerzimmer in Hotels, laden  Künstler ein, Ladenschilder zu gestalteten, Sportplätze und Spielfelder.

Am Ende jeden Sommers verbleiben einige Kunstwerke in Nantes und werden Teil der grünen Linie. 36 Kunstobjekte könnt ihr dort bewundern. Ein paar persönliche Highlights stelle ich hier vor.

Das ganze Programm gibt es auf Le Voyage à Nantes. Die Neuzugänge zur Open-Air-Dauersammlung der Le Voyage de Nantes 2019 werden am 6. Juli 2019 enthüllt.

Le Voyage à Nantes 2019: die fünf Neuzugänge zur ständigen Sammlung

Intermède (Zwischenspiel)

Die Terrassen des Restaurants „Fleix“ a, Bassin Saint-Felix. Foto: Hilke Maunder

Am Bassin Saint-Félix hat das Atelier Vecteur die Terrasse des Restaurants Felix in einen hölzernen Schiffsbug verwandelt – eine ungewöhnliche, vertikale Architektur in Holz.

Jungle Intérieure

Bereits seit April könnt ihr in dem winzigen Innenhof der Passage Bouchard den „Dschungel“ von Evor bewundern. Dort haben die Pflanzen in ihren Töpfen den Boden, die Wände, Mauern und Balkone erobert.

Unkraut und Exoten,  Zier- und Wildpflanzen: ein grünes Labor, das an die botanischen Traditionen erinnert. Einst hatten die Kapitäne der Handelsschiffe exotische Pflanzen aus aller Welt nach Nantes gebracht.

Voyage à Nantes: Jungle Intérieure. Foto: Hilke Maunder

Paysage Devant

Der Parc des Oblates eröffnete im Juni 2013 als 100. Park von Nantes. Angelegt auf einem einstigen Klostergelände im Chantenay-Viertel, vereint er auf drei Hektar Spielplätze und Picknickplätze, exotische Pflanzen, Urban-Gardening-Beeete und Kleingärten.

Im unteren Teil des Parks locken atemberaubende Blicke auf die Loire. Dort hält eine Herde von Belle-Île-Schafen das Gras kurz. Mitten durch Eichen, Pinien und Zedern führt ein „Chemin des Soupirs“. Der Obstgarten birgt alten und seltenen Sorten von Apfel-, Birnen- und Kirschbäumen, der Garten der Nonnen wunderschöne Schnittblumen.

Delphine Coindet infiltriert für Le Voyage à Nantes den Zaun des Clos de Baronnies, einer privaten Wohnanlage im Herzen des Parks. Sie stört die Struktur des Zauns mit skulpturalen Elementen – Stein und Cortenstahl, Buntglas und eloxiertem Aluminium. Goldfarbene Mondsicheln setzen Akzente in ihrer Komposition.

„Éloge du pas de côté“ nennt sich die ungewöhnliche Bronzeskulptur von Philippe Ramette. Foto: Hilke Maunder

Éloge du Pas à Côté

Vor den Terrassencafés hat Philippe Ramette mit einem Augenzwinkern das berühmte Bild „Wanderer über dem Wolkenmeer“ von Caspar David Friedrich mit einer ungewöhnlichen Bronzeskulptur für Le Voyage à Nantes interpretiert.

Seine Éloge du pas de côté zeigt einen Mann im Anzug, den Blick zum Horizont gerichtet. Nur ein Fuß ruht auf dem Sockel, der andere tappt ins Leere.

Doch der Mann fällt nicht, so bleibt aufrecht. Die Skulptur wird zum Sinnbild. Und zur Aufforderung. Wagt einen Schritt zur Seite! Verlasst die Norm. So wie Nantes es mit Le Voyage à Nantes in der Kultur umsetzt.

Éloge de la Transgression

Cours Cambronne: Skulptur-Traditionen im Wettstreit… Foto: Hilke Maunder

Bei dieser Skulptur von Philippe Ramelle im Cours Cambronne steht im Zentrum der künstlerischen Auseinandersetzung die Frage der Perspektive. Klettert die Schülerin den Sockel hinauf – oder hinab. Ganz bewusst stellt die Bewegung des Mädchen die Antithese zum steif stehenden General Cambronne darf.

Weitere Kunstwerke der Voyage à Nantes 2019

Vestige

Flora Moscovici sind die Farben lieber als die Figuren oder Formen. Nahe der Place Bouffay hat in der Rue de Échevins eine graue Wand farbig verwandelt. „Le Temps entre les pierres“ nennt sie ihre Installation.

Planet Man

Die beiden englischen Künstler Bevis Martin und David Youle, die seit 2003 in Nantes leben, setzen sich gerne kreativ mit Art Brut, Surrealismus sowie gefundenen Objekten auseinander.

Der „Planet Man“ von Bevis Martin und Charlie Youle schmückt den Parivs du Musée d’Arts. Foto: Hilke Maunder

Ausgangspunkt ihrer Arbeit ist oft ein Bild, das aus den Reserven einer Sammlung, eines Schulbuchs, einem Missverständnis oder einer Erinnerung, entlehnt wurde.

Ihr „Planet Man“ stellt die Frage, wie Wissen an Kinder ermittelt wird. Das Werk, ein unwahrscheinliches Objekt aus acht Planeten, karikiert humorvoll die Missionen von Kunst und Pädagogik in der Vermittlung von Konzepten.

Attraction

Voyage à Nantes: „Attraction“ im Jardin des Plantes. Foto: Hilke Maunder

Johann Le Guillerm führt im Jardin des Plantes ein Projekt fort, das er bereits 2001 begonnen hatte: Attraction. Der gesamte Stadtpark wird dabei zum Labour des Künstlers. Kinetische Wasserblumen, Origami-Vögel, Strukturen und Schilder kolonisieren die Natur, sind in Bewegung, verändern sich.

Le Voyage à Nantes: Attraction von Johann Le Guillerm im Jardin des Plantes. Foto: Hilke Maunder

Wie sind Formen fixiert? Wie organisieren sich Strömungen und Kräfte? Wie organisiert sich das Leben aus dem Chaos, sind seine Fragen. Seine poetischen Installationen sollen zeigen, was  auch uns bewegt und beeinflusst.

Quai des Plantes

Voyage à Nantes. Quai des Plantes. Foto: Hilke Maunder

Die breite Promenade am rechten Ufer der Loire verwandelt sich vom 6. Juli bis 1. September 2019 wieder in einen Quai des Plantes.  Auf der 600 m langen Freiluftgärtnerei zwischen der Anne-de-Bretagne-Brücke bis zur Gare Maritime könnt ihr im Sommer 1500 Bäume aus 200 Arten entdecken, aber auch Magnolien und andere blühende Exoten.

Die Freiluftbar „40 Pieds“ lädt freitags zu Live-Musik. Foto: Hilke Maunder

Ein kleiner Gemüsegarten und Becken mit Wasserpflanzen ergänzen die grüne Promenade.Mittendrin findet ihr immer wieder breite Holzbänke und Liegestühle im Grün. Und die Freiluftbar „40 Pieds“ mit Erfrischungen, Snacks … kostenlosen Live-Konzerten zur Apéro am Freitagabend.

Voyage à Nantes. Quai des Plantes. Foto: Hilke Maunder

Die Sammlungen der Voyages à Nantes

Les Enseignes

Seit 2014 lädt die Voyage à Nantes örtliche Händler und Betriebe ein, ihre Ladenschilder von Künstlern neu gestalten zu lassen. Oder gleich die gesamte Ladenfront. Heraus kamen bereits 45 überraschende wie lustige Hingucker…

Bei einer Apotheke könnt ihr sogar eure Körpertemperatur messen. Einfach beide Augen auf die Mess-Linse an der Fassade legen – und prompt erscheint die Temperatur oben im grünen Kreuz-Schild der Pharmacie!

Wie heiß ist euch heute?Das Kunst-Pharmacie-Projekt verrät es euch! Foto: Hilke Maunder
Schick frisiert: die Tiere eines Schlachters im Quartier Bouffay. Foto: Hilke Maunder
Enseignes 2019: China lässt grüßen… Foto: Hilke Maunder
Auch das Guinness-Label hat ein Künstler neu interpretiert im Quartier Bouffay. Foto: Hilke Maunder

Les Chambres d’Artistes: die Künstlerzimmer

Seit 2017 gestaltetet jeweils ein Nantaiser Künstler für ein Hotel vor Ort ein Künstlerzimmer. Justin Weiler hat das Hôtel de France* das Zimmer 107  kühl gestreift.

Makiko Furuichi schuf im Hôtel Amiral einen „Dream Jungle“. Elsa Tomkowiak gestaltete im Mercure Nantes Centre Grand Hotel* ein poppig bunt kariertes Schlafgemach.

Einen der Lastkähne, die in den 1930er-Jahren Loire und Erdre befuhren, verwandelte Karina Bisch in „Amours“ – zu erleben auf der Péniche Le Dô*. Oder schlaft als Selbstversorger im kleinsten Stadthaus von Nantes, dem Micr’Home.

Das Künstlerzimmer des Hôtel de France in Nantes (Nr. 107). Foto: Hilke Maunder

L’Estuaire bei Voyage à Nantes

Im Rahmen des Kunstprojektes L’Estuaire setzt Tadashi Kamawata zwischen der Gare Nord und der Butte Sainte-Anne sieben temporare Vogelnester in Bäume, auf Masten und auf die Dächer.

Ebenfalls von dem 1953 geborenen Japaner, der in Tokio und Paris lebt, stammt der Belvédère de l’Hermitage, der 2019 eingeweiht wird. Der neue Aussichtspunkt ragt zehn Meter weit über die Klippe hinaus und eröffnet völlig neue Ausblicke auf Nantes und die Loire.

Das Nest von Tadashi Kawamata auf der Butte Sainte-Anne. Foto: Hilke Maunder

 

Die Küche der Voyage à Nantes

La Cantine du Voyage

Von April bis Oktober lädt die Cantine du Voyage auf der Île de Nantes zum Chillen und Schlemmen. Die Karte ist 100 Prozent lokal: Zum Hühnchen aus der Region gibt es Beilagen, die gleich nebenan im Potager de la Cantine gezogen wurden: frischer Salat und knackige Gemüse!

Eine mobile Konstruktion, die Gewächshäuser kreativ interpretiert, schützt euch vor Regen oder zu viel Sonne. Rund um die 300  Plätze des Bar-Restaurants bleibt genug Platz für andere Aktivitäten. Tischfußball und Pétanque locken!

Les Tables de Nantes

Vom 26. bis 29. September 2019 gastiert mit dem Nantes Food Forum ein internationales Treffen zu allen Fragen der Ernährung in Nantes. Die Workshops, Konferenzen und Get-Togethers ergänzt ein großer Markt. Entdeckt auf dem Marché des Pays de la Loire die besten Produzenten und Erzeuger der Region!

Der gleichnamige Online-Gastronomieführer stellt euch 167 Adressen zum Essen und Trinken – von einfach gut bis zur Sterneküche.
www.lestablesdenantes.fr

Das Urban-Gardening-Projekt der Île de Nantes. Foto: Hilke Maunder

Auskunft

www.levoyageanantes.fr

www.nantes-tourisme.com

Weiterlesen

Zur Einstimmung: Marco Polo Frankreichs Flüsse*

Seine, Loire, Rhône und Saône heißt das Quartett, das Flusskreuzfahrer träumen lässt. Die schönsten Erlebnisse und Zielorte habe ich – gemeinsam mit anderen Autoren – im Marco Polo Frankreichs Flüssevorgestellt. Natürlich kommen neben Aktiv- und Ausflugstipps auch die kulinarischen Hinweise nicht zur kurz.

How to cruise verrät euch, was ihr bei einer Kreuzfahrt alles beachten sollten. Dazu noch praktische Tipps und Karten: So seid ihr kompakt informiert. Oder lasst euch einfach inspirieren.

Wer mag, kann den Reiseführer hier* bestellen.

Das ganze Land: MARCO POLO Frankreich*

MARCO POLO Frankreich: praktisch und kompakt, bearbeitet von Hilke Maunder.Einfach aus dem Besten auswählen und Neues ausprobieren, ist das Motto der Marco Polo-Reiseführer. Den MARCO POLO Frankreichhabe ich gemeinsam mit Barbara Markert verfasst. Gleich zu Beginn geben wir unsere  Insider-Tipps für Frankreich preis: vom größten Flohmarkt Europas in Lille bis zur Schwimmen in der Piscine Olympique in Montpellier.

Das Kapitel „Im Trend“ verrät, was es Neues zu erleben gibt im Hexagon: vom Skijöring in den Skigebieten bis zum Übernachten im Baumhaushotel. Alle Hintergrundinformationen zu Frankreich und seinen Menschen findet ihr unter Fakten, Menschen & News. Es folgen: Tipps für Bars und Boutiquen, Erlebnissen für  Familien, Paare oder Alleinreisende.Wer mag, kann ihn hier direkt bestellen.

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Offenlegung

Bei meiner Recherche vor Ort unterstützte mich die Dachgesellschaft Le Voyage à Nantes mit Kost, Logis und unglaublich kenntnisreichen, hilfsbereiten und herzlichen Mitarbeitern. Ihnen allen sage ich „merci“ und ganz dicken Dank. Einfluss auf meine Blogberichte hat dies nicht. Ich berichte subjektiv, wie ich es erlebt habe, mache kein Merchandising und werde erst recht nicht für meine Posts bezahlt.

Voyage à Nantes: „enseignes“ – die Ente. Foto: Hilke Maunder
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