45 + 18: Das ist Welterbe in Frankreich!

Schloss Versailles, Südflügel, Gartenseite. Foto: Hilke Maunder
Schloss Versailles, Südflügel, Gartenseite. Foto: Hilke Maunder

45 Mal Welterbe bei Natur und Kultur, 18 Mal bei immateriellen Kulturgütern: Unglaublich, wie reich und vielfältig Frankreich ist! Weitere 39 Stätten (Stand 1.1.20) stehen auf der Tentativliste und warten noch auf eine Anerkennung.

Mit dabei sind u.a. die Basilika Saint-Denis als Grablege der französischen Könige, das Bergmassiv des Mont-Blanc, die Camargue, die Reede von Marseille sowie Nizza mit seiner Riviera.

Zudem möchte Carcassonne sein Welterbe um seinen sieben Wächterburgen erweitern – die Katharerfestungen von Quéribus, Aguilar, Montségur, Peyrepertuse, Puilaurens, Termes und Lastours.

Welche Welterbestätten habt ihr schon besucht? Oder wollt ihr vielleicht noch entdecken? Sehenswert sind sie allesamt – und besonders schön außerhalb der Ferienzeiten!

Dann herrscht dort meist recht viel Trubel. So wie bei den Journées du Patrimoine im September. Bei den Denkmaltagen könnt ihr kostenlos auch all jene Kulturstätten entdecken, die sonst vielleicht verschlossen sind.

Welterbe der Kultur

Abteikirche von Saint-Savin-sur-Gartempe (1983)

André Malraux nannte sie die „sixtinische Kapelle der Romanik“. Die Abteikirche von Saint-Savin birgt das größte Ensemble romanischer Wandmalereien – eine Bibel in Bildern aus dem 11. und 12. Jahrhundert. Ihr findet sie 50 km östlich von Poitiers.

Zisterzienserabtei von Fontenay (1981)

60 km nordwestlich von Dijon gründete der Heilige Bernard von Clairvaux im Jahr 1118 die Abtei von Fontenay. Sie gilt als Musterbeispiel der Zisterzienserbaukunst. Statt Zierrat und Schmuck findet ihr nur klare, schlichte Strukturen. Die Inbrunst des Glaubens, gebaut in Stein – nichts sollte von Gott ablenken. Ora et labora, lebe und arbeite, war die Maxime.

Arles, römische und romanische Monumente (1981)

Die antiken römischen Arenen (Les Arènes). Foto: Hilke Maunder

Gleich drei Mal ist Arles als Welterbe bei der UNESCO eingetragen. Als erstes als Freilichtmuseum der römischen Antike und Romanik,  als zweites als Startpunkt der Via Tolosa als französischem Jakobswege nach Santiago de Compostela. Und drittens mit dem einzigartigen Feuchtbiotop der Camargue. Mehr zu Arles, das zudem an der Radwanderroute ViaRhôna liegt, findet ihr hier im Blog.

Basilika und Hügel von Vézelay (1979)

Die Basilika von Vézelay gehört seit dem Mittelalter zu den wichtigsten Pilgerstätten, liegt sie doch an der Via Via Lemovicensis nach Santiago de Compostela. Vézelay gehört auch dem erlesenen Kreis der schönsten Dörfer Frankreichs an – das macht den Ort zu einer Hauptsehenswürdigkeit im Burgund.

Das Eerbe des Bassin Minier. Foto: 9-9bis-CAHC (Pressebild Hauts-de-France)

Bassin minier du Nord-Pas de Calais (2012)

Das alte Bergbaurevier Bassin Minier bewahrt das Erbe der Kohle – und belebt es durch Kultur. Auf dem Gelände der Grube Delloye, wo bis 1971 täglich tausend Kumpels 1000 Tonnen Steinkohle förderten, hat sich zum größten Bergbaumuseum Frankreichs ein Energie-Kulturzentrum gesellt, das den Dialog über vergangene, heutige und künftige Energien anregen will.

Die Zeche 11/19 von Loos-en-Gohelle hat sich mit der Fabrique Théâtrale zum Kulturzentrum für Kreative jeder Couleur gewandelt. Auf der Schachtanlage von Oignies musizieren Bands auf der „Métaphone“-Bühne.

In Rieulay begann bereits vor 20 Jahren die Renaturierung der ehemaligen Berghalde. Heute könnt ihr dort beim Spazierengehen, Angeln, Segeln, Reiten oder Radfahren der Natur wieder ganz nahe sein.

In Noeux-les-Mines entstand zeitgleich Frankreichs tiefstgelegende Skistation. Loisinord ist, im Winter ein Wedelparadies mit 320 m langer Piste von einer 74 m hohen Halde, im Sommer Treff der Wasserski-Fans, die über einen künstlichen See sausen.

Jenseits der Grande Place im flandrischen Barock erhebt sich sich der Belfried der Place des Héros. Foto: Hilke Maunder

Flämische Beffrois  (1999,2005)

23 flämischen Glockentürme eröffnen seit dem Mittelalter weite Aussichten auf Flandern – sechs Belfriede in Belgien und 17 in Frankreich.

Bordeaux, Port de la Lune (2007)

Ein Hafen als Halbmond: der Port de la Lune von Bordeaux. Foto: Hilke Maunder

Das historische Zentrum der Hafenstadt iaan der Garonne stellt auf 1800 ha ein außergewöhnliches städtebauliches und architektonisches Ensemble dar. Nach Paris birgt Bordeaux die meisten geschützten Gebäude. Der Stadtentwicklungsplan Bordeaux 2030 will sie – im engen Austausch mit der UESCO – besser in Szene setzen.

Canal du Midi (1996)

Der Canal du Midi nahe der Schleuse Écluse de Peyruque. Foto: Hilke Maunder

1667 wurde der Bau begonnen, 14 Jahre später das lang ersehnte Projekt eingeweiht: ein Kanal zwischen Sète und Toulouse, der über die Garonne Mittelmeer und Atlantik verbindet. Mehr zu Traumstrecke der Hausbootfahrer erfahrt ihr hier und hier.

Kathedrale von Amiens (1981)

Die Westfassade der Kathedrale von Amiens. Foto: Hilke Maunder

Sie ist mit 200.000 Kubikmeter doppelt so groß wie Notre-Dame de Paris, birgt das höchste Mittelschiff aller Kathedralen Frankreichs und hat die Bautechnik des Mittelalters revolutioniert: die Kathedrale von Amiens.

800 Jahre alt wird das Gotteshaus 2020 – und feiert es ein Jahr lang. Alle Infos zum Bau und zum Jubiläum findet ihr hier.

Cathédrale de Bourges (1992)

Meisterwerk der Hochgotik: die Kathedrale von Bourges im Berry. Foto: Hilke Maunder

Ohne Querschiff, als 125 langes Kirchenschiff an der Schwelle zur Hochgotik, so ruht sie in den erzbischöflichen Gärten der kleinen Stadt Bourges und beeindruckt mit ihrer fast fragilen Größe: die Kathedrale von Bourges, die auch im Innern licht, klar und feingliedrig wirkt. Mehr zum Städtchen findet ihr hier.

Kathedrale von Chartres (1979)

Größer ist keine Kathedrale in Frankreich: Mit einer Breite von 16,4 Metern ist das Hauptschiff das größte des Landes. 176 leuchtende Buntglasfenster in aus dem 12. und 13. Jahrhundert inszenieren einen göttlichen Lichterraum bei Sonnenschein – atemberaubend!

Welch atemberaubende und süße Pracht. Noch nie hat sich mir die Größe des menschlichen Genies so deutlich gezeigt. Mein eigener Geist wird beflügelt im Ansturm der Bewunderung – und ich rufe euch zu: Es gibt nichts, was schöner anzuschauen wäre, es gibt nichts, was sich mehr lohnt zu studieren als unsere französischen Kathedralen – und vor allen diese. Chartres, die herrlichste der Kathedralen.

Auguste Rodin

Cathédrale Notre-Dame, ancienne abbaye Saint-Rémi et palais du Tau, Reims (1991)

Gleich vier Bauten – die Kathedrale Notre-Dame, das Palais du Tau, die Basilika und das Abteimuseum Saint-Remi – gehören zum zum Unesco-Welterbe. Vom 12.-19. Jahrhundert wurden alle französischen Könige in der Kathedrale von Reims gekrönt. Während der Feierlichkeiten logierten sie im erzbischöflichen Palais du Thau.

Historisches Zentrum von Avignon : Papstpalast, päpstliche Bauten und Pont d’Avignon (1995)

Die Skyline der Papststadt von der Rhône aus. Foto: Hilke Maunder

Hinter der Stadtmauer von Avignon regierten ab 1309 sieben Päpste und zwei Gegenpäpste und machten Avignon für rund 100 Jahre zum Machtzentrum des Christentums.

6 Kommentare

  1. Liebe Hilke Maunder, wieder einmal wie so oft ein toller Bericht. Danke dafür und für viele andere Anregungen. Es ist immer wieder bewundernswert wie neue Themen und Informationen im Blog zu finden sind. Nochmals herzlichen Dank.
    Karl-Heinz

  2. Liebe Frau Maunder,
    ein super schöner Artikel zum franz. Weltkulturerbe, in dem viel Arbeit und wohl auch jede Menge Herzblut von Ihnen steckt. Vielen herzlichen Dank.

    Viele der vorgestellten Orte durfte ich in den vergangenen 35 Jahren schon persönlich erleben, von den anderen träume ich noch.

    Liebe Grüße aus Süddeutschland
    Elisabeth

    • Liebe Frau Kretschmar,
      herzlichen Dank – und ja, da steckt viel Herzblut drin. Wie im gesamten Blog. Er ist meine Leidenschaft nach Feierabend. Und lässt mich das Land viel intensiver und genauer erleben als zuvor. Über Lob oder Anregungen für neue Themen freue mich besonders… und wenn er Menschen wie Ihnen Freude bereitet und Frankreich ins Haus holt. Viele Grüße! Hilke

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