ENTDECKT
Pyrénées-Atlantiques

Die historische Provinz Béarn und das französische Baskenland (Pays Basque) bilden das Département Pyrénées-Atlantiques, das die Ordnungsnummer 64 trägt. Im äußersten Südwesten Frankreichs erstreckt es sich im Süden der Region Nouvelle-Aquitaine über rund 7.645 Quadratkilometer. Es ist ein Land der Extreme – eingeklemmt zwischen dem stürmischen Golf von Biskaya im Westen, dem Département Landes im Norden, den Hautes-Pyrénées Okzitaniens im Osten und der mächtigen Mauer der Pyrenäen im Süden, die gleichzeitig die Grenze zu Spanien markiert.

Das Erbe der Hirten: Welterbe im Hochgebirge

Namensgeber des Département Pyrénées-Atlantiques sind die westlichen Massive der Pyrenäen, deren Gipfel teilweise zum Parc National des Pyrénées gehören. Sie sind im Sommer ein herrliches Wanderland. Im Winter erobern Skiläufer und Schneeschuhwanderer die Hänge, auf denen im Sommer große Herden von Schafen, aber Rinder, Pferdeund Esel frei umherziehen.

Seit Jahrtausenden prägt die Transhumanz, die seit 2023 dals UNESCO-Welterbe anerkannt ist, hier Alltag und Leben, Kultur und Küche. Das, was die Senner des Sommers im Gebirge in einfachsten, cayolar genannten Hütten herstelten, gehört zum Köstlichsten, was ihr dort kösten könnt – vom quarkartigen Greuil ( auch Grioux, Groussin oder Graux ) über den cremigen Brebiou bis zum festen Ossau-Iraty ( AOP ), der zu den besten Käsesorten Frankreichs gehört.

Pau: die alte Hauptstadt

Die Hauptstadt des Départements Pyrénées-Atlantiques ist die frühere Hauptstadt des Béarn: Pau. Majestätisch thront die statistisch regenreichste Stadt des Hexagons auf einer Steilstufe über dem Gave de Pau. Ihr Prunkstück ist das Château de Pau, der Geburtsort von König Heinrich IV.

Elegante Boulevards und prächtige Herrenhäuser verleihen der Stadt ein anglophiles Flai – im 19. Jahrhundert war Pau ein beliebter Kurort der englischen Aristokratie. In einer Schluchte mitten in der Innenstadt hat sich das Quartier Hédas versteckt. Heute umfassend saniert, hat sich dieses alte Viertel von einem einst berüchtigten Winkel zur lebendigen Flanier- und Ausgehmeile gewandelt.

Glaubenspilder und Gipfelstürmer

Am Fuße der Pyrenäen starten die Jakobspilger von Saint-Jean-Pied-de-Port aus ihre beschwerliche Passage über die Pyrenäen auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela. Sportlich geht es auch in Laruns zu, das regelmäßig als Zielort der Tour de France dient, nachdem die Fahrer die mörderischen Pässe der Hochpyrenäen bezwungen haben.

Wer Erholung sucht, findet sie in den Badekurorten des Hinterlandes. In Salies-de-Béarn sprudelt das Salz aus der Tiefe und lässt euch in den Thermen schweben. Das Kurbad Cambo-les-Bains nicht nur für seine Thermen bekannt ist, sondern auch für das jährliche Fest des Gâteau Basque – ein mürber Kuchen mit Konditorcreme- oder Kirschfüllung, der hier Kultstatus genießt.

Die Küste, die Côte Basque, zeigt sich wilder und rauer als die sandigen Strände der Silberküste im Norden. In Biarritz trifft kaiserliche Eleganz auf die vibes der Surfkultur. Hier rollen die gewaltigen Wellen des Atlantiks gegen die Felsen, während sich Häfen wie jener von Saint-Jean-de-Luz mit massiven Mauern gegen die Urgewalt des Ozeans schützen.

Schärfe und Schafskäse

Die Küche spiegelt die Doppelidentität des Départements Pyrénées-Atlantiques wider. Unverzichtbar ist der Piment d’Espelette, jener milde rote Paprika, der in der Sonne getrocknet wird und fast jedes baskische Gericht verfeinert. Dazu gesellen sich der würzige Jambon de Bayonne und die dunklen Kirschen aus Itxassou. Im Béarn hingegen schwört man auf die Garbure, einen deftigen Eintopf mit Kohl und Entenfleisch, der an kalten Abenden in den Bergen Geist und Körper wärmt.

Meine Artikel aus dem Département Pyrénées-Atlantiques