(M) eine Hommage an Marseille 5


Marseille erfindet sich neu. Mit Volldampf! Schick, schön, stylish – das will die lange verkannte Metropole am Mittelmeer spätestens 2020 sein. Vom hässlichen Entlein zum stolzen Schwan? Vielleicht. Auf jeden Fall ist der Melting Pot der Antike, den die Kulturen des Mittelmeerraums seit 2600 Jahren formen, im Eiltempo auf dem Weg ins nächste Jahrzehnt.

Diese Stadt für Entdecker und alle, die gerne Neues wagen, liebe ich seit meinem ersten Besuch. Nicht immer schön ist sie, aber immer spannend. Voller Vitalität und Dynamik. Um dann wieder mit stillen Winkeln, lauschigen Ecken, grünen Parks und dem in allen Farben changierenden Meer zu überraschen.

Doch noch bin ich nicht am Meer, noch stehe ich auf der Canebière, Marseilles Prachtstraße einst und heute. Gesäumt von Kaufhäusern, Hotels, Bistros und Belle-Époque-Palais strebt die städtische Hauptader zum Vieux-Port, dem alten Hafen mit seinen Ausflugsschiffen, Jachten, Kuttern. Lautstark preisen die Fischfrauen am Kai den Tagesfang an.

Gleich neben dem gigantischen Spiegeldach von Norman Foster, in dem sich spiegelt, was rundherum geschieht. Blank poliertes Alltagsleben …

Mit dem Pavillon gelang Foster im Rahmen der Hafenneugestaltung zum Kulturhauptstadtjahr 2013 der Schulterschluss von Stadt und Hafenkante. 2017 ist Marseille Sporthauptstadt Europas, 2024 werden die olympischen Segelwettbewerbe in seiner weiten Mittelmeerbucht ausgetragen. 

Überall  wurde und wird seit der Millenniumswende  in Marseille gebaut, geputzt, entstaubt, saniert. So lockt Le Panier, das älteste Viertel der Stadt, heute mit einem spannenden Mix aus mediterran-dörflichem Erbe und trendigem Zeitgeist.

Über schmale Treppen, steile Gassen und lauschige Plätze mit angesagten Lokalen gelange komme ich immer wieder zurück an ans Meer. Und genehmige mir am Kai einen kleinen Koffeinkick mit Blick auf die Fähren, die nach Korsika und Nordafrika ablegen. Jetzt bin ich fit für Marseilles Euroméditerranée, das städtebauliche Großprojekt mit fast drei Kilometer langer Hafenfront.

Die Musik spielt vor allem zwischen der Place de La Joliette und den einstigen Docks, heute die Mega-Shoppingmall Les Terrasses du Port. Mehr als all die Shops und Dependancen von ständigen wechselnden In-Labels liebe ich die 260 Meter (!) lange Terrasse mit Blick aufs Mittelmeer.

Die perfekte Kulisse, um bei einem Ricard, dem berühmten Pastis aus Marseille, den Abend zu planen. Etwas essen? Endlich wieder einmal die berühmte Fischsuppe genießen! Schließlich bin ich in Marseille. Und da kommt nicht nur im Miramar im alten Hafen allerbeste Bouillabaisse auf den Tisch. 

Keine Fischsuppe ist so geheimnisumwoben wie Marseilles Suppenklassiker. Was neben den fünf Edelfischen – Knurrhahn, Rotbarbe, Petersfisch, Dorade  und Wolfsbarch, einigen kleinen Felsenfischen, Fenchel, Safran und Pastis zum Suppenklassiker gehört? Das verrät euch weiter unten Christian Buffa – mit Rezept zum Nachkochen!

Bei „Chez Fonfon“ der unglaubliche Blick auf die malerische Mittelmeerbucht des Vallon des Auffes. Kein günstiger Spaß, aber hohe Kochkunst! Und ein wahrhaft opulentes Hauptgericht mit ganzen Fischen, Croûtons und „Rouille“, einer scharfen Knoblauchmayonnaise mit Peperoni und Chili, die zu den ältesten Saucen der Welt gehört.

Doch jetzt erst einmal: schnell aufs Schiff und hinaus aufs Meer, hin zum Inselreich vor der Küste. Von der Sonne verbrannt, von Wind und Wellen geformt: Das sind Pomègues, Ratounneau, Tiboulen und If, vier Inseln aus Kalk in der Bucht von Marseille.

Mehr als eine Handvoll Restaurants, den Jachthafen und eine Seebarschzucht gibt es hier nicht. Und das Château d’If. Einst von Franz I. zum Schutz des Hafens von Marseille errichtet. Berühmt wurde es aber erst durch den Roman „Der Graf von Monte Christo“, in dem Alexandre Dumas seinen Helden im Kerker schmachten ließ.

Morgen geht es noch weiter hinaus mit dem Boot, hinein in die Calanques. In den Minifjorden, die der Küste zwischen Marseille und Cassis vorgelagert sind, locken kalkweiße Felsen, azurblaues Wasser, helle Strände, steile Klippen, würziger Pinienduft und ein leichte Brise vom Meer. Frankreichs jüngsten Nationalpark ist ein Naturparadies. Marseille und das Meer – ein Mix, der glücklich macht. Und süchtig macht nach mehr Marseille. Stöbert einmal bei mir im Blog!

Marseille: meine Reisetipps

Am, aus und auf dem Meer

Drei Dinge, die zwingend zu einem Marseille-Besuch gehören

• Mediterrane Entdeckungen direkt am Meer: Was im Deutschen als ›Museum der Zivilisationen und des Mittelmeers‹ etwas schwerfällig daherkommt, heißt im Französischen kurz „MuCEM“ und  ist ordentlich spektakulär. Der transparente, von einer Betonmantilla überzogene Kubus auf der ehemaligen Hafenmole ist innerhalb kürzester Zeit zu einem Wahrzeichen Marseilles geworden. Seine Dauerausstellung „Galerie de la Méditerrané“  ist der kulturhistorischen Vielfalt des Mittelmeerraums gewidmet.

• Bouillabaisse essen: mais oui! Keine Fischsuppe ist so legendär und geheimnisumwoben wie die aus Marseille. Das ursprünglich einfache Reste-Essen der hiesigen Fischer gehört heute zu den kulinarischen Botschaftern der südfranzösischen Hafenstadt und hat sich längst zu einer opulenten Mahlzeit mit fünf Edelfischen aus dem Meer gemausert.

• Schnorcheln oder Tauchen im klaren Wasser der Calanques. Minitörns gibt es ab dem Alten Hafen. Bei der ›Calanque-Safari‹ mit Segelboot oder Katamaran gehört der Sprung ins Wasser mit dazu. Die Unterwasserwelt vor der Küste Marseilles ist ungeheuer beeindruckend.

Das Geheimnis der Bouilabaisse*

Zutaten

Die Fische und Meeresfrüchte

1 Knurrhahn und 1 Rotbarbe (jeweils geschuppt und ausgenommen, ca. 400 g), 1 Petersfisch,1 Dorade und 1 Wolfbarsch (je ca. 300 g), 200 g große Garnelen mit Schale sowie 300 g Miesmuscheln

Für den Fond

1 Zwiebel, 2 Knoblauchzehen, 1 Stange Porree, 3 Tomaten, 2 EL Olivenöl, 1 TL Fenchelsamen, 2 Lorbeerblätter, 800 ml Fischfond, Salz, Pfeffer (frisch gemahlen), 6 Safranfäden, ½ Zitrone und 2 EL Noilly Prat (Wermutwein)

Gemüse klein schneiden, anbraten, mit Fischfond und Wermut ablöschen, mit Fenchelsamen aufkochen. Safran, Fische und Garnelen zugeben, 10 Min. bei kleiner Flamme ziehen lassen.

Für die Rouille

1 kleine Knoblauchzehe, 1 Dose Safran (gemahlen; 0,2 g), 1 Eigelb, 1 EL Zitronensaft, Meersalz, Pfeffer (weiß; frisch gemahlen), 200 ml Olivenöl, 4 Scheiben Baguette und 3 Stiele glatte Petersilie

Knoblauch abziehen und hacken. Knoblauch, Safran, Eigelb, Zitronensaft, Salz und Pfeffer verrühren. Aufschlagen und langsam Olivenöl zugeben, bis eine Art Mayonnaise entstanden ist.

Die Baguettescheiben zum Servieren in die Bouillabaise legen und mit Petersilie bestreuen.

*Mit Dank an Christian Buffa vom Restaurant Le Miramar, von dem ich die Zubereitung einer echten Bouillabaisse gelernt habe. Im Rezept, das Christian mir gegeben hat, war Pastis nicht erwähnt – er hat aber fast eine halbe Flasche in den Fond entleert. Vielleicht war das das Geheimnis, das er nicht erwähnen wollte?

 Buchtipp

Der Bildband "Meeresrauschen" bietet Reise-Inspirationen für alle, die das Meer lieben, Hilke Maunder stellt darin ihr Marseille vor.„Mein Marseille“ findt ihr auch 272 Seiten dicken Band Meeresrauschen, der am 15. Oktober 2017 bei DuMont erschienen ist – meinen Blogbeitrag habe ich nur leicht modifiziert. Im Bildband kommen in 35 reich bebilderten Kurzepisoden bekannte Reiseschriftsteller/innen und Blogger/innen zu Wort und bieten in vier Kapiteln Reiseinspiration.

Ob sie sich nur eine kleine Auszeit am Meer nehmen oder das große Abenteuer wagen, eines haben sie alle gemeinsam: Es geht um Sehnsucht, es geht um das Meer, die beeindruckende Natur und die große Freiheit.

Meeresrauschen – Vom Glück, am Wasser zu sein
272 Seiten
DuMont Reiseverlag
Format 21,5×27,5cm
Preis: € 26,90 (D) / 28,90 (A) / 35,90 (CH)
ISBN: 978-3-7701-8221-3

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5 Gedanken zu “(M) eine Hommage an Marseille

  • Johannes Bambeck

    liebe Ilse Schmidt , ich lebe siet 20 Jahren hier und es ist natürlich richtig , dass es problemviertel – hauptsächlich im norden – gibt . damit hat aber fast jede grosstadt hier in frankreich zu kämpfen. deswegen ist marseille nicht gefählicher als andere.das hat sich sehr gebessert in den letzten jahren .
    noch ein nicht so touristischer tip für – meiner meinung nach – die beste bouillabaisse : la baie des singes ! gelegen am südlichen ende hinter dem pointe rouge . super !

  • Ilse Schmidt

    Ja, das ist das hippe, touristische Marseille.
    Wenn man wie wir jedes Jahr mehrere Monate in Südfrankreich lebt, liest man in jeder Tageszeitung ganz andere Dinge von Banden, die sich bekriegen, Drogengeschäften und nicht gelungener Integration, arbeitslosen Jugendlichen
    ohne Perspektive , die ihre Zukunft im schnellen Geschäft suchen. Diese Seite gehört zum realistischen Marseille, das man nicht verschweigen kann.

  • Christel Endlich

    Hallo Hilke, ich habe Marseille im September kennengelernt, und habe mich total verliebt in diese interessante vielfältige mediterrane Stadt mit ihren offenen freundichen Bewohnern!
    Deine Hommage ist wunderbar! Dein Buch werde ich mir besorgen.
    Und ich werde Marseille ein zweites Mal besuchen!